Dr. House: Transkript der Folge "Liebeshiebe" [#1.20]

Transkript der Folge "Liebeshiebe" [#1.20]

Deutsches Transkript erstellt von MG (Abschrift erstellt von Hurly)

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
 

Originaltitel: Love Hurts
Ausstrahlung:
Deutscher Titel: Liebeshiebe
Ausstrahlung:
Buch: Sara B. Cooper
Regie: Bryan Spicer

Darsteller

Hugh Laurie ... Dr. Gregory House
Lisa Edelstein ... Dr. Lisa Cuddy
Omar Epps ... Dr. Eric Foreman
Robert Sean Leonard ... Dr. James Wilson
Jennifer Morrison ... Dr. Allison Cameron
Jesse Spencer ... Dr. Robert Chase

 

Gastdarsteller

 

 

John Cho ... Harvey Park
Christina Cox ... Annette Raines
Matt Malloy ... Aubrey Shifren (Anwalt)
June Squibb ... Ramona (ältere Dame)
Keone Young ... Clyde Park
Elizabeth Sung ... Marilyn Park
Kristoffer Winters ... Patient
Stephanie Venditto ... Krankenschwester Brenda
und Peter Graves ... Myron (älterer Herr)

 

 

Inhaltsangabe

 


VORSPANN

In der Kliniklobby wartet ein Patient (Harvey Park) auf seine Untersuchung. Er geht zur Rezeption.

Harvey: Bin ich, äh, nicht bald dran?

Brenda: Wir rufen Sie dann auf.
Harvey: Ich hab' aber schon eine Stunde gewartet.

Brenda: Sie werden aufgerufen.

Harvey: Dann wart' ich.

Harvey geht. Kamerafahrt zum Untersuchungsraum Zwei. Dort sitzen Wilson, House und ein Mann zusammen und sehen sich auf einem Minifernseher ein Baseballspiel an.

Wilson: Ist das wahr? Sie kommt wieder?

Mann: Wer kommt wieder?

House: [zum Mann] Sie kennen sie nicht.

Wilson: Kriegt sie mehr Geld oder… bessere Nebenleistungen?

House: Das Ding hat kein Video. Ich kann nicht zurückspulen. Also halt jetzt die Klappe.

Mann: Reduzier'n Sie ihr die Stunden?

House: [zum Mann] Sie kenn' die Frau doch gar nicht.

Wilson: [zu House] Wer ist der Kerl?

House: Ein Patient.

Mann: Er untersucht mich nämlich.

House: Er muss wieder zur Arbeit, wenn wir damit fertig sind. [überlegt] Ich glaub', ich auch.

Wilson: Einen Grund muss es haben. Sie kommt ja nicht wieder, weil sie dich so mag. [House tut unbeteiligt; Wilson springt auf] Moment! Das ist es. Sie kommt wieder, WEIL sie dich mag.

Mann: [lacht] Sie Schlingel. Sie haben sie gebumst, hä?

House: Nur weiter so. Dann mach' ich Ihnen noch 'n Prostata Check. [zu Wilson] Ich muss dafür einmal mit ihr ausgehen.

Wilson: Was?

Mann: Steh'n Sie auf sie?

Wilson: Ja.

House: Nein. Sie, äh, hat mir keine Wahl gelassen.

Mann: Was? Äh, sie… sie erzwingt sich Sex von Ihnen?

House: Ein Date. Klar?

Wilson: Zutrauliche, junge Ärztin ist in schroffen, älteren Mentor verknallt. Ihre liebevoll herzliche Art verschafft ihm eine bessere und tiefere Einsicht in sein verwundetes Herz.

Mann: [legt den Arm um House' Schulter] Nageln Sie sie… oder sind Sie schwul? [Wilson scheint über die Frage nachzudenken]
House: [greift nach dem Fernseher und steht auf] Hm, meine Güte.

House geht zur Tür raus, während Wilson und der Mann ein gehässiges Lied anstimmen: "Die süßesten Früchte fressen nur die großen Bienen…"

House: Kleinkinder! Und lernt erst mal singen.

Im Flur prallt House mit Harvey zusammen, der den Inhalt eines Bechers auf sein Jackett verschüttet.

House: Oh, verdammt!

Harvey: Verzeihung. Tut mir leid.

House: Müssen Sie mit 'nem Becher voll Urin hier rumrennen?

Harvey: Tut mir leid… ich, äh… ich wollte nicht… [verzieht weinerlich das Gesicht und geht]

Wilson: [steht hinter House] Da hast du wohl ein bisschen überreagiert.

House: Er, er hat mich angepinkelt. So was kann ich nicht ausstehen.

Wilson: [riecht an House' Jackett] Das ist Apfelsaft. Du solltest geh'n und dich bei ihm entschuldigen. Bei der nächsten Patientenbeschwerde wirst du suspendiert. [nimmt House den Fernseher wieder ab]

Schnitt zu Harvey, der in der Lobby sitzt und einen Panikanfall zu haben scheint. House geht auf ihn zu. Harvey sitzt mit dem Rücken zu ihm.

House: Ich, ähm, vergebe Ihnen, dass Sie meine Jacke versaut haben. [Harvey reagiert nicht] Hör'n Sie, Sie scheinen mir ein ganz normaler Typ zu sein. Nicht die Sorte, die andere Leute gern in Schwierigkeiten bringt. [Harvey weint] Zwanzig Mäuse cash, wenn Sie mit dem weinen aufhör'n. Verzeihen Sie mir, schrei'n Sie mich an. Geben Sie mir irgendwas, mit dem ich arbeiten kann. [greift nach Harveys Schulter und dreht ihn zu sich herum]

Harvey ringt nach Luft. House fühlt nach der Halsschlagader und leuchtet ihm in die Augen.

Wilson: [der dazu gekommen ist] Alles klar? Habt ihr zwei euch versöhnt?

House: Hol' einen Rollstuhl. Der Kerl muss sofort in den OP.

Wilson: Was ist passiert?

House: Die rechte Pupille ist stark erweitert.

Wilson: Oh Gott. Du hast ihm einen Schlaganfall verpasst.

ERÖFFNUNGSSEQUENZ/CREDITS

Im Besprechungsraum. Chase wirft einen Ball nach Foreman.

Chase: Da nimmt der Bär den Hasen und wischt sich mit ihm den Hintern ab.

Foreman: Sehr witzig. [wirft den Ball zurück]

Cameron, die gerade zur Tür reinkommt, fängt den Ball.

Chase: Hey!

Foreman: [geht auf sie zu] Hallo!

Chase: Was machst du denn hier? [Foreman nimmt sie in den Arm]

Cameron: Arbeiten.

Chase: Wo? Hier? In dieser Abteilung?

Cameron: House hat mich bekniet, wieder zu kommen.

Foreman: Hoffentlich hast du ihn dafür richtig abgekocht.

Cameron: Dasselbe, lausige Gehalt.

Foreman: [schüttelt den Kopf] Hm.

Chase: Warum hast du's dann getan?

House: [der mit Wilson den Raum betritt] Weil dies der glücklichste Platz auf Erden ist. Einundzwanzigjähriger Mann präsentiert sich mit Zähneknirschen.

Wilson: Und kriegt wegen House 'n Schlaganfall mit total erweiterter Pupille.

Foreman: [zu House] Sie verschaffen uns so neue Patienten?

Wilson: Das überrascht hier jemanden?

Cameron: Erweiterte Pupillen sind Zeichen für ein Hirnstammödem.

House: Klar, aber da er weder tot noch komatös ist, tippe ich auf einen Schlaganfall im Sehnerv. [klemmt die CT Aufnahmen an die Lichttafel] Das CT zeigt zweierlei.

Foreman: Ischämie, abgestorbenes Hirngewebe, was Schädigung bedeutet. Hoffentlich nicht permanent.

House: Und?

Foreman: Mehr nicht. Kein Hinweis auf die zugrunde liegende Ursache. Machen wir ein MRT.

House: Sie schau'n auf den falschen Teil.

Foreman: Ich hab' auf das Gehirn geschaut. Wohin sonst?

Cameron: Den Kiefer.

Chase: Sagt uns das was über den Schlaganfall?

Cameron: Nein, er sagt uns, wieso wir kein MRT machen können, oder willst du, dass sein Kiefer durch den Raum fliegt?

House: Metallplatte. Er wurde massiv rekonstruiert. Da wir sie aber nicht entfernen können, kommen wir nicht um Tricks rum. Angiogramm zum Ausschluss von Vasculitis, EMG zum Nachweis einer peripheren Neuropathie, Tox-Tests auf Drogen und ein Echo zum Ausschluss einer kardialen Embolie. [Cameron, Foreman und Chase gehen Richtung Tür] Dr. Cameron. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die neuen Vertragsbedingungen vertraulich handhaben. Weil sonst alle auf einmal Vergünstigungen verlangen. [Cameron grinst; das Team geht]

Draußen auf dem Flur unterhalten sich Foreman, Cameron und Chase weiter.

Chase: [zu Cameron] Was für Vergünstigungen?

Cameron: Nicht relevant für dich.

Foreman: Also nicht mehr Geld?

Cameron: Nein.

Foreman: Parkplatz, Versicherungen, Büro? Wir hätten an allem Interesse, was er dir anbietet.

Cameron: Er hat dafür ein Date mit mir.

Foreman: Ein Date? Ein Essen, Kino und dann ab ins Bett Date?

Cameron: Bereit war er nur zu den ersten zwei.

Chase: Er, er ist doch… viel zu alt.

Cameron: Und du bist viel zu jung.

Foreman: Du machst 'n Fehler.

Cameron: Er ist mein Boss. Ich belästige ihn so, wie's mir passt. Ich arrangier das EMG [zu Chase] und du das Angiogramm. [gibt Foreman eine Akte] Und du besorgst Blutprobe, Anamnese und Einwilligung. [sie geht]

Foreman: Tze. Das ist wie zugucken, wenn sich 'n Drama anbahnt.

Schnitt ins Krankenzimmer von Harvey. Eine junge Frau ist bei ihm. Foreman betritt den Raum.

Foreman: Guten Morgen! Harvey? Ich bin Dr. Foreman. Wir müssen einiges klär'n. [Harvey guckt hilfesuchend zu der Frau]

Annette: Ähm. Ich bin Annette. Wir sind befreundet.

Foreman: Sehr erfreut. [zu Harvey] Ich hätte gerne die Namen von Ihren Angehörigen. Das haben Sie bei der Einweisung nicht ausgefüllt. [Harvey sieht wieder zu Annette]

Annette: Es gibt keine Angehörigen. Die Eltern starben vor zwei Jahren bei einem Autounfall.

Foreman: Hm, verstehe. Harvey, Geschwister haben Sie auch nicht?

Annette: Nein, auch keine Großeltern oder Onkel und Tanten.

Foreman: Annette, ich glaube, ich muss Sie bitten, den Raum zu verlassen…

Harvey: [unterbricht ihn] Ich will nicht, dass sie geht.

Foreman: Wenn sie Sie reden lässt, hab' ich nichts dagegen. [Annette steht vom Bett auf]

Foreman: Warum sind Sie heute in die Klinik gekommen?

Harvey: Äh, vor sechs Monaten ging das los. Dieses Knirschen von meinen… [überlegt] Sie wissen schon. Äh, im Mund… die Dinger, mit denen man kaut.

Annette: Zähne. Harvey hat eine kleine, anomische Aphasie.

Foreman: Hm.

Annette: Eine Wortfindungsstörung.

Foreman: Tze, ich weiß, was anomische Aphasie ist. [zu Harvey] Haben Sie denn was unternommen wegen des Zähneknirschens?

Harvey: Ich war bei… also die benutzen so kleine Dinger… spitz und scharf.

Foreman: Nadeln? Hat man Ihr Blut untersucht?

Harvey: Nein, es ist zum atmen.

Foreman: Ein Lungenarzt?

Harvey: Nein. Sie hatte so eine… [schaut wieder zu Annette; Foreman dreht sich zu ihr] so eine elektrische Maschine.

Annette: Eine Akupunkteurin.

Foreman: Hmh. [nun zu Annette] Und was für 'ne Behandlung hat er gekriegt?

Annette: Sie hat 'ne Qi-Blockade diagnostiziert und ihn zum Chen-Harmonisierer geschickt. Der empfahl ihm einen homöopathischen Arzt, der schickte ihn zum Chiropraktiker.

Foreman: Und dann?

Annette: Der Chiropraktiker tippte auf Nahrungsmittelintoleranz und schickte ihn zum Heilpraktiker.

Harvey: Und der schickte mich wieder zur… ähm…

Foreman: Wieder zur Akupunkteurin.

Harvey: [und Annette] Ja.

Foreman: Okay. Ähm, ich würde gerne die Berichte von all diesen… Praktikern sehen. Gut.

Harvey: Danke. [Foreman geht]

Auf dem Flur trifft Foreman auf Chase, der Annette durch die Scheibe hindurch mustert.

Foreman: Alles fertig für das Angiogramm?

Chase: Erst wird noch das EMG gemacht. [sieht wieder zu Annette] Wer ist das?

Foreman: Harvey's Guru.

Chase: Hat Harvey sie so vorgestellt?

Foreman: Hm, nein, aber sie tut so. [er geht; Chase beobachtet Annette und sie bemerkt ihn]

Schnitt zu einem Behandlungsraum, wo House an einer älteren Dame (Ramona) eine gynäkologische Untersuchung vornimmt. Er ist sichtlich "begeistert".

Ramona: Hi! Ich habe Vaginalschmerzen.

House: Freut mich, Sie kennen zu lernen. [nimmt Vicodin]

Ramona: Mein Gynäkologe ist leider von uns gegangen. Ein sehr netter Mann mit warmen Händen.

House: [zieht die Gummihandschuhe über] Jetzt nicht mehr. Und? Schmerzt es beim Wasserlassen? [die Schwester reicht ihm ein Spekulum]

Ramona: Ja, dabei ganz besonders.

House: Sie haben da vaginale Einrisse. Keine Hautblutungen. Trauma liegt nicht vor, ebenso wenig erzwungenes Eindringen. [staunt] Ramona, Sie böses, kleines Ding! Entweder haben Sie einen achtzehnjährigen Liebhaber oder einen achtzigjährigen mit gewissen, blauen Pillen.

Ramona: Myron wollte sie so gerne ausprobier'n.

House: Wie schön für Sie. [wirft die Handschuhe weg]

Ramona: Na ja…

House: Ihnen wär's lieber, wenn Myron ein bisschen schlaffer wäre?

Ramona: Vielleicht ein bisschen. Früher hielten wir oft Händchen und erzählten uns Geschichten oder schauten Jeopardy. Ich konnte Jeopardy schon einen Monat nicht mehr sehen.

House: Ahm, haben Sie das mal angesprochen?

Ramona: Versuchen Sie mal, einem Dreiundsiebzigjährigen den Sex auszureden. Mit all diesen Potenz- und Stärkungsmitteln werden Männer doch fast dazu gezwungen. Schlimmer als an der Highschool. Wenn er von mir nicht kriegt, was er will, bekommt er es nämlich von Connie, die nur eine Strasse weiter wohnt. Sie färbt sich die Haare rot, eine Schlampe aller ersten Ranges. [House und die Schwester sehen sich an]

House: [schreibt etwas auf] Hm, hier ist ein Rezept für vaginale Östrogenzäpfchen… ähm, hm, die verbessern die Gleitfähigkeit. [reicht ihr den Zettel]

Ramona: Dankeschön. Warten Sie mal. Könnten Sie Myron nicht auch was verschreiben? Etwas schwächeres als er jetzt hat. Sagen Sie ihm, es wär' besser für sein Herz, dann nimmt er's sicher.

House: Ich soll ihn belügen, weil Sie nicht den Mut zur Wahrheit haben?

Ramona: Würden Sie das tun?

House: Zieh'n Sie Ihr Höschen an! [steht auf und geht]

Schnitt zu Harvey. In seinem Zimmer führt Cameron das EMG durch.

Cameron: Die Aktivität von Muskeln wird durch elektrische Impulse der Nerven gesteuert. Mit dem Gerät messe ich das. Ich steche Ihnen diese Nadel jetzt in verschiedene Muskeln und Sie spannen sie an. Manchmal ist das etwas schmerzhaft. Dann geben Sie laut und ich brech' ab…

Harvey: Nein! [Cameron ist verblüfft] Ich meine, ist gut.

Cameron: Okay, bitte den Arm ausstrecken.

Sie sticht in den rechten Oberarm. Harvey seufzt, allerdings nicht so als hätte er Schmerzen.

Cameron: Geht das?

Harvey: Aber ja. Sie müssen nicht aufhör'n.

Cameron: Arm nach oben strecken.

Sie sticht in der Nähe des Ellbogens ein. Harvey scheint das zu erregen. Annette sieht durch die Scheibe dabei zu.

Schnitt zu einem Teil des Krankenhausgebäudes von außen, dann zu House' Büro.

Cameron: Das EMG war unauffällig.

House: Ursache sind also entweder toxische Kräuter vom Homöopathen, eine spinale Schädigung durch den Chiropraktiker, 'ne Infektion durch Nadeln der Akupunkteurin, die vorher versehentlich in Molchaugen steckten oder der Chen-Harmonisierer. Was ist ein Chen und was macht ihn disharmonisch?

Foreman: [reicht ihm eine Akte] Ein abnormes Ergebnis haben wir gefunden und zwar im Echo-Bericht. Mitralklappenprolaps.

House: Ein bisschen Schnickschnack und die Verdammung der Einseitigkeit westlicher Medizin und man verdient sich volle Taschen. [steht auf]

Foreman: Gerinnsel in der defekten Klappe wandert ins Gehirn und voila, Schlaganfall.

House: Andererseits… kein Nachteil, kein Foul. Man knöpft ja nur ein paar abergläubischen Idioten Geld ab.

Chase: Und ein traumatisch bedingtes Aneurysma?

Foreman: Trauma? Wodurch? Die chiropraktische Behandlung? Ich vermute, es ist eine entzündete Herzklappe. Bakterielle Endokarditis.

House: [der sich immer noch nicht beruhigen kann] Es wäre in den sechs Monaten, die er bei diesen Scharlatanen vergeudet hat, besser nach Ursachen aus der realen Welt geforscht worden. Aber ich seh' das bestimmt wieder alles VIEL zu eng.

Chase: Beim Abhorchen der linken Halsschlagader ist mir 'n Geräusch aufgefallen. Und das ist nur zu hör'n bei einem Aneurysma.

Cameron: Ein Aneurysma zeigt sich im Angiogramm.
Chase: Nein, nicht zwangsweise. [alle sehen House an]

House: Hm, was für eine schönes Dilemma. [greift nach einem Magic-8-Ball] Oh, großes Billard Orakel… gib' uns einen Rat! [schüttelt die Kugel] Halten wir uns an Foremans These, die wenigstens marginal durch Testergebnisse erhärtet wird oder die von Chase, die sich auf keinerlei medizinischen Nachweis stützt? Was tun? [sieht auf die Kugel und schüttelt weiter]

Chase: Der Mann hat sich irgendwie den Kiefer gebrochen. Von anderen Traumata weiß man nichts. Wir sollten das Angio wiederholen.

House: Und alles deutet hin auf… [sieht wieder auf die Kugel] Ah, sorry Chase, die Götter haben gesprochen. Der Junge bekommt Blutverdünner und Antibiotika.

Schnitt zu Cameron, Foreman und Chase, die auf dem Weg zu Harveys Zimmer sind.

Chase: [zu Cameron] Wow, jetzt versteh' ich dich. House ist 'n echt süßer Typ. Ich würd' ihn gern drücken und nie mehr loslassen.

Sie betreten Harveys Zimmer und sehen wie Annette ihn kräftig würgt.

Cameron: Oh mein Gott. Um Himmels Willen, was tun Sie denn da? [Cameron und Foreman reißen Annette von Harvey weg]

Foreman: Sie würgt ihn.

Chase: Foreman, hör' auf. Lass sie los. [Cameron checkt Harveys Vitalwerte]

Foreman: Sie wollte ihn umbringen.

Harvey: [röchelt] Nein, wollte sie nicht.

Cameron: Vitalzeichen sind okay.

Harvey: Bitte, bitte tun Sie ihr nichts. [Foreman lässt Annette los]

Foreman: Was zur Hölle ist denn hier los?

Chase: Ähm, sie… sie ist eine Domina. [zu Annette] Stimmt's, Annette? [alle sehen sich an]

Schnitt zum Büro von Dr. Cuddy. House, Annette und der Anwalt, Aubrey Shifren, sind ebenfalls anwesend.

Shifren: [zu Annette] Der Patient hat Sie gebeten, ihn zu würgen?

Annette: Harvey ist asphyxiophil. Er lässt sich gern würgen bis kurz vorm Ersticken.

Shifren: Das ist ja krank.

House: [zu Shifren] Ein erstaunlich erhellendes Rechtsgutachten. [zu Cuddy] Was ist der für'n Jurist?

Shifren: Sie wollen die Juristenmeinung? Hol'n Sie die Cops.

Annette: Ich war vorsichtig. Ich hab' darauf geachtet, dass die O2-Sättigung über neunzig ist. Ich würde ihn nie ernsthaft verletzen.

House: Warum machen Sie's dann?

Annette: Harvey war verstört. So konnte er sich beruhigen, sich wieder unter Kontrolle bekommen durch äußere Kontrolle.

Cuddy: Ähm und äh… er bezahlt Sie für so was?

Annette: [nickt] Dafür erledigt er meine Steuern und reinigt mein Haus. [House sieht sie an und steht auf]

Cuddy: [zu House] Äh. Wir sind noch nicht fertig. Was tun wir jetzt?

House: Hol'n Sie die Cops, werfen Sie sie raus oder piercen Sie ihr zwangsweise die Nippel. Alles keine medizinischen Entscheidungen. [er geht]

Schnitt zum Besprechungsraum, wo sich Chase, Cameron und Foreman unterhalten.

Chase: Es ist schon ewig her, da hatte ich mal eine Freundin, eine Bankerin. Und, ähm, wie sich dann rausstellte, stand sie auf Brandwunden.

Cameron: Du hattest eine Freundin, die sich absichtlich verbrennen ließ?

Foreman: Ja. Da fragt man sich doch, was erhofft sich einer von einer so offensichtlich schmerzhaften Beziehung…

Cameron: Hör auf!

Chase: Es war ziemlich schräg. Ich, ich merkte…

House: [betritt den Raum] Chase! Wissen Sie was über die Frau? Was sie so tut?

Chase: Ich, ich hab' sie auf Partys geseh'n, ja.

House: Dann hab' ich Ihnen mit meinen Quälereien ja was Gutes getan. [Chase legt genervt den Kopf in den Nacken] Aber hier ist ein denkwürdiger Satz: Hey, der Typ hat vielleicht einmal zuviel was auf den Kopf bekommen.

Chase: Ich sagte "vielleicht" ein Trauma induziertes Aneurysma.

House: Ja und es wär' überzeugender gewesen, wenn wir das mit der Schmerzlust gewusst hätten. Sie steh'n jetzt auf der "böse Jungs" Liste und das heißt: kein Lederstethoskop zum Geburtstag.

Chase: Ich bin doch nicht auf…

House: Ich nehme an, Sie hatten noch keine Antibiotika und Blutverdünner verabreicht vor Miss Fessels rüder Unterbrechung.

Cameron: Was wahrscheinlich gut gewesen ist.

House: Dann kriegt er eben jetzt beides. [durch die Scheibe sieht er draußen einen älteren Mann stehen, der scheinbar nach jemandem sucht]

Cameron: Sie denken immer noch, dass Chase sich irrt.

House: [alle sehen zu dem Mann] Nein, das stimmt vermutlich. [der Mann sieht House an]

Chase: Dann sollten wir eine Gefäßrekonstruktion vornehmen. Wir gehen in die Karotiden und versorgen das Aneurysma.

Cameron: Bei Blutverdünnern kann er von innen verbluten.

House: Aber wenn Foreman recht hat mit der bakteriellen Endokarditis, dann wird…

Foreman: [hebt die Hand] Chase dürfte recht haben.

House: Gut, wenn Foreman also recht hätte in bezug auf Blutgerinnsel und wir den chirurgischen Ansatz wählen, [geht zur Tür] geht das wahrscheinlich tödlich aus. Also geben Sie Blutverdünner und wenn noch ein Schlaganfall folgt, ist die OP fällig.

Die anderen stehen auf. House öffnet die Tür und wendet sich an den älteren Mann (Myron).

House: Ja?

Myron: Sind Sie Dr. House?

House: Ich weiß, ich werde bereuen, was ich sage, aber… ja.

Myron: Ramona hat gesagt, ich solle zu Ihnen kommen wegen meiner Nachverschreibung. Äh, wegen der… wegen der Manneskraft.

House: Hm. [nimmt ihm die leere Tablettendose ab und geht zu seinem Schreibtisch]

Myron: Sie sagte, Sie wollten wahrscheinlich vorher mit mir reden.

House: Da hat sie gelogen. [reicht ihm das Rezept] So, hier.

Myron: Danke.

House: Ohne Liebe wär' das Leben kein Leben. Wiederseh'n!

Myron: Ich, äh, ich weiß nicht, warum ich mir das antue.

House: Was meinen Sie?

Myron: Den Sex.

House: [überrascht] Sie woll'n überhaupt nicht?

Myron: Ach, mein Golfschwung ist schon völlig im Eimer.

House: Hey, mir ist 'n irrer Gedanke gekommen. Sagen Sie's ihr.

Myron: Die Wahrheit?

House: Klingt verrückt, wenn Sie's so ausdrücken.

Myron: Ooh, Ramona hat mächtigen Appetit. Wenn ich da keine Leistung bringe… [seufzt] Ich will sie nicht verlier'n. [beide sehen sich schweigend an] Gibt's hier drin 'ne Apotheke?

House: Hier im Krankenhaus? Wär' möglich. [nimmt ihm das Rezept wieder ab und geht voraus] Geh'n wir mal suchen.

Schnitt zum Apotheker, der gerade ein Medikament aus dem Regal nimmt. House und Myron kommen auf ihn zu. House deutet an, dass Myron warten soll.

House: Ein Moment, ja? [steckt das Rezept in seine Jacke; zum Apotheker] Ich hätte gerne blaue Pillen.

Apotheker: [schmunzelt] Wollen Sie etwa DIE blauen Pillen, Doc?

House: Ahm, das wär' ein Beispiel für blaue Pillen. Nennen Sie mir noch andere.

Apotheker: Welche mit Azetaminophen…

House: Perfekt. [reicht ihm die leere Dose von Myron] Füllen Sie das damit. [gibt Myron einen "Okay" Blick]

Cuddy: [kommt dazu] Dr. House.

House: Ich hab' hier zu tun.

Cuddy: Ich hörte von Dr. Camerons Konditionen, damit sie hier wieder arbeitet.

House: Rein beruflicher Hintergrund. Sie bekommen auch die Quittung.

Cuddy: Wissen Sie, ich finde das gut. Was in Ihrer letzten Beziehung geschehen ist, ist doch kein Grund, sich für immer von anderen Menschen abzuschotten. Fünf Jahre Selbstmitleid… das muss man erst mal schaffen.

House: Wow! Wenn ich mal Zeit habe, werd' ich darüber nachdenken. Hm, wär' ich bloß so offen wie Sie. [sieht auf Cuddys Dekolletee]

Cuddy: Wenn das so…

House: Ehrlich gesagt war damit Ihre Bluse gemeint.

Cuddy: [grinst] Sie müssen bedenken, Cameron ist vermutlich die einzige Frau, die Sie erträgt. Tragen Sie das himmelblaue Hemd, weil Sie damit fast nett aussehen. [sie geht]

Schnitt zu Harveys Krankenzimmer. Chase untersucht ihn.

Harvey: Es heißt, sie darf hier nicht mehr rein. Ich möchte sie seh'n.

Chase: Harvey, sie wollten Annette verhaften. Das ist doch irre, so was hier zu machen. [hält seine Hände über Harvey] Jetzt meine Finger drücken.

Harvey: Ich hatte solche angst.

Chase: Und jetzt drücken Sie mit beiden Händen.

Harvey: [verblüfft] Mach' ich.

Schnitt zu einem Klinikflur, wo House und das Team entlang gehen.

Chase: Muskelschwäche rechts in Arm und Hand. Harvey hat Minianfälle. Der Blutverdünner bringt keine Besserung.

House: Stoppen Sie die Behandlung. [zu Foreman] Schade, wir haben es auf Ihre Art versucht, aber falscher ging's nicht.

Foreman: Tze, ich sagte, dass Chase vermutlich recht hätte.

House: Oh ja, ich weiß. Man ist immer im nachhinein schlauer. [zu Chase] Fragen Sie May in der Gefäßchirurgie, ob auf seiner Tanzkarte noch was frei ist. [Chase und Foreman gehen]

Cameron: [räuspert sich] Wegen morgen abend.

House: Sie konnten die Klappe nicht halten.

Cameron: Ich seh' auch nicht ein, warum. Wo gehen wir hin? Ich möchte mich dementsprechend anziehen.

House: Hm, tja, am besten Armee Boots und 'n T-Shirt. Es ist ein Paintball Bezirksturnier. Fünfzig Mäuse Hauptgewinn. Die teilen wir uns, wenn Sie es gut bringen.

Cameron: Aber unser Deal war ein anderer.

House: [geht auf seine Bürotür zu] Keine angst, ich hab' reserviert im Café Spoleto. Was das Outfit betrifft… ich steh' auf Lackbodies mit Strass.

Cameron: [schmunzelt] Ich lass' mir was einfallen.

House: [nickt] Hm. [geht in sein Büro]

Schnitt zu Chase, der Harvey die OP erklärt.

Chase: Der Eingriff repariert die Blutgefäße im Halsbereich. Dann hör'n die Schlaganfälle auf.

Harvey: Und alles kommt von der Strangulation?

Chase: Eher von den VIELEN Strangulationen.

Harvey: [beschämt] Mein Vater hatte recht. Ich bin ein Loser. Ich, ich weiß nicht… ich, ich kann doch nicht…

Chase: Harvey, beruhigen Sie sich.

Harvey: Ich will sie sehen.

Chase: Sie schaffen das auch allein. Die Operation ist notwendig.

Harvey: Sie hasst mich. Ich hab' sie… ich hab' sie angerufen. Sie nimmt nicht ab. [fängt an zu weinen]

Chase: Sie brauchen sie nicht.

Harvey: Ich, ich, ich kann nicht… ich kann nicht.

Chase: [im barschen Befehlston] Harvey! Sie werden tun, was ich sage.

Harvey: Ich, ich will keine Operation.

Chase: Unterzeichnen Sie das jetzt. Na los!

Harvey: Ich kann das nicht. Keine Operation. Ich will das nicht… nein, nicht, nein… [er schluchzt nur noch]
Kamerafahrt über das Klinikgelände.

Schnitt zum Besprechungsraum.

Cameron: Wir könnten Antidepressiva geben. Vielleicht stimmt ihn das um.

Chase: Ist schon passiert. Hab' ich ins Apfelmus gemischt. Es wird ihm sicher bald besser geh'n.

House: Jemand sollte es ihm befehlen. Das geht vielleicht schneller. [sieht Chase an]

Cameron: Fälschung auch und genauso illegal.

Chase: [räuspert sich] Hab' ich auch schon versucht.

House: Sie? Nicht doch. Wo ist die gute Domina, wenn man sie braucht?

Chase: Annette bekam Hausverbot.

House: Falls Sie erwischt werden… Cuddy hat 'ne Haarbürste und damit geht sie richtig gut um.

Schnitt zu Harveys Krankenzimmer. Foreman und Chase schleusen Annette hinein.

Harvey: [lächelt] Sie haben dich wieder reingelassen.

Annette: [kühl] Nicht deshalb, weil du's verdient hast. Du warst böse. Du wirst die Operation machen lassen. Ist das klar? [Harvey grinst] Lach ja nicht über mich. Du respektierst mich ge…

Harvey: Was fällt dir ein? Du wirst mir nicht sagen, was ich tun soll, du blödes, altes Miststück.

Foreman: [zu Chase] Gehört das zum Ritual?

Annette: [dreht sich überrascht zu Chase und Foreman] Das ist ganz untypisch. Da stimmt was nicht.

Harvey: [schreit und schlägt nach ihr] Hinaus! Raus! Alle raus, raus…

Er schlägt wild um sich. Chase und Foreman müssen ihn festhalten.

Foreman: Emotionsschwankungen. Ein neuer Schlaganfall.

Chase: Harvey… Er sackt uns weg. Wir brauchen einen Rehawagen.

Schnitt zu Dr. Cuddys Büro.

Shifren: Also, was heißt das? Zweiter Schlaganfall durch Erschrecken?

House: Ja. Mir kommen langsam Zweifel an meiner Kompetenz als Menschenfreund.

Shifren: Und jetzt wollen Sie ihn ohne sein Einverständnis operieren?

Cuddy: Er liegt im Koma. Der Eingriff ist erforderlich.

Shifren: Er hat es verweigert. Wir dürfen's also nicht.

House: Ausnahmesituationen erfordern heroische Maßnahmen.

Shifren: Nicht ohne Anordnung.

House: Gut und wo krieg' ich die her? Brauch' ich dazu einen Anwalt?

Shifren: Der Richter verlangt eine Genehmigung von den nächsten Angehörigen.

House: Uh, die haben ein Problem, etwas zu unterzeichnen, denn sie sind tot.

Shifren: Er braucht einen Beweis.

House: Und was? Daddys Hand? Ich weiß leider nicht, wo er verscharrt wurde.

Shifren: Mit einer amtlichen Sterbeurkunde oder Todesanzeige würde ich's versuchen. Ich will nicht, dass Sie sich schmutzig machen.

Schnitt zu einem Klinikflur, wo House und sein Team wieder unterwegs sind.

Cameron: Seine Eltern waren Finanzbuchhalter. Vielleicht gab's 'ne Anzeige in Fachblättern.

Chase: Der Junge wohnt in Market Town. Falls er da aufgewachsen ist, könnte man die Bestatter fragen.

House: Gute Idee. Wenn dann nichts herauskommt, versuchen Sie festzustellen, wo sie leben.

Foreman: Er hat gesagt, sie wären tot.

House: Buchhalter können im allgemeinen gut mit Geld umgehen. Wieso wohnt er also in einem Slum wie Market Town?

Cameron: Sie waren vielleicht miese Buchhalter.

House: Gleich zwei schlechte Buchhalter auf einmal? Das ist unmöglich.

Foreman: Vielleicht hat Harvey ihr Geld durchgebracht.

Chase: Oder sie haben ihn verstoßen, nachdem sie von seinen Neigungen erfahren haben.

House: Darauf tippe ich. Gehen Sie in sein Apartment. Versuchen Sie, was zu finden. Anschrift, Telefonnummer, et cetera.

Chase und Cameron gehen. Foreman folgt House in dessen Büro.

Foreman: Hey, haben Sie kurz Zeit?

House: Klar. [schaltet den Fernseher ein; seine Soap läuft]

Foreman: Hör'n Sie, Cameron ist 'ne Freundin. Das ganze Date Ding…

House: Die Zeit ist abgelaufen. Danke fürs teilnehmen.

Foreman: Hey, ich war in letzter Zeit öfter aus als Sie…

House: Ich bin Ihnen weit voraus. Ich hab' im Kofferraum 'ne Kiste Starkbier eingelagert und im CD Player Marvin Gaye und ich lass' sie nicht weg, ohne das Letzte gekriegt zu haben. [macht eine Handbewegung] Bewegen Sie sich zur Seite.

Foreman: [setzt sich demonstrativ auf den Fernseher] Ich bitte Sie. Sie steh'n gar nicht auf sie. Die meisten Kerle kaschieren ihr Desinteresse an einer Frau mit Nettsein.

House: Wie gut Sie mich doch kennen.

Foreman: Hm, das mein' ich ja. Folgen Sie doch einfach Ihren Instinkten. Seien Sie ein Ekel.

House: Ich verpasse meine Soap Ihretwegen.

Foreman: Frauen lieben es, recht zu haben. Sie brauchen das Gefühl der Überlegenheit, dass sie alles im Griff haben. Doch wenn Sie nett sind, wird Sie sich Vorwürfe machen.

House: Und sich noch mehr in mich verlieben. Der Liebesdoktor hat das Beziehungsbeenden zur Kunst entwickelt. Weil Sie nämlich denken, SIE zu verlier'n, wär' für jede Frau ein furchtbarer Schlag.

Foreman: [lacht] Ja. Ich bin der mit dem ernsthaften Ego-Problem, nicht? Ich meine nur, man muss nicht jede Beziehung unbedingt anfangen. [er geht; House sieht ihm nachdenklich hinterher]

Schnitt zu Harveys Apartment. Cameron und Chase suchen nach Hinweisen auf Harveys Eltern.

Cameron: Harveys Schulanmeldung.

Chase: [durchsucht einen Schrank] Permanente Familienadresse? Notfallkontaktadresse?

Cameron: Annette Raines.

Chase: [findet Sexspielutensilien] Meisterin Annette. [zu Cameron] Du musstest House ein Date abnötigen. Siehst du das nicht als schlechtes Zeichen? Cameron?

Cameron: [steht mit einem Buch hinter ihm] Das Highschool Jahrbuch. [sieht im Schrank eine Maske] Denkst du, das bringt uns weiter, Sherlock?

Chase: [findet in einer Schublade tic tac und steckt sich zwei Schachteln davon ein] Von sich aus gibt House dir nichts. Du musst ihn scharf rannehmen, um das, was du willst, zu bekommen.

Kamerafahrt über das Klinikgelände.

Schnitt zum Besprechungsraum. House und das Team versuchen, telefonisch Kontakt zu Harveys Eltern aufzunehmen.

Foreman: Harvey. H. A. R. V. E. Y.

Cameron: Entschuldigen Sie die Störung. Wiederhör'n.

Chase: Ja, Harvey Park. Wie schön, wir haben Sie gesucht. Ich, äh, ich rufe vom Princeton Plainsboro Lehrkrankenhaus an. Harvey ist hier und muss… [sieht verdutzt den Hörer an] Er hat aufgelegt.

Foreman: Ohne was wissen zu wollen?
Chase: Ja, kommentarlos.

Foreman: Noch mal.

House geht zum Telefon und spielt mit einem Jojo, das Chase' Kopf nur knapp verfehlt.

House: Ich mach' das. Der Meister wird Ihnen 'ne Lektion geben. [in den Hörer] Mister Park. Hier ist Gregory House vom Princeton Plainsboro Lehrkrankenhaus in New Jersey. Ihr Sohn Harvey ist tot. Wir müssen Sie bitten, ihn zu identifizieren. [alle sehen ihn verblüfft an] Ja, ich bedauere, so ist das Gesetz. Okay. [legt den Hörer auf und nimmt Chase eine Schachtel tic tac weg] 'Ne echte Kunst, schlechte Nachrichten zu übermitteln.

Cameron: Die geh'n doch bestimmt in die Leichenhalle.

House: Informieren Sie mich, wenn Cuddy anfängt, abzudreh'n.

Schnitt zu Cuddys Büro, wo nun auch Harveys Eltern sitzen.

Cuddy: [zu House] Sie haben sie also belogen?

Mrs. Park: Er sagte, unser Sohn wäre tot.

House: War so was wie 'ne Notlüge. Aber eigentlich kam der Anruf nur etwas früh. Vertrauen Sie mir, er wird bald tot sein. Ich hab' Ihnen erspart, im Rushhourverkehr stecken zu bleiben.

Mrs. Park: Ich rufe unseren Anwalt an.

House: Gern, aber erst werden Sie die Einwilligung zur OP noch unterzeichnen. [reicht ihr das Formular] Ich hab' einen Stift.

Mrs. Park: [nimmt ihr Handy und wählt eine Nummer] Marilyn Park für Mark Lerner. Ja, ich warte.

Cuddy: Harvey ist Ihr Sohn. Bedeutet er Ihnen denn überhaupt nichts?

Mr. Park: Es ist demütigend für uns. Sämtliche Freunde wissen von seiner… Perversion.

House: Was, Sie steh'n nicht auf Erniedrigung aber Ihr Sohn schon. Hm, es überspringt wohl eine Generation.

Shifren: [zu den Parks] Wie viel wäre als Wiedergutmachung angemessen?

House: Ja, feilschen können Sie in einer Minute, aber ich will noch etwas sagen. Demütigungen gibt es in vielen Abstufungen. Vermutlich war es fürchterlich für Sie, als die Leute von den Neigungen Ihres Sohnes hörten. Aber wenn sie jetzt erfahren, dass Sie Ihren Sohn eher sterben lassen als ihn mit Ihrer Unterschrift zu retten, ist das viel schlimmer. Und glauben Sie mir… auch, wenn ich dafür Zettel in allen Nagelstudios und Chinafraßschuppen in Pennsylvania aufhängen muss. Ich veröffentliche das. [reicht Mrs. Park einen Stift, die ihr Handy weglegt und unterschreibt] Ihr Sohn wird gleich als Erster morgen früh operiert. [seufzt] Chinafraß… das war gemein von mir. [er geht]

Schnitt zum Besprechungsraum. Cameron studiert Unterlagen. Wilson kommt herein.

Wilson: Hey. Sind Sie, äh, können wir uns mal unterhalten?

Cameron: Worum das jetzt wohl gehen mag?

Wilson: Ich will bloß nicht, dass einer verletzt wird.

Cameron: Ich bin erwachsen. Ich hab' doch kein Treffen mit Jack the Ripper.

Wilson: Oh, es, es sind ja nicht Sie, um die ich mich sorge. Sie wissen das nicht, aber er hat lange niemanden mehr an sich rankommen lassen und ich, ähm… Sie sollten absolut sicher sein, dass Sie das wollen. Denn wenn er diesmal wieder enttäuscht wird… dann, äh, fürchte ich, gibt es nie mehr ein nächstes Mal.

Cameron: Sie fürchten, ich breche SEIN Herz? [beide sehen sich an]

Schnitt zu House' Apartment, wo dieser sich auf das Date vorbereitet. Er versucht, sich vor einem Spiegel eine Krawatte zu binden. Wilson leistet ihm Gesellschaft und lümmelt mit einer Zeitung auf dem Sofa.

Wilson: Die, äh, breite Seite ist zu kurz. Du siehst aus wie Jerry Lewis.

House: Das Ganze ist Blödsinn. Ich weiß gar nicht, was ich da alles quatschen soll. Man denkt, man redet über was bestimmtes und entweder ist das so und man langweilt sich oder nicht, weil so viel Subtext dahinter steckt, dass man einen Decoder braucht.

Wilson: Öffne ihr die Tür, schieb' ihr den Stuhl zurecht…

House: Ich hatte schon mal ein Date.

Wilson: Äh, nicht, seit der Discofox tot ist. [House reißt sich genervt die Krawatte runter] Sprich über ihre Schuhe, ihre Ohrringe und dann geh' zum Thema THA. [House guckt fragend] Ihre Träume, Hoffnungen und Ambitionen. Glaub mir, das wirkt immer. Brauchst du Kondome? Ich kann dir welche geben.

House: Musst du die zuhause nehmen?

Wilson: Auf Rezept. Die haben irgendwelche Antibiotika eingearbeitet.

House: Wieso sag' ich nicht ab? Ich hab' morgen früh 'ne wichtige OP.

Wilson: Wenn du Chirurg wärst, würde das auch Sinn machen. [House öffnet den Kühlschrank] Das ist 'ne gute Idee. Bier beruhigt. Für mich auch eins.

House: Kein Bier.

Wilson: Isst du was vorm Essen?

House nimmt einen Blumenschmuck (eine weiße Rose) heraus und zeigt ihn Wilson.

House: Das ist ziemlich albern, hm?

Wilson: [lächelt] Ich schätze, sie steht drauf.

Schnitt zum Café, wo Cameron sich für den schon angesteckten Blumenschmuck bedankt.

Cameron: Das ist wunderschön. Sie sehen aber auch toll aus.

House: Danke. [ein Kellner füllt sein Glas]

Kellner: Bitte sehr.

Cameron: Ich liebe dieses Restaurant.

House: Ja, hat sich verändert, seit ich zuletzt hier war. War mal 'n Striplokal. [Cameron lacht] Schöne Ohrringe.

Cameron: Die sind von meiner Mutter, danke.

House: Und schicke Schuhe. Auch bequem?

Cameron: Sie müssen mir nicht jemanden vorspiel'n, der Sie nicht sind.

House: Wir sind in feiner Umgebung, haben uns nett angezogen und wollen essen. Dazu gehört Smalltalk. [beide schweigen sich eine Weile an]

Cameron: Laut Freud, und ich umschreibe das ein wenig, erfordert der auf das Objekt gerichtete Liebestrieb einen Bemächtigungstrieb, um es zu besitzen. Und wenn der Mensch keine Kontrolle über das Objekt hat oder sich von ihm bedroht fühlt, kann er Aggressionen entwickeln. Wie, ähm, kleine Jungs, die auf Mädchen einschlagen.

House: Weil ich Sie wie Dreck behandle, muss ich Sie also sehr gern haben. [Cameron lächelt zustimmend] Hm. Was würde es nach Freud bedeuten, wenn ich plötzlich anfange, nett zu sein?

Cameron: Dass Sie in Kontakt zu Ihren Gefühlen treten.

House: Hmh. Also hab' ich keine Chance, Sie davon zu überzeugen, dass ich Sie nicht will.

Cameron: [triumphierend] Leider nein. [House scheint sich unbehaglich zu fühlen] Ich hab' nur einen Abend mit Ihnen. Also hab' ich nur eine Chance. Und ich will sie nicht damit vertun, darüber zu reden, welche Weine Sie mögen und welche Filme Sie hassen. Ich möchte wissen, was Sie empfinden… für mich.

House: [wird ernst] Sie leben in dem Wahn, alles ins reine bringen zu können, was nicht vollkommen ist. Darum haben Sie einen krebskranken Mann geheiratet, der dann starb. Sie lieben andere nicht. Sie brauchen sie. Und jetzt, da Ihr Mann tot ist, suchen Sie nach einem neuen Pflegefall. Deshalb wollten Sie mit mir ausgehen. Ich bin viel zu alt für Sie. Ich, ähm… bin nicht der Schönste und bin nicht charmant, bin nicht mal nett. Was ich bin, ist, was Sie suchen. Ich bin kaputt. [Cameron guckt betroffen und schweigt]

Schnitt zur OP, die nun bei Harvey durchgeführt wird.

Schwester: Tamponade?

Chirurg: Ja… und einmal absaugen.

Schwester: Schere?

Chirurg: Hmh. Sieht gut aus. Ist ja merkwürdig.

Forman und Chase stehen hinter einer Scheibe und beobachten die OP. Cameron kommt zu ihnen.

Foreman: Bist du auch schon da? War der Abend nett?

Cameron: Wie läuft der Eingriff?

Chase: Bis jetzt alles im grünen Bereich. Ist der Abend gut gelaufen?
Cameron: So weit ja. Wie war deiner?

Schnitt zu House und Wilson, die sich auf einem Flur unterhalten.

House: Sie hatte die Ravioli und ich hatte das Putenfleisch.

Wilson: Klar, ich will natürlich genau wissen, was ihr gegessen habt. Es ist entweder was gutes passiert oder was ganz schlimmes. Was nun?

House: Ich hatte danach ein leichtes Unwohlsein. Ich hab' wohl zu viel Allioli gegessen.

Schnitt zurück zum Team

Cameron: Oder der Wein. Ich hab' jedenfalls dicke Augen.

Foreman: Du hast ins Kissen geheult. Mach uns nichts vor. [Chase lacht]

Cameron: Es war der Wein. Wir hatten eine nette und offene Unterhaltung.

Schnitt zurück zu House und Wilson.

House: Nichts tiefschürfendes. Hauptsächlich Smalltalk.

Wilson: Das glaub' ich dir aufs Wort.

House: Ich hab' Schuhe und Ohrringe gelobt und schon waren fünfzehn Minuten verplaudert.

Schnitt zurück zum Team.

Foreman: Abfällige Sprüche?

Cameron: Einige, als wir über euch beide redeten.

Schnitt zurück zu House und Wilson.

Wilson: Beantworte mir nur eine Frage.

Schnitt zurück zum Team.

Foreman: Werdet ihr wieder essen gehen?

Schnitt zurück zu House und Wilson.

House: Ich, äh… würde sagen, nein.

Schnitt zurück zum Team.

Cameron: Ich, äh… weiß es nicht genau.

Chirurg: [wendet sich ans Team] Hey Leute, ihr habt euch vertan. Kein Aneurysma, gar nichts. Der Junge ist okay.

Schnitt zum Besprechungsraum.

Chase: Das heißt, wir wissen immer noch nicht, was die Schlaganfälle auslöst.

Foreman: Er hatte noch zwei nach der OP. Die Schäden werden wir erst erkennen, wenn er aus dem Koma erwacht. WENN er erwacht.

Cameron: Geben wir ihm doch wieder Blutverdünner, mit erhöhter Dosis?

House: Wenn's kein Gerinnsel ist, kann's durchaus passier'n, dass ihm danach das Blut aus den Ohren schießt. Das war's mit hören.

Myron und Ramona machen sich durch die Glastür bemerkbar.

House: Gott bewahre. [zu Myron und Ramona] Ist niemand zu haus, bin verreist.

Myron: Es ist wichtig.

House: [zum Team] Chase, Cameron… machen Sie noch ein Angiogramm und 'n Echo [zu Foreman] und bitte ein Ganzkörper-Scan. Wenn es Gerinnsel sind, will ich wissen, wo sie stecken. [das Team geht; zu Myron und Ramona] Oh, tut mir leid, da kratzt nur einer ab.

Ramona: Diese Pillen, die Myron jetzt schluckt, funktionieren nicht.

House: [nimmt Vicodin] Wie schön, dass Sie das in der richtigen Perspektive seh'n.

Myron: Aber mit den alten habe ich mich stark wie ein Bulle gefühlt, wissen Sie.

House: Schöne Metapher.

Myron: Aber die neuen, das sind Bonbons, sonst nichts.

House: Sie befreien Sie aber von all ihren Sorgen.

Ramona: Was?

House: Sie waren bei mir und haben geklagt, Sie hätten zu viel Sex.

Ramona: Das hab' ich nie.

House: [zu Myron] Und Sie auch, Sie Hengst.

Myron: Aber nein, so war das nicht.

House: Jeder Mensch lügt, aber ich dachte, Leute, die lange zusammen sind, haben diese Verbissenheit nicht nötig. [bemerkt die Eheringe der beiden] Ihre Ringe passen nicht zusammen.

Ramona: Wieso? Warum sollten sie?

House: Nun, Stil ist eine Sache, aber einer Silber, einer Gold? Wie lange sind Sie beide verheiratet?

Ramona: Neunundvierzig Jahre.

Myron: [gleichzeitig] Fünfundfünfzig Jahre.

House: Verdammt, Sie haben 'ne Affäre.

Ramona: [zu Myron] Du hast wirklich gesagt, du möchtest weniger Sex?

Myron: Weniger, ja. Überhaupt keinen Sex krieg' ich auch bei Esther.

Ramona: Mir fehlt nur etwas Erholung.

House: Sie sind nicht die Opfer von den kleinen, blauen Pillen. SIE sind das Problem.

Myron: [zu Ramona] Tut mir leid.

Ramona: Mir auch. Ich hätte dir einfach sagen sollen wie ich das sehe.

House: [Ergriffenheit vortäuschend] Aaach…

Myron holt ein Atemspray aus seiner Jacke und benutzt es. Er und Ramona küssen sich.

House: [schließt angewidert die Augen] Willkommen in der Hölle.

House nimmt die tic tac Schachtel aus seiner Jackentasche. Er hat eine Idee und will gehen.

Myron: Oh, hey, was ist denn nun mit den Pillen?

House: Sieht so aus, als könnten Sie es 'ne Weile drogenfrei versuchen.

Schnitt zum Besprechungsraum.

House: Dr. Chase. Diese Pfefferminzbonbons, die Sie seit gestern haben. Ist das ein neuer Fetisch?

Chase: Hab' ich bei Harvey gefunden. Ich hab' nur zwei genommen. Er hat 'ne ganze Schublade voll.

House: Das fanden Sie nicht interessant?

Chase: [grinst] Ahm, es gibt viele, interessante Sachen bei ihm. Pfefferminz war nicht auf der Liste.

House: Falsch.

Schnitt zu Harveys Krankenzimmer. House öffnet Harveys Mund.

House: Chase, stecken Sie die Nase hier rein.

Chase: Wenn Sie mich hier fertig machen wollen…

House: Kommen Sie, schnuppern Sie mal an seinem Mund.

Chase: [tut es] Bah!

House: Riecht widerlich, hm?

Chase: Wie nach Erbrochenem.

House: Hauptzeichen einer fulminanten Osteomyelitis.

Cameron: Kieferknochenentzündung?

House: Wahrscheinlich von der damaligen Fraktur. Nicht normal abgeheilt. [ein CGI Effekt zeigt Harveys Kieferknochen] Entzündetes Kieferknochengewebe löst sich ab und blockiert den Blutfluss zum Gehirn. Und das Leben ist nicht sehr lebenswert ohne Blut.

Foreman: Und die Metallplatte hat es beim Scan verdeckt.

Chase: Eine Kieferknochenentzündung zeigt sich auch selten bei Bluttests.

Cameron: Und wie sichern wir das ab?

House: So. [sticht eine Spritze in Harveys Kiefer und saugt Flüssigkeit ab] Ladies and Gentlemen, wir nennen so was Eiter. [drückt Chase die Spritze in die Hand und klaut ihm die zweite Schachtel tic tac] Wir entfernen den Kieferknochen. Hat jemand 'ne Stichsäge da? Nein? Dann rufen Sie 'n Chirurgen. [er geht]

Schnitt zu Harveys OP. Cameron, Foreman und Chase sehen wieder dabei zu.

Chirurg: Absaugen bitte.

Schwester: Puls und Atmung konstant.

Chirurg: Und Knochen entfernen.

Schnitt zu House, der Harvey im Krankenzimmer besucht. Eine Schwester steht an einem Gerät.

House: Hi, ich bin Dr. House. [wendet sich an die "Schwester"] Was macht die Kunst, Annette?

Annette: [dreht sich um] Ich, ich wollt' nur kurz sehen, wie's ihm geht. Auf Wiedersehen.

House: Nein, schon okay. Ich wollte Sie beide sprechen. Ich sag' immer all meinen Patienten, Finger weg von allen Arten von Strangulation. Ich bin selber ein Freak. Ich stehe auf keine Schmerzen haben. Und auf schokoladenüberzogene Marshmallow-Plätzchen.

Annette: Er ist kein Freak.

House: Ist er doch. Ein kleiner. Aber das muss aufhör'n, sonst wird er sterben.

Annette: Es geht nicht um Schmerzen. Vielmehr darum, einem Menschen totale Offenheit zu präsentieren und Verletzbarkeit. Wenn man bereit ist, das zu lernen, ein derart tiefes Vertrauen, dann verändert einen das.

House: [wirkt nachdenklich] Sperren Sie ihn in einen Käfig. Damit kann der Mediziner leben. [will gehen]

Harvey: Dr. House? Waren meine Eltern hier? Wollten sie mich sehen?

House geht und bleibt ihm die Antwort schuldig.

Schnitt zu House' Büro. Gedankenversunken betrachtet er eine Fotografie, auf der zwei Personen abgebildet sind. Auf dem Plattenspieler läuft der Song "Some Devil" von Dave Matthews.

ENDE