Dr. House: Transkript der Folge "Autopsie" [#2.02]

Transkript der Folge "Autopsie" [#2.02]

Deutsches Transkript erstellt von MG(Abschrift erstellt von Hurly)

 

 

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
 

 

 

Originaltitel: Autopsy
Ausstrahlung:
Deutscher Titel: Autopsie
Ausstrahlung:
Buch: Lawrence Kaplow
Regie: Deran Sarafian

Darsteller

Hugh Laurie ... Dr. Gregory House
Lisa Edelstein ... Dr. Lisa Cuddy
Omar Epps ... Dr. Eric Foreman
Robert Sean Leonard ... Dr. James Wilson
Jennifer Morrison ... Dr. Allison Cameron
Jesse Spencer ... Dr. Robert Chase

 

Gastdarsteller

 

 

Sasha Pieterse ... Andie
Jewel Christian ... Pam (Andies Mutter)
Randall Park ... Brad
Stephanie Venditto ... Krankenschwester Brenda

 

 

Inhaltsangabe

 


VORSPANN

Ein junges, fröhliches Mädchen (Andie) steht in einem Badezimmer vor dem Spiegel. Sie stellt ihren Kassettenrecorder an. Der Song "Beautiful" von Christina Aguilera ist zu hören. Andie singt mit, setzt sich eine Perücke auf und schüttet etliche Tabletten in einen Becher. Ihre Mutter (Pam) schaut zur Tür herein.

Pam: Zehn-Minuten-Warnung.

Andie: Komme gleich.

Pam: Vergiss nicht deine Medic.

Andie: Klar, Mom.

Pam geht wieder. Andie spritzt sich ein Medikament in die Bauchdecke. Plötzlich vibriert das ganze Badezimmer wie bei einem Erdbeben. Die Spritze fällt ihr aus der Hand, die Tabletten fallen zu Boden, Kacheln springen von der Wand, der Boden und die Wände bewegen sich, das Wasserrohr unter dem Waschbecken bricht. Andie berührt den Spiegel, der zersplittert. Sie hat Blut an der Hand. In der nächsten Einstellung ist alles wieder normal, nur der Spiegel und ihre Hand nicht. Die Mutter kommt herein.

Pam: Was ist? Na komm'…

ERÖFFNUNGSSEQUENZ/CREDITS

Man sieht eine Fahrstuhltür der Klinik und hört ein lautes Niesen. Die Tür öffnet sich und House erscheint. Offensichtlich ist er stark erkältet. Wilson hält ihn auf.

Wilson: House? Ich brauch' dich.

House: [schnäuzt sich] Vergiss es, ich geh' nachhause.

Wilson: Heuschnupfen?

House: Bist du etwa Arzt oder so was?

Wilson: Nur zwei Minuten.

House: Nein, die lila Markierung auf der Akte bedeutet, der Patient, äh, ist einer von deinen. Also hat er Krebs und das dauert mehr als zwei Minuten.

Wilson: Schön, das war gelogen. Also, dreißig Minuten.

House: [verzieht das Gesicht in Erwartung niesen zu müssen, aber nichts passiert] Mysterium des Lebens.

Wilson: Benadryl sollte helfen.

House: Habe schon tausend Milligramm intus. [niest]

Wilson: Dampfbad?

House: Hm, was, Jimmy? Lass uns morgen darüber reden.

Wilson: Es geht um eine Neunjährige mit Krebs. Alveoläres Rhabdomyosarkom. Die Kleine toppt deine verstopfte Nase.

House: Noch nicht.

Wilson: Sie halluziniert.

House: Das Rhabdo sitzt also an ihrem Hirn. Mach' es ihr bequem. Sie hat vielleicht noch 'ne Woche.

Wilson: Ja, nur da ist kein Krebs in ihrem Gehirn. Makelloses CT, Bluttests und Proteinmarker. Alles negativ.

House: Der Krebs ist in Remission. Das bedeutet also kein kausaler Zusammenhang.

Wilson: Faszinierend, hä? Ähm, nicht, dass es von Bedeutung wäre, aber würde man die Störung in ihrem Kopf sanier'n, hätte sie vielleicht noch 'n Jahr. 'Ne lange Zeit für 'ne Neunjährige.

House: Nein, sie rast nur so vorbei.

Schnitt zum Besprechungsraum.

Cameron: Fünf große Operationen, eine Knochenmarktransplantation, vierzehn Chemoserien und Hochdosisbestrahlungen.

Chase: Wenn ich sie wäre, würde ich nur noch zuhause bleiben, fernsehen, aber mich auf keinen Fall unters Messer legen. [man hört wieder ein lautes Niesen; House betritt den Raum]

House: Keine Sorge, wenn Ihnen was passiert, wird keiner einen Finger rühr'n. Differenzialdiagnose. Auf die Plätze, fertig…

Foreman: Ursache der Halluzination waren…

House: Wow, wow… wir warten auf… [macht eine ausladende Handbewegung] Und los!

Foreman: Vielleicht 'ne Neurotoxizität durch die Chemobehandlung.

Cameron: Nun, die letzte Chemo liegt zwei Monate zurück. Das hätten wir schon festgestellt. [reicht House einen Becher Tee, den er misstrauisch annimmt]

Chase: 'Ne genetische Komponente?

Foreman: Nein, nicht bei Mami. Und Daddy hat sich abgeseilt, als sie schwanger war. Seine Krankengeschichte ist auch unauffällig.

House: [betrachtet ein Röntgenbild] Toller Kerl.

Chase: Wie wär's mit Graft-versus-Host-Reaktion infolge der Knochenmarktransplantation? Die Infektion wandert ins Gehirn und sie hat Halluzinationen.

Foreman: Blutwerte und LP waren gut.

House: Aber wo eine Infektion ist, ist auch eine meningiale Verdickung.

Foreman: Das CT zeigt keine meningiale Beteiligung.

House: Stimmt. Machen Sie ein Tox-screen und ein MRT.

Foreman: Können wir gern, wenn Sie ignorier'n wollen, was wir gerade diskutiert haben.

House: Hört sich gut an.

Cameron: Toxische Exposition ergibt doch keinen Sinn.

House: Dann ist da anscheinend noch eine dritte Option. Sie spielt uns was vor, weil sie wegen des zerschlagenen Spiegels keinen Ärger kriegen will. Leider können wir das nicht prüfen, also, äh, Tox-screen, MRT [wendet sich an Cameron] und Sie bleiben weg von der Patientin.

Cameron: Wieso denn das?

House: Oh, äh, Sie werden nur emotional und gefühlsduselig am Bett jeder Sterbenden und involvieren sich wahrscheinlich in den… in den Sorgerechtskampf. Chase, Sie geh'n zur Mami. Sagen Sie ihr, dass Sie an ihrer Stelle zuhause rumsitzen und fernsehen würden und wir pro forma versuchen, ihrer Tochter das Leben zu retten. Ärztliche Pflicht und so. [nippt an der Tasse und verzieht das Gesicht] Was zum Teufel ist das denn?

Cameron: Schwarze Wallnuss und Ingwer.

House: [nicht sehr überzeugend] Lecker.

Schnitt zum MRT Raum. Chase ist bei Andie.

Chase: So, jetzt legst du dich hin und ich schließ' dieses Dingsbums an.

Andie: Das Pulsoxy.

Chase: Oh, 'n Profi. Dann muss ich ja nix mehr erklär'n. Alle Achtung. [sieht eine Zugangskanüle bei Andie]

Andie: Der zentrale Zugang für die Chemo.

Chase: Ja. Das tut doch nicht weh, oder?

Andie: Nein, ist super. Ist besser als 'n IV. Das erspart Zeit und 'ne Menge Nadelstiche.

Chase: Oh, ich hab' noch nie jemand sagen hören, dass ihm sein zentraler Zugang gefällt. Okay, hast du vielleicht Lust auf 'n Spaziergang im Park? [er schnippt mit den Fingern und auf eine Wand des Raumes wird ein Parkmotiv projiziert]

Andie: Hm, nein danke.

Chase: Okay. [schnippt erneut; auf der Wand sind viele, weiße Schmetterlinge zu sehen]

Andie: Und auf Schmetterlinge steh' ich zurzeit auch nicht. Es ist mir egal, wie die Wand aussieht. Sie suchen den Krebs, oder nicht?

Chase: Heute nicht. Wir suchen nach 'ner Infektion. Doch ich versteh' dich. Liegst du bequem?

Andie: Ja.

Chase: Gut, dann bringen wir es hinter uns. [drückt auf einen Knopf; Andie wird in die Röhre gefahren]

Andie: [lächelt] Ein Profi. Alle Achtung.

Schnitt zur Kliniklobby. House geht auf die Rezeption zu.

House: Wow, ist schon ganz schön spät. Ich hätt' schon vor zwanzig Minuten weg sein sollen.

Brenda: Ja, aber Sie sind erst zwanzig Minuten hier.

House: [greift nach einem Taschentuch und stöhnt] Sie sind aber sehr penibel.

Brenda: Da ist 'n Patient in der Eins.

House: [schnäuzt sich] Ich bin heute krank.

Cuddy: [kommt hinzu] Nehmen Sie Nasivin.

House: Spielt hier eigentlich jeder Doktor?

Brenda: Der Patient in der Eins bat um einen männlichen Arzt.

Cuddy: Bälle sind Ihr Revier, Kollege.

House: Gewerkschaftsvorschrift. Kurz vor Mittag darf ich mir eine eitrige Gonorrhö nicht ansehen, Kollegin.

Cuddy: [gibt ihm die Akte] Untersuchungsraum Eins. [sie geht]

House: [ruft ihr hinterher] Das ist sexistisch und schafft eine sehr gefährliche Präzedenz. Wenn jeder seinen Arzt nach Geschlecht wählen würde, wärt ihr Mädels bald arbeitslos.

Cuddy: [dreht sich noch einmal zu ihm] Untersuchungsraum Eins.

Schnitt zu House, der nun den Untersuchungsraum betritt. Ein junger Mann (Brad) steht vor ihm.

House: Halsschmerzen? [der Mann hatte seinen Schritt mit einem Buch bedeckt und nimmt es beiseite; ein blutiger Fleck ist zu sehen] Jedenfalls kein Lupus. Na ja, 'ne Reißverschluss OP hat nicht jeder drauf. Das rauf und runter. Was kommt noch?

Brad: Ähm, m… meine Freundin war noch nie mit einem Mann zusammen, der nicht b… beschnitten war. Sie, sie bekam angst und…

House: Aha, und Sie wollten es Esther schön gemütlich machen, schon klar. Ist 'ne Schande. [zieht die Jalousie zu; der Patient lässt die Hosen runter; House dreht sich wieder um und erschrickt] Hah!

Brad: Ich nahm ein Teppichmesser und h… hab'…

House: So, wie Abraham es getan hat. [sieht genauer hin]

Brad: Ich hab' es sterilisiert. Ich hatte gehört, dass man das…

House: Nichts mehr sagen. Ähm, ich verständige einen plastischen Chirurgen. Packen Sie Ihren Kuckuck wieder ein.

Brad: Hmh. [House geht]

Kamerafahrt über das Klinikgelände.

Schnitt zu House, der zum Klinikausgang geht.

Foreman: House? Hey, House! [House bleibt stehen] Andies MRT und Toxtest waren ohne Befund. Keine Infektion, keine Neurotoxine.

House: [dreht sich zum Team um und drückt Cameron Tasche, Stock und Taschentuchbox in die Arme; liest die Akte] Die O2-Sättigung ist vierundneunzig Prozent? Checken Sie ihr Herz.

Foreman: Ihre O2-Sättigung ist normal.

House: Sie liegt ein Prozentpunkt unter normal.

Foreman: Das liegt in der Norm und ist normal.

House: Wenn ihre DNS einen Prozentpunkt unter der Norm liegen würde, wäre sie 'n Delphin. Wir haben eine Patientin, die ohne ersichtlichen Grund halluziniert. Da der Grund nicht ersichtlich ist, dachte ich, wir graben etwas tiefer.

Cameron: Wenn ihr Sättigungswert zu niedrig ist, heißt das, ihr Blut kriegt nicht genügend Sauerstoff. Das Problem liegt also in der Lunge.

Foreman: Und ein Lungenproblem induziert keine Halluzination.

Chase: Aber die Lunge könnte zeigen, WAS sie induziert.

House: Willkommen am Ende des Denkprozesses.

Chase: Primäre pulmonale Hypertonie.

Cameron: Wie wär' 'ne PE oder 'ne pulmonale Fibrose?

Foreman: Vielleicht ist es ein bizarrer Fall von Kyphoskoliose. [Chase lacht]

House: [nimmt sich seine Sachen wieder] Ich verschwinde jetzt und während ich mich ausruhe, werden Sie die arteriellen Blutgase bestimmen, sobald Sie festgestellt haben, dass sie hypoxisch ist. Ich brauche ein Plethysmogramm plus Thorax-Röntgen, CT und VQ. Sind diese Befunde auch negativ, werden Sie ihr ein Katheder in die Lunge legen. Und wenn, äh, ich nicht verschlafe, bring' ich Bagels mit. [das Team geht, House ebenfalls]

Schnitt zu Andie und Chase. Er macht nun den Lungenkatheder.

Chase: Wurde dieser Test schon mal gemacht?

Andie: [schüttelt den Kopf] Wofür ist der?

Chase: Das, äh, Ding hier schieb' ich jetzt durch die Aorta von deiner Hüfte bis in die Lunge. Wenn es da oben etwas findet, das irgendwas blockiert, zieh' ich's wieder raus. Ganz einfach.

Andie: Das wird leicht geh'n. Der Arzt im Sloan hat gesagt, ich hätte 'ne tolle Aorta.

Chase: Oh, dann wurde dieser Test schon mal gemacht.

Andie: Sorry, ich höre Ihnen hin und wieder nicht zu. [Chase schmunzelt] Ich hab' noch nie 'n Jungen geküsst.

Chase: Dafür ist noch viel Zeit.

Andie: Da war so'n Junge im letzten Sommer. Ich war in einem von diesen Krebskindercamps.

Chase: Aha.

Andie: Ich hätte ihn gern angesprochen, aber ich hab' mich nicht getraut. Hm, es kann gut sein, dass ich nie wieder aus diesem Krankenhaus rauskomme. Selbst wenn, ich bin erst neun. Da ist nicht viel mit küssen in der dritten Klasse.

Chase: Du kommst mit Sicherheit hier raus, klar? Und du wirst einen Jungen küssen. [Andie lächelt] Na also, ein Lächeln.

Andie: Würden Sie mich küssen?

Chase: [überrascht] Nein.

Andie: Es erfährt auch keiner.

Chase: Äh, äh, es… ähm, tut mir leid. Das kann ich nicht.

Andie: Ich werd's auch keinem sagen.

Chase: Hör zu, du bist neun Jahre alt und ich bin dreißig.

Andie: Ich hätt' gern gewusst, wie sich das anfühlt. Nur kurz.

Chase: Das hier ist nicht deine letzte Chance dafür.

Andie: Und wenn aber doch? Bitte küssen Sie mich.

Chase überlegt einen Moment, beugt sich über sie und küsst sie auf den Mund. Peinlich berührt, fährt er mit der Untersuchung fort.

Schnitt zum Besprechungsraum.

House: [wirft eine Tüte auf den Tisch] Bagels.

Foreman: Sie haben nicht verschlafen.

House: Ich habe nicht geschlafen, keine Luft gekriegt. Ich werde sterben.

Chase: [mit monotoner Stimme] Das Pulmonalisangiogramm von Andies Lunge war okay. Die arteriellen Blutgase und das CT waren normal. Herz und Lunge sind unauffällig.

House: [sieht ihn irritiert an] Das liefert uns keine Erklärung für den verminderten Sättigungswert.

Foreman: [ironisch] Ja, eigenartigerweise ist normal manchmal normal.

House: Doch hin und wieder erkennen wir nicht, wieso normal NICHT normal ist. [zu Cameron] Schreiben Sie die Symptome an die Tafel.

Cameron: [spöttisch] Ooh, ich darf die Marker anfassen. [steht auf und schreibt]

House: Es steht ausdrücklich in meiner Patientendirektive. Im Falle einer schweren Erkrankung, übernehmen Sie die Tafel und dann Foreman. Chase, Sie brauchen noch etwas Zeit. [steht auf] Was noch?

Foreman: Also, einen Infekt haben wir so gut wie ausgeschlossen, aber wenn wir den Laborbefund mal für einen Moment vergessen, gibt es eine Infektion, auf die wir wegen ihres Alters nicht getestet haben. Neurosyphilis.

Chase: Ausgeschlossen.

Foreman: Wenn die Infektion auf die Hirnrinde übergegriffen hat, könnten alle peripheren Funktionen beeinträchtigt sein.

Chase: Nein, sie hatte nie Sex. Sie ist erst neun.

Foreman: Vielleicht wollte sie keinen. Sie hatte jede Menge Erwachsenenkontakte, das Klinikpersonal, die Betreuer in den Krebscamps.

Cameron: Du denkst, sie wurde sexuell belästigt?

Chase: Wenn das stimmt, verheimlicht sie es ziemlich geschickt.

House: Ja, alle sexuell belästigten Mädchen wollen darüber reden. Bringen Sie mir das Vergewaltigungsset.

Chase: Sie hatte keinen Sex!

House: Was macht Sie da so sicher?

Chase: Äh, sie hat mir gesagt, sie hat noch nie einen Jungen geküsst.

House: Haben Sie auch ihr Tagebuch gelesen?

Chase: Sie, sie wollte, dass… ich sie küsse.

House: Beweisführung abgeschlossen. Eine normale Neunjährige hat keinen Sex im Kopf. Nicht, wenn ein Doktor ihr einen Katheder durch die Vene fädelt.

Chase: Sie ist keine normale Neunjährige. Sie hat Krebs im Endstadium.

House: Krebs macht dich nicht zu jemand besonderen. Aber sexuelle Gewalt könnte…

Chase: Sie wollte nichts weiter als einen Kuss, bevor sie stirbt. Wenn sie nie einen Jungen geküsst hat, können wir annehmen, dass sie auch niemals Sex hatte.

House: Hm, sagen Sie das all den Nutten, die mich nie auf den Mund küssen wollten. [Cameron verzieht das Gesicht] Hey, da hätt' ich 'ne Theorie. Sie wurde missbraucht und suchte Zuflucht in romantischen Fantasien über alte Männer mit coolen Frisuren. [zu Chase] Und ich glaube, Sie haben die Pointe ausgelassen. Missbrauchsopfer lernen, den Falschen zu spielen. Sie manipulier'n andere. [grinst] Sie haben es getan. Sie haben sie geküsst.

Chase: Ähm, äh, es war nichts sexuelles. [Cameron guckt schockiert] Es war nur ein Kuss für ein todkrankes Kind. [Foreman schlägt die Hände über den Kopf zusammen; House schüttelt den Kopf] Ein klein… ein kleiner Kuss, bevor sie stirbt. [beleidigt] Danke. Danke.

House: Und genau deshalb dürfen SIE meine Marker nicht anfassen. [zu Cameron] Gehen Sie prüfen, ob sie Sex hatte.

Cameron: [immer noch schockiert] Okay.

Schnitt zu einem Behandlungsraum. Cameron führt nun die gynäkologische Untersuchung durch.

Andie: Keiner hat mich je angefasst.

Cameron: Wir wollen nur sicher gehen.

Andie: Ich steh' auf Ihre Haare. Ich selbst hatte mal lockiges Haar, aber ich wollte immer, dass es so aussieht wie Ihres.

Cameron: [lächelt] Danke. Okay, das war's. Alles ist gut.

Schnitt zu House in seinem Büro. Er geht raus auf die Terrasse. Nebenan liegt Wilsons Büro. Er unterhält sich gerade mit einer Patientin. Um auf sich aufmerksam zu machen, wirft House mit Steinchen an Wilsons Terrassentür. Der bemerkt ihn und kommt zur Tür.

Wilson: Patientengespräch.

House: Ist sie todkrank?

Wilson: Nein.

House: Dann kann sie warten.

Wilson: [zur Patientin] Entschuldigen Sie mich bitte zwei Minuten.

House: Wär' sie missbraucht worden, hätten wir schon mal 'n Anhaltspunkt. [versucht, den Deckel einer Mentholsalbendose aufzudrehen] Kein gewaltsames Eindringen.

Wilson: EINE Halluzination. Vielleicht war es verdorbenes Fleisch. Vielleicht ist da sonst nichts, was…

House: Sie ist ernsthaft krank. Die Sättigung ist um noch einen Prozentpunkt [ächzt] gesunken.

Wilson: Könnte einen Tumor in der Lunge bedeuten.

House: Das wäre eine Erklärung für die Halluzination. Laut CT Befund sind beide Lungenflügel in Ordnung. Das bedeutet ein Tumor im Herzen.

Wilson: Keine Chance. [nimmt ihm die Dose weg] Gib das her! [öffnet mit einem Dreh den Deckel]

House: [pikiert] Ich hatte ihn schon gelockert.

Wilson: Ich hab' ihn geöffnet. [House schmiert sich Salbe unter die Nase und schnieft] Wir haben ein MRT und ein Echokardiogramm. Da ist nichts zu sehen.

House: Gib mir 'ne andere Erklärung für zu niedrige Sauerstoffsättigung.

Wilson: Das kann ich nicht. Es gibt nur eine Störung, bei der gleichzeitig Herz und Hirn betroffen sind, aber sie…

House: Super, na lass mal hör'n.

Wilson: … Tuberöse Sklerose bei einer Neunjährigen, die auch ein alveoläres Rhabdomyosarkom hat? Zwei gleichzeitig auftretende, nicht zusammenhängende Krebserkrankungen sind statistisch unmöglich.

House: Wie hoch ist die Krebsrate in der Bevölkerung? Pro zehntausend ein Fall?

Wilson: Fang… fang jetzt nicht mit Zahlen an.

House: Wie ich die Sache sehe, sollte einer von den Zehntausend noch 'n anderen Krebs haben. Das kleine Mädchen hat zwei Sechser im Lotto. Soll passier'n.

Wilson: Du willst sie also aufschneiden?

House: Operative Exploration. Ich muss das Ding finden.

Wilson: Du suchst also auf gut Glück im Inneren einer immungeschwächten Neunjährigen? Du kannst sie auf dem Tisch verlier'n.

House: Es ist irgendwo in der Nähe des Herzens.

Wilson: House! Lass dir bitte was besseres einfallen. [geht wieder in sein Büro; House denkt nach]

Schnitt zu einem Umkleideraum. House sitzt auf einer Bank und hört über seinen iPod und zwei Lautsprechern "Nessun Dorma" aus Giacomo Puccinis Oper "Turandot". Das Team kommt herein.

Foreman: Was soll'n wir hier?

House: [stellt die Musik ab] Bessere Akustik. Hör'n Sie sich das mal an. [man hört einen Herzschlag]

Chase: Ein Mitralklappengeräusch?

House: Nein. Pulen Sie sich den Schmalz aus den Ohren. Das ist die Aortenklappe der Patientin. Das Geräusch hab' ich vom Echokardiogramm runtergeladen.

Foreman: Was soll'n wir da hör'n?

House: Einen Tumor.

Chase: Sie sind aber meistens still, da Tumore, so weit ich weiß, keinen Mund haben.

House: Wir können aber eine Anomalie hör'n im Geräusch der Klappe, die uns vielleicht irgendetwas anzeigt. Den Tumor zum Beispiel. Wenn wir dem Chirurgen sagen können, wo er suchen soll, ist das keine operative Exploration, sondern ein Präzisionsschlag.

Foreman: Die Aortenklappe hört sich normal an.

House: So'n Pech. Und jetzt lauschen Sie dem lieblichen Klang von Andies Trikuspidalklappe. [das Geräusch wird tiefer]

Cameron: Normal.

House: Und das ist ihre Mitralklappe. [wieder höher und schneller]

Chase: Äh, ich höre da nichts auffälliges.

House: Oh man, Leute. Ihr macht mich traurig. Hört doch hin.

Chase: Sie hatte nur eine Halluzination. Warum operieren wir sie? Wozu ihr Leben aufs Spiel setzen?

House: Weil Wilson sagt, es wäre nett, ihr noch ein Jahr zu schenken. Dann könnte sie sich von ihrer Mutter verabschieden. Ich mein, vielleicht stottert sie ja oder irgend so

was. So, Klappe jetzt und zuhör'n. Trikuspidal… Mitral. [keiner sagt etwas] Ähm, noch mal…

Cameron: Stopp. Da… da ist 'n extra Klappenton.

House: Ich werd' dem Chirurgen sagen, er soll sich erst mal die Mitralklappe anseh'n. Chase, ich will, dass Sie dabei sind. Ich les' nicht gern OP Berichte. Die sind so langweilig.

Chase: Finden Sie es gut, wenn ich noch mehr Zeit in ihrer Nähe verbringe?

House: Sie wird bewusstlos sein. Ist gefahrlos. [das Team geht; House hört sich wieder die Oper an]

Kamerafahrt über das Klinikgelände.

Schnitt zu Andie, die zum OP Saal gebracht wird. Ihre Mutter ist bei ihr.

Pam: Ich werd' da sein, wenn du aufwachst.

Andie: Keine Bange, ist halb so schlimm.

House und Wilson stehen dabei, als Andie an ihnen vorbei geschoben wird. Sie gehen ein Stück.

Wilson: Tapferes Kind. Sie muntert sogar ihre Mom auf.

House: [schnäuzt sich] Tapfer und reif. Ein echtes Wunder.

Wilson: Wo liegt dein Problem?

House: Diese Krebskinder darf man auf kein Podest stellen. Wenn man den statistischen Grundlagen glauben darf, sind einige davon kleine Scheißer.

Wilson: Du bist unglaublich.

House: Wenn kein einziger Drückeberger dabei ist, dann, äh, verliert Mut an Bedeutung.

Wilson: Andie meistert eine fatale Situation sehr gelassen. Das findest du nicht bewundernswert?

House: Du siehst das so, weil du's so sehen willst.

Wilson: Und du siehst das nicht so, weil du Distanz zu ihr haben willst.

House: Dieses Idealisieren ist pathologisch bei euch Leuten. Ihr seht da zu vergötterndes, wo gar nichts ist.

Wilson: Ja, wir sind alle böse.

House: Du findest zu vergötterndes da, wo du nichts zu suchen hast. Ich sage nur, Debbie in der Buchhaltung.

Wilson: Ähm, sie ist sehr nett.

House: Das solltest du nicht wissen. Du bist verheiratet.

Wilson: Und die Kleine, die an Krebs sterben wird, sollte ich auch nicht nett finden?

House: Wenn du in die Kiste springst, lieben dich auch alle.

Wilson: Du gehst am Stock. Dich mag gar keiner.

House: Ich bin nicht unheilbar krank. Ich bin nur jämmerlich. [hebt seinen Stock] Du würdest gar nicht glauben, was die Leute mir alles durchgehen lassen. [er geht]

Schnitt zu Andies OP. Wilson sieht zu, Chase ist bei ihr. Die Mutter wartet besorgt. Als Chase seinen Kopf schüttelt, weiß Wilson Bescheid und geht zu ihr.

Wilson: Sie haben einen Tumor gefunden. Er sitzt in ihrer Lunge und dehnt sich zum Herz aus. Auf dem MRT war er nicht zu sehen, weil er an der Herzwand wächst. Aufgrund der Lage, muss der Chirurg vorübergehend Andies Herz entnehmen. Man nennt das eine Explantation. [man sieht den Vorgang in einer Überblendung] Der Tumor wird herausgeschnitten, geschädigtes Herzmuskelgewebe durch sogenannte bovine Patches ersetzt. Das sind eine Art Flicken, die aus Rinderperikard gefertigt werden und eine Ummantelung bilden.

Pam: Wie stehen ihre Chancen?

Wilson: Das Problem ist, möglicherweise ist nicht mehr genug vom Herzen übrig nach der vollständigen Entfernung des Tumors. Doch wenn der Tumor schon Metastasen gebildet hat, dann können wir nichts mehr tun. [Pam weint und setzt sich]

Schnitt zu Chase im OP Saal. Er benetzt Andies Augen mit Augentropfen und bemerkt eine Blutung in ihrem rechten Auge.

Chase: Dr. Murphy.

Murphy: Lassen Sie mich das hier kurz abklammern.

Chase: Doktor.

Murphy: Was?

Chase: Sie hat eine Blutung im Auge. [zeigt sie ihm]

Schnitt zu House und Wilson, die einen Flur entlang gehen.

House: Der Tumor ist entfernt, das Herz repariert, aber sie hat 'ne Blutung im Auge.

Wilson: Ein Herztumor verursacht aber keine Blutung im Auge.

House: Richtig. Die Geschwulst ist gutartig gewesen.

Wilson: Das ist unmöglich.

House: Statistisch gesehen…

Wilson: Ach, halt die Klappe. Wenn der Tumor gutartig ist, dann bedeutet es, er war nicht Ursache der Halluzination.

House: Deshalb erwäh'n ich es ja.

Wilson: Also gibt es noch eine andere Ursache.

House: Oh man, jetzt konstatierst du schon das Offensichtliche.

Wilson: Nein, du hast gesagt, da wäre was und es war da. Das konnte kein Zufall sein. [sie betreten den Besprechungsraum]

House: Bei einer unheilbaren Krebspatientin wächst zusätzlich ein gutartiger, nicht verwandter Tumor am Herzen. Wieso?

Cameron: Der Tumor ist gutartig? Das glaub' ich nicht.

House: Sagen Sie das Wilson.

Wilson: Und die Retinablutung, noch ein Zufall?

Chase: Ein Gerinnsel hat vielleicht Druck hinterm Auge verursacht und die Blutung ausgelöst.

Wilson: Ein Gerinnsel könnte die Augenblutung erklär'n, aber nicht die Halluzination.

Foreman: Sie könnte kleine Anfälle auslösen.

Wilson: Ja schon, aber keine Halluzination.

Foreman: Postiktale Psychose. Die Hirnfunktion korrigiert sich nach dem Anfall durch halluzinieren.

Wilson: Der Thrombus erklärt die Augensache und die Halluzination, aber was ist mit dem Tumor? Tumore so groß wie ein Octopus am Herzen einer Neunjährigen sind keine Zufälle.

Cameron: Sie ist nicht gesund und ist es auch nie gewesen.

Wilson: Wie lautet hier die Theorie? Der Organismus der Kleinen ist Schrott wegen Konstruktionsfehlern? Alles geht irgendwann kaputt.

House: Der Tumor ist Afghanistan, das Gerinnsel ist, hm, Buffalo. Muss ich das näher erläutern? [alle warten gespannt] Okay. Der Tumor ist al-Qaida, das Terrornetzwerk, der böse Drahtzieher, der eingedrungen ist und einiges verwüstet hat. Aber er hatte schon 'ne Splitterzelle losgeschickt, die still und leise in Buffalo lebte und darauf wartete, uns alle zu kill'n.

Foreman: Augenblick. Wollen Sie damit sagen, der Tumor hat ein Gerinnsel gebildet, bevor wir ihn entfernt haben?

House: Das war eine exzellente Metapher. Machen Sie ein Angio des Gehirns, bevor sich das Gerinnsel einen Bombengürtel umgebunden hat. [das Team geht]

Schnitt zur Untersuchung. Cameron nimmt den Eingriff vor. Foreman sieht dabei zu. Andie scheint noch ohne Bewusstsein.

Kamerafahrt über das Klinikgelände.

Schnitt zu House und Wilson. Wieder ein Flur.

House: Das Angio war ohne Befund.

Wilson: Kein Gerinnsel?

House: Da ist eins. Wir haben's nur noch nicht gefunden.

Wilson: Du kannst sie nicht explorativ am Gehirn operieren.

House: Könnte es sein, dass du Neurologe bist?

Wilson: Okay, sie wird also ganz sicher sterben.

House: Der Thrombus wird nicht einfach so verschwinden. Die Bombe ist scharf. Willst du sie informier'n?

Wilson: Ich denke schon.

House: Soll ich mitgeh'n?

Wilson: Und Andie sagen, dass es zuende geht? Das sieht dir gar nicht ähnlich.

House: Das Mädchen ist unheimlich tapfer. Ich will seh'n, wie tapfer sie ist, wenn du ihr das Todesurteil verkündest.

Wilson: [angewidert] Fahr' zur Hölle! [er geht]

Schnitt zu Wilson, der Andie und Pam die Nachricht überbringt. Pam weint, Andie bleibt gefasst und tröstet sie. Abseits vom Krankenzimmer beobachtet House das Geschehen. Wilson sieht ihn an.

Kamerafahrt über das Klinikgelände.

Schnitt zum Besprechungsraum.

House: Was würden Sie tun, wenn Ihnen gesagt wird, dass Sie sterben werden?

Foreman: Ich wär' wahrscheinlich fix und fertig.

House: Sie würden heulen wie ein Baby. Das würde jeder von uns. Aber sie tut nichts dergleichen. Sie ist wie ein Stein.

Cameron: Sie ist tapfer.

House: Ja, ja, ja, aber wieso?

Chase: Sie hat mehr durchgemacht als die meisten Menschen im ganzen Leben.

House: Na und wenn schon. Heißt das, sie ist bereit zu sterben? Angenommen, ihre Tapferkeit ist ein Symptom. Das Gerinnsel verursacht Halluzinationen und bewirkt Gefühlsstörungen.

Foreman: Sie glauben, ihre Tapferkeit ist chemisch bedingt?

House: Das würde uns sagen, wo das Gerinnsel sitzt. Wo liegt das Angstzentrum?

Foreman: Die Amygdala, nah am Hippocampus? 'N ziemlich großes, hochaktives Areal. Wenn Sie da blind reinschneiden, ist das tödlich. Sehen werden Sie das Gerinnsel erst bei der Autopsie.

House: [grinst] Das ist DIE Idee.

Schnitt zu House, der die Tür zu Cuddys Büro öffnet.

House: Ist eine Autopsie an einem lebenden Objekt immer noch illegal?

Cuddy: Sind Sie etwa high?

House: Hm, wenn heute Dienstag ist, bin ich zu. [kommt herein]

Cuddy: Es ist Mittwoch, Gregory.

House: Äh, ich würde gern einen hypothermen Herzstillstand induzier'n, [reicht ihr die Akte] solange die Patientin von der Bypassmaschine versorgt wird. Sagen wir, zwei Liter Blut auf ein perfundierendes Gehirn in einem MRT.

Cuddy: Das würde bedeuten, Sie töten sie.

House: Nur für ein Weilchen, dann beleb' ich sie wieder.

Cuddy: Oh, also wenn das so ist, fangen Sie an, dann müssen wir ja nicht lange reden.

House: Wenn wir gar nichts tun, hat sie noch einen Tag, vielleicht eine Woche Zeit zu leben.

Cuddy: Sie brauchen eine behördliche Genehmigung für eine Technik, die für Diagnosezwecke eingesetzt wird.

House: Unbedingt. Wenn der Eingriff invasiv wäre, aber er ist ja nicht invasiv. [verzieht das Gesicht, kann ein Niesen aber unterdrücken] Ich will ihr ja nicht den Schädel öffnen. Ich suche nichts weiter als ein Gerinnsel.

Cuddy: Nicht invasiv? Sie bringen sie um.

House: Keine Haarspalterei. Wenn's funktioniert, wird sie leben.

Cuddy: [seufzt] Sie müssen der Mutter aber erklären, dass die Chance Eins zu einer Million steht, klar?

House: [nickt] Ich seh' zu, dass Wilson das weiterleitet. [nimmt die Akte zurück]

Schnitt zu Wilson, der Pam in seinem Büro den Eingriff erklärt.

Wilson: Wir wollen, grob gesagt, ihre… ihre Tochter rebooten. Wie einen Computer. Wir schalten sie ab und, äh, starten sie neu.

Pam: Wie soll das geh'n, eine Neunjährige neu zu starten?

Wilson: Wir kühlen ihre Körpertemperatur auf einundzwanzig Grad runter mit Kühldecken, Eis.

Pam: So wie ein Winterschlaf?

Wilson: Nicht ganz. Der Herzschlag eines Bären ist während des Winterschlafs nur verlangsamt. Bei einem Herzstillstand setzt der Herzschlag völlig aus.

Pam: Das heißt, sie ist tot.

Wilson: Für kurze Zeit, ja. Durch die Abkühlung begrenzen wir das Schadensrisiko bei der Entnahme des Blutes. Wir benötigen aber nicht alles, nur zwei, drei Liter.

Pam: Die Hälfte ihres Blutes?

Wilson: Dann leiten wir es wieder zurück. Man nennt das Reperfusion. Dabei haben wir ein sehr kurzes Zeitfenster, indem uns das MRT hoffentlich die Konturen eines Blutgerinnsels zeigt. Wenn es da ist und, ähm, und operabel ist, entfernen wir es. Und Andie darf wieder nachhause.

Schnitt zu House, der in seinem Büro sitzt und gedankenversunken mit einer Spielkarte, einem Herz-Ass, spielt. Wilson kommt herein.

Wilson: [wirft ein Schriftstück auf den Tisch] Die unterzeichnete Einwilligungserklärung.

House: [nickt] Gut, danke.

Wilson: Du hörst dich schon besser an.

House: Ich, äh, hab' mir 'ne Kombi gegönnt aus Mentholatum, ein paar Vicodin und noch irgendetwas. Ich hab's vergessen. Ich werd' also etwas high sein für 'n paar Stunden. [Wilson geht zur Tür] Was hat Andie gesagt?

Wilson: Wozu?

House: [sieht auf das Schriftstück] Dazu.

Wilson: Mit ihr hab' ich nicht geredet. Sie muss nicht genau wissen, was bei dem Eingriff passiert.

House: Was wäre, wenn du recht hättest? Wenn sie tatsächlich nur tapfer ist.

Wilson: Ähm, das heißt aber nicht, dass sie reif genug ist, so eine Entscheidung zu treffen.

House: Entweder ist ihr alles klar oder sie ist nicht tapfer. Beides zusammen geht nicht. Wenn ihr alles klar ist, dann verdient sie es auch, ins Bild gesetzt zu werden. [Wilson guckt fragend]

Schnitt zu House, der vor Andies Krankenzimmer steht. Er geht zu ihr.

House: Ich bin Dr. House.

Andie: Ja, ich hab' Sie schon gesehen.

House: Hat deine Mom dir erklärt, was wir vorhaben? [setzt sich auf einen Hocker zu ihr ans Bett]

Andie: Ungefähr.

House: Die morgige OP kann zehn Stunden dauern. Bei deinem derzeitigen Zustand wirst du das vielleicht nicht übersteh'n.

Andie: Meine Mom hat sehr viel recherchiert.

House: Und was hältst du davon? Angenommen, deine Stärke bekamst du durch die Zeit, die, ähm, die dir noch bleibt, statt durch die Zeit, die du schon hier bist. Dann liegt die Entscheidung bei dir.

Andie: Ich weiß, ich hab' keine Wahl, oder?

House: Ich kann dir eine bieten.

Andie: Ähm, ich will gesund werden.

House: Du hast Krebs, Andie. Doch wenn es klappt, dann…

Andie: … hab' ich ein Jahr.

House: Ein Jahr von dem hier. So manche würden das nicht wollen. Manche würden sich nur wünschen, dass es schnell vorbei ist.

Andie: Wollen Sie wissen, ob ich sterben will?

House: Kein Mensch auf der Welt will sterben. Doch du wirst es. Es fragt sich nur, wie. Wie viel du leiden wirst und wie lange. Also, willst du, dass es vorbei ist?

Andie: [den Tränen nah] Was würden Sie meiner Mutter sagen?

House: Ich würde ihr zehn erstklassige Gründe nennen, wieso wir die OP nicht durchführ'n sollten.

Andie: [weint] Nur, weil ich nicht mehr kann, darf ich sie nicht allein lassen.

House: Keiner kann dich zwingen, ihretwegen durchzuhalten.

Andie: Aber sie braucht mich doch.

House: Es ist dein Leben. Entscheide dich nicht ihr zuliebe.

Andie: Ich hab' sie doch lieb.

Schnitt zu einem OP Saal. Es sind etliche Ärzte und Schwestern anwesend. Das Kollegium probt für die bevorstehende Operation. Eine Leiche dient als Patientin.

House: Ich danke Ihnen allen für Ihr Kommen zur heutigen Kostümprobe. Die Rolle der Andie spielt, äh [sieht auf den Zettel am Zeh] Morty Randolph. Für die großzügige Spende an die Wissenschaft danken wir. Sobald Andie abgekühlt ist und der Bypassanschluss steht, haben wir sechzig Sekunden, um ihr zwei Liter Blut abzuzapfen, wieder zuzuführ'n und das Gerinnsel zu finden. Falls unser Star morgen bewegt wird bei eingeschaltetem MRT, blinken diese roten Lämpchen auf und das bedeutet, wir haben kein verwertbares Testergebnis. Und ohne das, heißt es "Goodbye Broadway" und Sie gastieren dann in billigen Catsuits in Des Moines. Die Neurochirurgen stehen in der Nähe der Monitore, die Herzchirurgen da drüben, falls wir sie aufschneiden müssen. Die Anästhesisten stehen einer an der Herz-Lungen-Bypass-Maschine und einer befindet sich am Kühlgerät. [sieht zu den Schwestern] Ihr Ladys von der Tanzgruppe bleibt in meiner Nähe. Okay, geben Sie sechzig Sekunden ein. [eine Schwester/Ärztin stellt die Zeit ein] Showtime. A five, six, seven, eight… Blutentnahme durch den arteriellen Zugang [sieht auf seine Uhr] wusch, das Geräusch des ablaufenden Blutes… mehr wusch… gluck, gluck, gluck, gluck, gluck… und wir [es piept und die Lämpchen leuchten] haben sie umgebracht. Noch mal! [Lämpchen leuchten wieder]

Arzt: Sorry, mir ist die Hand ausgerutscht.

House: Ist das denn so schwer?

Schwester/Ärztin: Es ist ein bisschen viel los hier.

House: Noch mal! [Lämpchen leuchten]

Schwester/Ärztin: Wenn wir sie nicht lavagieren müssten, können…

House: Noch mal! [Lämpchen leuchten] Noch mal! [Lämpchen leuchten]

Foreman: Wie wär's mit festschrauben am Tisch?

House: Drastisch und Low-Tech. Küsschen, find' ich super. A five, six, seven, eight…

Schnitt zur richtigen OP. Andie liegt nun auf dem Tisch. House, Foreman und Chase sind bei der OP direkt dabei. Cuddy, Wilson und Cameron sehen mit einigen anderen Kollegen dabei zu.

Schwester: [reicht House eine Spritze] Hier bitte, Doktor.

House: Davon schläfst du ein.

Andie: Es sind unheimlich viele Leute hier.

House: Ist 'ne große Musicalnummer, Kleines. Die vielen Leute helfen dir zu 'ner Glanzleistung.

Andie: Hey, Doc. Sie machen mir angst.

Chase: Das macht er öfter.

Anästhesistin: [setzt Andie die Atemmaske auf] Tief einatmen, Schätzchen. [Andie driftet weg]

House: Okay, los.

Arzt: Entschuldigen Sie, darf ich mal?

Schwester/Ärztin: Bitte.

Anästhesistin: Ich bin soweit. [Andie bekommt einen Beatmungsschlauch]

Foreman: Fixier'n. Danke. [Andies Schädel wird aufgebohrt und an einer Halterung festgeschraubt]

Anästhesistin: Körpertemperatur siebenunddreißig Grad.

House: Kühlung starten. Sie da, los. [Andies Temperatur sinkt]

Chase: Sie zittert.

House: Zweihundert Milligramm Vicuronium.

Anästhesistin: Körpertemperatur vierundzwanzig Grad. [House berührt Andies Wange]

Arzt: Wir haben Vorhofflimmern. [House stellt das Geräusch ab] Was ist?

House: Sie ist tot. Das wollten wir ja. Los! [das Blut wird abgesaugt]

Schwester/Ärztin: Ein Liter ist raus. Zwei Liter.

House: Okay, Blut wieder zurückleiten. [alle starren auf die Monitore] Irgendwas gesehen Leute, irgendwas?

Chase: Die Carotis interna im Sinus cavernosus ist offen.

Arzt: Noch zehn Sekunden.

Foreman: Der Gleichgewichtsnerv ist intakt.

Neurochirurgin: Arteria meningea media ist durchgängig.

Arzt: Fünf Sekunden.

Neurochirurgin: Nichts zu sehen.

Arzt: Wir sind übers Limit. Wir müssen die Wiedererwärmung starten, sonst gibt es bleibende Schäden.

House: Suchen Sie weiter.

Foreman: Da.

House: Ich hab' nichts gesehen.

Foreman: Es war da.

House: Ganz sicher?

Foreman: Vier Millimeter laterales Hippocampus. Ich hab's geseh'n.

House: Sind Sie wirklich sicher?

Arzt: House, sie ist über die Zeit. Sie wird nur noch vegetier'n.

Foreman: Ich hab's geseh'n.

House: Das reicht mir. [die Wiederbelebung wird eingeleitet]

Schnitt zu Wilson, der nun der Mutter Bericht erstattet. Sie sitzen in einem Wartebereich.

Wilson: Ihr Herz konnte wieder zum schlagen gebracht werden. Es, äh, geht ihr den Umständen entsprechend gut.

Pam: Und das Gerinnsel wurde gefunden?

Wilson: Wir glauben, ja. Der Neurochirurg versucht es gerade zu entfernen.

Pam: Und wann wissen wir, ob Schäden zurückgeblieben sind?

Wilson: In wenigen Stunden. [Pam weint]

Schnitt zu House, der in seinem Büro sitzt und nachdenkt. Im Hintergrund beginnt der Song "In The Deep" von Bird York.

Kamerafahrt über das nächtliche Klinikgelände.

Schnitt zur OP von Andie. Der Neurochirurg entfernt das Gerinnsel.

Foreman: Vier Millimeter laterales Hippocampus.

Neurochirurg: Genau da bin ich. Da ist nichts.

Foreman: Sie sind noch nicht da. Suchen Sie weiter.

Neurochirurg: Ich bin genau da. Sind Sie sicher, dass Sie… da ist es. Ich denke, das krieg' ich weg.

Foreman sieht bestätigend zu Chase, der vor dem OP Saal steht. Chase ist sichtlich erleichtert.

Schnitt zur Mutter, die nun bei ihrer Tochter sitzt und ihre Hand küsst. Andie wird wach.

Andie: Hi, Mom.

Pam: Hi, mein Engel. [streichelt ihre Wange und küsst wieder ihre Hand]

Schnitt zu House' Büro. Er sitzt an seinem Schreibtisch und zerkleinert mit einer Rasierklinge weißes Pulver. Wilson kommt hinzu.

Wilson: Du kurierst deine verstopfte Nase mit, äh… Kokain?

House: Diphenhydramin als Antihistamin. Ist, ähm, 'ne neue Art, es einzunehmen. Durch die Bluthirnschranke, wenn du verstehst.

Wilson: Das Zauberwort ist "speed", oder? Schnell, schnell, schnell. Nur nie stillsteh'n. [House bearbeitet immer noch das Pulver] Du kannst das ziemlich gut.

House: Mit Rasierklingen kenn' ich mich gut aus.

Wilson: Es wird Zeit.

House: Doch, ähm, vorher zieh' ich mir noch was rein.

Wilson: Andie geht nachhause.

House: Richtig. Die Parade der kahlköpfigen, winzigen Zirkusfreaks. Sorry, ich hab' noch zu tun.

Wilson: Ich habe den OP Bericht gelesen.

House: Ach ja?

Wilson: Das Gerinnsel war gar nicht in der Nähe der Amygdala. Das bedeutet, ihr Angstempfinden war, ähm, unbeeinträchtigt.

House: Ja.

Wilson: Ja. Und ihre Tapferkeit war daher kein Symptom.

House: Ja, hab' mich geirrt. Sie ist eine echte, selbstaufopfernde Heilige, der das Leben nichts schenken wird, außer Schmerzen, die sie stoisch ertragen wird, damit ihre Mami nicht so bald weint. Und DAS, verehrter Kollege, macht mich überglücklich. [er zieht sich das Pulver durch ein Röhrchen in die Nase] Wow.

Wilson: Sie genießt das Leben mehr als du.

House: Richtig.

Wilson: Chase hat sie einen Kuss gestohlen. Was gibt's bei dir neues?

House: Ich teil' mir meine Kräfte ein, denn ich werde noch etwas länger leben. [nimmt Vicodin]

Wilson: Vielleicht überlebt sie dich. [er geht]

Schnitt zur Kliniklobby. Die Fahrstuhltür öffnet sich und Andie erscheint mit ihrer Mutter und einer Schwester. Es stehen viele Ärzte und Schwestern in der Lobby. Sie klatschen, Andie lächelt. Sie umarmt Cuddy, Cameron, Foreman und Wilson, geht dann auf Chase zu, der ihr ein paar Tickets für das "American Museum of Natural History" schenkt.

Chase: Falls du mal echte Schmetterlinge sehen willst.

Sie umarmt ihn und küsst ihn auf den Hals. House lehnt an der Rezeption. Andie geht auf ihn zu und lächelt ihn an.

House: Ich werde dich nicht küssen, ganz egal, was du sagst. [sie drückt sich an ihn, doch er erwidert die Umarmung nicht]

Andie: Draußen scheint die Sonne. Sie sollten mal rausgeh'n.

House: [hebt seinen Stock] Tja, lange Spaziergänge im Park sind nicht mein Ding. Zisch ab!

Andie grinst und geht. Der Song "Beautiful", diesmal in der Fassung von Elvis Costello, beginnt und ist noch bis zum Ende der Episode zu hören.

Schnitt zu einem Motorradladen. House sieht sich die Maschinen an, die vor dem Laden stehen. Ein Verkäufer spricht ihn an, doch er kann nichts verstehen, weil er Kopfhörer trägt.

Verkäufer: … Ihr rechtes Bein.

House: Häh? [nimmt die Kopfhörer raus]

Verkäufer: Ihr rechtes Bein ist kein Hindernis. Wir bieten erstklassige Finanzierungsmöglichkeiten. Sie kostet zehn-acht. Doch wenn Sie bar bezahlen, kriegen Sie sie für zehn-drei.

House: Nein, danke. [will gehen, kehrt aber wieder um] Ähm, könnte ich das Ding vielleicht mal testen?

Schnitt zu House, der auf dem Motorrad einen Highway entlang rast.

ENDE