Transkript der Folge „Ihr, ich und Hippokrates“ [#2.01] aus der Serie „Dr. House”

DR. HOUSE

-Ihr, ich und Hippokrates-

 

[Abschrift erstellt von Hurly am 05.11.2006]

 

Es handelt sich nicht um das synchronisierte Originaldrehbuch, sondern lediglich um eine auf audiovisuell basierende Abschrift der TV Ausstrahlung dieser Episode. Eine Verletzung der Copyrights ist nicht beabsichtigt! Wer diese Abschrift zum Zwecke der weiteren Verbreitung im Internet verwenden möchte, den bitte ich ausdrücklich um eine Rückfrage und um einen Hinweis auf diese Quelle.

 

Anmerkung: Bei kursiv erscheinenden Wörtern war es entweder nicht möglich, sie akustisch korrekt zu verstehen oder sie ließen sich nicht genau recherchieren. Bei Wörtern, die ausschließlich in Großbuchstaben geschrieben sind, außer, es handelt sich um Abkürzungen, liegt eine deutliche, akustische Betonung vor. Wer Fehler findet, schreibt mir bitte eine E-Mail. Danke.

 

Originaltitel

Acceptance

 

Episode

#2.01

 

Buch

Russel Friend & Garrett Lerner

 

Regie

Dan Attias

 

Hauptrollen

Hugh Laurie ... Dr. Gregory House

Lisa Edelstein ... Dr. Lisa Cuddy

Omar Epps ... Dr. Eric Foreman

Robert Sean Leonard ... Dr. James Wilson

Jennifer Morrison ... Dr. Allison Cameron

Jesse Spencer ... Dr. Robert Chase

 

Gastrollen

special: Sela Ward ... Stacy Warner

Marshall Bell ... Warden/Gefängnisdirektor

Christie Lynn Smith ... Cindy Kramer

Bryce Johnson ... James/Sekretär

Mustafa Shakir ... D'Vontray/Gefangener

und LL Cool J ... Clarence

 

Nebenrollen

Jody L. Millard ... Wärter

Michael J. Gonzalez ... Carlos

Tony Ross ... Emmitt

Anesha Ndiaye ... Darriene

Warren Davis ... Kent

Michael Dietz ... John Clift

Adrienne Janic ... Dr. Vivian

Joseph Williamson ... Dr. Bruce

 

-----

 

VORSPANN

 

Kamerafahrt auf ein Gefängnis, dann in einen Zellentrakt, wo ein zum Tode Verurteilter (D'Vontray) vom Gefängnisdirektor (Warden) nach der Wahl seiner letzten Mahlzeit befragt wird.

 

D’Vontray: Frittierte Shrimps und Hummer. Ich hab' noch nie Hummer gegessen. Wird er gekocht oder gegrillt? Wie schmeckt er besser? Ach, ich neh'm beides und ich möchte 'n Strawberry Malt und dann noch so'n Schokoladendonut in 'ner Pappschachtel.

 

Warden: Wir tun unser bestes, um Ihre Wünsche zu erfüllen. Morgen werden Sie in eine Beobachtungszelle verlegt. Dort bekommen Sie Ihre letzte Mahlzeit. Sie haben außerdem das verfassungsmäßige Recht auf einen geistlichen Beistand Ihrer Wahl.

 

D’Vontray: Nein, den brauch' ich nicht.

 

Warden: Da wäre noch was, das Sie überlegen sollten. Nachdem ich Ihnen den Vollstreckungsbefehl verlesen habe, bekommen Sie Gelegenheit, eine Erklärung abzugeben. Vielleicht möchten Sie sich vorher überlegen, was Sie als letzte Worte sagen. [er geht]

 

D’Vontray: [ruft zur Zelle nebenan rüber] Jo, Clarence, hast du gehört? 'N geistlicher Beistand meiner Wahl.

 

Clarence: Wofür? Du wirst sowieso in die Hölle kommen.

 

D’Vontray: Denkst du, ich krieg' noch 'n Aufschub?

 

Clarence: Solltest du. Das Supreme Court sagt, einen Bescheuerten umzubringen, ist ungesetzlich.

 

Wärter: Genug gequatscht. Zeit für die Gymnastik.

 

Ein anderer Wärter kommt hinzu. Beide lassen Clarence aus seiner Zelle und führen ihn in einen leeren Raum ohne Fenster. An einer Wand befindet sich ein Basketballkorb. Sie nehmen ihm die Fesseln ab.

 

Wärter: Ich bin in 'ner Stunde zurück. Viel Spaß. [er schließt die Tür]

 

Clarence tut so, als hätte er einen Ball und würde Basketball spielen. Er läuft und springt. Plötzlich steht eine verletzte Frau vor ihm. Offensichtlich halluziniert er.

 

Darriene: Wieso hast du mich so oft geschlagen, Clarence?

 

Clarence: Du weißt, wieso.

 

Darriene: Du hättest aufhör'n sollen. [hinter Clarence steht nun ein Mann]

 

Carlos: Du hast mich von hinten abgestochen.

 

Clarence: Man, ich hab' dich nicht…

 

Carlos: Du warst nicht fair.

 

Clarence: So wie du. Ich… [ein Mann in Uniform steht vor ihm]

 

Kent: Ich hatte 'ne Frau und drei Kinder.

 

Clarence: Du warst 'n kranker Bastard. [rennt auf die Tür zu, trommelt mit den Fäusten dagegen und schreit] Aufmachen! Los, macht die Tür auf! [ein dritter Mann steht neben ihm]

 

Emmitt: Clarence, was hab' ich dir getan?

 

Clarence geht zur Mitte des Raumes. Nun reden alle auf ihn ein…

 

Was ist los, man? Drehst du langsam durch?

Ich wollte nichts von dir, gar nichts.

Ich hab' geblutet wie 'n Schwein.

Keiner hat mir geholfen.

 

Clarence fällt auf die Knie. Ein CGI Effekt zeigt sein rasendes Herz. Er liegt auf dem Rücken und regt sich nicht mehr.

 

ERÖFFNUNGSSEQUENZ/CREDITS

 

House läuft durch einen Klinikflur und bleibt vor Cuddys Büro stehen. Durch die Glastüren sieht er sie und Stacy. Die Frauen unterhalten sich. Er nimmt Vicodin und geht in den Vorraum. Als er das Büro betreten will, wird er von einem jungen Mann (James) angesprochen.

 

James: Sie können da nicht rein.

 

House: Wer sind Sie und wieso tragen Sie 'ne Krawatte?

 

James: Ich bin Dr. Cuddys neuer Assistent. Kann ich ihr sagen, worum es geht?

 

House: Ja. Ich wüsste gerne, wieso Sie 'n Sekretär hat und ich nicht.

 

James: Ich bin ihr Assistent, nicht ihr Sekretär. Ich hab' einen Abschluss von der Rutgers.

 

House: Hm, ich wusste nicht, dass sie Sekretärinnenkurse geben. Hoffentlich haben Sie auch 'n paar juristische Kurse zu sexueller Belästigung belegt. Sagt Ihnen das Wort "Ka-Ching" irgendwas? [James guckt irritiert] Ich werd' jetzt da reingehen. [öffnet die Tür zum Büro]

 

Cuddy: Dr. House, wir sind mitten in einem Meeting.

 

House: Sie haben 'ne männliche Sekretärin eingestellt? Kein Glück beim Speed-Dating?

 

Stacy: [zu Cuddy] Er ist dreist. Seien Sie vorsichtig.

 

House: Sie ist nicht wie du. Sie geht nicht einfach in 'ne Bar und findet sofort ihren Traummann.

 

Stacy: Ich traf Mark auf einer Spendensammlungsfeier, bei der ich zu…

 

House: Wir trafen uns in 'nem Stripclub.

 

Stacy: Das war meine schlechteste zwei Dollar Investition. [zu Cuddy] Wir sehen uns später, Cuddy.

 

Cuddy: Stacy, es ist House. Ich weiß, Sie verkraften das.

 

Stacy: Da ist nichts zu verkraften. Er will offenbar mit Ihnen allein reden. [sie geht]

 

Cuddy: Wenn die Zusammenarbeit mit ihr für Sie ein Problem ist, hätten Sie das sagen sollen.

 

House: Was hätt' ich tun sollen? Sie bitten, zu geh'n? Das wär' doch unerzogen gewesen. Der Todeskandidat, ich will ihn haben.

 

Cuddy: Woher wissen Sie von dem? Sie haben doch keinen Zugang zu meinem Computer.

 

House: Nein, aber "party pants" schon.

 

Cuddy: Sie haben mein Passwort geklaut?

 

House: Gilt sicher nicht als klauen. Es war ziemlich offensichtlich.

 

Cuddy: Hören Sie, ich hab' den Todeskandidaten bereits Dr. Nolo zugeteilt.

 

House: Nolo? Nun, pff… ich will ja nichts negatives über einen Kollegen sagen und besonders nicht über einen unfähigen Säufer.

 

Cuddy: Sie, Doktor, sind schmerztablettensüchtig.

 

House: Ja, aber ich bin nicht unfähig. Sagen Sie Nolo, ich werd' den Fall übernehmen.

 

Cuddy: Dr. Nolo ist examinierter Kardiologe.

 

House: Gut, ähm, dann wird der Knabe ja sicher alle üblichen Optionen sondier'n, warum das Herz plötzlich durchgedreht und Luft, anstatt Blut gepumpt hat. Warten Sie, dafür gibt's keine üblichen Optionen.

 

Cuddy: Wie viel liegt Ihnen an dem Fall?

 

House: Ich geb' Ihnen diese Woche noch zwei Stunden Praxisdienst.

 

Cuddy: [reicht House die Akte] Bücken Sie sich nicht nach der Seife. [House geht]

 

Schnitt zur Kliniklobby. House und das Team unterhalten sich.

 

Cameron: Ist es nur das Herz, oder hat er noch andere Beschwerden?

 

House: Der Patient redet mit niemandem, Cameron.

 

Cameron: Wo gehen wir hin?

 

House: Sie nirgendwohin. Sie haben zwei Stunden Praxisdienst.

 

Cameron: Hm? Ich? Wieso?

 

House: Ähm, reden Sie mit Cuddy. Sie schickt mich ins Mercer State Gefängnis. Es geht um einen Todeskandidaten.

 

Foreman: Kann man seine Zeit nicht sinnvoller verbringen?

 

House: Gute Frage. Wann ist jemand behandlungswürdig? Ist ein Mann, der seine Frau betrügt, behandlungswürdiger als einer, der sie umbringt?

 

Foreman: Äääh, ja, allerdings, ist er.

 

House: Und was ist mit einem Kinderschänder? Sicher kein Tugendheld, aber er hat niemanden getötet. Möglicherweise kriegt er Antibiotika, aber keine MRT's. Was ist mit Ihnen? Welche ärztliche Versorgung sollte Ihnen verweigert werden als bekannter Autodieb? Ich sag' Ihnen was, Sie drei machen mal eine Liste aller ärztlichen Behandlungen, die jemand nicht erhält aufgrund seiner Straftaten. Ich seh' sie mir an, wenn ich zurück bin. [er geht]

 

Schnitt zum Gefängnis. Der Gefängnisdirektor führt House zum Häftling.

 

Warden: Ihr Patient hat hier gleich im ersten Monat einen Mithäftling niedergestochen, brach einem anderen das Genick und hat einen meiner Schließer fast enthauptet.

 

House: Keine Sorge, ich bin ein Ass im Patientenumgang.

 

Warden: Die Unterbringung auf der Krankenstation ist zu gefährlich. Seien Sie aber unbesorgt, wir haben alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Ich habe alles entfernen lassen. Stifte, Büroklammern, Tucker und so weiter. So weit ich weiß, ist nichts gefährliches mehr in der Zelle. [sie stehen vor einer lagerähnlichen Gefängniszelle; zum Schließer] Schließen Sie auf. [zu House] Für Ihren Besuch haben wir ihm Hand- und Fußschellen angelegt.

 

House: Und Sie bleiben trotzdem da draußen steh'n? [Warden nickt]

 

Warden: [greift nach House' Stock] Äh, den geben Sie besser mir. Wir wollen doch nicht, dass jemand verletzt wird.

 

Schnitt zu einer jungen Frau (Cindy), die in einem Untersuchungsraum wartet. Cameron kommt herein.

 

Cameron: Hi.

 

Cindy: Hi.

 

Cameron: Ich bin Dr. Cameron. Wie geht es Ihnen?

 

Cindy: Ach, leichter Husten, nichts besonderes.

 

Cameron: In Ordnung und wieso sind Sie hier?

 

Cindy: Ich bekam einen Job an der Universität und sie wollen einen Gesundheitstest. Na ja, ich bin etwas anämisch, also verlangen sie noch weitere Tests.

 

Cameron: Hat jemand in Ihrer Familie Anämie?

 

Cindy: Hm, nicht, dass ich wüsste. Meine Mom starb an Krebs, als ich klein war und mein Dad starb an Herzversagen vor ein paar Jahren.

 

Cameron: Brüder und Schwestern?

 

Cindy: Ich fürchte, das war's schon mit der Familienvorgeschichte. Tja, ich, äh, ich war mal verheiratet, aber das hat nicht gehalten. Meine Testergebnisse stehen bestimmt alle in der Akte.

 

Cameron: Ähm, bestimmt, ja. [sieht sich eine Röntgenaufnahme an und wird blass]

 

Cindy: Ist darauf alles okay?

 

Schnitt zu Wilsons Büro.

 

Wilson: [sieht sich nun ebenfalls die Röntgenaufnahme von Cindy an] Haben Sie noch mal geröntgt?

 

Cameron: Zwei mal.

 

Wilson: Dann, ähm, brauchen Sie keinen Rat von mir. Sie kennen die Diagnose.

 

Cameron: Sie hat nur einen Husten.

 

Schnitt zu House, der Clarence untersucht. Dieser ist auf einer Pritsche festgeschnallt.

 

House: Bläuliche Verfärbung der Fingernägel und Lippen. Er ist hypoxisch.

 

Warden: Und was heißt das?

 

House: [holt aus seinem Rucksack ein Stethoskop] Das heißt, er bekommt nicht genügend Sauerstoff. Sie kennen doch den Spruch. Ohne Liebe kann man nicht leben, doch Sauerstoff ist viel wichtiger. [hört Clarence ab] Er hat Flüssigkeit in den Lungen. Die Atemfrequenz liegt bei fünfzig. Er muss sofort an ein Beatmungsgerät.

 

Warden: Wir haben kein Beatmungsgerät.

 

House: Dann werden Sie eben eins besorgen müssen oder er gibt den Löffel ab.

 

Warden: Ich werd' so'n Ding nicht beantragen. Der Staat hat diesen Mann schon zum Tode verurteilt.

 

House: So viel ich weiß, hat er auch die Todesart festgelegt. [nimmt sein Handy und wählt eine Nummer] Hier ist Dr. Gregory House. Schicken Sie einen Rettungswagen zum Mercer State Gefängnis.

 

Warden: Das können Sie vergessen. Der Wagen wird am Tor gestoppt. Kein Todestraktinsasse verlässt mein Gefängnis. Jedenfalls nicht durch die Vordertür. [House überlegt]

 

Schnitt zur Klinik. House steigt aus einem Fahrstuhl, gefolgt von Sicherheitspersonal, welches Clarence bewacht, der auf einer Trage liegt. Stacy wartet bereits.

 

House: [nimmt von ihr ein Schriftstück entgegen] Du bist ja fix.

 

Stacy: Du aber auch.

 

House: War das ironisch?

 

Stacy: Ja. Es war ganz leicht, nachdem ich den Sachbearbeiter überredet hatte, damit zum Richter zu gehen, lief alles wie von selbst.

 

House: Hör' auf, ich werd' schon ganz geil. [Cuddy steht im Flur]

 

Cuddy: House!

 

House: Woh, oh…

 

Cuddy: Es war nur ein Konsil. Erwarten Sie, dass ich wegen dieses Mannes eine ganze Station schließe?

 

House: Haben Sie was mit Ihren Haaren gemacht?

 

Cuddy: Stacy?

 

Stacy: [zu House] Du hast gesagt, es wäre mit ihr geklärt.

 

House: Hör' mal, du kennst mich schon so lange und weißt immer noch nicht, wann ich dich verscheißer'?

 

Cuddy: Bringen Sie ihn sofort ins Gefängnis zurück.

 

House: Geht nicht, ähm. Groteskerweise bin ich an diese richterliche Anordnung gebunden, die Ihre Topjuristin eingeholt hat. Ich muss ihn erst wieder gesund machen, damit man ihn hinrichten kann. Spinn' ich oder ist das absurd? Jedenfalls, wir geh'n dann. [House folgt den Sicherheitsleuten; Cuddy und Stacy gucken genervt]

 

Schnitt zu House' Büro. Cameron kommt herein.

 

House: [sieht eine Akte an] Jemand hat, äh, mir das hier auf den Sessel gelegt. Clever. Ich muss mir das Ding mal anseh'n oder kann, ähm, mich nie wieder hinsetzen.

 

Cameron: Cindy Kramer. Ich hab' gesagt, Sie würden Sie untersuchen.

 

House: Das hätten Sie nicht tun sollen. [reicht ihr die Akte zurück] Sie hat ein Plattenepithelkrebs und höchstens noch sechs Monate zu leben. [er setzt sich]

 

Cameron: Haben Sie sich die Röntgenbilder angesehen?

 

House: Ich hab'… nur geraten. Ist 'n neues Spiel. Wenn ich mich irre, gewinnen Sie 'n Teddybär.

 

Cameron: Ein Fleck bedeutet nicht notgedrungen, dass die Frau unheilbar krank ist.

 

House: [seufzt] Ich liebe Kinder. Sie sind voller Hoffnung.

 

Cameron: Es könnte 'ne Pneumonie sein oder 'ne Sarkoidosis. Ich würde…

 

House: Könnte, wenn sie nicht schon geschwollene Hiluslymphknoten im anderen Lungenflügel hätte. [steht wieder auf]

 

Cameron: Könnten wir nicht wenigstens über andere Möglichkeiten nachdenken? [House klemmt ein Röntgenbild an die Lichttafel] Danke. [House schreibt etwas auf die Lichttafel] Ich denk' immer noch an Pneumonie und Sarkoidose, aber wir sollten auch eine Tuberkulose abklär'n und eine Stauungsinsuffizienz des Herzens ausschließen. [liest nun, was House geschrieben hat: Leugnen, Zorn, Verhandlung, Depression, Akzeptanz] Die fünf Sterbephasen.

 

House: Genau. Ich persönlich halte das für New Age Bullshit, aber an Ihren tränenvollen Dackelaugen sehe ich, dass Sie mich verstanden haben. Und jetzt sagen Sie dieser Cindy Sowieso, dass sie sterben wird. [geht rüber zum Besprechungsraum, wo Foreman und Chase bereits sitzen] Tachykardie und Lungenödem. Wahrscheinliche Ursache? [Cameron war ihm irritiert gefolgt]

 

Cameron: Der zum Tode Verurteilte? An dem Fall arbeiten Sie, satt an Cindy?

 

House: Gott, ich sollte lernen, nicht um den heißen Brei herumzureden. Mit "sterben" meinte ich, sie wird, EGAL was wir tun, schon bald, bald in die Kiste gesprungen sein. Ist das auch noch zu dezent?

 

Cameron: Ich habe einen Eid geleistet, Schaden abzuwenden.

 

House: Doch Sie mussten dabei nichts unterschreiben oder so.

 

Cameron: Wenn wir Ihren Patienten heilen, geht er wieder zurück in den Todestrakt und wenn er da ist, werden sie ihn umbringen.

 

House: Wenn wir ihn nicht behandeln, stirbt er. Ich behandle sie trotzdem nicht, Ihre Cindy Sowieso.

 

Foreman: Können wir jetzt weitermachen?

 

House: Ja, Sie werden ihn nicht hängen lassen, Ihren schwarzen Bruder.

 

Foreman: [ironisch] Ich als Schwarzer bin logischerweise solidarisch mit Typen, die im Ghetto aufgewachsen sind. [Chase lacht]

 

House: Das finde ich verständlich.

 

Foreman: Das ist 'n Haufen Kacke. Sie können die Gesellschaft nicht dafür verantwortlich machen, dass sie Killer geworden sind. Der Kerl ist vermutlich heroinsüchtig. Das erklärt die Tachykardie und wahrscheinlich das Lungenödem.

 

Chase: Wie kommt ein Häftling im Todestrakt an Heroin?

 

Foreman: [fasst sich an die Stirn] Ist das dein Ernst?

 

House: [zu Chase] Der Mann hat Knasterfahrung. Wenn's um Segeln geht, wird er Sie fragen. [wendet sich wieder der Tafel zu] Okay, also Drogen. Testen Sie Haare, Blut und Urin. Das ganze Programm. [das Team geht]

 

Auf dem Flur.

 

Cameron: Danke für die Unterstützung. Ich dachte, ihr Seminarknaben seid gegen die Todesstrafe.

 

Chase: Ich hab' das Seminar verlassen.

 

Cameron: Wegen deren Haltung zur Todesstrafe?

 

Chase: Ich bin im Prinzip gegen die Todesstrafe, doch in der Praxis zieh' ich es eher vor, einen Mörder sterben zu seh'n, als meinen Chef zu verärgern. [sie werden von Sicherheitsbeamten aufgehalten]

 

Sicherheitsmann: Wir müssen Sie durchsuchen, bevor Sie reingehen.

 

Schnitt zum Krankenzimmer von Clarence. Er schläft. Foreman entnimmt ihm Blut und Chase Urin aus dem Kathederbeutel.

 

Cameron: Statistiken des Justizministeriums zeigen, dass es eine rassistisch motivierte Bestrafungsform ist. Beschuldigte Schwarze werden viel öfter zum Tode verurteilt als Weiße.

 

Foreman: Das bedeutet nicht, dass wir die Todesstrafe abschaffen sollten. [Clarence wird wach] Es bedeutet nur, wir sollten mehr Weiße umbringen. [Clarence bewegt sich und zerrt an den Hand- und Fußfesseln] Schon gut, Sie sind in einem Krankenhaus. Sie werden hier versorgt. [Clarence wird wütend und fuchtelt herum] Hey, man.

 

Chase: Schön ruhig bleiben, verstanden? Zwei Milligramm Ativan i. V.

 

Clarence rastet aus und reißt einen Teil des Bettgestells heraus. Er zieht sich den Beatmungsschlauch aus dem Hals. Die Sicherheitsleute stürmen herein und halten ihn fest.

 

Sicherheitsmann: Clarence, mach' hier kein Theater. [an das Team] Am besten, Sie verlassen jetzt sofort das Zimmer. [zu seinen Kollegen] Haltet ihn fest, drückt ihn auf das Bett.

 

Clarence: Wasser… Wasser. [Abblende]

 

Kamerafahrt über das Klinikgelände.

 

Schnitt zum Besprechungsraum. Das Team betritt den Raum, House gießt sich einen Kaffee ein.

 

House: Wie lautet die Differenzialdiagnose für Durst?

 

Chase: Der Kerl war nur leicht dehydriert und völlig durchgeknallt. Wir haben die Kochsalztropfdosis erhöht.

 

Foreman: Der Urin- und der Bluttest waren okay. Keine Anzeichen von Opiaten im Organismus. [Cameron nimmt einen Stift und will etwas auf die Tafel schreiben]

 

House: Lassen Sie das.

 

Cameron: Wieso? Haben Sie eine House-Theorie, die Heroingebrauch trotz negativem Testbefund erklärt?

 

House: Nein. [nimmt ihr den Stift weg] Nur ICH darf auf die Tafel schreiben. [Cameron setzt sich] Also, keine Drogen. Was kann sonst ein Herz dazu bringen, Intervallsprints zu machen? Sie haben die Blutwerte… ist da… [bemerkt Stacy, die in seinem Büro steht und ihn durch die gläserne Trennwand beobachtet] irgendwas ungewöhnliches?

 

Chase: Sein HCO3 Wert ist zu niedrig.

 

House: Doch in welche Spalte soll ich's schreiben? Das könnte das Resultat der Tachykardie sein, aber auch die Ursache.

 

Cameron: Sie ist es.

 

House: Wieso? Weil Sie es so haben wollen? Mal seh'n, wie es bei Ihren anderen Patienten funktioniert. [Stacys Anwesenheit macht ihn zunehmend nervös]

 

Cameron: Das sind doch nur Wortklaubereien. Wir sollten ihn an einen Bikarbonattropf hängen und wieder zurückschicken.

 

House: Na bitte. Bloß weg mit dem Typ. Nur nicht die zugrundeliegende Ursache ergründen. Ich hab' gedacht, Sie hätten ein Herz für Patienten.

 

Foreman: Unser Job ist es, nicht dafür zu sorgen, dass er noch seine Enkel auf den Knien reiten lassen kann, sondern ihn wieder gesund zu machen, dass sie ihn umbringen können.

 

House: [geht nun rüber zur Glaswand] Unser Job ist eine Diagnoseerstellung. [zieht die Jalousie zu; das Team guckt verblüfft] Was? Mammi und Daddy haben einen kleinen Streit. Das heißt nicht, dass wir euch nicht mehr lieb haben. Also geht jetzt raus zum Spielen und Daddy möchte 'ne Zigarette und 'ne arterielle Blutgasanalyse.

 

Das Team verlässt den Raum. House folgt ihnen und hofft so, Stacy zu entkommen, doch sie steht bereits auf dem Flur und wartet. Er ist überrascht.

 

House: Wow, das war beeindruckend. [schließt die Augen] Okay, an welche Zahl denk' ich gerade?

 

Stacy: Willst du, dass ich gefeuert werde? Wenn du nicht willst, dass ich hier arbeite, wieso hast du es dann nicht gesagt?

 

House: Ich will nur nicht, dass du HIER arbeitest, in meinem Zimmer. Aber überall sonst ist es mir recht. [Stacy guckt empört] Es ist ja ein sehr großes Krankenhaus.

 

Stacy: Ich bin Juristin und du ein Arsch. Das führt zwangsläufig zu Reibereien.

 

House: Das war hoffentlich 'n Euphemismus.

 

Stacy: Cuddy hat mich gerade angepinkelt.

 

House: Ich hoffe, das bedeutet das, was ich vermute.

 

Stacy: Weil ich dir vertraut habe. Sie dachte, wenn sie mich einstellt, wär' da wenigstens einer, den du nicht rumkommandieren kannst.

 

House: Übrigens, die Zahl war sechs.

 

Stacy: Kann ich dir vertrauen? Das muss ich unbedingt wissen.

 

House: Hätt' ich nicht gelogen, was Cuddys Einwilligung betrifft, wär' mein Patient jetzt tot.

 

Stacy: Gut, dann, ähm, weiß ich Bescheid. Jetzt können wir zusammenarbeiten. [sie geht]

 

Schnitt zu Clarence' Krankenzimmer.

 

Foreman: Ich neh'm jetzt etwas Blut aus Ihrer Femoralarterie.

 

Clarence: Aus meiner was?

 

Foreman: Aus Ihrer Leiste. [nimmt eine große Spritze]

 

Clarence: Du denkst, du kannst mir damit ins Gehänge stechen?

 

Foreman: Ich stech' in den Oberschenkel. Zur Zeit sieht's wohl eher so aus, als würden Sie Ihr Gehänge nur zu Ansichtszwecken benötigen.

 

Clarence: Warte, warte. Gib mir 'n Schmerzmittel oder so was.

 

Foreman: Ich glaub, so 'n harter Knochen wie Sie braucht so was nicht.

 

Clarence: Ach, quatsch' nicht. Gib mir 'ne Dröhnung. [Foreman spritzt ihm das Mittel; Clarence sieht auf sein Handgelenk] Du hast 'n Gang Tattoo. Lass mal seh'n.

 

Foreman: Es ist ein indianisches Symbol. Es bedeutet Lebenskraft.

 

Clarence: [lacht] Das sagst du den Weißen, damit sie dich Doktor spiel'n lassen.

 

Foreman: Jap, ich verschaukel' sie nur.

 

Clarence: Mal ehrlich, Bruder. Wie bist du vom Gang Mitglied zum Weißkittelträger geworden?

 

Foreman: [verärgert] Wie bist du dazu gekommen, 'ner Frau die du liebst, den Schädel einzuschlagen?

 

Clarence: Die Pflaume ist fremdgegangen. [Foreman sticht die Nadel ins Bein; Clarence schreit]

 

Foreman: Entschuldigen Sie bitte, war wohl zu wenig Lidocain.

 

Schnitt zum Besprechungsraum, den House und das Team betreten.

 

Foreman: Die Blutgasparameter zeigen ein PH Wert von sieben achtundzwanzig und vermindertes HCO3.

 

House: Was zweierlei bedeutet. In erster Linie, dass Cameron falsch lag mit dem Bikarbonat und in zweiter Linie, wir haben ein neues Symptom. [schreibt es auf die Tafel] Anionenlückenazidose. [zum Team] Wer ist pausbäckig? Also, mal angenommen, er liebt Hundebabys. Mal angenommen, er ist ein Mensch. Irgend 'ne Idee?

 

Foreman: Wir sollten noch mal an Drogen denken.

 

Chase: Seine Tests waren negativ.

 

Foreman: Deswegen sagte ich, NOCH MAL daran denken. Ich hatte im Jugendknast etwas Oregano verschnitten und als Pot vertickt.

 

Chase: Hast du so dein Studium finanziert?

 

Foreman: Angenommen, Clarence dachte, es wär' Heroin, aber es war keins.

 

House: Wenn ja, was kann eine Anionenlückenazidose auslösen?

 

Chase: Methanol.

 

House: Sie müssen nicht erst fragen. Waschen Sie sich nur die Hände, bevor Sie wieder auftauchen.

 

Chase: Methanol, Urämie, Diabetes…

 

House: Ooh, 'ne Gedächtnishilfe. Absolut einleuchtend.

 

Cameron: Paraldehyd, INH, Laktatazid…

 

House: Zurückspulen.

 

Cameron: INH.

 

House: Hm, Bingo.

 

Foreman: Medikament gegen Tuberkulose.

 

Chase: Fast ein Viertel aller Gefängnisinsassen sind mit TB infiziert.

 

House: Und Geschäftsleute wie Foreman hier, strecken ihre Medikamente und verkaufen sie als Heroin.

 

Cameron: Eine INH Vergiftung würde alle Symptome erklär'n.

 

House: Also, wer von Ihnen düst mal schnell in den Knast und sucht sein Drogenversteck? [alle sehen sich abwartend an]

 

Foreman: Okay, ich mach's.

 

House: Gut. Chase macht es.

 

Chase: Ich nehme an, Sie haben einen Grund, außer, dass Sie mich total deprimier'n wollen.

 

House: Sie haben die hübschere Schnute. Die Knackis werden sich Ihnen eher anvertrauen. [er geht]

 

Schnitt zu einem Krankenzimmer. House sitzt am Bett eines unbekannten Patienten, sieht seine fiktive Lieblingsarztserie und isst ein Sandwich. Wilson kommt herein.

 

Wilson: [deutet auf den Patienten] Der Mann liegt im Koma.

 

House: Hm, er hat nichts dagegen. Ich hatte gefragt.

 

Wilson: Du krümelst sein Bett voll.

 

House: Weißt du, was 'n Fernseher in einem Komapatientenzimmer soll?

 

Wilson: Manche glauben, sie können noch hör'n.

 

House: Wieso dann kein Radio? Seine Augen sind zu. Denkt irgendwer, sie können sehen?

 

Wilson: Weißt du, warum Menschen nett zu anderen Menschen sind?

 

House: Oh, die Antwort weiß ich. Ähm, weil Menschen gut, anständig und mitfühlend sind. Entweder deswegen, oder weil Menschen feige sind. Wenn ich fies zu dir bin, bist du's auch zu mir. Wechselseitige, gesicherte Zerstörung.

 

Wilson: Genau. Isst du die Chips noch? [greift nach einer Tüte, die House aber wegnimmt]

 

House: Komm auf den Punkt.

 

Wilson: Jeder Mensch braucht Zuneigung.

 

House: Die Zuneigung anderer ist mir schnuppe.

 

Wilson: Ja, aber du brauchst die Zuneigung anderer, weil du auf sie angewiesen bist. Oder denkst du, den nächsten Gerichtsbeschluss kriegst du ohne Hilfe? Wenn Stacy dir nicht vertrauen kann, kannst du sie nicht ausnutzen. [House reicht ihm die Chiptüte] Und, äh, da reden wir noch nicht mal von deiner höheren Absicht, sie dazu zu kriegen, dass sie ihren Mann verlässt und sich wieder dir zuwendet.

 

House: Ich weiß, ihr zwei seid befreundet, aber es gibt da diesen Kodex. Ein Freund ist wichtiger als 'ne Beziehung. [er streckt ihm seine Faust entgegen; Wilson grinst; House' Pager piept] Kacke.

 

Wilson: Was ist?

 

House: Der Todeskandidat geht ex. [er geht]

 

Schnitt zu Clarence' Krankenzimmer. House kommt herein. Foreman steht unbeteiligt an einer Wand gelehnt. Clarence scheint bewusstlos.

 

Foreman: Bradykardie. Die Herzfrequenz ist runter auf dreißig. Er hält nicht mehr lange durch.

 

House: Können Sie's nicht abwarten, dass er stirbt oder geben Sie ihm Atropin? [nimmt das Mittel aus einer Schublade]

 

Foreman: Als Behelfslösung?

 

House: Genau. Keine Ahnung, warum Diabetiker so scharf auf Insulin sind. Sie müssen dann immer mehr nehmen. [spritzt das Mittel über den Zugang]

 

Foreman: Atropin hilft aber nur ein, zwei Stunden. Sie wissen ja gar nicht, was ihm fehlt.

 

House: Verschwinden Sie! [Foreman geht; Clarence Werte werden besser]

 

Schnitt zum Gefängnis. Chase sucht nach den möglichen Drogen. Sein Handy klingelt. Es ist House, der durch einen Flur der Klinik läuft.

 

Chase: Ja, hier Chase.

 

House: Schon irgend 'ne Beichte aus jemandem rausgeprügelt?

 

Chase: Ich hab' noch mit keinem Häftling gesprochen.

 

House: Tut hier eigentlich irgendwer noch seine Arbeit oder muss ich alles selber machen?

 

Chase: Ich werde auf keinen Fall mein Leben für seins riskier'n.

 

House: Glauben Sie mir, ich schätze Ihre Ehrlichkeit. Sind Sie überhaupt in den Knast gefahren oder spielen Sie gerade Polo?

 

Chase: Ich durchsuche beide Zellen von Clarence. Wenn der Typ auf was drauf ist, hat er's irgendwo gebunkert.

 

House: Oder hat's aufgebraucht.

 

Chase: Ja, das wär' schon blöd. Er kann es irgendwo dazwischen versteckt haben. Hier ist alles voll mit Flaschen, Mappen, Kopiertoner, Gummibandpackungen, Papier- und Aktenordnern.

 

House: Brechen Sie ab. Kommen Sie zurück. [legt auf und lächelt wissend]

 

Schnitt zu Clarence' Krankenzimmer. House kommt mit einem fahrbaren Ablagekasten herein. Er zieht die Jalousie zu, so dass das Wachpersonal nichts sehen kann. Clarence wird wach.

 

Clarence: Was ist los?

 

House: [öffnet zwei Probenbehälter und holt aus dem Ablagekasten eine Flasche Schnaps] Sie sterben. [füllt die Behälter] Da verdient man einen letzten Drink.

 

Clarence: Sie sind okay.

 

House: Hm, danke. Das weiß ich, zu schätzen. [gibt Clarence den Schnaps zu trinken]

 

Schnitt zum Krankenzimmer von Cindy. Cameron nimmt ihr Blut ab.

 

Cindy: Alle Tests waren bis jetzt ergebnislos?

 

Cameron: Diagnostik ist mehr eine Kunst als eine Wissenschaft.

 

Cindy: Sollte ich mir jetzt Sorgen machen?

 

Cameron: Ich arbeite für einen der Topdiagnostiker des ganzen Landes. Wir beide konzentrieren uns darauf, eine Lösung zu finden.

 

Schnitt zu Clarence' Krankenzimmer.

 

House: [schon leicht angesäuselt] Ich dachte, ihr Knastologen trinkt jeden unter den Tisch. Sie sind mindestens mit drei Bechern im Rückstand. [leert einen weiteren Becher] Jetzt hängen Sie schon vier Becher zurück.

 

Clarence: Her mit dem nächsten Becher, sonst mach' ich Sie kalt. [House guckt irritiert; Clarence lacht, House ebenfalls]

 

Cameron: [steht in der Tür] Dr. House? Ich… warte immer noch auf die Testergebnisse, die ich…

 

House: Hab' gerade zu tun. Ich genehmige mir einen.

 

Cameron: [verstört] Das glaub' ich einfach nicht. [sie geht]

 

Clarence: Uuh, das ist die geilste Tussi, die ich seit zehn Jahren gesehen hab'.

 

House: Ich hätt' sie vernaschen können.

 

Clarence: Und das haben Sie nicht?

 

House: Näh.

 

Clarence: Sie sind der, der in den Knast gehört.

 

House: [schmunzelt] Erklär'n Sie mir mal was. Ich komm' einfach nicht dahinter. Wieso versucht einer, [gibt ihm wieder zu trinken] der im Todestrakt sitzt, sich plötzlich umzubringen? Hm? Ich weiß, dass Sie diese Tonerflüssigkeit getrunken haben. Das ist visuell nicht so dramatisch, wie das Pulsadernaufschneiden mit 'ner Klinge. Aber es haut auf jeden Fall hin.

 

Clarence: Ich hab' ganz plötzlich klargeseh'n. Die sagten mir, wann ich was essen darf, wann schlafen geh'n und wann reden, egal was. Doch in der Sache wollte ich selber bestimmen, wann ich abtrete. Wenn schon nichts anderes, dann wenigstens das.

 

House: Hm. Und dieser Gedanke kam Ihnen einfach so?

 

Clarence: Man, ich sagte doch, vierundzwanzig Stunden… [House gibt ihm wieder zu trinken]

 

House: Aha. Also, hier ist die gute Nachricht. Die Tonerflüssigkeit, die Sie getrunken haben, die… die besteht zu neunzig Prozent aus Methanol, das hochgiftig ist und, äh, Sie haben genug geschluckt, um sich zu killen. Die beschissene Nachricht ist, äh, der Alkohol, den Sie gerade getrunken haben, enthält so viel Ethanol, dass er sich mit der fiesen Ameisensäure binden wird, die in Ihrem Körper wütet. Und Sie werden sie einfach auspinkeln, ganz harmlos.

 

Clarence: Man, Sie sind ja hackevoll.

 

House: Das bin ich, ja. Und ich hab' Ihnen das Leben gerettet. [trinkt noch einen und lacht] Erst mal wenigstens.

 

Schnitt zum Eingangsbereich der Klinik. House kommt zur Arbeit. Er trägt eine dunkle Sonnenbrille.

 

Stacy: [laut und fröhlich] Morgen! [House seufzt] Geräuschempfindlich?

 

House: Nein, du hast nur so'ne schrille Stimme.

 

Stacy: Du warst schon immer 'n Weichei.

 

House: Wieso redest du mit mir?

 

Stacy: Ich find's schön, dir Schmerzen zu bereiten. Der Patient ist gesund und du schickst ihn wieder zurück.

 

House: Aber klar doch. [steigt in einen Fahrstuhl; bevor die Tür sich schließt, hält er sie mit seinem Stock offen] Kann ich dir vertrauen?

 

Stacy: Früher hast du das.

 

House: Aus meiner Sicht ist der Kerl immer noch krank. Ich behalt' ihn noch 'ne Weile hier. Du kannst also entweder deine Pflicht tun und die Klinikleitung informier'n oder mir helfen und dafür sorgen, dass sie nicht informiert wird, damit ich etwas Zeit gewinne. [die Fahrstuhltür schließt sich]

 

Schnitt zum Besprechungsraum. Cameron beschreibt eine Ecke der Tafel mit Symptomen ihrer Patientin Cindy.

 

Chase: Hast du 'n CT gemacht?

 

Cameron: Ja, hab' ich.

 

Foreman: Mit Kontrast?

 

House: [betritt den Raum] Sie hat alles erforderliche getan, außer ihrer Patientin zu sagen: Sie werden sterben. [nimmt Cameron den Stift weg] Ich sagte doch, nur ich darf mit dem Marker spielen. [wischt Camerons Schrift weg und wirft Chase den Schwamm zu] Unser Häftling hat ein neues Symptom.

 

Cameron: Solange die Diagnose nicht gesichert ist, werde ich ihr nicht sagen, dass sie sterben wird.

 

House: Ich kaufe diesem CLARENCE nicht ab, dass er sein Leben durch Suizid selbst bestimmen wollte. [Cameron setzt sich genervt auf einen Stuhl] Wer gesund ist, wird sich nicht umbringen.

 

Foreman: Wer gesund ist, bringt auch nicht andere um.

 

House: Er hat Berufung eingelegt in einem Staat, der seit dreißig Jahren niemanden mehr hingerichtet hat.

 

Chase: Und wenn es kein Suizidversuch war, sondern Teil eines Fluchtplans. Man trinkt genug Methanol, da… damit man in ein Krankenhaus gebracht wird, um dort zu türmen.

 

House: Ausgezeichnet. Das würde alles erklär'n, außer den Symptomen, weswegen er hier ist. Sein Herz drehte durch, bevor er in diese Lagerzelle gesteckt wurde und sich dort einen Toner-Martini gönnte. Irgendwas stimmt nicht in seinem Hirn. Suchen Sie nach intrakraniellen Läsionen, Hirninfektionen, Autoimmunkrankheiten und machen Sie ein CT, eine LP, das volle Programm. Der Staat bezahlt, also lassen Sie es krachen. [das Team geht, Cameron mit wütendem Blick]

 

Schnitt zu Clarence' Krankenzimmer. Foreman macht die Lumbalpunktion.

 

Foreman: [betrachtet Clarence' Rücken] Wo haben Sie diese Narben her?

 

Clarence: Von einem Messerstich im ersten Knastmonat. Als die abgeheilt war, hab' ich die Rechnung beglichen. Denkt ihr immer noch, ich bin krank?

 

Foreman: Wie man seh'n kann.

 

Clarence: Was juckt dich das? Warum lässt du mich nicht einfach sterben?

 

Foreman: Tze, wir sind eben verschieden.

 

Clarence: Na klar, du liebst mich wie deine eigene Mama. Deswegen sagt die Schwester, du hättest sie rausgeschmissen, als mein Herz fast stehen geblieben ist.

 

Foreman: [setzt die Nadel an] Tief Luft holen. [sticht ein; Clarence beisst die Zähne zusammen] Gibt's in Ihrer Familie psychische Krankheiten?

 

Clarence: Es hieß zwar, mein Papa sei verrückt gewesen, aber wer weiß, bei meiner Mom waren's die Drogen.

 

Foreman: Haben Sie Geschwister?

 

Clarence: Ein Bruder. Ich musste das arme Schwein selbst großziehen.

 

Foreman: Inspirierende Story. Sitzt der auch im Knast?

 

Clarence: [dreht sich zu ihm] Hey, er ist 'n guter Junge. Urteile niemals über Dinge, von denen du nichts weißt.

 

Foreman: Ist er gesund?

 

Clarence: Ich hab' nie was von ihm gehört, seit ich einsitze. Hab' den Kleinen sechzehn Jahre bemuttert, seine Windeln gewechselt. Kannst du dir vorstell'n, dass dein Leben von… von einem beschissenen Fehler bestimmt wird, den du begangen hast? [sehen sich an]

 

Foreman: Sie haben vier Menschen getötet und daneben verliert das "Käsemaccaroni so machen, wie er es mag", so ziemlich jede Bedeutung.

 

Schnitt zu House, der sein Büro betritt. Cameron sitzt an seinem Tisch.

 

House: Oh nein. Jetzt finde ich Ihren ganzen Körper auf meinem Sessel. Was bedeutet das?

 

Cameron: Ich brauche eine segmentale bronchoalveoläre Lavage.

 

House: Ich nehme an, der Kontrastmittel CT Befund liegt vor.

 

Cameron: Er ist nicht eindeutig.

 

House: Eine Biopsie wär's.

 

Cameron: Eine Biopsie wäre invasiv und unnötig.

 

House: Und absolut eindeutig. Aber Sie wollen nichts eindeutiges. Sie wollen an Ihrer Illusion festhalten.

 

Cameron: Eine Lavage könnte beweisen, dass es kein Krebs ist.

 

House: Aber Sie brauchen mich zur Genehmigung des Eingriffs. Ein scheiß Dilemma. Die Antwort ist nein.

 

Cameron: [steht auf und geht auf ihn zu] Warum? Weil ich es bin? Ich bin mit Ihnen fertig. Ich heule jetzt mit den Wölfen und ich hasse Sie, okay?

 

House: Gut, behandeln wir sie.

 

Cameron: [aufgebracht] Ha. Was soll das? Cindy wollen Sie nicht helfen, aber diesem miesen Drecksstück ja. Wollen Sie damit beweisen, dass dieser Mensch unwichtig ist, dass nur Ihr blödes Ratespiel zählt? [beruhigt sich wieder] Gut, gleiche Behandlung für beide. Nur das verlange ich. Nur ein Test.

 

House: Wow, ganz schön beachtlich. Laut dieser Patschuliöl verkaufenden New Ager [geht zur Lichttafel] ist es der sterbende Patient. Aber nicht er, sondern Sie durchlaufen die fünf Stadien. Sie haben soeben den nahtlosen Übergang von Zorn zu Verhandlung geschafft. [streicht nach "Leugnen" nun auch diese beiden Wörter durch] Übernehmen Sie noch zwei von meinen Praxisdienststunden und Sie bekommen den Eingriff genehmigt. [Cameron nickt und geht]

 

Schnitt zu Chase und Foreman, die sich auf einem Computer Aufnahmen von Clarence' Gehirn ansehen.

 

Chase: Keine Läsionen, keine Aneurysmen. Groteskerweise sieht ein Killer im Kopf völlig normal aus.

 

Foreman: Wenn dich jemand bittet, mich ihm zu beschreiben, was sagst du ihm dann als erstes?

 

Chase: Er ist unsicher. Was soll die Frage?

 

Foreman: Sagen wir, du würdest mir 'n Blind Date verschaffen. Was würdest du der Frau sagen, was ich für einer bin? 'N Schwarzer, ähm, ein Neurologe oder 'n Autodieb.

 

Chase: Irgendwie lässt der Kerl dich nicht kalt, hä? [Foreman wendet sich genervt dem Computer zu]

 

Kamerablick auf das Klinikgebäude. Es dämmert.

 

Schnitt zu Cameron, die nun den Test an Cindy durchführt. Eine Schwester ist bei ihr. Sie führt einen langen, dünnen Schlauch in Cindys Nase ein, beobachtet dies mit einer Kamera und entnimmt Flüssigkeit [CGI Effekt].

 

Schnitt zu Cameron, die sich den Ergebnisbericht ansieht. Wilson steht hinter ihr.

 

Cameron: Keine Anzeichen für eine Infektion.

 

Wilson: Sie werden die Biopsie machen müssen. [Cameron guckt deprimiert]

 

Schnitt zu House' Büro. In der ersten Einstellung sieht man das Wort "Depression" auf der Lichttafel.

 

Cuddy: Ihr Todeskandidat ist immer noch da.

 

House: Ja, sorry. Ich muss den Typ erst stabilisier'n. Ich lass' ihn wahrscheinlich noch ein paar Stunden am Tropf, dann kann er geh'n.

 

Cuddy: Ach ja? Was würden Sie sagen, wenn ich vermute, dass Sie ihn noch für krank halten?

 

House: Vermuten erfordert besonderes Denken. Ich vermute, Sie haben NUR vermutet und nicht gedacht. Stacy hat mich bei Ihnen verpetzt. So viel zum Anwalt-Klienten-Privileg.

 

Cuddy: Ich bin der Klient, Sie Holzkopf. Stacy hat eine Verpflichtung gegenüber der Klinik.

 

House: Klar.

 

Cuddy: Ich schick' ihn wieder zurück. [geht zur Tür]

 

House: Geht nicht, gerichtliche Order.

 

Cuddy: Die gerichtliche Order sagt, er muss für gesund erklärt werden. Sie sagt aber nicht, welcher Arzt das machen muss. [sie geht; House folgt ihr]

 

Schnitt zu Clarence' Krankenzimmer. Er schreit laut, vor Schmerzen.

 

Cuddy: Was ist, Clarence?

 

Clarence: Ah, mein Bauch.

 

Cuddy: Würden Sie das als stechende Schmerzen bezeichnen, als pochende Schmerzen oder als eingebildete Schmerzen, weil Sie nicht wieder ins Gefängnis wollen? [House steht hinter ihr]

 

House: Wo tut's weh?

 

Clarence: Im Bauch. Das fühlt sich an wie Messerstiche.

 

House: [zu Cuddy] Er kennt sich da aus. [geht an Cuddy vorbei] Lassen Sie mal seh'n.

 

Cuddy: So, es lügen also alle außer einem verurteilten Mörder.

 

CGI Effekt in Clarence' Bauchinneres. Man sieht einen Darmdurchbruch. House hebt die Decke an. Unter Clarence' Gesäß ist eine große Blutlache.

 

House: Ich glaub' nicht, dass er simuliert. [zu Cuddy] Und was denken Sie jetzt, Doktor? [Abblende]

 

Schnitt zu House' Büro. Er sieht auf Clarence' Akte. Stacy kommt herein.

 

Stacy: Ich hatte keine Wahl.

 

House: Nein, du musstest es Cuddy sagen. Sie ist dein Boss, klar. Hitler dachte auch, er würde der Welt einen Gefallen tun.

 

Stacy: Ja, der Vergleich drängt sich geradezu auf.

 

House: Gandhi ist nicht ans Meer marschiert, weil seine Kumpels es wollten und Pol Pot massakrierte nicht die Lehrer, um sich Freunde zu machen.

 

Stacy: Du… du bist auch nicht gerade dabei, dir Freunde zu machen.

 

House: Ich hab' dir vertraut.

 

Stacy: Ich weiß.

 

House: [seufzt] Wilson ist ein Naivling und ich bin ein Idiot.

 

Stacy: Ich musste tun, was ich für richtig hielt.

 

House: Das ist der einzige Grund allen Handelns. [denkt nach]

 

Schnitt zum Besprechungsraum.

 

Foreman: Die OP ist gut verlaufen. Es wurden fast dreißig Zentimeter Darm entfernt. Er kommt jetzt in Handschellen auf die Wachstation.

 

House: Die Frage ist, wieso hat Clarence diesen zweiten Häftling umgebracht?

 

Foreman: Ich versteh' nicht. Wovon zum Teufel reden Sie da?

 

House: [geht zur Tafel und wischt sie ab] Alles, was wir tun, wird diktiert von Motiven. Warum hat er seine Freundin umgebracht?

 

Foreman: Weil er ein Psychokiller ist.

 

House: Ist das der Grund, den er genannt hat? Hm?

 

Foreman: Sie… sie hat ihn betrogen.

 

House: Eifersucht. [schreibt es auf die Tafel] Dadurch kommt er ins Gefängnis, wo er Häftling Nummer Eins umbringt. Wieso?

 

Foreman: Er hat ihn zuerst angegriffen.

 

House: Rache. [schreibt es auch auf] Wer war sein nächstes Opfer?

 

Chase: Ein Wächter.

 

House: Gegen den ein Aktenordner voller Misshandlungsbeschwerden vorlag. Er hat ihn wahrscheinlich fortwährend in die Mangel genommen.

 

Foreman: [sarkastisch] Clarence befreite die Welt nur von Übeltätern.

 

House: Nennen wir das, Vergeltung. [schreibt auch das auf] Und dann tötet er Häftling Nummer Zwei. Weiß jemand, wieso? [Chase blättert in der Akte] Ah-ah, steht da nicht drin. [schreibt ein großes Fragezeichen auf die Tafel]

 

Schnitt zu Clarence' Krankenzimmer.

 

Clarence: Ich soll jetzt plötzlich 'n Grund gehabt haben?

 

House: Es ist eine Anomalie. Ärzte lieben Anomalien. Dunkler Fleck auf dem Röntgenbild, heller Fleck auf dem MRT. Das Töten des zweiten Häftlings war das mörderische Äquivalent für Blut im Urin. Das passt nicht. Ich interessier' mich für Dinge, die nicht passen. Wieso haben Sie's getan? Sagen Sie's mir. [geht näher an sein Bett] Sie haben mit den meisten Opfern schon fast geprahlt. Was war anders bei diesem Kerl?

 

Clarence: Es passierte, als wir im Häftlingstrakt waren. Ich saß in der Bibliothek und hab' gelesen. Doch irgendwas machte mich unheimlich nervös. Dieser Typ, der… der starrte mich an und ich… ich spürte seinen bohrenden Blick in meinem Rücken. Das machte mich ganz verrückt. Der Schweiß… der Schweiß rann mir übers Gesicht und ich fühlte mein Herz schlagen und ich fühlte, wie mein Blut durch den Körper raste und… und dann bin ich einfach ausgerastet.

 

Schnitt zu einem Klinikflur. House, Foreman und Chase gehen nebeneinander her.

 

House: Also, wie lautet die Differenzialdiagnose für Ausrasten?

 

Foreman: Überschießendes Testosteron, Steroide.

 

Chase: Adrenalin?

 

House: Machen Sie Clarence OP fertig. [steht vor einem Fahrstuhl]

 

Foreman: Darf die Klasse den Grund erfahr'n?

 

House: Oh, kommen Sie. Muss ich's erst buchstabier'n? Ein Phäochromozytom. Wie buchstabiert man das? Sie haben es selbst gesagt, Adrenalin. Phäochromozytome sitzen in der Nebenniere und führen zu einer unkontrollierten Ausschüttung von Adrenalin. Das passt perfekt. Das erklärt alles. Die Tachykardie, das Lungenödem, die Gefäßverengung, die den nekrotischen Darm verursacht hat.

 

Chase: Und auch, woher er die Kraft hatte, das Bettgitter abzureißen. [die Fahrstuhltür öffnet sich, House steigt ein]

 

Foreman: So was ist extrem selten.

 

House: Ich liebe selten. Machen Sie ein MRT. Wo ist Cameron?

 

Foreman: Hm. [er und Chase gehen]

 

House: Als könnt' ich's nicht erraten. [die Fahrstuhltür schließt sich]

 

Schnitt zu Wilson, der an Cindys Krankenzimmertür klopft. Cameron sitzt bei ihr. Die beiden Frauen unterhalten sich und lachen.

 

Wilson: Dr. Cameron, haben Sie eine Sekunde Zeit?

 

Schnitt zum Flur vor dem Krankenzimmer.

 

Wilson: Der bittere Vorteil an meinem Job als Leiter der onkologischen Abteilung ist, ich kriege alle Biopsieresultate.

 

Cameron: Ja, ich weiß. Sie, äh, wird sterben.

 

Wilson: Ja. Sie sind gerade dabei, Sie zu informier'n?

 

Cameron: Ich war… ich, ich bin noch nicht dazu gekommen. Ich wollte erst… äh…

 

Wilson: Erst was? Freundschaft schließen?

 

Cameron: Cindy ist geschieden. Sie hat weder Kinder noch Geschwister. Ihre Mutter und ihr Vater sind tot.

 

Wilson: Es ist nicht Ihr Job, ihre Freundin zu sein. Haben Sie verstanden? Und das ist es auch nicht wert. Sie würde sich vielleicht besser fühl'n für die letzten Tage, doch Sie sind dann nicht mehr dieselbe. Vielleicht auch für Jahre.

 

Cameron: Sie glauben, es ist es nicht wert?

 

Wilson: Ich glaube es nicht. Ich weiß es.

 

Cameron: [wirft einen Blick auf Cindy] Mein Mann war… Wir beide haben uns kennen gelernt, nachdem bei ihm ein unheilbarer Krebs diagnostiziert wurde. Wenn wir nicht geheiratet hätten… Er war ganz allein. Wenn jemand stirbt, sollte man auf jeden Fall Anteil nehmen. Jemand sollte Notiz nehmen. Ich finde, jemandem sollte es nahe gehen. [geht wieder zu Cindy]

 

Schnitt zu Clarence' Krankenzimmer. House sitzt bei ihm.

 

Clarence: Phäo… was?

 

House: Ich weiß es auch nicht mehr. Es ist nur die Umschreibung für kleiner, Adrenalin produzierender Tumor. Ja, jetzt wissen Sie Bescheid. Also, wenn ich recht habe, können wir es beheben. Doch zuerst müssen wir das Ding finden. Hm, dazu brauchen wir ein MRT. Das ist für die meisten Menschen schmerzlos.

 

Clarence: Aber nich' für mich.

 

House: Ich nehme an, diese Tattoos wurden im Knast gestochen. Knasttattoos enthalten oft Tinte mit Schwermetallen. Das MRT Gerät ist im Prinzip ein Riesenmagnet und der saugt Ihnen die metallische Tinte raus.

 

Schnitt zum MRT Raum. Clarence wird in den Apparat gefahren. House, Foreman und Chase sind anwesend. Clarence schreit wie am Spieß.

 

House: [über die Sprechanlage] Hören Sie auf, zu zappeln. Zwingen Sie uns nicht, das Ganze zu wiederhol'n. [zu sich selbst] Was für'n Waschlappen. [alle drei sehen auf den Monitor]

 

Chase: Ich sehe immer noch nichts.

 

Clarence: Schalten Sie das Ding ab!

 

House: [sieht etwas] Das war wohl 'n Treffer. [zu Clarence] Wir haben's gefunden, Clarence.

 

Clarence: Schalten Sie ab! Schalten Sie das scheiß Ding ab!

 

House: [zu Foreman und Chase] Er bleibt da drin, bis Sie's auch seh'n. [er geht]

 

Foreman: [sieht es] Das glaub' ich jetzt nicht.

 

Kamerafahrt über das abendliche Klinikgelände.

 

Schnitt zu Foreman, der House' Büro betritt.

 

Foreman: Wie es aussieht, wurde das Phäo erfolgreich reduziert. Was jetzt?

 

House: Clarence geht zurück in den Todestrakt.

 

Foreman: Einfach so?

 

House: Er ist geheilt.

 

Foreman: Der Tumor hat unkontrolliert Adrenalin freigesetzt, was offensichtlich zu den Wutattacken führte, die ihn überhaupt erst zum Mörder gemacht haben.

 

House: [dreht sich zu ihm] Mein Gott, Sie haben recht. Rufen wir schnell die Chirurgen an. Der Tumor wird noch gebraucht und zwar als Zeuge.

 

Foreman: Wie wär's, wenn wir bei der Revisionsverhandlung aussagen?

 

House: [schnuppert] Riechen Sie das? Es stinkt hier irgendwie nach Heuchelei. Sie wollten doch erst gar nicht in Betracht ziehen, dass Clarence' soziale Herkunft verantwortlich war für das, was aus ihm wurde. Und jetzt spurten Sie in den Zeugenstand und schieben es auf einen Tumor.

 

Foreman: Jemandes Herkunft und seine Biologie sind zwei verschiedene Dinge.

 

House: Ja, weil Sie nur eine davon überwunden haben, geben wir ihm einfach einen Freifahrtsschein, hm? Was vermutlich alle anderen Phäo Patienten verstimmen würde, die es schaffen, ihre Wutattacken unter Kontrolle zu halten und Rechtsanwälte, Rennfahrer oder Ärzte werden. Die Entfernung des Tumors stoppt nur die unkontrollierten Adrenalinausstöße. Sie ist keine Absolution.

 

Foreman: Sie woll'n, dass man ihn hinrichtet?

 

House: So hab' ich das nicht gemeint.

 

Foreman: Keine Meinung? [im Hintergrund beginnt der Song "Hallelujah" von Jeff Buckley, der noch bis zum Ende der Episode zu hören ist]

 

House: Jeder Mensch hat 'ne Meinung. [Foreman geht zur Tür]

 

Foreman: Ich, äh, ich denke, ich werde bei seiner Revisionsverhandlung aussagen.

 

House: Tun Sie, was Sie für richtig halten. Ist Ihre Freizeit. [Foreman geht]

 

Schnitt zu Cameron. Man sieht sie auf Cindys Bett sitzen. Sie sagt ihr nun, dass sie sterben wird.

 

Cindy: Aber… es, es ist doch nur 'n Husten. [Cameron umarmt Cindy]

 

Schnitt zu Clarence, der gefesselt von Wachleuten aus der Station abgeführt wird. Foreman sieht ihm nach.

 

Schnitt zu House, der in seinem Büro sitzt und die Schnapsflasche betrachtet, die er mit Clarence fast leergetrunken hatte. Er gießt sich noch etwas in eine Tasse und sieht auf die Lichttafel mit den fünf Sterbephasen. House steht auf und wischt alle Wörter weg, bis auf "Akzeptanz". Dann wischt er auch dieses Wort weg.

 

ENDE