Transkript der Folge „Nur die Braut Christi?“ [#1.05] aus der Serie „Dr. House”

Transkript der Folge „Nur die Braut Christi?“ [#1.05] aus der Serie „Dr. House”

Deutsches Transkript erstellt von Eleyne Fraser

Letzte Änderung: Montag, 5. Januar 2015

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
Anmerkungen zu Übersetzungsfehlern oder Erklärungen zu sonstigen Auffälligkeiten sind in den Fußnoten zu finden.

 

Originaltitel: Damned If You Do
Ausstrahlung: 14.12.2004
Deutscher Titel: Nur die Braut Christi?

Ausstrahlung: 06.06.2006

Buch: Sara B. Cooper
Regie: Greg Yaitanes

 

Darsteller
Hugh Laurie (Dr. Gregory House)

Lisa Edelstein (Dr. Lisa Cuddy)
Omar Epps (Dr. Eric Foreman)
Robert Sean Leonard (Dr. James Wilson)
Jesse Spencer (Dr. Robert Chase)
Jennifer Morrison (Dr. Allison Cameron)

 

 

Gastdarsteller
Elizabeth Mitchell (Schwester Mary Augustine)
Lucinda Jenney (Schwester Mary Eucharist)
Taji Coleman (Tech),  James Symington (Priester)
Dakin Matthews (Marvin/Santa Claus Guy)
Ann Dowd (Mutter Oberin)
Lori Rom (Schwester Mary Pius)

 

Inhaltsangabe
Die Nonne Marie Augustine wird ins Krankenhaus eingeliefert, weil ihre Hände rot und angeschwollen sind sowie blutende Wundmale aufweisen. Augustine selber ist fest davon überzeugt, dass es sich bei den Symptomen um göttliche Stigmata handelt. Dr. House hat allerdings eine gänzlich andere Erklärung: Er vermutet eine banale allergische Reaktion. Als er der Nonne jedoch ein entsprechendes Medikament spritzt, erleidet diese einen schweren Schock und droht zu ersticken. Mit Mühe gelingt es Dr. House, den Zustand Augustines soweit zu stabilisieren, dass die unmittelbare Lebensgefahr gebannt ist. Während die Ordensschwestern für das Leben Augustines beten, machen Dr. House und sein Team sich unter Hochdruck daran, die wahren Hintergründe für die rätselhafte Erkrankung herauszufinden ...  [Text RTL]


 

Im Krankenhaus

Weihnachtszeit. House und Wilson sind zusammen an der Information. Das Lied „Rudolph the red nosed reindeer“ ist zu hören. House bewirft Wilson mit Papierschnipseln, neben ihm liegt ein riesiger Stapel Akten.

 

House:                Wir sind verdammt zu sinnloser Fron. 

 

Wilson:    Der vierte Kreis der Hölle. Das Aktualisieren geht sicher schneller, wenn du dich aller antiken Lyrik enthältst.

 

House:      Das Notieren von Dingen, die wir schon wissen und die kein Schwein liest. Ich bin sicher, dass Dante zustimmen würde, dass das sinnlos ist.

 

Wilson:               Du bist zwei Wochen im Rückstand mit deinen Akten.

 

House schnippt ein Stück Papier direkt in den Ausschnitt von Dr. Cuddy, die gerade vorbeikommt.

 

House:                Ups, das war daneben. 

 

Cuddy:                Wie alt sind Sie? Acht?

 

House:                Kann ein Achtjähriger das hier?  [schneidet eine Grimasse]

 

Cuddy:                Lassen Sie das lieber, sonst bleibt das so. Sie haben eine Patientin in Untersuchungszimmer 1. 

 

House:                Ja, aber ich habe um 12 Feierabend und es ist schon 5 Minuten vor.

 

Cuddy:                Ja, aber sie wartet schon seit 11 Uhr.

 

House:                Melancholie bar aller Hoffnungen. [zu Wilson] Welcher Kreis ist das?

 

SCHNITT: Ein Untersuchungszimmer

House kommt herein, drei Nonnen starren ihn erwartungsvoll an.

 

House:                Hi, ich bin Dr. House. Was kann ich für Sie tun?

 

Mary Eucharist: Zeig ihm deine Hände, Augustine.

 

House nimmt eine Schmerztablette und sieht sich dann die roten Hände der Schwester an.

 

Mary Pius:         Es sieht aus wie Stigmata.

 

Mary Eucharist: Schht, Pius.

 

House:      Das liegt wohl an all dem Gerede über den heiligen Wasserkühler. Haben Sie in letzter Zeit viel Geschirr gespült? 

 

Augustine: Ich helfe in der Küche aus.

 

House:                Irgendwas Neues in der Küche? 

 

Mary Pius:  Wir haben diese Woche eine Spende von Pfannen und Töpfen gekriegt.

 

Augustine: Ich habe sie ausgepackt und gewaschen. 

 

House:      Sie hätten lieber versuchen sollen, Seelen zu retten. Das ist schonender für die Hände. Es ist eine Kontaktdermatitis. Sie sind allergisch gegen Spülmittel.

 

Mary Eucharist: Unsinn. Wir benutzen die Sorte immer. Wieso soll’s jetzt ein Problem sein?

 

House:      Ich bin schon seit vielen Jahren Arzt. Wieso muss ich Leuten immer versichern, dass ich weiß, was ich tue? Jemand kann allergisch werden auf Substanzen, mit denen er wiederholt und längere Zeit Berührung hatte. [öffnet den Arzneischrank] Und jetzt die gute Nachricht: Gratisproben. Diphenydramin, das ist ein Antiallergikum. Es stoppt die allergische Reaktion. Schlucken Sie alle acht Stunden eine. Das macht Sie vielleicht etwas schläfrig. Und besorgen Sie sich eine von diesen rezeptfreien Kortisoncremes. 

 

Augustine: Danke, Doktor.

 

House:                Brauchen Sie Wasser? 

 

Augustine: Ich hab Tee dabei.

 

House:                Entspannen Sie sich für ein paar Minuten. Das Zeug wirkt ziemlich schnell.

 

House geht, die Schwester nimmt die Tablette und spült sie mit Tee hinunter.

 

SCHNITT: Am Empfang.

House kommt zu Wilson zurück und wirft die Akte auf den Stapel.

 

Wilson:               Es ist genau zwölf Uhr. 

 

House:                Wie löst man ein Problem wie Dermatitis? 

 

Wilson:               Was?

 

Mary Eucharist: [kommt aus dem Zimmer] Doktor?  Ich möchte Ihnen für Ihre Geduld danken.

 

Wilson:               Meint sie dich? 

 

House:                Keine Ahnung. Sie sieht mich jedenfalls an.

 

Mary Eucharist: Es tut sehr gut, eine weltliche Diagnose zu hören. Die Schwestern neigen oft dazu, so was als allmächtige Hand Gottes zu interpretieren.

 

House:                Und Sie nicht? Trotz Ihrer ulkigen Kopfbedeckung.

 

Wilson:               Entschuldigen Sie mich.  [geht]

 

Mary Eucharist: Wenn ich mir ein Bein breche, glaube ich, dass es nicht ohne Grund geschah. Denn ich glaube,  Gott wollte, dass ich es mir breche. Und ich glaube, dass er will, dass ich einen Gips trage.

 

Mary Pius: [kommt aufgeregt herbeigelaufen] Doktor, da stimmt was nicht.

 

SCHNITT: Das Untersuchungszimmer.

Schwester Augustine ringt nach Luft. House und die anderen Schwestern kommen hereingestürzt. House hört die Kranke  ab.

 

House:      Heben Sie Ihr Kinn Schwester. Sie haben eine Asthma Attacke. Sie müssen sich entspannen. Den Ärmel hochkrempeln, bitte. Ich gebe Ihnen Epinephrin. Das entkrampft die Lungen und erleichtert das Atmen. [gibt ihr eine Spritze]

 

Computeranimation der Blutbahn und der Lunge der Schwester. Man sieht wie das Mittel wirkt und die Bronchien sich wieder entspannen.

 

Mary Eucharist: Was ist passiert? 

 

House:                Hat sie die Pille genommen?

 

Mary Eucharist: Ja.

 

House:                Das ist wahrscheinlich 'ne allergische Reaktion. 

 

Mary Pius: Sie ist allergisch gegen ein Antiallergikum?

 

House:                Glaubt sie, es würde sie jemand verfolgen? Wie fühlen Sie sich?

 

Augustine: Besser. 

 

House:                Ich geben Ihnen stattdessen Steroide.

 

Augustine: Ist es normal, dass sich das Herz so komisch anfühlt?  

 

House:      Das hat mit dem Adrenalin zu tun. Es lässt lhr Herz schneller schlagen. Doch nicht so schnell. [zu Mary Eucharist] Rufen Sie  eine Schwester bitte.

 

Mary Eucharist: Hilfe, wir brauchen Hilfe.

 

Eine Krankenschwester kommt herein. House hat die Patientin hingelegt und öffnet ihr die Bluse um sie wiederzubeleben.

 

House:      Kommt endlich jemand? [zur Krankenschwester] Lassen Sie einen Notfall ausrufen und laden Sie den Defibrilator. Sie hat keinen Puls mehr.

 

 

 

VORSPANN

 

 

 

Ein Krankenzimmer.

Schwester Mary Augustine liegt im Bett, die anderen Schwestern sitzen neben ihr. Alle beten.

 

SCHNITT: Cuddys Büro.

House steht vor Cuddys Schreibtisch.

 

Cuddy:      Sie haben bei der Patientin Allergien diagnostiziert und ein Antihistaminikum verordnet. Sie bekam Atemnot und Sie haben ihr Epinephrin gespritzt. Vermutlich 1 ml. 

 

House:                0,1. Soviel ich weiß ist das die Standarddosis und die habe ich ihr injiziert.

 

Cuddy:                Man kriegt keinen Herzstillstand von 0,1 ml Epinephrin.

 

House:                Sie hat wahrscheinlich ein vorbestehendes Herzleiden, das durch das Epinephrin aufgeflammt ist.

 

Cuddy:                Haben Sie aber nicht auf dem Krankenblatt notiert.

 

House:                Dann werde ich es eben nachtragen. 

 

Cuddy: In der Schublade sind Spritzen mit beiden Dosen. Da greift man schnell die falsche. 

 

House:                Aber das hatte ich nicht.

 

Cuddy:      Jeder macht mal 'n' Fehler. Deswegen lasen sich Ärzte die Haftpflichtversicherungen einen Haufen Geld kosten.

 

House:                Schwachsinn, die werden ganz sicher nicht klagen. Na ja, vielleicht gibt’s einen Klaps mit dem Lineal.

 

Cuddy:                Der Disziplinarausschuss wird Ihnen auch noch was klapsen. 

 

House:                Wollen Sie mich melden?

 

Cuddy:                Was bleibt mir übrig? 

 

House:                Zum Beispiel: Mich nicht zu melden.

 

Cuddy:      Ich kann rechtfertigen, dass Sie sie für 24 Stunden zur Beobachtung einweisen. Wenn Sie bis dahin nicht die Ursache des Herzstillstands gefunden haben, muss ich unsere Juristen verständigen.

 

House sieht auf die Uhr und geht.

 

SCHNITT: Auf dem Gang.

House, Foreman, Chase  und Cameron gehen den Gang entlang und unterhalten sich über den Fall.

 

Cameron: Die Hände waren rot und geschwollen. Vielleicht ist es eine Zellentzündung, die mit Tachykardie[1] verbunden ist. 

 

Foreman: Es gibt keine Vorgeschichte von Fieber. Das Blutbild zeigt keinen Hinweis auf eine Infektion.

 

Cameron: Die Eosinophilen[2] sind geringfügig erhöht. Könnten wir es mit 'ner allergischen Reaktion zu tun haben? 

 

House:      Das ist nicht allergisch. Allergien lösen niemals einen Herzstillstand aus. Vielleicht ist es 'ne Inflamation der Blutgefäße. 

 

Foreman: Vaskulitis? Dann hätte man keine vermehrte  Eosinophilenzahl.

 

House:      Bei der Churg-Strauss-Vaskulitis schon. Die Blutgefäße des Herzens, der Haut und der Lunge entzünden sich und verursachen Asthma, Hautausschlag und Herzprobleme. Das passt zu all ihren Symptomen.

 

Sie gehen in das Büro.

 

Cameron: Für 'ne  Diagnose brauchen wir 'ne Biopsie. 

 

Chase: Thorax-CT wäre schneller.

 

Foreman: Die Gute kam nur mit einem Ausschlag.

 

House:                Was zur Hölle ist das denn?  [sieht auf den Tisch, auf dem ein Korb mit Süßigkeiten steht]

 

Cameron: Zuckergehstöcke.

 

House:                Zuckergehstöcke? Will sie mich verspotten?

 

Cameron: [verlegen] Nein. Es... es ist Weihnachten und ich, ich... dachte -

 

House:                Ganz ruhig. War nur 'n Scherz. 

 

Foreman: Ist die Prognose von Churg-Strauss nicht etwas düster?

 

Cameron: Ja. Unbehandelt überleben nur 33 Prozent das erste Jahr. Behandelt fünf Jahre. 

 

House:                Dann schlage ich dringend eine Therapie vor.

 

Foreman: Jedem anderen zuständigen Arzt würde ich sagen, er hat einen Fehler gemacht und ihr zu viel Epinephrin verabreicht. 

 

House:                Dadurch, dass Sie mir nicht sagen, dass es mein Fehler war, sagen Sie mir, dass es mein Fehler war.

 

Foreman: Mist baut jeder mal. Ihre Regel. Damit gliedern Sie sich in die Normalsterblichen ein. 

 

House:      Ich habe keinen Fehler gemacht. Veranlassen Sie ein Thorax-CT und geben Sie der Schwester Prednison, 40 mg dreimal täglich. 

 

Chase: Der Schwester?

 

House:                Habe ich das nicht erwähnt? Die Patientin ist Nonne. Schwester Augustine.

 

Chase: [missmutig] Ich hasse Nonnen. 

 

House:                Wer nicht?

 

House geht und lässt seine Assistenten nachdenklich zurück.

 

SCHNITT: Das Zimmer von Schwester Augustine

Die Kranke liegt im Bett. Der Fernseher läuft und Schwester Mary Pius sieht sich fasziniert ein Musikvideo an. Cameron, Foreman  und Chase betreten das Zimmer.

 

Cameron: Schwester Augustine? 

 

Augustine: [ertappt] Wir haben nicht hingesehen.

 

Mary Pius: [hält die Fernbedienung hoch] Wir wollten nur sehen, ob das die Bettsteuerung ist.

 

Cameron: Oh, das hier ist die Fernbedienung fürs Bett. Und das hier die für den Fernseher. Ich bin Dr. Cameron das hier sind Dr. Chase und Dr. Foreman.

 

Augustine: Ferngesehen habe ich nicht mehr seit 20 Jahren.

 

Chase: [scharf] Halten Sie's für Teufelswerk oder kriegen Sie da wo Sie leben kein Kabel-TV?

 

Cameron sieht Chase strafend an.

 

Foreman: Wie fühlen Sie sich, Schwester? 

 

Augustine: Ich fühle mich schon etwas besser. Ich habe ’n Medikament gekriegt. 

 

Foreman: Prednison. Das ist ein Steroid. Das gibt man wegen der Entzündung.

 

Augustine: Hat Dr. House schon rausgefunden, was ich habe? Werde ich wieder gesund?

 

Cameron: Wir sind noch nicht sicher, was es ist. Wir machen heute ein Thorax-CT und hoffen, dass uns das weiterbringt. 

 

Mary Pius: Dr. House gab ihr Medikamente, ohne zu wissen, was Augustine hatte? 

 

Augustine: Vertrauen, Schwester Pius. Alles auf Erden hat seinen Grund. 

 

SCHNITT: Die Ärzte kommen aus dem Zimmer von Schwester Augustine und gehen den Gang entlang.

 

Foreman: Er weiß nicht, was er tut. Das einzige Problem, das die Frau hat, ist, dass House die falsche Spritze genommen hat.

 

Cameron: Du vertraust ihm nicht.

 

Foreman: Ich traue keinem Mann, der nicht zugibt, dass er sich geirrt haben kann. Du hast ihr auch nicht gesagt, dass sie Churg Strauss hat und nur noch ein paar Jahre leben wird.

 

Cameron: Schlechte Nachrichten teile ich Patienten nur mit, wenn sie konklusiv ist. 

 

Foreman: Weil du weißt, dass er sich möglicherweise irrt.

 

Cameron: Was die Churg-Strauss Sache betrifft bin ich es nicht.

 

Foreman: Was ist mit dir, Chase? Hältst du ihn auch für unfehlbar?

 

Chase:      Ich weiß nur, wenn House keinen Fehler gemacht Schwester Augustine Churg-Strauss hat, wird er selbstzufrieden und unser Leben ein paar Wochen idyllisch sein. Wenn er aber 'n Fehler gemacht hat, wird er genervt sein und unser Leben beschissen.

 

Foreman: Ja, das kann sein. 

 

SCHNITT: House unterhält sich mit Wilson während sie zur Klinik gehen.

 

House:                Wenn Cuddy meint, hätte einen Fehler gemacht, könnte Sie mich wenigstens vom Dienst befreien.

 

Wilson:               Sie kennt den Unterschied zwischen Fehler machen und Inkompetenz.

 

House:      Jetzt geht's los. Ich krieg’ meine Lektion. Ich weiß, Selbstvertrauen ist eine meiner Stärken. Aber ich bin auch nur ein Mensch und kann mich mal irren.

 

Wilson:               Du glaubst also, du hast Mist gebaut? 

 

House:                Nein.

 

Wilson:               Das ist also nur eine theoretische Irrtumsfähigkeit? 

 

House:                Gutes Argument. Vielleicht habe ich keine. Vielleicht ist das mein Irrtum.

 

Wilson:               Weißt du, die meisten Menschen, die so viel von sich halten wie du, reden gerne über sich selbst.

 

House:                Die meisten Leute hören nicht gerne zu. Also, was fehlt ihr?

 

House hat sich eine Akte an der Information genommen und geht in ein Untersuchungszimmer. Auf dem Tisch sitzt ein Mann im Weihnachtsmannkostüm. House schließt die Tür und schnuppert in die Luft.

 

House:                Lassen Sie mich raten: Sie haben eine Darmerkrankung.

 

Patient:              Wow, Mann, ja. Ist das so furchtbar? 

 

House:      Ja. Es steht aber auch hier drin. Blutige Diarrhöe, Flatus, Schmerzen.  Sulfasalazin, hat aber nicht geholfen.

 

Patient:              Nein. Und dann habe ich... 

 

House:                Anschließend Steroideinläufe. Orale Korticosteroide, 5 ASA, 6 Porinotol, ich bin beeindruckt.

 

Patient:              Von meiner medizinischen Vorgeschichte? 

 

House:                Von der Ausführlichkeit Ihres letzten Arztes.

 

Patient:    Es ist eine Sache jede Stunde aufs Klo zu müssen, aber wenn sich die Kinder sich auf meinen Schoß setzen, dann... Ich wurde nach Hause geschickt. Können Sie mir nicht wieder 5 ASA verschreiben? Vielleicht wirkt es jetzt. 

 

House:      Sicher nicht. Ich gebe Ihnen ein Rezept. Das Mittel ist billig, was gut ist, denn Ihre Versicherung wird es nicht bezahlen.

 

House schreibt etwas auf einen Zettel und gibt ihn dem Mann, der liest:

 

Patient:              Zogaritis? 

 

House:      Zigaretten. Zwei Mal täglich eine. Nicht mehr und nicht weniger. Studien haben gezeigt, dass Zigaretten  rauchen eine wirksame Methode ist, Darmerkrankungen in den Griff zu kriegen. Dazu kommt, dass Sie damit 30 Prozent cooler aussehen.

 

Patient:              Verscheißern Sie mich? 

 

House:                Was das coole Aussehen angeht, ja. Der Rest stimmt. 

 

Patient:              Ist das nicht gefährlich und Sucht erzeugend?

 

House:      So ziemlich alle Drogen, die ich verschreibe, sind gefährlich und Sucht erzeugend. Der Vorteil von dieser ist, sie ist absolut legal. Fröhliche Weihnachten. [geht]

 

Schnitt: Chase schiebt Schwester Mary Augustine im Rollstuhl zur Behandlung.

 

Augustine:  Ich habe mich mit dem Pfleger unterhalten. Arsenio. Kennen Sie ihn?

 

Chase: Nicht direkt. 

 

Augustine: Er kann mit dem Telefon Fotos machen. 

 

Chase: Cool.

 

Augustine: Die Frau im Labor war auch interessant. Sie hat Astrophysik studiert, bevor Sie Krankenschwester wurde. 

 

Chase: Sie kennen das Personal besser als ich.

 

Augustine: Ich lasse mir gern was von Menschen erzählen. 

 

Chase: Und doch sind Sie ins Kloster gegangen.

 

Augustine: Dort kann ich unserem Herrn und der Welt am besten dienen. 

 

Chase:      Unserem Herrn vielleicht. Der Rest der Welt hätte wahrscheinlich mehr von Nahrungsmitteln für die Obdachlosen oder... 

 

Augustine: Der Heilung der Kranken.

 

Chase: Wenn Sie wollen, ja.

 

Augustine: Wollten Sie schon immer Arzt werden?

 

Chase: Das wollte ich. Und Sie immer Nonne? 

 

Augustine: Meine Eltern starben als ich sechs war. Ich bin in einem kirchlichen Fürsorgeheim aufgewachsen. Als ich 18 wurde, bin ich in ein Kloster gegangen und habe mein Gelübde abgelegt. Ich kenne kein anderes Leben und wollte auch nie eins kennen lernen.

 

SCHNITT: Das Untersuchungszimmer.

Schwester Augustine liegt im CT, Die Ärzte sitzen im Nebenraum.

 

Foreman: [aus dem off] Okay, Schwester. Sie müssen so still liegen, wie nur möglich. Wenn Sie Angst bekommen, sagen sie Bescheid.

 

Augustine: Wie sagte doch Jonas im Bauch des Wals? Als ich all meine Hoffnung verloren hatte, gedachte ich dem Herrn.

 

SCHNITT: Im Nebenzimmer.

 

Foreman: Jedenfalls hat sie Gott auf ihrer Seite. 

 

Cameron: Ich glaube nicht an Gott.

 

Foreman: Du glaubst nicht mal ein bisschen an Gott? 

 

Augustine: [aus dem off] Muss das hier so komisch riechen?

 

Technikerin: Jemand hat sich heute früh darin übergeben. Es wurde gereinigt, aber...

 

Cameron: Es ist normal, Schwester. Es dauert nur ein paar Minuten. Ich glaub' an eine höhere Ordnung, die alles lenkt und leitet, aber nicht an jenes anthropomorphische Wesen, das Gott genannt wird und sich mit den Dingen unseres Lebens befasst.

 

Foreman: Was ist da sonst in unserem Leben zu lenken als die alltäglichen Dinge?

 

Cameron: Es geht immer nur um dich, Foreman.

 

Foreman: Was meinst du dann? Die Bäume? Die Fische? Sollten die denken, es ginge nur um sie?  Wie steht’s mit dir, Chase, glaubst du an Gott?

 

Chase:      [sieht auf den Monitor] Ich glaube, Schwester Augustine zeigtkeine vaskuläre Pathologie, mit anderen Worten kein Churg-Strauss.

 

Foreman: Also machte House einen Fehler. 

 

Cameron: Das ist nicht gesagt. Es könnte auch was anderes sein. Thyrotoxicose oder ein Karzinom. 

 

Foreman: Ich verstehe dich nicht. Du glaubst nicht an Gott, setzt aber bereitwillig dein ganzes Vertrauen in einen Mann?

 

Augustine: [aus dem off] Bitte. Dieser Geruch ist- 

 

Die Patientin beginnt zu röcheln, die Ärzte stürmen in das Zimmer.

 

Foreman: Holen wir sie raus.

 

Cameron: Ich komme schon, Schwester. Ich bin schon da.

 

Augustine: Der Geruch... Mir ist ganz schlecht. 

 

Cameron: Da ist kein Geruch.

 

Augustine: Oh Gott. Es ist Jesus. Es ist Jesus. Er kommt mich holen. Er verbrennt mich mit seiner Berührung.

 

Augustine streckt die Arme aus, die Ärzte versuchen sie zu beruhigen.

 

Foreman: Wir geben ihr Ativan. Geruchsempfindungen und religiöse Visionen sind symptomatisch für ein

Anschwellen der Temporallappen. 

 

Cameron: Sie krampft.  Kiefersperre! 

 

Foreman: Hilf mir, sie auf die Seite zu drehen.

 

Chase: Religiöse Visionen? 

 

Foreman: Ja, als nächstes kommt...

 

Foreman schiebt das Nachthemd hoch und man sieht einen roten Ausschlag auf dem Oberschenkel der Patientin.

 

SCHNITT: Die Ärzte sitzen im Besprechungszimmer. Dr. Cuddy ist ebenfalls anwesend, House steht an der Tafel.

 

Foreman: Die Patientin war positiv für Herpes Enzephalitis.

 

House:                Und was sagt uns das?

 

Cameron: Ihr Immunsystem ist massiv geschwächt.

 

Cuddy:      Oh ja, richtig. Prednison schwächt das Immunsystem. Ist das nicht das Mittel, das Sie ihr gegeben haben, für das, was sie nicht hat?

 

House:                Ja, das habe... Hey. Ich glaube, hier haben wir eine Trickfrage.

 

Cameron: Ihr Immunsystem ist massiv geschwächt. Zwei Dosen Prednison würden das nicht bewirken.

 

Cuddy:                [zu House] Gründen Sie lhre Diagnose auf ein Adverb? 

 

House:                In zehn Sekunden werden wir kundtun, dass ich ihr die falsche Dosis gegeben habe. 

 

Cuddy:                Und damit Fahrlässigkeit eingestehen?

 

House:      Wenn Sie den Raum verlassen. Wenn Sie bleiben, müssen Sie es bezeugen. Fünf, vier, drei, zwei... Breit wie 'ne Schrankwand, hab ich in der Klinik eine Schublade geöffnet, die Augen geschlossen und die erste Spritze genommen, die ich finden konnte. [Cuddy geht]  Also, wie lauten die Optionen für  geschwächtes Immunsystem?

 

Chase: Gemischte Bindegewebserkrankung. Das würde erklären, wieso sie sich nach Prednison besser fühlte.

 

Foreman: Sie fühlte sich besser bis zu dem Moment, wo es sie fast umgebracht hätte.

 

House:      Andererseits erklären die Symptome aber auch die geschwollenen Hände, Atmungsprobleme, Herzprobleme. Es passt alles zusammen. 

 

Foreman: Aber ihr ANA Tita war normal. 

 

House:                Dann nehmen Sie erneut Blut ab.

 

Foreman: Die Therapie sind Korticosteroride, Prednison. Und das verbietet sich, wegen der Enzephalitis.

 

House:      Dann setzen wir etwas ein, das das Immunsystem moduliert, aber nicht unterdrückt: Eine hyperbare Sauerstofftherapie.

 

Foreman: Es gibt keine Protokolle für die Behandlung von autoimmunschwäche Patienten in einer Sauerstoffüberdruckkammer. 

 

House:      Oh Mann, oh Mann, Sie immer mit Ihren Protokollen. Sie bereiten die Nonne vor und setzen das Prednison ab.

 

Die Ärzte gehen, als Foreman an House vorbeigehen will, hält dieser ihn auf.

 

House:                Ich finde es ebenso amüsant wie ärgerlich, dass Sie denken, ich sollte weniger stur sein als Sie.

 

Foreman: Sie kennen doch wohl den hypokratischen Eid?

 

House:      Dessen erster Grundsatz ist, keinem Schaden zuzufügen und irgendwo steht da auch noch was von keine Abtreibungen zu machen und keine Sklaven aufzuschneiden. Ja, hab’ ich überflogen. Wahr nicht beeindruckt. 

 

Foreman: Ein hyperbare Behandlung kann Sauerstofftoxizität auslösen. Lungen und Augenschäden obendrein. 

 

House:                Wie sie wissen hat jede Behandlung ihre Risiken.

 

Foreman: Weshalb wir nur dann behandeln, wenn wir wissen, dass der Patient dieser Behandlung bedarf.

 

House:                Ich bin überzeugt. Sie nicht. Die Frage ist, was werden Sie jetzt tun; hm?

 

SCHNITT: Cuddys Büro.

Cuddy telefoniert, Foreman kommt herein.

 

Cuddy:      Ich kann wahrscheinlich Donnerstag um 3. Haben Sie noch einen vierten? Kann er denn das? Kann ich Sie zurückrufen? Okay. [zu Foreman] Was gibt's?

 

SCHNITT: In der Überdruckkammer.

Chase und Cameron bereiten die Patientin für die Behandlung vor.

 

Chase: Der Überdruck treibt den Sauerstoff in Ihren Organismus und sättigt Ihr Blut. Das stimuliert die Aktivität

der weißen Blutzellen und hemmt die Entzündung.

 

Augustine: Und das wird helfen gegen diese gemischte Bindegewebserkrankung, Doktor?

 

Chase: Wir machen erst mal zehn Behandlungen und werden dann weitersehen.

 

Augustine: Die letzte Behandlung mit Prednison verursachte doch Anfälle, oder? Und wie sicher ist sich Dr. House hiermit?

 

Cameron: So sicher, dass Ihre heftige Reaktion auf das Prednison uns sagt, dass das zugrunde liegende Problem Ihr  Immunsystem ist.

 

Augustine: Es war wohl doch ein Segen, sozusagen.

 

SCHNITT: Die Krankenhauskapelle.

House sitzt in einer Bank und sieht sich auf einem tragbaren Minifernseher die Serie General Hospital an.

 

Im Fernsehen:

Arzt #1: Welches ist Ihr Lieblingselch, Arnold? 

Arzt #2: Rudolph.

Arzt #1: Getippt hätte ich auf Vixen.

Arzt #2: Was wollen Sie denn damit sagen? 

Arzt #1: Garnichts. Aber ich sah Sie auf der Weihnachtsparty mit Dr. Riles, Dr. Jorkins und Schwester Crandall. 

Arzt #2: Es war nur ein bisschen weihnachtliches Tanzen.

 

Von House unbemerkt ist Schwester Mary Eucharist eingetreten.

 

Mary Eucharist: Das hier ist eine Kapelle, ein Haus des Gebetes. 

 

House:                Ein Haus des Gebetes. Das erklärt den guten Empfang und auch, warum hier nie jemand ist.

 

Mary Eucharist: Ich muss mit Ihnen sprechen, Dr. House. Schwester Augustine glaubt an Dinge, die nicht real sind.

 

House:                Ich dachte, das wäre so was wie eine Berufsanforderung bei Ihnen.

 

Mary Eucharist: Sie ist bekannt für ihre Lügen, sie will Sympathie gewinnen. Sie ist eine Hypochonderin.

 

House:                Und das heißt, Sie warnen mich, das ich vielleicht ein gar nichtexistierendes Leiden behandele.

 

Mary Eucharist: Halsweh, Gelenkschmerzen. Immer etwas. Es gab nie einen triftigen Grund. Die Mutter Oberin spielt das Spiel mit. Entlässt sie aus ihren Arbeitsdiensten und behandelt sie als... sie behandelt sie als… ein ganz besonderes Wesen.

 

House:                Das macht Ihnen Schwierigkeiten, hä?

 

Mary Eucharist: Ich würde sagen, es stört mich. Es geschieht nicht zu Augustines Wohl, Doktor.

 

House: [steckt sich Schokolade in den Mund] Auch was? 

 

Mary Eucharist: Ich sollte nicht. [nimmt die Schokolade; setzt sich neben ihn] Man braucht sicher gute Menschenkenntnis als Klosterkrankenschwester, nicht? Da hätten wir also Stolz, Zorn, Eifersucht. Und Völlerei. Das sind schon vier der sieben Todsünden innerhalb von zwei Minuten. Werden solche Rekorde registriert? Gibt's 'ne Kirchenolympiade?

 

Mary Eucharist: Sie hätten eine Gabe, heißt es. 

 

House:                Die Leute reden viel.

 

Mary Eucharist: Ich denke, Sie verstecken sich hinter Ihrer Intelligenz. 

 

House:                Ja, das ist ziemlich dumm.

 

Mary Eucharist: Und weil Sie Angst davor haben, etwas ernst zu nehmen reißen Sie Witze. Denn wenn Sie Dinge ernst nähmen, wären sie wichtig. Und wenn sie wichtig wären... 

 

House: Es kränkt mich, wenn etwas schief geht. Ich bin nicht tough, ich bin verletzlich. 

 

Mary Eucharist: Ich weiß nicht, ob ich Sie richtig eingeschätzt habe.  Ich will es nur hoffen. Weil die Alternative wäre, dass Sie wirklich so unglücklich sind, wie Sie wirken.

 

House:                Wissen Sie, aus der Art, wie Sie mich jetzt ansehen, würde ich schließen, Sie begehen Nummer fünf: Lust.

 

Die Schwester gibt ihm die Schokolade zurück und geht. House nimmt den Fernseher in die Hand und schaut weiter seine Serie.

 

SCHNITT: Schwester Augustine wird aus der Überdruckkammer geholt.

 

Chase: Wie fühlen Sie sich? 

 

Augustine: Ein bisschen schwach. 

 

Chase: Das liegt am Sauerstoff.

 

Augustine: Mein Mund ist ganz trocken. 

 

Chase: Okay, kein Problem, dann hole ich Ihnen etwas von Ihrem Tee.

 

SCHNITT: Dr. House geht einen Gang entlang, Cuddy kommt hinter ihm hergelaufen und stellt ihn zur Rede.

 

Cuddy:                Bindegewebserkrankung? Ihre ANA-Werte sind kaum erhöht.

 

House:                Ich find's toll, dass Sie sich informiert haben und mir den Rücken decken.

 

Cuddy:                Die O2-Sättigung ist auf 83. Die pulmonaren Probleme und Atembeschwerden...

 

House:                Der sauerstoffbedingte Reizzustand ist typisch.

 

Cuddy:                Sie kommt mit einem Ausschlag, und Sie treiben sie in einen Herzstillstand. 

 

House:      Diese Quelle versiegt nie, oder sehe ich das falsch? Wenn da kein Problem zugrunde liegt, warum ist dann die Herzfrequenz immer noch so hoch?

 

Cuddy:                Vielleicht aufgrund der Herpes Enzephalitis, verursacht durch Ihre Prednison Gabe.

 

House:                Ihre Reaktion ist ein Symptom, kein Fehler. 

 

Cuddy:                Sie finden immer eine Erklärung, nicht?

 

House:                Ja, allerdings. Wenn diese nicht funktioniert, finden wir eine andere.

 

Cuddy:                Ist da noch eine, bei der Sie keinen Mist gebaut haben? 

 

House:      Eine, die zu allen Fakten passen wird. Hören Sie, wir beide sind ja offensichtlich verschiedener Meinung. Aber leider ist das Zeitlimit  das ich mir für eine solche Konversation genommen habe gerade abgelaufen.

 

Cuddy:      Ich werd’ Ihnen den größtmöglichen Gefallen tun, den ein Arzt einem anderen tun kann. Ich werde verhindern, dass Sie Ihre Patientin umbringen. Ich entziehe Ihnen den Fall.

 

Cuddy geht, House senkt den Kopf und blickt dann in sein Büro, wo Foreman am Tisch sitzt und ihn wissend anlächelt.

 

SCHNITT: Cuddys Büro.

Dr. Cuddy und die Assistenzärzte sitzen zusammen und besprechen den Fall.

 

Cuddy:                Wir behandeln die Symptome. 

 

Cameron: Nicht das Leiden?

 

Cuddy:                Es gibt kein zugrunde liegendes Leiden. Wie ist ihr Zustand?

 

Chase: Ihre Atmung ist erschwert.

 

Cuddy:      Pneumonitis durch die Überdruckbehandlung. Geben Sie ihr 40prozentigen Sauerstoff, bis die O2 Sättigung ansteigt.

 

Chase: BUN und Kreatinin sind erhöht. ALT und AST über dem Normalbereich.

 

Cuddy:                Vielleicht bedingt durch die hypotensive Episode. Wir machen 'ne Folgeuntersuchung. 

 

Foreman: Sie hat noch den Ausschlag und die Gelenkschmerzen mit denen sie hergekommen ist.

 

Cuddy:                Verordnen Sie einen nichtsteroidalen Entzündungshemmer. 

 

Cameron: Als wir mit Dr. House die Differntialdiagnose diskutiert haben, haben wir... 

 

Cuddy:      [streng] Was Dr. House in Betracht gezogen hat, will ich nicht hören. Sämtliche Symptome dieser Frau lassen sich auf seine Behandlung zurückführen. Okay? Lassen Sie uns die Patientin gesund machen. Ich will, dass sie uns nicht durch den Hintereingang verlässt.

 

SCHNITT: Die Ärzte kommen aus Cuddys Büro und gehen den Gang entlang.

 

Foreman: Ich hab' ihn schließlich nicht verraten, Leute. Cuddy hätte irgendwann von der Überdruckbehandlung erfahren.

 

Cameron: Du hast getan, was du für nötig hieltest.

 

SCHNITT: Dr. House ist im Klinikuntersuchungszimmer und durchwühlt die Schubladen mit den Spritzen. Dr. Wilson kommt herein.

 

Wilson:               Er zieht dich magisch an dieser Raum, was? 

 

House:                [ertappt] Ich suche mein Stethoskop.

 

Wilson:               Es hat also keine Bedeutung, dass du in der Schublade nach den Epinephrinspritzen suchst?

 

House:                Okay. Ich würde gerne meinen Ruf wiederherstellen. 

 

Wilson:    Oh, ja. Ich hab' vergessen, wie wichtig er für dich ist. Soviel ich weiß verordnest du Zigaretten gegen Darmerkrankungen.  Das kann Lungenkrebs verursachen.

 

House:      Weißt du, warum es Solischleifen für Brustkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs gibt und nicht für Lungenkrebs?

 

Beide verlassen den Untersuchungsraum.

 

Wilson:               Sind denen die Farben ausgegangen? 

 

House:      Weil man Lungenkrebspatienten vorwirft selbst schuld zu sein. Sie rauchen und verdienen daher den Tod. Der Grund, warum Leute an Lungenkrebs sterben ist Schuld.

 

Wilson:               Schuld richtet viel Schaden an. 

 

House:                Du sagst das mit einem gewichtigen Unterton.

 

Wilson:    Du suchst hier nicht dein Stethoskop. Du suchst was, das deinen Ruf wiederherstellt. Du bist  hier, weil dir Zweifel gekommen sind, ob du nicht vielleicht doch gepatzt hast.

 

House:                Ich bin hier, weil Cuddy, wenn ich richtig liege, die Patientin killt.

 

Wilson:               Okay, und was, wenn du falsch liegst?

 

House:                Dann rettet sie ihr das Leben. 

 

Wilson:    Schön. Dann musst du eben alle Unterlagen zu jedem Patienten durchackern, der in den letzten 2 Tagen bei uns in der Klinik war. Und hoffen, dass du diesen Unterlagen vertrauen kannst. Was man bei deinen nicht sagen kann.

 

SCHNITT: Im Zimmer von Schwester Mary Augustine.

Chase gibt der Schwester einige Pillen.

 

Chase:      Diese Pillen helfen Ihren Nieren etwas besser zu funktionieren, Schwester. [Augustine nimmt die Pillen; Chase misst den Puls] Ihr Handgelenk, bitte.

 

Augustine: Wie sieht's aus? 

 

Chase: 104.

 

Augustine: Ist das gut? 

 

Chase: Nicht übel. 

 

Augustine: Sie sind ein lausiger Lügner, Dr. Chase.

 

Chase: [der Pieper piept; Die Nachricht: Ihre Mutter ist gestorben] Ich werde gerufen, entschuldigen Sie mich.

 

SCHNITT: Das Büro von Dr. House.

Chase kommt herein, House spielt gerade Jojo.

 

Chase: Meine Mutter ist seit zehn Jahren tot. 

 

House:                Aber im Geist immer noch bei Ihnen. Was wissen Sie über die Nonne? 

 

Chase: Welche? 

 

House:                Die hübsche. Ich denke, sie mag mich. Die Kranke natürlich. 

 

Chase: Soviel ich weiß, widmete sie ihr Leben nach dem Tod ihrer Eltern, der Kirche. 

 

House:                Wieso lügt sie mich an?

 

Chase: Warum sagen Sie das? 

 

House:      Das sage ich doch immer. Die alte Nonne sagt über die kranke Nonne sie wär’ eine völlig verlogene Nonne. Was sagen Sie dazu?  Sie kennen ja Nonnen.

 

Chase: Ich kenne sie nicht.

 

House:                Sie hassen Nonnen. Sie können keinen hassen, wenn Sie ihn nicht kennen.

 

Chase: Kennen Sie Nazis? Vielleicht hasse ich sie aus Prinzip.

 

House:      Ich hab' 'ne Theorie, was anständige junge Männer angeht. Sie sind es nicht, durch den moralischen Imperativ. Anständigen Jungs hat man Gottesfurcht eingebläut. Die katholische Kirche ist spezialisiert auf diese Art von Schulung. Damit Sie immer tun, was Mutter und Vater sagen wird Ihnen Angst vor der göttlichen Strafe gelehrt. Zum Beispiel: Medizin zu studieren, auch wenn sie dazu keine Lust haben. Wie denken Sie darüber? 

 

Chase: Ich denke, wenn sie ein Geheimnis hätte, wüsste ihre Chefin das. [geht]

 

SCHNITT: Das Kloster.

Dr. House besucht die Mutter Oberin, die gerade in der Küche arbeitet.

 

House:                Hatten Sie die Maler hier oder haben Sie 'n neuen Teppich legen lassen? 

 

Mutter Oberin: Nein.

 

House:                Kam sie vielleicht an Medikamente? 

 

Mutter Oberin:  Wir haben alle Medikamente unter Verschluss. Und haben auch keine rezeptpflichtigen Arzneien hier.  Warum haben Sie Schwester Augustine nicht direkt hierzu befragt?

 

House:      Wenn man über jemanden die Wahrheit erfahren will, ist dieser jemand nach meiner Erfahrung der letzte ist, den ich fragen würde.

 

Mutter Oberin: Aha. Und haben Sie schon mit Schwester Eucharist gesprochen?

 

House:      Sie hat ihre Mitschwester ziemlich schnell verraten. Ich an Ihrer Stelle würde sie die Nonnenschule wiederholen lassen.

 

Mutter Oberin:  [lacht] Nonne werden macht einen nicht zur Heiligen.

 

House:                Und Arzt werden, macht einen nicht zum Heiler.

 

Mutter Oberin: Nur weil wir in einem Kloster leben und die meiste Zeit im Gebet verbringen, heißt das nicht, dass wir keine Zeit für Dramen haben.

 

House:                Und was hat die Kranke für ein Drama? 

 

Mutter Oberin: Schwester Augustine lebte in einem katholischen Fürsorgeheim, bevor sie zu uns kam. Tee? 

 

House:      Gerne. Lügen sie eigentlich alle bei Ihnen? Eine gute Strategie. Schön einfach, wenn Sie alle die gleiche Lüge erzählen. Aber sie war nicht Ihr ganzes Leben eine gute Katholikin? Als sie den Herzstillstand hatte, musste ich ihre Bluse öffnen um sie zu reanimieren und habe dadurch zweierlei kennen gelernt: Nonnen haben durchaus schöne Brüste, und sie hat ein Tattoo auf der Schulter. Und zwar 'n Stinktier. Doch vielleicht ist es ja das heilige Stinktier von Josef, aber soweit ich weiß, betreiben katholische Fürsorgeheime und Klöster in ihren Niederlassungen keine Tattoostudios. 

 

Mutter Oberin:  Nach unserem Verständnis fängt unser Leben damit an, dass wir unsere Tracht anlegen und unser Gelübde ablegen. Was vorher passiert ist, das –

 

House:                Ist für Sie nicht relevant, für mich aber schon.

 

Mutter Oberin:  Schwester Augustine kam in das Heim, als sie ungefähr sechs Jahre alt war. Verließ es ab er mit zwölf. Sie lebte auf der Straße und fing an, Drogen zu nehmen. Als sie 15 war, wurde sie schwanger. Und versuchte abzutreiben. Sie verlor das Kind und wurde krank. Wir nahmen sie auf, als sie zurückkam. Hätten wir gedacht, dass das medizinisch relevant ist, hätten wir Sie informiert.

 

House:                Ist es nicht. [trinkt einen Schluck] Der Tee ist ja köstlich. Hiesige Kräuter?

 

SCHNITT: Im Krankenhaus.

Cuddy geht mit den Assistenten den Gang entlang.

 

Cuddy:                Irgendeine Veränderung durch die Medikation? 

 

Chase:      Ja, ihr Zustand verschlechtert sich. Die Lungenfunktion ist eingeschränkt, BUN und Kreatinin steigen weiter an. Inzwischen hat sich Fieber eingestellt und der Ausschlag ausgebreitet. Wenn das so weitergeht, schafft sie's nicht bis Weihnachten.

 

Cameron: Vielleicht hatte House recht, und es besteht doch ein zugrunde liegendes Leiden, eins, das wir noch nicht erwogen haben.

 

Cuddy:                Und das wäre?

 

Cameron: Es könnte 'ne Stoffwechselkrankheit sein. 

 

Cuddy:                [drängend] Etwas genauer? 

 

Cameron: Vielleicht genetisch. 

 

Cuddy:                [drängend] Genauer wenn's geht!

 

Cameron: Ich meine ja nur... 

 

Cuddy:                Sie meinen, Ihrer Ansicht nach hat House recht.

 

Cameron: Möglicherweise. 

 

Cuddy:      [erbost] Natürlich hat er möglicherweise recht. Vielleicht ist die Hand Gottes im Spiel. Sagen Sie nicht, es sei was anderes, wenn Sie nichts Konkretes haben. [House, der unbemerkt dazugekommen ist, wirft ihr einen Teebeutel auf ihre Unterlagen] Was soll der Teebeutel? 

 

House:      Ich werde Ihnen den größtmöglichen Gefallen tun, den ein Arzt dem anderen tun kann. Ich werde verhindern, dass Sie Ihre Patientin umbringen. Das ist Braunwurzeltee. Ein kleiner Muntermacher, den wir morgens brauchen, erweitert die Lungen, erhöht den Blutdruck und stimuliert das Herz. Er bewirkt leider bei einer Injektion von nur 0,1 ml Epinephrin sofortigen Herzstillstand. Doch was soll's? Er schmeckt eben lecker.

 

Cuddy:                Schwester Augustine...

 

House:                ...trank ihn geradezu mit religiöser Akribie.

 

Foreman: Und wenn wir den Herzstillstand mal außen vor lassen...

 

House:                ...erklären sich alle restlichen Symptome mit einer schweren Langzeitallergiereaktion.

 

Foreman: Dass hat Cameron schon am Anfang vermutet. 

 

House:      Ja, das hat sie. Bravo. Aber Ihre mangelnde Bereitschaft an dieser anfänglichen Diagnose festzuhalten, hätte die Frau fast getötet. [zu Cameron] Nehmen Sie sich ein Beispiel an Foreman. Stehen Sie zu Ihrer Überzeugung. Okay. Dann wollen wir sehen, wie wir eine Nonne retten.

 

House geht.

 

Chase: [leise zu den anderen] Wie man es auch macht, es ist immer verkehrt.

 

SCHNITT: House geht mit den Assistenten  in Richtung seines Büros.

 

House:      Da sie schon so lange nicht behandelt wurde, ist aus einer simplen Triefaugen/Kratzhalsallergie eine massive "Ich trete dir in den Arsch" Allergie geworden, die ihr Immunsystem schwächt, ihre körpereigenen Heilungskräfte vermindert und ihre Organsysteme kollabieren lässt. Was ist die Ursache?

 

Chase: Das Spülmittel?

 

House:      Nein. Die Symptome bestanden auch Tage nach der Spülmittelepisode. Es muss was anderes sein, womit sie sowohl hier im Krankenhaus exponiert war, als auch im Kloster gibt.

 

Foreman: Was ist mit dem Tee? Er war Auslöser der Arhythmie. 

 

House:                Das ist möglich, aber nicht definitiv.

 

Chase: Machen wir Hauttests auf Allergene. 

 

Cameron: Noch nicht. Sie ist noch zu reaktiv. Alle Testwerte sind positiv. Wir müssen Sie stabilisieren und von allen eventuellen Allergenen isolieren.

 

Chase: Wir legen sie in einen Reinraum.

 

House:      Okay. Wir verabreichen graduell Allergene, um zu sehen, wie sie reagiert. Wenn sie auf etwas reagiert, wissen wir, was sie umbringt.

 

SCHNITT: Im Reinraum.

Die Patientin liegt im Bett, die Ärzte stehen um sie herum.

 

Foreman: So sieht's aus. Kein Fernseher, keine Bücher. 

 

Augustine: Nicht mal meine Bibel? 

 

Foreman: Leider nein. Dieser Raum wird die ganze Zeit mit gefilterter Luft und gefiltertem Wasser betrieben. Sie haben sogar seidene Bettwäsche, ziemlich dekadent, hm? Sie werden sich hier besser fühlen.  [geht mit Cameron hinaus]

 

Chase: Wir sind bald wieder da und sehen nach Ihnen.

 

Augustine: Dürfen die anderen Schwestern… Schwestern hier mit mir beten?

 

Chase:      Es wäre besser, wenn Sie keinen Besuch kriegen würden. Sobald wir den Auslöser Ihrer Allergie isoliert haben, können wir die Regeln etwas lockern. [Augustine schaut hinaus, wo die anderen Schwestern stehen; und schluchzt dann] Ich kann mit Ihnen beten.

 

Augustine: Ich will noch nicht sterben. Wieso hat er mich verlassen?

 

Chase:      Ich hab' am Priesterseminar studiert. Da wurden wir mal nach unserer Lieblingsbibelstelle gefragt. Ich wählte den ersten Petrusbrief, Kapitel eins, Vers sechs. „Dann werdet ihr euch freuen, auch wenn Gott euch jetzt für kurze Zeit durch manche Prüfung führt. Der Glaube wird sich als wertvoller erweisen als pures Gold, das im Feuer gereinigt wurde.“

 

Augustine: „Wenn ihr für kurze Zeit betrübt werdet, wider steht der Versuchung. Frohlockt darin, damit die Echtheit eures Glaubens, kostbarer befunden wird als das Gold aber erprobt wird durch Lob und Herrlichkeit und der Ehre bei der Offenbarung Christi.“

 

Chase:      Er hat sie nicht verlassen. Das einzige, was Sie daran hindert zu wissen, dass er da ist, ist Ihre Furcht. Sie haben die Wahl: Glauben oder Furcht. Das ist die Prüfung.

 

Augustine: Den Glauben zu wählen verhindert nicht, dass ich sterben werde.

 

Chase:      Aber es hat eine Auswirkung darauf, wie Sie Ihren Tod erleben. Und daher auch Ihr Leben. Es liegt bei Ihnen.

 

Augustine: Wieso haben Sie das Seminar verlassen?

 

Chase: Die Tests. Sie haben sie bestanden. Ich nicht.

 

SCHNITT: Vor dem Reinraum.

Cameron und Foreman sprechen mit Schwester Mary Eucharist und Mary Pius.

 

Cameron: Wir rufen Sie, wenn wir was Neues haben. 

 

Mary Eucharist: Wird sie wieder gesund?

 

Foreman: Solange sie nicht Kontakt zu irgendwas hat, was ihre Allergie verschlimmert ist alles im grünen Bereich.

 

Chase:      [klopft an die Scheibe] Ich brauche hier Hilfe. [zu Cameron und Foreman, die sich gerade den Kittel anziehen wollen] Scheiß auf die Vorschriften, sie hat einen Allergieschock. 

 

Foreman: Das kann nicht sein, sie schläft im verdammten Reinraum!

 

Chase: Machst du Witze? Los, rein hier! 0,1 ml Epinephrin. 

 

Foreman: Wir müssen intubieren.

 

Cameron: Ich mache das. Den Ambubeutel. Ich bin drin. Atmung stabilisiert.

 

Chase: Das hier ist ein Reinraum.

 

SCHNITT: Vor dem Reinraum.

Die Schwestern schauen noch immer in das Zimmer. Wilson und House stehen etwas abseits.

 

House:                Wie kriegt man eine allergische Reaktion in einem Reinraum?

 

Wilson:               Vielleicht waren's die Konservierungsmittel in der Infusion? 

 

House:                Schon gecheckt.

 

Wilson:               Der Latexstoff vielleicht? 

 

House:                War es nicht. Wir haben alles gecheckt.

 

Wilson:               Wie wäre es mit Mastzellenleukämie? Die kann Anaphylaxie auslösen.

 

House:                Wir haben auch die Blutwerte geprüft. Es ist keine Eosinophilie und keine idiopathische Anaphylaxie.

 

Wilson:               Aber vielleicht es ist nur der Wille Gottes. 

 

House:                Jedenfalls nicht meiner. [nimmt eine Schmerztablette]

 

Wilson:               Eins ist dir sicher klar, wenn du falsch liegst was die wirkliche Ursache betrifft, dann bist du geliefert. 

 

House:                Was soll ich denn tun? Es einfach hinnehmen und einpacken? 

 

Wilson:    Ja. Ich will, dass du akzeptierst, dass Patienten uns hin und wieder grundlos verlassen. Oder wenn du willst grundlos wieder gesund werden. 

 

House:                Nein, das tun sie nicht. Wir kennen den Grund nur nicht. 

 

Wilson:               Ich denke nicht, dass die Nonne dir da zustimmen würde?

 

SCHNITT: Das Büro von House.

House geht unruhig auf und ab und denkt nach. Cameron klopft an die Glastür und kommt dann zögernd herein.

 

Cameron: Ich wollte nur sagen, dass ich weiß, dass Sie alles getan haben, was Sie konnten.

 

House:      Ich brauche keine Bestätigung von Ihnen, um zu wissen, dass ich meinen Job gut mache. Das ist Ihr Problem, nicht meines. 

 

Cameron: Ich wollte nichts weiter, als nett sein.

 

House:                Schon gut. Doch das müssen Sie nicht immer sein.

 

Cameron: Fröhliche Weihnachten. [streckt ihm die Hand entgegen]

 

House zögert noch auch Cameron die Hand zu geben, genau in dem Moment kommt Chase herein.

 

Chase: Schwester Augustine wurde extubiert.

 

House:                Gut.

 

Chase: Sie hat gegen den ärztlichen Rat um ihre Entlassung gebeten. Sie möchte wieder zurück ins Kloster. 

 

House:                Reden Sie es ihr aus.

 

Chase: Ich glaube, ich habe es ihr vielleicht eingeredet.

 

SCHNITT: Der Reinraum.

House betritt den Reinraum, ausnahmsweise trägt er sogar einen Kittel!

 

House:                Das Zimmer ist bis Ende der Woche bezahlt. Sie können also noch bleiben. 

 

Augustine: Diese Krankheit ist eine Prüfung meines Glaubens, Doktor. Wenn es sein Wille ist, mich zu sich zu nehmen, ist es egal wo ich bin. Ich kann es akzeptieren. 

 

House:      Glaubt eigentlich irgendjemand ein Wort, von dem was Sie sagen? Sie akzeptieren gar nichts. Sie laufen weg. Genau wie immer. Erst um sich flachlegen zu lassen, dann aus der wirklichen Welt, als das mit dem Flachlegen in die Hose ging. Und Sie tun es auch jetzt, da wieder etwas schief gegangen ist.

 

Augustine: Wieso ist es für Sie so furchtbar schwer, an Gott zu glauben?

 

House:      Das, womit ich Probleme habe, ist die Konzeption des Glaubens. Der Glaube begründet sich nicht auf Logik und Erfahrung.

 

Augustine: Ich erfahre Gott täglich und das Wunder des Lebens um mich herum. Er ist immer irgendwie gegenwärtig. Das Wunder der Geburt, das Wunder der Liebe, er ist immer bei mir.

 

House:      Worin liegt das Wunder, ein cracksüchtiges Kind zur Welt zu bringen, hm? Und zuzusehen, wie die Mutter es im Stich lässt, weil sie den nächsten Schuss braucht. Wunder der Liebe. Nun, die Wahrscheinlichkeit ist doppelt so groß, durch einen geliebten Menschen getötet zu werden als durch einen Fremden.

 

Augustine: Wollen Sie, dass ich meinem Glauben abschwöre?

 

House:      Sie können glauben, an wen Sie wollen: An Geister oder das Leben nach dem Tod, an Himmel und Hölle. Doch wenn es um die Welt geht, seien Sie kein Idiot. Sie können mir erzählen, dass Sie all Ihr Vertrauen in Gott setzen, den ganzen Tag, aber... ich weiß,  wenn Sie die Straße überqueren wollen, sehen Sie erst nach links und nach rechts.

 

Augustine: Hören Sie, ich glaube nicht Doktor, dass er in mir ist und mich auch noch retten will. Ich glaube, dass er die ganze Zeit in mir ist. Ob ich lebe oder tot bin.

 

House:                Dann wär's doch besser Sie leben. Sie hätten bessere Chancen, auf mich zu wetten, als auf ihn.

 

Augustine: Als ich 15 war, hatte ich alle Verhütungsmittel genommen, die man auf dem Markt kennt. Und wurde trotzdem schwanger. Ich gab Gott die Schuld. Ich habe ihn dafür gehasst, dass er mein Leben zerstört hatte. Aber dann erkannte ich, dass ich nicht böse auf Gott sein kann und wiederum im gleichen Atemzug nicht an ihn glauben kann. Keiner kann das. Nicht einmal Sie, Dr. House.

 

SCHNITT: House kommt aus dem Krankenzimmer und trifft auf Wilson.

 

Wilson:               Und wie lief es? 

 

House:                Sie hat Gott in sich. Es wäre leichter, einen Tumor zu bekämpfen.

 

Wilson:               Vielleicht ist sie allergisch gegen Gott? [geht]

 

SCHNITT: House geht mit seinen Assistenten den Gang entlang.

 

House:                Wir haben alles durchforscht, was diese Reaktion hervorrufen könnte, aber eines nicht: Ihr Inneres.

 

Foreman: In der Anamnese hat sie niemals eine Operation erwähnt.

 

House:                Sie hatte aber eine.

 

Cameron: Wissen Sie auch in welchem Krankenhaus sie war?

 

House:                Sie hatte sie nicht im Krankenhaus. Ordnen Sie einen Ganzkörperscan an. 

 

Chase: Und wenn sie sich weigert?

 

House:                Dann sagen Sie, ich suche nach einem Wunder.

 

SCHNITT: Im Nebenraum des CT-Raums.

Die Ärzte sehen sich den Scan an.

 

Foreman: Keine Piercings, keine Zahnfüllungen. Keine Knochennägel in ihren Armen. Keine Implantate.

 

Chase: Clean wie die Schweiz. Wonach sucht House?

 

Foreman: [sieht auf den Monitor] Was ist denn das?

 

Chase: Keine Ahnung. 

 

Foreman: Würdest du das mal auf Standbild schalten. Zeig uns 'ne 3D-Darstellung.

 

Cameron: Oh, mein Gott.

 

SCHNITT: Im Büro von House.

House sieht sich das Röntgenbild an. Die Assistenten sind ebenfalls anwesend.

 

House:                Ein Kupferkreuz. Eine Spirale, die man vom Markt genommen hat in den Achtzigern.

 

Foreman: Sie ist also allergisch gegen Kupfer. 

 

House:                Selten, kann aber vorkommen.

 

Chase: Hat sie nicht gewusst, dass sie die noch drin hat? 

 

House:                Sie hatte 'ne Abtreibung. Sie muss drin geblieben sein. Eingebettet in Gewebe, wo sie nicht zu sehen war.

 

SCHNITT: Im Krankenzimmer von Augustine.

Chase erklärt ihr die Diagnose und weitere Behandlung.

 

Chase: Das heißt, wir müssen nur die Spirale entfernen, dann sollten die Symptome abklingen.

 

Augustine: Ich hatte sie mir einsetzen lassen als ich 15 war. Das war vor über 20 Jahren. 

 

Chase:      Sie waren über längere Zeit einem Allergen ausgesetzt mit minimalen Symptomen. Doch irgendwann genügt ein letzter Kontakt um massive Reaktionen auszulösen. Es ist wie beim Luftballon aufblasen. Ein Mal zu viel gepustet und er explodiert.

 

Augustine: Den Ausschlag bekam ich das erste Mal beim Abwaschen der Kupfertöpfe.

 

Chase: Und alle Folgesymptome kamen von dem darin gekochten Essen.

 

Augustine: Dr. House hat sein Wunder gefunden. 

 

Chase: Er interpretiert es sicher etwas anders.

 

Augustine: Sie haben mir Ihre Lieblingsbibelstelle genannt. Wollen Sie meine hören? [Chase nickt] „Du sollst aber guten Mutes und fröhlich sein, denn dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden.“

 

Chase: Der verlorene Sohn.

 

Augustine: Er wartet auf Sie, wenn Sie für ihn bereit sind.

 

Chase: Ihr OP-Termin ist für morgen geplant.

 

SCHNITT: House sitzt an der Anmeldung der Klinik, Wilson kommt hinzu.

 

Wilson:               Der sechste Kreis der Hölle. 

 

House:                In einer Gummizelle eingesperrt mit blutiger Nase und durchnässtenTaschentüchern. 

 

Wilson:               Ich glaube, das war der siebte.

 

House:                Nein, der siebte ist der –

 

Wilson:               Musst du auf Partys 'ne Spaßkanone sein.

 

House:                Wir zwei kennen den Fehler dieser Theorie.

 

Wilson:               Wie geht es der Nonne? 

 

House:      Herzfrequenz normal, Nieren funktionieren. Du kennst das ja bei Nonnen. Man nimmt ihnen die Spirale raus und schon sind sie munter.

 

Wilson:               Prima. 

 

House:                Du siehst, ich hab' keinen Fehler gemacht.

 

Wilson:               Doch, hast du. 

 

House:                Ich gab ihr 0,1 ml Epinephrin.

 

Wilson:    Doch wenn Cuddy dir den Fall nicht entzogen hätte, wäre sie jetzt tot. Willst du zum Weihnachtsessen rüberkommen? 

 

House:                Bist du nicht Jude?

 

Wilson:               Ja, zum Hanukkaessen. Ist doch egal. Du kriegst was zu essen und bist mal unter Leuten.

 

House:                Nein, danke.

 

Wilson:               Möglicherweise werd' ich dann zu dir kommen. 

 

House:                Macht's deiner Frau nichts aus, Heiligabend allein zu sein?

 

Wilson:               Ich bin Arzt. Sie ist das Alleinsein gewohnt. Ich will nicht drüber reden. 

 

House:                Ich auch nicht.

 

Cuddy kommt hinzu.

 

Cuddy:                Alle Achtung mit der Nonne. Gratuliere.

 

House:                Danke.

 

Cuddy:                Frohe Weihnachten, Dr. House. Dr. Wilson.

 

Wilson:               Gute Nacht. [zu House] Das war doch charmant.

 

SCHNITT: Heiligabend.

Wilson ist bei House und beide trinken und essen etwas, unterhalten sich und lachen. Im Krankenhaus werden Geschenke an kranke Kinder verteilt. Später sieht man wie House am Klavier sitzt und „Stille Nacht“ spielt.

Cameron packt im Krankenhaus ein Geschenk aus und Cuddy kümmert sich um Patienten. In der Krankenhauskapelle hält der Pfarrer einen Gottesdienst an dem auch die Nonnen teilnehmen. Chase steht im Türrahmen und sieht zu.

 

 

 

---=== ENDE ===---