Dr. House: Transkript der Folge "Drei Beine" [#1.21]

Transkript der Folge "Drei Beine" [#1.21]

Deutsches Transkript erstellt von MG (Abschrift erstellt von Hurly)

 

 

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
 

 

 

Originaltitel: Three Stories
Ausstrahlung:
Deutscher Titel: Drei Beine
Ausstrahlung:
Buch: David Shore
Regie: Paris Barclay

Darsteller

Hugh Laurie ... Dr. Gregory House
Lisa Edelstein ... Dr. Lisa Cuddy
Omar Epps ... Dr. Eric Foreman
Robert Sean Leonard ... Dr. James Wilson
Jennifer Morrison ... Dr. Allison Cameron
Jesse Spencer ... Dr. Robert Chase

 

Gastdarsteller

 

 

special: Sela Ward ... Stacy Warner
Nicole Bilderback ... Studentin
Andrew Keegan ... Student
Josh Zuckerman ... Student
Brent Briscoe ... Farmer
Stephanie Venditto ... Krankenschwester Brenda
James Saxenmeyer ... Mann mittleren Alters
und Carmen Electra ... sich selbst

 

 

Inhaltsangabe

 


VORSPANN

In Cuddys Büro.

House: Er IST nicht krank.

Cuddy: Dr. Riley hat ständig Brechreiz. Er kann nicht unterrichten.

House: Können Sie das Kotzen bezeugen oder haben Sie nur sein Wort? [Cuddy lacht] Ich glaub', ich hab' irgendwo 'n kleinen Tripper. Kann ich dafür 'n paar Tage frei haben?

Cuddy: Dr. Riley hat noch nie geschwindelt, was Kranksein betrifft.

House: Sie sagten, es sei das fünfte Mal in diesem Jahr, dass er den Kurs sitzen lässt. Entweder stirbt er oder er lügt.

Cuddy: Dafür erlass ich Ihnen zwei Stunden Dienst.

House: Gut, ich werd' Cameron hinschicken. Sie beseelt gerne die Beseelten.

Cuddy: Sie machen das.

House: Och, warum denn immer ich?

Cuddy: Weil die Welt Sie hasst oder weil es eine Diagnostikklasse ist. Nehmen Sie den Grund, der Ihre Eitelkeit ausreichend befriedigt.

House: Ich mach' das nicht! [geht zur Tür hinaus, kehrt aber wieder zurück; Cuddy tut beschäftigt] Sie sollten mich aufhalten und nach verhandeln.

Cuddy: Ähm, und Sie sollten einfach weiter gehen. Ach, wir reden beide Quatsch. Noch mal?

House: Ich mache die Vorlesung für vier Stunden weniger.

Cuddy: Zwei. Sie hören sich doch viel lieber selbst referieren als zuzuhören, was Ihnen Ihre Patienten sagen. [House seufzt] Beginn ist in zwanzig Minuten. [House geht]

Auf dem Flur.

Brenda: Dr. House, Sie haben eine Patientin.

House: Bin schon weg. Sagen Sie's Cuddy.

Stacy: Greg!

House: [dreht sich um und wirkt sehr überrascht] Hi, Stacy.

Stacy: Na, wie geht's dir?

House: Wie's mir geht. Na ja, die letzten fünf Jahre waren, ähm… kennst du vielleicht diese wild gewordenen Frauen Videos?

Stacy: War dein Leben so oder war das dein Lieblingstraum? [sie sehen sich zärtlich an] Ich vermiss' dich.

House: Warum bist du gekommen?

Stacy: [gibt ihm eine Akte] Kannst du uns helfen?

House: [sieht die Akte durch] Um wen geht es?

Stacy: Meinen Mann.

House: Der an Abdominalschmerzen und Ohnmachtsanfällen leidet. Kein Hinweis auf Tumore, keine Vasculitis. Hm, vielleicht Verdauungsstörungen. Oder womöglich ein Nierenstein. Die Kleinen bereiten manchmal furchtbare Schmerzen.

Stacy: Hast du geglaubt, ich würde niemals heiraten?

House: Nicht jemanden, der so kläglich bestückt ist. Seine Pankreas ist 'n Witz. [er geht]

Stacy: [geht ihm mit der Akte hinterher] Er hat keine Nierensteine oder Verdauungsstörungen. Er war bereits bei fünf Ärzten und keiner hat etwas finden können.

House: Weil er vielleicht überhaupt nichts hat.

Stacy: Oh, dann traust du jetzt Ärzten, liebst Hundebabys und Spaziergänge im Regen?

House: Spaziergänge haben sich erledigt.

Stacy: [hält ihn am Arm zurück] Ich weiß, wann etwas nicht stimmt, weil ich dich zu gut kenne. Mark hat Persönlichkeitsveränderungen, ist zerstreut und verhält sich seltsam.

House: Interessant. Das bedeutet, da ist 'ne neurologische Komponente oder er hat eine Affäre.

Stacy: Keine Affäre oder so was. Er ist krank. Und zu viel Arbeit hast du nicht. Die meidest du wie die Pest. Es sei denn, es IST die Pest. Ich bitte dich um einen Gefallen.

House: Zeit würd' ich schon haben, aber vielleicht gönn' ich ihm nicht, zu leben. [Stacy kämpft mit den Tränen] War schön, dich zu seh'n. [er geht]

ERÖFFNUNGSSEQUENZ/CREDITS

Schnitt zu einem Vorlesungssaal. House sitzt gedankenversunken auf der Bühne und schweigt. Die circa zwanzig bis dreißig Studenten werden unruhig und fragen sich, was los ist.

House: Drei Leute kommen in eine Klinik. Ihre Beine tun weh. Woher kann das kommen? [Student #1 hebt die Hand] Sie werde ich sicher nicht sehr mögen.

Student #1: Die wahrscheinlichste Ursache von Beinschmerzen ist Muskelzerrung. Wärme und Schonung der betroffenen Region.

House: Statistisch gesehen stimmt das. Sehr gut. Nach meiner Erfahrung sind über die Hälfte der Beinschmerzen musculoskeletal, meist durch exzessives Training. Zwölf Prozent sind variköse Venen, bedingt durch Schwangerschaft und der Rest ist vor allem das Ergebnis von Verkehrsunfällen. Ich sagte drei Personen. Das heißt sechs Beine. Also, wir haben dann drei Joggingverletzungen, zwei Kollisionsschäden und ein Bein ist schwanger. [Gelächter]

Studentin #2: Wobei ist der Schmerz aufgetreten?

House: Ich hab' keine Ahnung.

Student #3: Sie haben keine Anamnese erstellt?

House: Natürlich. Doch darin steht nur, was nach ihren Angaben passiert war. Person A, ein Farmer, sagt, er war beim Zäune reparieren. [man sieht eine Farm, ein Mann repariert einen Zaun] Druckgefühl im Knöchel. [Farmer fällt zu Boden] Verlust der Muskelkontrolle. Person B, Volleyballspiel. [man sieht ein Mädchenvolleyballspiel, wo jedoch der Farmer von zuvor mitspielt und stürzt] Der Coach meint, es wär' ein gezerrter Muskel. Und C ist Carmen Electra beim Golfen. [man sieht Carmen Electra beim Minigolf einlochen und triumphierend "Ja" sagen]

Student #1: Wow, Sie haben die Baywatch Tussi behandelt?

House: Die Baywatch Schauspielerin. Leider nein. Die Identität aller genannten ist strikt geheim zu halten und weil es nervt, immer "Mann mittleren Alters" zu sagen, nehme ich Carmen als hübsche Alternative. [Gelächter] Sie soll übrigens wirklich gut Golfen. [steht auf] In weniger als zwei Stunden wird einer von den Dreien aus dem Krankenhaus geworfen werden, weil er simuliert hat, um an Drogen zu kommen. Und einer wird dem Tode sehr nahe sein. Kann einer erraten, wer welcher ist? [niemand sagt etwas] Okay, beginnen wir also mit dem Farmer…

Schnitt zu einem Behandlungsraum, wo der Farmer, sehr klischeehaft, aber charmant dargestellt, auf einer Trage liegt.

House: Sind Sie zu dem Zaun gelaufen und wie weit ist das?

Farmer: Na ja, es ist etwa 'ne halbe Meile von meinem Farmhaus weg.

House: Und wo schmerzt es nun ganz genau?

Farmer: Es fing über meinem Knöchel an und strahlt jetzt weiter nach oben.

House: Also, womit fangen wir an?

Student #1: Anamnese?

House: Zur Abklärung von Beinschmerzen? Das wär' 'ne kurze Liste. Knochenkrebserkrankungen, Osteogenesis imperfecta oder Multiples Myelom? [der Farmer schüttelt den Kopf]

Studentin #2: Und wenn's Blutstörungen sind? Großes Blutbild und ein D-Dimer-Test.

Student #3: Und ein MRT.

Studentin #2: MRT oder PET-Scan.

Student #3: Wenn das Problem vasculär ist…

House: Bzzzt. Schluss. Danke fürs mitspielen. Patient ist tot. Woran Sie schuld haben. [der Farmer hat die Augen geschlossen und regt sich nicht mehr]

Student #1: Wir hatten keine Zeit für die Tests. Was hätten wir tun können?

House: Sich mal das Bein genau ansehen. [nun liegt Carmen Electra in der Farmerkleidung auf der Trage und House steht neben ihr]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Studentin #2: Wollen wir denn nicht erst den Fall des Farmers beenden?

House: Tun wir ja, aber wollen wir wirklich seins seh'n? Hm.

Schnitt zum Behandlungsraum.

House: [zu Carmen] Sind Sie so nett, Ihr Bein freizulegen? [beobachtet genüsslich, wie Carmen sich die Hose auszieht, betrachtet dann ihr Bein und findet die Wunde; Blick in die Kamera] Punktion.

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Studentin #2: Schlangenbiss.

House: Das wär' meine Einschätzung.

Student #3: Ein Schlangenbiss spürt man doch, oder?

House: Er hat gesagt, plötzlicher, stechender Schmerz. Das Gras war hoch. Der Mann hat nichts gesehen.

Student #1: Was für 'ne Schlange?

House: Ich soll die Art der Schlange wissen aufgrund der Form der Löcher?

Student #1: Wie sollen wir wissen, welches Gegengift richtig ist, wenn wir die Schlange nicht kennen?

House: Ooh, dafür muss man seinen Rauskrieger haben.

Schnitt zur Farm, wo Foreman und Chase nach der Schlange suchen.

Chase: Warten wir doch noch, bis die Tierschützer da sind.

Foreman: Der Typ hat nur noch 'n paar Stunden. [sie öffnen den Zaun, schließen ihn aber sofort wieder, weil ein großer Hund auf sie zustürmt und bellt]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

House: Und während wir auf das Eintreffen der Tierschutzleute warten, seh'n wir doch mal nach unserem Volleyballspieler.

Schnitt zu einem Behandlungsraum, wo Cameron den "Farmer" (nun in Sportkleidung) untersucht.

Cameron: Sie haben eine Sehnenentzündung. [der Mann jammert]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Studentin #2: Wie alt ist die Person? Ich mein', ein Vierzigjähriger in einem Mädchenvolleyballteam?

House: Ein Bein ist ein Bein ist ein Bein.

Studentin #2: Ich war ja nur besorgt, dass…

House: Wären Sie besorgter um sie, wenn sie jünger wär'?

Studentin #2: Ähm…

Student #1: Natürlich sind uns alle Patienten gleich wichtig, egal wie alt sie sind.

House: Ja, ja, aber sicher. So wie Sie Carmen angestiert haben. [der Student lächelt] Sie gehört mir. Also, Finger weg. [Gelächter; zu Studentin #2] Würden Sie Ihre Mutter operieren?

Studentin #2: Natürlich nicht. Ich, ähm, wäre zu nervös und kaum objektiv.

House: Und wieso behandeln Sie jeden Patienten, als gehöre er zur Familie? [die Studentin schweigt] Die eigentliche Patientin ist sechzehn und folgendes passiert, wenn Ärzte ihre Führsorge übertreiben.

Schnitt zum Behandlungsraum, wo nun ein jugendliches Mädchen in Sportkleidung auf der Trage liegt.

Cameron: Ich möchte gern alles über Sie wissen. [im Raum befindet sich die gesamte Familie des Mädchens]

Schnitt zu House' Büro. Er liegt in einem Ruhesessel mit Kopfhörern um den Hals. Cameron erstattet ihm Bericht.

Cameron: Über drei Generationen kein Krebs, kein Parkinson oder andere, degenerative Erkrankungen. Aber da ist jemand in der Schule. Er ist im Volleyballteam. Die beiden haben mal geknutscht und er meldet sich nicht. Eine Freundin von ihr sagt, der Junge mochte sie nie wirklich.

House: So was erkennt man beim Untersuchen von Knien?

Cameron: Sie hat Depressionen.

House: Und keine Tendinitis?

Cameron: Sie hat Tendinitis.

House: Sie hat Depressionen wegen Tendinitis.

Cameron: Sie hat Depressionen aus demselben Grund wie die Tendinitis.

House: Nicht wegen des Jungen?

Cameron: Der Typ ist 'n Idiot, das weiß sie. Sie hat trotzdem Depressionen. Ich fand einen Knoten.

House: Ah, Probleme mit der Schilddrüse lösen depressive Gefühle aus und können Sehnenentzündungen mit verursachen.

Cameron: Ich mach' die Tests. [sie geht; House setzt sich die Kopfhörer auf]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Studentin #2: Sie hat also aufgrund ihres übermäßigen Interesses festgestellt, dass die Person ein Schilddrüsenleiden hat.

House: Nein. Sie hat aufgrund ihres Interesses nichts weiter als einen winzigen Knoten gefunden. Vollkommen ohne jede Bedeutung und ungefährlich. Aber wir sind nun gezwungen, jemand mit Tendinitis einem teuren und schmerzhaften Test zu unterzieh'n. [man sieht, wie jemand dem Mädchen eine Nadel in den Hals sticht] Und so, Herrschaften, würde ein vernünftiger Arzt vorgehen.

Schnitt zu einem Behandlungsraum, wo Carmen Electra in Golfkleidung auf der Trage sitzt. House pocht mit einem Reflexhammer auf ihr Knie.

Carmen: Kann ich bitte wieder meine Hose anziehen?

House: Um ehrlich zu sein, ungern.

Studentin #2: Welche Carmen Electra ist das?

House: Die Erste. Die Golferin.

Student #1: Und wieso musste sie die Hose auszieh'n?

House: [sieht ihn genervt an; zu Carmen] Sie haben verminderte Reflexe der Patellasehne. [zu den Studenten] Und weiter?

Student #3: Protrusion?

House: Denkbar. [zu Carmen] Wie sehr tut es weh?

Carmen: Es tut wirklich superdoll weh.

House: Ja?

Studentin #2: Das klingt nicht wirklich echt. Ist sie die Simulantin?

House: Meine Güte. Sie ist hier für meine Fantasien, nicht, weil sie Meryl Streep ist. [Carmen guckt beleidigt] Na gut. [nun sitzt ein Mann mittleren Alters vor ihm]

Mann: Was zur Hölle ist mit mir los? [schreit] Tun Sie irgendwas! [legt sich auf die Trage und jammert vor Schmerzen]

Studentin #2: Zu starke Schmerzen für Protrusion. Vielleicht drückt ja eine Bandscheibe auf Nervenwurzeln.

Student #1: Oder ausstrahlender Schmerz aus dem Leistenbereich.

House: [zum Mann] Sir, schmerzt es Sie noch irgendwo anders?

Student #1: Es ist nicht der Rücken. Er krümmt sich.

House: [zum Mann] Sir, schmerzt es Sie noch woanders?

Mann: [schreit] Helfen Sie mir!

House: Ooh.

Student #3: Er wird uns nichts sagen, wenn wir nicht seine Schmerzen beseitigen. Geben Sie fünfzig Milligramm Demerol.

Studentin #2: Nicht ohne Anamnese, falls er allergisch ist.

House: [hält schon die Spritze in der Hand] Was soll ich tun?

Student #3: Wir können nichts entscheiden, wenn er so weiter brüllt.

Studentin #2: Besser, als ihn mit Schmerzkillern umzubringen. [der Mann entreißt House die Spritze und rammt sie sich in sein Bein]

House: Offensichtlich ist er nicht allergisch.

Mann: Danke. Mir geht es jetzt wesentlich besser. [die Spritze fällt zu Boden]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Studentin #2: Wir haben versagt.

House: Nein. Sie haben das gleiche wie der behandelnde Arzt getan.

Student #3: Und das wär' das richtige Vorgehen gewesen?

House: Ja.

Student #3: Er wollte bloß an die Droge.

House: Sie werden viel Drogensuchverhalten während Ihrer Praxis erleben und warum? Es funktioniert. Wenden wir uns wieder unserer Farm zu…

Schnitt zur Farm. Ein Mann fängt die Schlange ein.

Chase: [am Handy] Ja, eine Waldklapperschlange. [Foreman ist bei ihm]

Schnitt zu Cameron, die den Farmer in seinem Krankenzimmer behandelt. Zwei Schwestern sind anwesend.

Cameron: Vier Ampullen von dem CroFab Gegengift. [zum Farmer] Hi, wie geht's Ihnen?

Farmer: Ganz gut.

Cameron: [bekommt von einer Schwester das Mittel] Danke. [zum Farmer] Damit werden Sie sich sehr schnell besser fühlen. [sie spritzt ihm das Mittel; der Farmer kollabiert]

Cameron: Allergische Reaktion. Beutel. [die Schwester reicht ihn ihr] Defi und Epi.

Schwester: Sein Herz ist okay.

Cameron: Das wird nicht so bleiben. [lauter] Defi. [sie nimmt den Defibrillator]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

House: Wir haben uns fünf Minuten verdient, zum Kaffee holen und pinkeln. [er geht aus dem Saal]

Schnitt zu einer Sitzecke vor dem Vorlesungssaal. House und Wilson unterhalten sich.

Wilson: Du hast nicht gedacht, dass sie heiraten würde, hm?

House: Dasselbe hat sie mich gefragt.

Wilson: Und was jetzt? Lehnst du die Behandlung ab?

House: Bestimmt hat der Typ nichts schlimmes.

Wilson: Oh, klar, versteh' schon. Sie nutzt die alte "kranker Ehemann" Masche, um wieder zu dir Verbindung aufzunehmen. Denkst du, das fällt ihr leicht? Dass sie zu dir kommt, bedeutet nur, dass sie verzweifelt ist.

House: Sie hasst mich, aber will, dass ich ihr helfe.

Wilson: Sie hasst dich nicht. Sie liebt dich. Sie, ähm… sie, ähm… erträgt es nicht, bei dir zu sein. [am Durchgang zum Vorlesungssaal stehen drei Studenten]

Student #1: Äh, Dr. House? Es sind, ähm, bereits, äh, sechs Minuten.

House erhebt sich und geht zurück in den Saal.

Student #1: [zu den anderen Studenten] Hab' ihn. [alle setzen sich wieder]

House: Die Volleyballspielerin hat auf die Entzündungshemmer angesprochen, wie zu erwarten war bei einem Fall von Tendinitis.

Student #3: Wow, wow, wow, wow… Moment Mal. Was ist mit dem Schlangenbiss? Der interessiert uns mehr als die Volleyballspielerin.

House: Hm. Was, wenn das Mädchen aber plötzlich einen massiven Schlaganfall hatte?

Student #3: Wirklich?

House: Nein. Aber das würde Ihr Interesse wecken, hm? Was, wenn ihre T4 Werte runter waren? Ist nicht so interessant, hat aber den Vorteil, wahr zu sein.

Student #3: Sie sagten, die Schilddrüsenbiopsie war ein sinnloser Test.

House: Hm, nein, das nicht. Ich sagte, dass wir mit der Patientin einen teuren und schmerzhaften Test machen müssten. Sie litt offenbar an Tendinitis UND Schilddrüsenerkrankung.

Schnitt zu Cameron, die nun die Volleyballspielerin behandelt.

Cameron: Sie kriegen von uns Thyroxin. Das bessert Ihr Befinden und gleicht die Stimmungsschwankungen aus.

Mädchen: Danke. [nimmt das Thyroxin]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Student #3: Und das war alles?

House: Sie haben vollkommen recht. Das Schlangenbissopfer ist viel aufregender und viel ekliger.

Schnitt zum Farmer, dessen Beinwunde nun großflächig und offen ist.

Schnitt zu House' Büro.

Foreman: Der Patient sprach auf Epinephrin an und die allergische Reaktion wurde gestoppt. Aber leider hat sich sein Zustand weiter verschlechtert.

Chase: Vielleicht war's 'ne andere Art und der Schlangenfänger lag falsch.

Foreman: [gibt House eine Akte] Hier ist sein Bericht. Es war wirklich 'ne Waldklapperschlange.

House: [sieht auf den Bericht] Nein, war's nicht. Ist Ihnen die Menge aufgefallen?

Foreman: Ich, äh, hab' nur Geschlecht, Farbe und Kopfform überflogen und den Namen gelesen.

House: Zweihundert Milligramm. Gebissen wurde der Mann vor weniger als vier Stunden. So schnell kann kein Reptil so viel neues Gift produzier'n.

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Student #1: Müssen wir das wissen, wie schnell Schlangen Gift bilden?

House: Nein, außer ein Patient wurde gebissen. Dann, ähm, wär's hilfreich. [Gelächter] Was machen wir jetzt?

Studentin #2: Dann, äh, war's vermutlich eine andere Schlange. Wir müssen noch mal geh'n und sie suchen.

House: Oder Sie geh'n ins Internet und stellen fest, dass in New Jersey nur drei giftige Schlangen vorkommen. Kupferkopf, Waldklapperschlange und Korallenotter. Kupferkopf und Waldklapperschlange reagieren beide auf unser Antiserum.

<;;strong>Studentin #2: Dann geben wir ihm das Serum für Nummer drei?

House: War das 'ne Frage?

Student #1: Wir können nicht blind 'n anderes Gegengift geben, nachdem ihn das erste beinahe getötet hätte. Sie sagten, es gebe drei bekannte Arten von Giftschlangen in New Jersey. Was ist, wenn's noch eine unbekannte gibt?

House: Sehr gut.

Student #1: Suchen wir die richtige?

House: Nicht nötig, denn wenn wir zurückkommen von der Suche, sagt uns der Autopsiebericht, welche Schlange es war.

Student #1: Aber Sie…

Studentin #2: Also, wir geben ihm das Gegengift für die dritte Art.

House: War das wieder 'ne Frage? Ich will wissen, was SIE tun. Ich find's unfair, mich zu fragen, was Sie tun soll'n. [spielt mit der drehbaren Schreibtafel] Wer würde denn das Antivenin geben? [etliche Studenten heben die Hände] Und wer wäre für die Schlangensuche? [wieder heben einige Studenten die Hände]

Student #3: Also, die Wahl ist, das eine bringt ihn um und das andere hilft ihm.

House: Ja, so sieht's in der Regel aus im "das Bein wird schon schwarz" Stadium.

Studentin #2: Dann bringt ihn die Hälfte von uns um, die andere Hälfte rettet sein Leben.

House: Ja.

Student #1: Aber dafür kann man uns doch nicht…

House: Dies widerspricht sicher allem, was man Sie bisher gelehrt hat, aber richtig und falsch existieren. Nur, weil Sie nicht wissen, was richtig wäre, wobei Sie das vielleicht gar nicht wissen können, macht es das weder richtig oder auch nur okay. Die simple Wahrheit ist… es ist schlicht und einfach falsch.

Schnitt zum Krankenzimmer des Farmers. Cameron, Chase, Foreman und eine Schwester sind bei ihm. House steht abseits.

House: [zu den Studenten] Wir verabreichten das Gegengift.

Farmer: Was ist, wenn ich wieder allergisch reagiere?

Foreman: Deswegen sind diese Leute hier. Falls Sie wieder reagieren, stehen wir bereit, um sicher zu stellen, dass Ihre Luftwege frei bleiben und Ihr Herz weiter schlägt.

Farmer: Ähm, ähm, meine Frau ist unterwegs. Können Sie nicht warten?

Foreman: Bedaure, leider nicht. [er injiziert das Gegengift; der Farmer kollabiert diesmal nicht]

Foreman nickt House zu, der den Raum verlässt. Vor ihm steht der Mann mittleren Alters.

Mann: Es tut wieder weh. [House seufzt]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Studentin #2: Er ist wiedergekommen?

House: [nimmt Vicodin] Die meisten Drogensüchtigen sind dumm.

Student #3: Ich würde die Cops hol'n.

House: Donnerwetter. Wenige Ärzte würden für eine Ahnung die Karriere riskier'n.

Student #3: Es ist keine Ahnung. Wir wissen, dass er Drogen will.

House: Aber auch Junkies werden krank. Aus irgendeinem Grund werden sie sogar viel öfter krank als Nichtjunkies. Hm. Allerdings, äh, ist diese Ahnung zum Glück nicht das einzige. Es gibt einen schnelleren Weg. Nein, sogar mehrere. [rollt mit dem Stuhl zum Schreibtisch, der auf der Bühne steht und sucht nach etwas] Mein Favorit ist der Urintest.

Student #3: Aber Sie wissen doch, dass er Drogen einnimmt.

House: Das will ich damit auch nicht rausbekommen.

Schnitt zu einem Behandlungsraum, wo House und eine Schwester mit dem Mann mittleren Alters eine Untersuchung durchführen.

House: Wir schieben diesen harten Gummischlauch vorsichtig über Ihre Harnröhre in Ihre Blase. Ist vielleicht etwas schmerzhaft. [die Schwester tut es]

Mann: Kann ich nicht vielleicht 'ne Betäubung für die Zeit kriegen? [jammert vor Schmerz]

House: Lieber nicht, falls Sie irgendwie allergisch sind.

Schnitt zum Vorlesungssaal. House durchsucht nun eine Schublade des Schreibtischs.

House: Wenn er es dreißig Minuten mit 'ner Röhre in seinem Penis aushält, ist er wirklich krank. [sucht weiter]

Student #3: Oder er is' auf Turkey. [Gelächter]

House: Es gibt leichtere Wege, an Nachschub zu kommen. Andere Krankenhäuser zum Beispiel. [findet eine Tasse mit der Aufschrift "World's Greatest Dad" und riecht daran; steht auf und geht aus dem Saal] Die Volleyballspielerin spricht nicht auf die Behandlung an. [spricht lauter] Zumindest vermuten wir das, angesichts der Tatsache, dass ihr Zustand sich verschlechtert. Hey, hören Sie mich noch?

Student #3: Nein.

Studentin #2: Was macht der denn da?

Studentin: Kaum.

Student #1: Nicht sehr gut.

House: [findet ein Waschbecken und füllt die Tasse mit Wasser; zu sich selbst] Hm, wenn Ihr mich nicht hör'n könnt, woher wisst Ihr dann, was ich gesagt hab'?

Schnitt zum Krankenzimmer der Volleyballspielerin. Cameron versucht, ihr Blut abzunehmen.

Mädchen: Au!

Cameron: Oh Gott, was hab' ich getan?

Mädchen: Keine Ahnung. Das war höllisch.

Cameron: [versucht es erneut] Ich bin ganz vorsichtig. [das Mädchen schreit wieder] Susan…

Schnitt zu House, der wieder in den Saal zurückkehrt.

House: … ist ein Pseudonym.

Schnitt zu Cameron und dem Mädchen, die immer noch vor Schmerzen jammert.

Cameron: Susan, ich hab' noch gar nicht gestochen.

Susan: Aah, das tut so furchtbar weh.

Cameron: Tut mir leid, aber ich brauch' das Blut. Es ist gleich vorbei.

Schnitt zum Besprechungsraum.

Cameron: Überempfindlichkeit bei Berührungen.

Chase: Ist ihr Kalzium erhöht?

Cameron: Laborwert über sechzehn.

House: Die Frage ist, warum. Wer sind die Verdächtigen?

Chase: Nebenschilddrüsenadenom.

Cameron: Nierenprobleme.

Foreman: Vitamin D-Intoxikation.

Chase: Hyperthyreose.

Foreman: Durch unsere Behandlung?

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Studentin #2: [schreibt mit] Halt, halt, halt. Bitte nicht so schnell.

House: [trinkt Wasser aus der Tasse und spuckt es angewidert zurück] Das Adenom ist das Wahrscheinlichste. Bestimmen Sie PTH, Phosphat und…

Schnitt zum Besprechungsraum.

House: … und ionisiertes Kalzium. Plus ein Sestamibi-Szintigramm. Okay, Schluss jetzt mit der Volleyballspielerin. Was macht der Farmer? [Cameron, Chase und Foreman sehen ihn fragend an]

Foreman: Welcher Farmer?

House: Der Schlangenbisskerl. [alle gucken immer noch überrascht] Oh ja, Sie wissen gar nichts von ihm. Seinen Fall kriegen wir erst drei Monate nach der Volleyballspielerin. [er geht zur Schreibtafel hinüber; in die Kamera] Die Zeit ist zum Glück, wie Sie ja alle wissen, kein festes Konstrukt. [steht nun an der Tafel; Zeitsprung: alle, bis auf House, haben andere Kleidung an] Sein Zustand verbessert sich nicht. Verdoppeln Sie die Dosis.

Foreman: Ist schon gescheh'n.

House: Es gibt noch ein Gegengift. Nicht so wirksam, aber…

Chase: Auch schon gegeben.

House: Das erste Zeug, worauf er allergisch reagiert…

Cameron: … bekam er zusammen mit Hochdosissteroiden. Nichts hat gewirkt.

House: [blickt in die Kamera] Hm, was hat das zu bedeuten?

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Studentin #2: Falsche Schlange?

House: Er bekommt alle Gegengifte, die wir haben.

Studentin #2: Zu spät?

House: Ja. Er stirbt. Seine Frau ist da. Sie hat endlich einen Babysitter gefunden. Wer informiert sie? Nein, war nur Spaß.

Studentin #2: Er stirbt also nicht.

House: Doch, ja, das tut er, hat aber weder Frau noch Kinder. Prima Sache. Macht das Benachrichtigen viel leichter. Oh ja, da hätt' ich fast noch was vergessen.

Schnitt zum Mann mittleren Alters, der auf einem Bett liegt. Rotfarbener Urin läuft durch den Schlauch in einen Beutel.

Abblende und Aufblende. Wieder im Vorlesungssaal.

House: Unser drogensüchtiger Golfer pinkelt Blut. [er hält vier Fettmalstifte in der Hand] Hat Sie einer gelehrt, Leuten beizubringen, dass sie sterben? [fängt an zu malen] Als würde man Architekten lehren, ihren Kunden beizubringen, warum ihr Haus eingefallen ist. Machen Sie Rollenspiele oder so was?

Student #1: Ja. Einer muss den Überbringer der Nachricht spielen und einer den Empfänger.

House: Was müssen Sie können für ein "sehr gut" im Einstiegskurs "Du musst sterben!"? Werden Sie benotet nach, hm, Takt und Einfühlungsvermögen? Und wird so was, äh, mit einer Messskala gemessen? Ich hab' 'n Kumpel. Der kriegt von mir jedes Mal zehn Dollar, wenn ihm jemand dankt. Stellen Sie sich das vor. Der Mann ist so gut, dass Menschen ihm danken für die Information, dass sie sterben. [sieht skeptisch auf sein Malblatt] Hm, da fehlt noch braun. [wieder zu den Studenten] Ich hör' das nicht sehr oft.

Schnitt zum Krankenzimmer des Farmers.

House: Sie werden sterben. [Farmer guckt geschockt] In wenigen Stunden. Wir können nichts tun, außer Ihnen Schmerzmittel zu geben.

Farmer: Dann will ich jetzt nachhause.

House: Das werden Sie nicht schaffen.

Farmer: Mein Hund. Wer kümmert sich um meinen Hund?

Schnitt zu Cameron und Wilson, die bei der Volleyspielerin ein Hals CT durchführen.

Cameron: Der Hals ist unauffällig. Kein Adenom.

Schnitt zum Vorlesungssaal.

Student #3: Halt, halt, halt. Der Mann stirbt und das Einzige, was ihn kümmert, ist sein Hund?

House: [lächelt schwach] Fahren Sie auch gelegentlich die Hundemasche bei Ihren Improvisationen? Es ist ein Faktum der menschlichen Natur, dass wir immer gern lügen. Die einzige Variable dabei ist, worüber. Das Gute daran, wenn man jemandem seinen Tod ankündigt, ist, man erkennt seine Prioritäten. Man erfährt, was ihm wichtig ist und wofür er zu sterben bereit ist. [guckt nachdenklich] Und wofür er zu lügen bereit ist.

Schnitt zum Farmer.

House: Äh, Sie haben sicher einen Nachbarn, der sich…

Farmer: Die Nachbarn können ihn nicht ausstehen.

House: Dann kommt er ins Tierheim und das vermittelt…

Farmer: Das machen die auf keinen Fall. Ähm, ähm, aber vielleicht, äh, vielleicht meine Tante.

House: [beginnt zu verstehen] Es war kein Schlangenbiss, nicht wahr?

Farmer: Ich sagte doch, ich hab' den Biss nicht gemerkt.

House: Oh doch, nur nicht von einer Schlange. Ich nehme an, dass Cujo mal einen von den Nachbarn gebissen hat. Wenn Ihr Biss auch von ihm ist, muss ich's melden. Dann gilt er als gefährlich und wird getötet. Die gute Nachricht ist, Sie werden es überleben. Die schlechte, Ihr Hund leider nicht.

Schnitt zur Farm, wo Chase und Foreman versuchen, vom Maul des wütenden und bellenden Hundes eine Speichelprobe zu bekommen. Sie versuchen, ihn mit zwei Stühlen in Schach zu halten.

Chase: Der Kerl riskiert sein Leben, um diese Bestie zu retten?

Foreman: Ich halt ihn. Du machst den Abstrich.

Chase: Hey, ich denke, ich hab' ihn hier fester. Geh du ans Maul. Na gut, wir losen.

Foreman: Spinnst du? [beide ballen eine Faust] Eins, zwei, drei. [Formen hält zwei Finger hoch, Chase nur einen]

Chase: So ein Mist. Und wenn er dir die Eier abbeißt. Lass ja nicht los.

Foreman: Mach schon.

Chase: Ich sag', wir lassen ihn verrecken.

Foreman: Ich halt ihn. Jetzt mach' endlich!

Chase: Okay…

Schnitt zum Vorlesungssaal. House ist mit seiner Malerei fertig und hält das Blatt nach oben, damit es alle sehen können. Ein großer braun-orangefarbener Kreis ist zu erkennen.

House: Wie würden Sie das nennen? So sieht Tee aus, richtig? [steht auf] Der Typ, von dem wir dachten, er sei nur auf Drogen aus. Wie lautet die Differenzialdiagnose für teefarbenen Urin?

Studentin #2: Nierensteine.

House: Und Nierensteine verursachen was?

Studentin #2: Blut im Urin.

House: Welche Farbe hat Ihr Urin?

Studentin #2: Äh, gelb.

House: Und Ihr Blut?

Studentin #2: Rot.

House: [hält ihr das Blatt vor die Nase] Was sind hier für Farben drin?

Studentin #2: Äh, rot, gelb und braun.

House: Und braun. Was verursacht braun?

Studentin #2: Schlackenstoffe.

House: Das heißt, die Nieren schalten sich aus. Wieso?

Studentin #2: Ein Trauma?

House: Kein Hinweis in der Vorgeschichte.

Studentin #2: Vielleicht kommt der Schaden vom selbstinjizierten Demerol.

House: Therapie?

Studentin #2: Warmhalten und Ruhe.

House: Noch mehr mögliche Ursachen?

Studentin #2: Infektionen.

House: Da gibt's Antibiotika. Was noch? [sie überlegt; House wird laut und ungeduldig] Tempo! Tempo!

Studentin #2: [erschrickt] Äh, ich weiß nicht mehr.

House: Sie sind nutzlos. Wenigstens wissen Sie das. [geht wieder nach vorne] Das Blutbild zeigt erhöhte Creatinkinase. Das heißt?

Student #3: Die Trauma-Diagnose ist richtig. Einige Tage Schonung reichen.

House: Sicher?

Student #3: Erhöhte CK bedeutet keine Infektion…

House: Wissen Sie, was schlimmer als nutzlos ist? Nutzlos und teilnahmslos. Was wird überseh'n?

Student #1: Es ist schwer, nachzudenken, wenn Sie einen so unter Druck setzen.

House: Ach ja? Meinen Sie, es wird leichter bei einem echten, sterbenden Patienten? Was überseh'n Sie alle?

Cameron: [die den Saal durch einen Hintereingang betreten hat] Muskeltod.

House: Nicht Ihr Fall.

Cameron: Was spricht gegen ein Konsil?

Studentin #2: [bezugnehmend auf den Muskeltod] Das führt zur Ausscheidung von Myoglobin. Schwer toxisch für die Nieren.

House: Hm, brillant.

Schnitt zur Volleyballspielerin, die in einem MRT Raum liegt.

House: Machen Sie 'ne Tomographie. Ich will sehen, was sein Bein killt.

Student #3: Warum kriegt SIE 'n MRT?

House: Weil das Hals CT nichts gebracht hat und ihre Ärztin viel obsessiver ist als sie denkt. [Cameron guckt genervt]

Student #3: Aber Sie sagten, der Mann braucht 'n MRT.

House: Weil Dr. Cameron Muskeltod erwähnte, woran von Ihnen keiner gedacht hat. Nicht mal einer seiner tollen Ärzte. Die verordneten Bettruhe und Antibiotika, so wie Sie's machen wollten.

Studentin #2: Ist es besser geworden?

House: Nein.

Studentin #2: Wie lange…

House: Drei Tage. Es liegt in der Natur der Medizin, dass Ihnen Fehler unterlaufen werden. Irgendwann töten Sie jemanden. Wer damit nicht klarkommt, sollte sich einen anderen Beruf suchen. Oder nach dem Studium unterrichten.

Studentin #2: Erst nach drei Tagen ist man darauf gekommen, dass es sich um Muskeltod handelt?

House: Nein, es war der Patient selber, der den Verdacht auf Muskeltod hatte.

Schnitt zum Krankenzimmer der Volleyballspielerin, deren Eltern ebenfalls anwesend sind.

Cameron: Das MRT zeigt ein Osteosarkom, ein kanzerösen Tumor im Oberschenkel. Er muss operativ entfernt werden. Mit Chemo hat sie sehr gute Überlebenschancen. [zu Susan] Aber ich muss Sie warnen. Abhängig von der Größe des Tumors und der Tiefe seiner Lage, ist es möglich, dass das Bein amputiert werden muss. Es tut mir leid.

Mutter: [beruhigt ihre weinende Tochter] Es wird schon gut werden. Wir sind ja bei dir.

Schnitt/Kamerafahrt zum nächsten Krankenzimmer. Hier liegt nun der Farmer.

Foreman: Hundemäuler sind voller Bakterien, aber sie haben Antikörper, die die meisten davon abwehren, wir nicht. Darum können sich Hundebisse so böse entzünden. Der Speicheltest zeigt eine Infektion mit ganz bestimmten Streptokokken. Man bezeichnet sie als "fleischfressende Krankheit". Wir müssen sofort operieren, um das befallene Gewebe zu entfernen. Vielleicht verlier'n Sie auch Ihr Bein.

Schnitt/Kamerafahrt zum Krankenzimmer des Mannes mittleren Alters.

Cuddy: Das MRT offenbart ein Problem.

Mann: Ach nein.

Cuddy: Ich bedaure, dass es nicht früher festgestellt wurde. Ich persönlich werde ab jetzt Ihre Therapie überwachen.

Mann: Sie wollen mich aufschneiden.

Cuddy: Sie werden vielleicht Ihr Bein verlier'n.

Schnitt zum Vorlesungssaal.

House: Sein MRT hat gezeigt, dass die Beinschmerzen nicht durch die Selbstinjektionen verursacht wurden. Und auch nicht durch eine Infektion. [nun sitzen auch Foreman und Chase im Saal] Es war ein Aneurysma, ein Gerinnsel, das zu einem Infarkt führte.

Foreman: [zu Cameron] Mein Gott, du hast recht. Es ist House.

Schnitt zum Krankenzimmer des Mannes mittleren Alters. Im Bett liegt nun statt seiner Dr. House. Stacy sitzt bei ihm.

Cuddy: [hält ihm eine OP Einverständniserklärung hin] Wir müssen den Eingriff durchführ'n. Das nekrotische Gewebe muss entfernt werden. Wenn es zu viel…

House: Mir ist egal, was Sie finden.

Cuddy: Womöglich muss es sein, um Ihr Leben zu retten.

House: Ich hänge aber daran. Seit ich mich erinnern kann, ist es mein Bein.

Stacy: Ich liebe dein Bein genauso wie du, Schatz.

House: Ich lass' es sie nicht abnehmen.

Schnitt zum Vorlesungssaal.

House: Der Patient traf die richtige Entscheidung. Ein Chirurg, der hört: "Es ist okay. Schneiden Sie es ab.", der verbringt die ganze Nacht damit, seine Sägen zu schärfen.

Student #3: Die interessier'n sich wenig für das Retten von Gliedmaßen.

House: Sie interessieren sich schon für ihre Patienten, aber für sich selber noch mehr, was keine unvernünftige Haltung ist. Der Versuch maximaler Gewebeerhaltung maximiert auch die Chance, dass etwas schief geht. Man muss also besonders vorsichtig sein, was auch ganz besonders nervig ist.

Schnitt zu House' Krankenzimmer.

Cuddy: Es werden riesige Fortschritte gemacht. Kinder mit Beinprothesen laufen hundert Meter in zwölf Sekunden.

House: Ja, und die Dinger sind auch superhübsch. Legen Sie 'n Bypass, um den Kreislauf zu unterstützen.

Cuddy: Eine Amputation ist weniger riskant.

House: Für Sie oder mich?

Cuddy: Die Blockierung des Blutflusses…

House: Viertägige Blockierung.

Cuddy: Ja. Die führt zu Muskelzelltod. Dabei schütten die Zellen Zytokine und Kalium aus.

House: Ja, und wenn Sie den Blutfluss wieder in Gang kriegen, statt mich einfach zu verkürzen, wird der ganze Mist in meinen Organismus gespült. Die Zytokine können zu Organversagen führen und das Kalium zu Herzstillstand. Andererseits behalte ich dafür mein Bein. [Stacy steht auf und wendet sich ab]

Cuddy: Die postoperativen Schmerzen sind allein schon…

House: Die steh' ich durch. Ich übernehme die volle Verantwortung. Machen Sie einen Termin klar. Das wär' nett. [Cuddy seufzt und geht]

Stacy: Du eigensinniger Idiot.

House: Ich glaub', ich bin wohl eher ein Narr.

Stacy: Ich bin weder sentimental, noch plapper' ich so dahin. Ich will nicht, dass du dich umbringst.

House: Ich plane nicht, zu sterben.

Stacy: Oh, wenn mich das nicht beruhigt.

Schnitt zum Krankenzimmer der Volleyballspielerin. Ihre Eltern sind bei ihr.

Schnitt zum Krankenzimmer des Farmers. Er beschriftet sein linkes Bein mit "Not this leg" (nicht dieses Bein).

Schnitt zum Krankenzimmer von House. Auf seinem linken Bein steht bereits "Not this leg". Stacy beschriftet sein rechtes Bein mit "Not this leg either" (dieses Bein auch nicht).

Schnitt zur OP der Volleyballspielerin.

Schnitt/Kamerafahrt zur OP des Farmers.

Schnitt/Kamerafahrt zur OP von House.

Chirurg: Ich bin jetzt dran. Werte?

Schwester: Alles konstant.

Chirurg: Na dann los. Ich führe jetzt ein. [führt einen Katheder ein] Monitor überwachen. [auf dem Monitor sieht man mit Übergang zu einem CGI Effekt, wie der Katheder sich durch eine Vene bahnt, das Gerinnsel aufnimmt und entfernt]

Schnitt zu House' Krankenzimmer nach der OP. Er schreit vor Schmerz. Stacy betupft sein Gesicht mit einem Lappen.

House: Sag' ihnen, ich brauch' mehr Morphium.

Stacy: Die Ärzte sagen, das geht nicht.

House: Laut den Ärzten, brauch' ich nur Bettruhe und Antibiotika.

Stacy: Das war falsch, aber immer irren sie sich nicht.

House: Also, diesmal haben sie recht?

Stacy: Das Morphin wird dich umbringen.

House: Ich krieg' das hin.

Stacy: Du kannst nicht klar denken wegen der…

House: [lauter] Deswegen will ich das scheiß Morphin.

Stacy: Okay, okay, ich rede mit ihnen. [steht auf und geht]

Schnitt zu einem Klinikflur, wo Stacy und Cuddy sich unterhalten.

Stacy: Mein Gott, wie lange halten die Schmerzen noch an?

Cuddy: Hängt davon ab, zu wie viel Zelltod es gekommen ist. Vielleicht behält er recht und das Bein regeneriert sich wieder vollständig.

Stacy: Oder?

Cuddy: Er behält die Schmerzen für den Rest seines Lebens. Da ist noch eine Möglichkeit, eine chirurgische. Eine Mittellösung zwischen dem schon Geschehenen und der Amputation.

Stacy: Er ist kein Freund von Mittellösungen.

Cuddy: Ja.

Kamerafahrt über das Klinikgelände. Es ist schon dunkel.

Schnitt zu House' Krankenzimmer, der selbst seine Werte auf einem EKG Streifen kontrolliert. Er lässt sich vom Gerät einen neuen Streifen ausdrucken und vergleicht ihn mit dem älteren.

House: Schwester. Schwester! [eine Schwester kommt in sein Zimmer] Ich brauch' mehr Kalziumglukonat.

Schwester: Sie hatten grad fünf Milliliter.

House: Das QRS wird breiter. Mein, mein Kalium steigt an.

Schwester: Ich sag' der Ärztin…

House: Aber machen Sie lieber schnell. Ich bin kurz vor einem Herzstillstand. Geben Sie mir die Dosis, sonst krieg' ich 'ne Breitkomplextachykardie.

Schwester: Ich kann Ärger bekommen.

House: Hör'n Sie, das ist keine Droge. Ich will keinen Kick haben. Sie haben noch zwanzig Sekunden. [die Schwester holt das Mittel; House atmet immer schwerer] Ich hab' mich geirrt. [er schließt die Augen und driftet weg; Cuddy und ein paar Helfer kommen herein]

Cuddy: Was ist los?

Schwester: Breitkomplextachykardie.

Cuddy: Ihre Diagnose?

Schwester: Nein, seine.

Cuddy: Defi. Achtung! Weg! [sie schockt ihn; auf dem Monitor sieht man eine Nulllinie]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

House: Der Patient war klinisch tot, über eine Minute.

Schnitt zur Farm. Der Farmer geht mit einem jungen Hund am Zaun spazieren. House, der nur sein Klinikhemd trägt, beobachtet ihn. Der Farmer krempelt ein Hosenbein hoch. Er hat eine Prothese, die er mit einem Taschenmesser justiert. Er lacht und scheint glücklich. House verschwindet in gleißendem Licht und befindet sich nun bei einem Volleyballspiel. Susan, deren Bein geheilt ist, spielt wieder und scheint ebenfalls glücklich. Man hört den Ton der Nulllinie und House verschwindet wieder in einem hellen Licht. Überblende zu House' Krankenzimmer.

Cuddy: [erleichtert] Er ist wieder da.

Schnitt zum Vorlesungssaal. Wilson steht an der hinteren Wand gelehnt.

Wilson: [zu House] Denkst du, er war tot? Denkst du, diese Erlebnisse waren real?

House: Definiere real. Es waren reale Erlebnisse. Was sie bedeuten… ich glaube eher, dass das berühmte, weiße Licht, das Menschen manchmal sehen und die Vision, die der Patient hatte, nur chemische Reaktionen sind, während im Gehirn die Türen zu gehen.

Foreman: Was heißt, Sie glauben eher?

House: Es gibt keine konkreten Beweise. Meine Ansicht hat keine praktische Relevanz für mein Leben. Ich wähle den Ausgang, der mir tröstlicher erscheint.

Cameron: Sie beruhigen sich mit der Vorstellung, dass das alles ist?

House: Ich beruhige mich mit der Vorstellung, dass das nicht bloß eine Prüfung ist. [im Saal herrscht bedrückende Stille]

Schnitt zu House' Krankenzimmer. Er kämpft wieder mit starken Schmerzen.

Stacy: Schmerzt es immer noch so schrecklich?

House: Immer noch.

Stacy: Du siehst, dass nichts passiert. Wenn du recht gehabt hättest, müssten die Schmerzen doch weniger werden und du dich besser fühlen.

House: Es dauert nur länger.

Stacy: Nein, tut es nicht. Bitte lass es amputieren, dann hört es auf.

House: Es ist mein Bein und mein Leben.

Stacy: Würdest du dein Bein für mein Leben opfern?

House: Das würde ich sofort.

Stacy: Und wieso ist dein Leben weniger wert als meins? Wenn du irgendein anderer Patient wärst. Was würdest du ihm raten, zu tun?

House: Ich… würde sagen, er soll entscheiden.

Stacy: Stimmt gar nicht. Du würdest ihn so lange bearbeiten, bis er die Entscheidung trifft, die du für richtig hältst. Du würdest ihm brutal erklären, dass es nur ein Bein ist. [kämpft mit den Tränen] Du verdienst es doch auch, zu leben. Und zwar ein glückliches Leben zu leben. Lass sie bitte das Bein entfernen.

House: Schatz… ich kann's nicht… ich kann's nicht. Tut mir leid.

Stacy: Die Schmerzen allein werden dich töten.

House: [nickt] Ich weiß… ich weiß. Geh zu der Ärztin und sag' ihr folgendes…

Schnitt zu Stacy, die im Flur auf einer Bank sitzt. Cuddy setzt sich zu ihr.

Cuddy: Hat er es sich überlegt?

Stacy: Nein. Er, er hat eine Idee. Es würde ihm sehr helfen, diese Schmerzen zu überstehen, wenn Sie ihn in ein künstliches Koma versetzen.

Cuddy: [wenig begeistert] Wenn er das will.

Stacy: Was passiert nach der Versetzung ins Koma?

Cuddy: Wir werden ihn engmaschig unter Kontrolle halten und wenn die nächsten achtundvierzig Stunden ohne kardiales Ereignis vergehen…

Stacy: Ich meinte, ich bin bevollmächtigt, in seinem Namen Entscheidungen zu treffen, wenn er selbst dazu nicht mehr fähig ist.

Cuddy: Klären Sie ganz genau ab, was er will.

Stacy: Ich weiß, was er will, aber wenn er im Koma liegt, darf ich entscheiden.

Schnitt zu House' Krankenzimmer. Cuddy bereitet das künstliche Koma vor. Stacy sitzt bei ihm.

Cuddy: Sie schlafen in einer Minute. [geht weg vom Bett]

House: Danke. [zu Stacy] Hey.

Stacy: Hey.

House: Wir seh'n uns, wenn ich wieder aufwache. Wir geh'n dann Golfen. [Stacy lacht] Ich liebe dich.

Stacy: Ich liebe dich auch. Bitte entschuldige.

House: [dämmert weg] Entschuldige dich bitte nicht bei mir… [fällt ins Koma]

Stacy weint und streichelt sein Gesicht, dann steht sie auf und wendet sich an Cuddy.

Stacy: Die Mittellösung, von der Sie sprachen…

Cuddy: Die Entfernung des toten Muskels. Auch da besteht die Gefahr eines Reperfusionsschadens…

Stacy: Ich werde die Formulare unterzeichnen.

Cuddy: Sie retten ihm das Leben.

Stacy: Er wird das nicht so sehen. [Cuddy geht]

Schnitt zum Vorlesungssaal.

House: Aufgrund der Größe des entfernten Muskels wurde die Funktion des Patientenbeines gravierend beeinträchtigt. Und wegen der Verzögerung bei der Diagnosestellung, leidet der Patient womöglich für immer an chronischen Schmerzen.

Studentin #2: Sie hatte kein recht, das zu tun.

Student #3: Sie hatte 'ne Vollmacht.

Studentin #2: Er wollte die OP aber nicht.

Student #3: Sie hat ihm das Leben gerettet.

Student #1: Das wissen wir nicht. Vielleicht wär' er wieder genesen.

Studentin #2: Das ist unwichtig. Der Patient entscheidet.

Student #3: Der Patient ist 'n Idiot.

House: Hm, die meisten sind das. Gibt's hier 'n Summer oder so was? Wann ist denn hier endlich Schluss?

Cuddy: [die in der Eingangstür steht] Vor zwanzig Minuten.

House: [steht auf und geht zu ihr] Das mach ich nie wieder. [nimmt die Tasse vom Tisch] Und er hier ist nicht der beste Dad der Welt. Der ist nicht mal 'n guter. Wer lässt seine Kinder mit bleihaltigen Farben malen? Deshalb ist er dauernd krank. [drückt Cuddy die Tasse in die Hand] Besorgen Sie Plastikbecher und der Kurs gehört wieder ihm.

House verlässt den Saal. Die Studenten und das Team wirken nachdenklich und räumen langsam ihre Plätze.

Schnitt zu einem Flur. House wählt auf seinem Handy eine Nummer.

House: Stacy, hier ist Greg. Ich hab' überraschend morgen früh noch ein Termin frei. Dein Mann soll pünktlich da sein.

Er legt auf und geht in sein Büro.

ENDE