Transkript der Folge „Letzte Suche“ [#1.10] aus der Serie „Dr. House”

Transkript der Folge „Letzte Suche“ [#1.10] aus der Serie „Dr. House”

 

Letzte Änderung: Donnerstag, 8. Januar 2015

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
Anmerkungen zu Übersetzungsfehlern oder Erklärungen zu sonstigen Auffälligkeiten sind in den Fußnoten zu finden.

 

Originaltitel: Histories
Ausstrahlung: 08.02.2005
Deutscher Titel: Letzte Suche

Ausstrahlung: 11.07.2006

Buch: Joel Thompson
Regie: Daniel Attias

 

Darsteller
Hugh Laurie (Dr. Gregory House)

Lisa Edelstein (Dr. Lisa Cuddy)
Omar Epps (Dr. Eric Foreman)
Robert Sean Leonard (Dr. James Wilson)
Jesse Spencer (Dr. Robert Chase)
Jennifer Morrison (Dr. Allison Cameron)

 

 

Gastdarsteller
Leslie Hope (Victoria Madsen)
Leslie Karpman (Jodi)

 

Inhaltsangabe
Die obdachlose Victoria wird nach einem Zusammenbruch in die Klinik eingeliefert. Die Untersuchungen der Ärzte erbringen eine niederschmetternde Diagnose. Doch damit nicht genug, enthüllt sich den Ärzten auch die tragische Geschichte der todgeweihten Frau. [Text RTL]


 

Vor einem Haus.

Abend. Aus dem Haus klingt laute Partymusik. Eine etwa 30 jährige verwahrloste Frau mit kurzem, braunem Haar geht auf den Türsteher zu.

 

Victoria:          Hi. Klingt nach 'ner guten Party.

 

Mann: Zwanzig Mäuse.

 

Victoria: Okay, kein Problem. Ich hab sie hier irgendwo. [weinerlich] Oh Gott... Es tut mir leid. Ich hab v-vergessen haben, zum Automaten zu gehen.

 

Mann: Und vorher putzt du dir die Zähne. Du hast nichts auf der Naht.

 

Victoria: A-a-aber ich kanns von von meinem Freund kriegen. Der, der ist da drin. Er kann es mir geben, und ich bring's dann raus. 

 

Mann: Du kennst hier niemanden.

 

Victoria:          Doch, das tu ich. James. Er ist blond und super nett und redet immer viel. Ich muss ihn sehen, bitte.

 

Mann: Geh rein.

 

Die Frau geht in das Haus und sucht im Partygetümmel nach James.

 

Victoria:          James? James? James? 

 

Frau:   Hi. 

 

Victoria:          Weißt du, wo James ist?

 

Frau:   Oh ja, der-der ist hier irgendwo. Gehen wir ihn suchen.

 

Das Licht beginnt zu flackern. Computeranimation von Victorias Blutbahn.

 

Frau:   Na los, suchen wir ihn, komm.

 

Die Frau und Victoria gehen los. Victoria hört alle Stimmen wie aus weiter Ferne.

 

Victoria: James? Weißt du, wo James ist? Wo ist James?  James? James? Ja, er er ist hier irgendwo.  Wo ist er? Bitte. Ich muss unbedingt zu ihm. [Die Frau versucht Victoria zu küssen und ihr dabei Tabletten in den Mund zu schieben] Was soll das?

 

Frau:   Schlampe! [schubst Victoria gegen eine Wand wo sie liegenbleibt]

 

Victoria:          Sie versucht mir zu helfen! Lassen Sie sie los! Lassen Sie mich los!

 

Zwei Polizisten packen die sich wehrende Victoria.

 

Polizist:           Jetzt beruhige dich! Man, ich hab' sie gar nicht angefasst. Na toll. Jetzt müssen wir ins Krankenhaus.

 

 

VORSPANN

 

 

 

Im Krankenhaus.

Wilson und Forman gehen einen Gang entlang. Wilson liest Victorias Krankenakte.

 

Wilson:   Obdachlos. Eingeliefert vor 24 Stunden mit Verdacht auf eine Drogenüberdosis. Ihr Toxtest ist negativ, aber sie halluziniert immer noch.

 

Foreman: „Obdachlos“. Bedeutet in der Regel mittellos und gestört. Cuddy wird nicht –

 

Wilson:   Wir sind ein Lehrkrankenaus, Foreman. Kein Ausweis. Sie weiß nicht, wie sie heißt. Ich wurde wegen einer Läsion an ihrem Arm hinzugezogen.

 

Foreman: Obdachlos bedeutet keine WohnungKopf. Also zu viel Sonne.

 

Wilson:            Nein. Die Läsionen sind nicht karzinös. Aber mir sind Zuckungen aufgefallen. An der Hand.

 

SCHNITT: In Victorias Zimmer.

Foreman untersucht die Patientin. Wilson steht daneben.

 

Foreman: Spüren Sie das? 

 

Victoria:          Klar. Ich bin ein Mensch.

 

Foreman: Machen Sie eine Faust um meine Finger, so fest Sie können. Drücken Sie. 

 

Victoria:          Tu ich ja.

 

Foreman: Gut. Heben Sie jetzt bitte die Arme über den Kopf.

 

Victoria versucht die Arme zu heben, das misslingt aber.

 

Wilson:            Sie krampft. Geben Sie mir Ativan.

 

Foreman: Sie will bloß nicht entlassen werden. Sie simuliert nur.

 

Wilson:            Nein, das ist echt. Schnell, ein Fingerpieks.

 

Foreman: Blutzucker 38. 

 

Wilson:            Wir brauchen D50. IV injiziert, sofort.

 

SCHNITT: Wilson und Foreman gehen einen Gang entlang.

 

Wilson:            Simulierter niedriger Blutzucker. Das ist echte Schauspielkunst.

 

Foreman: Der Blutzuckerwert ist echt. Sie ist wahrscheinlich Diabetikerin und nahm 'ne Überdosis Insulin. [zu einer Schwester] Zimmer 2032. Ich will die Sachen der Patientin. [zu Wilson] Hören Sie, durch den Anfall kriegt sie einen Schlafplatz, während nette Ärzte Tests durchführen und obendrein kriegt sie noch 'n paar Gratismahlzeiten. Ich wette 20 Dollar, dass da Insulin drin ist. [öffnet Victorias Tasche; verzieht das Gesicht] Oh! Wow. Packen Sie die bitte wieder weg.

 

Wilson:            Was ist mit dem Zucken?

 

Foreman: Ihr Arm hat sich bewegt.

 

Wilson:   Wozu Zuckungen vortäuschen? Falls der Anfall nicht überzeugend war? Es könnte doch auch ein Zeichen eines Tumors sein und das wiederum könnte einen –

 

Foreman: ...Neurologen interessieren und deswegen haben Sie mich gerufen. Überwachen Sie den Blutzucker und geben Sie ihr ein anständiges Essen. Und dann, dann entlassen Sie sie.

 

SCHNITT: Wilson spricht mit House über den Fall.

 

Wilson:            Er irrt sich. 

 

House:             Foreman irrt sich? Der Neurologe irrt sich bei einem neurologischen Problem?

 

Wilson:            Er hat sie nur einmal angesehen und sagt, sie würde simulieren.

 

House:             Und deswegen glaubst du, er wär' nicht objektiv. 

 

Wilson:            House, die Frau hat Zuckungen. Und einen Anfall. 

 

House:             Und beides hat Foreman gesehen? 

 

Wilson:            Er wollte die Frau nur loswerden!

 

House:             Wow, wow, wow! Immer mit der Ruhe, Freundchen. Motz’ Foreman an, nicht mich.

 

Wilson:            Ich will nur, dass die Frau ärztlich versorgt wird, sonst nichts.

 

House:    Das ist nicht mal nah an der Wahrheit. Es ist was anderes. Was Persönliches. Gib mir die Akte. Das könnte interessant werden.

 

SCHNITT: Im Besprechungszimmer.

House berät den Fall mit seinen Assistenten.

 

Cameron: Das Zucken könnte ein Minianfall gewesen sein und hat mit der Diabetes nichts zu tun. 

 

Chase:             Ein Gehirntumor?

 

House:             Nett, dass Sie sich zu uns gesellen, Eric. Wie ist die Differnzialdiagnose für Zucken im Handgelenk?

 

Foreman: Die Patientin ist eine 30-jährige Unbekannte. Ich dachte, ich entlasse sie einfach.

 

Wilson:            Aber sie ist meine Patientin. Eine zweite Meinung wird nicht schaden.

 

Chase:             Ein Schlag auf den Kopf? Auf ein subdurales Hämatom?

 

Foreman: Lies die Akte. Kein Zeichen von Schädeltrauma.

 

Cameron: Ein Zucken könnte einen Hirntumor anzeigen. 

 

Foreman: Oder ein Dutzend anderer Dinge! Also wirklich! Zwei Dinge können Obdachlose richtig gut: Krank werden und  bluffen. Wenn Sie so besorgt um die Frau sind, machen Sie ein MRT und wenn das nichts bringt, werfen Sie sie raus.

 

Wilson:            Für Sie scheint das ja ein klarer Fall zu sein. 

 

Foreman: Ich hab' im Leben auch mehr Obdachlose gekannt als Sie.

 

Wilson:            Das haben Sie mir natürlich voraus. Wie konnte ich da Ihre ärztliche Meinung anzweifeln?

 

House:             Die wichtigste Frage haben Sie alle übersehen. 

 

Foreman: Oh Gott. 

 

House:             Wer ist sie? [wirft Victorias Tasche auf den Tisch]

 

Foreman: Gut, wieso diskutieren wir den Fall? Nur weil Wilson drum gebeten hat?

 

House:             Brauch ich einen besseren Grund? 

 

Foreman: Die meisten Leute nicht. Sie schon.

 

House kippt die Tasche aus und beginnt in ihren Sachen zu wühlen. Cameron und Chase verziehen das Gesicht.

 

House:    Das einzige, was wir über Miss Unbekannt wissen, ist, dass ihre Identität ungeklärt ist. Mit anderen Worten: Keine medizinische Vorgeschichte zu Allergien, Medikationen, früheren Diagnosen und Therapien. Wir haben keinen Ausgangspunkt für eine medizinische Behandlung.

 

Foreman: Das sieht nach Insulin aus. 

 

House:             Erbrochenes. Noch feucht. Was denken Sie? Paar Tage alt? [hält Chase das Kleidungsstück unter die Naser]

 

Chase:             Äääh! Wollen Sie, dass ich kotze?

 

House:             Ja. Und jetzt kommt das große Finish. [leckt seine Finger ab] Salzig. Chemisches Ungleichgewicht.

 

Wilson:            Magnesiummangel kann ein Zucken verursachen. 

 

House:             Oder erhöhtes Kalzium. Kann auch Zufall sein. Der springende Punkt ist, wir wissen gar nichts. 

 

Foreman: Dann machen wir das MRT. Finden Sie's raus.

 

House:    Das MRT kann warten. Hängen Sie sie an den Bananenbeutel und lassen Sie ihr 24 Stunden Zeit um den Elektrolytverlust auszugleichen.

 

Wilson:            Gut. Danke.

 

Alle gehen. Foreman bleibt zurück um nochmals mit House zu reden.

 

Foreman: Okay, selbst, wenn sie nicht markiert, was ist so faszinierend an diesem Fall?

 

House:             Zunächst mal, dass Sie partout nicht wollen, dass ich den Fall übernehme. Das ist schon ziemlich faszinierend.

 

SCHNITT: In Victorias Zimmer

Victoria zeichnet die Ärzte. Chase kommt dazu.

 

Chase:             Dr. Foreman haben Sie gut getroffen. Er hat noch nie besser ausgesehen.

 

Victoria:          Er mag mich nicht. Ich kann das fühlen.

 

Chase:             Das ist okay. Mich mag er auch nicht. Wer ist James? 

 

Victoria:          Au. [kneift die Augen zusammen und fasst sich an den Kopf]

 

Chase:             Kopfschmerzen?

 

Victoria:          Gehen Sie weg! Nein, nein, nein, nein! [beginnt zu toben]

 

Foreman: Ein Milligramm Ativan, los.

 

Victoria:          Nein! Nein, nein, nein, nein, nein, nein!  [beißt in Foremans Handgelenk]

 

Foreman: Sie hat mich gebissen!

 

Chase:             Zum Glück ist sie negativ auf HIV und HepC.

 

Foreman: Okay. Ich zieh' mir 'ne Tetanus rein und die kriegt 'ne MRT.

 

Chase:             Wir haben 2 Tage Wartezeit, wenns kein Notfall ist. 

 

Foreman: Sie kriegt ein MRT! Und dann verschwindet sie.

 

SCHNITT: Die Anmeldung zum MRT.

Eine Krankenschwester unterhält sich mit einer Patientin, die im Rollstuhl sitzt.

 

Patientin: Aber Dr. Terhark hat ausdrücklich gesagt, ich bekäme das MRT um 10. Jetzt haben wir fast 11, und davor sind noch die Vortests dran. 

 

Schwester: Tut mir Leid, wir sind ein bisschen im Rückstand.

 

Foreman: [kommt hinzu] Entschuldigen Sie. Sind Sie Dr. Terharks 10 Uhr Patientin? 

 

Patientin: Ich bin Angela Whitney. Ich hab' um 11:30 Uhr eine Verabredung mit meiner Innenarchitektin. Sie kommt extra aus New York. Dr. Terhark hat versprochen, dass ich um die Zeit wieder zu Hause bin. 

 

Foreman: Aber natürlich.

 

Forman schiebt die Patientin weg. Als er an Chase und Victoria vorbeikommt, drückt er Chase die MRT-Anmeldung in die Hand, der er der Patientin weggenommen hat. Nun kann Victoria ihr MRT bekommen.

 

SCHNITT: Der MRT-Raum

Victoria wird in die das Gerät geschoben, die Ärzte sind im Überwachungsraum. Dr. Cuddy kommt herein.

 

Cuddy:            [sarkastisch zu Forman] Noch rechtzeitig vorbereitet für ihr MRT? Misses Whitney?

 

SCHNITT: Dr. Cuddys  Büro.

Cuddy kommt herein. Foreman und House sitzen vor ihrem Schreibtisch.

 

Cuddy:            Sie haben einem Kollegen einen Testtermin geklaut. 

 

Foreman: Dr. Terhark ist plastischer Chirurg. Die Frau kam zur 6 Monate-Nachuntersuchung ihrer Kinnimplantate.

 

Cuddy:            Ich glaube nicht, dass Sie das autorisiert haben. 

 

House:             Wirklich? Klingt exakt nach etwas, das ich tun würde.

 

Cuddy:    Sie machen ihr kein MRT. Das CT zeigt bei dieser Frau einen Knochennagel im Arm, der MRT-Magnet würde ihn ihr aus dem Körper reißen. Stehen Sie auf Alien Filme? Sie haben keine medizinische Vorgeschichte. Was haben Sie sich dabei gedacht?

 

House:             Wir entfernen den Nagel und machen dann das MRT. Hört sich das gut an?

 

Cuddy:            Sie hat einen Elektrolytmangel.

 

House:             Dr. Foreman, unser Neurologe, glaubt, die Frau hat einen Hirntumor.

 

Foreman: Also, ich- 

 

House:    Hey! Entschuldigen Sie sich nie für Ihre fachmännische Meinung. Wenn Foreman recht hat und wir den Test nicht machen, stirbt die Patientin. Sie haben auch ein Spezialgebiet, das weiß ich. Aber hat das irgendwas mit dem Gehirn zu tun? Seins schon.

 

Cuddy:            Schön. Aber keine weiteren Maßnahmen, bis Sie wissen, wer sie ist. 

 

Foreman: Wie sollen wir das –

 

House:    Heh! Der Mann kennt mehr Obdachlose als jeder andere von uns. [zu Foreman] Check die Nachbarschaft, Alter.

 

Forman macht sich in die Gegend auf, die auf Victorias Zeichnungen dargestellt ist. Er zeigt einem Obdachlosen das Bild der Patientin.

 

Obdachloser: Ich weiß nicht. Ich hab hier schon viele Gesichter gesehen, aber die hier kenne ich glaube ich nicht, Sir.

 

Foreman: Danke. 

 

Obdachloser: Äh, die Jacke gefällt mir. Ja, jetzt fällt's mir wieder ein. Ich weiß, wo sie ihr Zeug aufbewahrt.

 

SCHNITT: Forman, nun ohne Jacke, durchsucht das Zeug von Victoria. Der Obdachlose knöpft sich gerade Foremans Jacke zu. Foreman hebt die Plane hoch und einige Fledermäuse fliegen weg.

 

Obdachloser: Sind nur Fledermäuse. [über die Jacke] Ich dachte, das Futter wäre dicker.

 

Forman nimmt einen Stock und stochert in der Behausung herum. Er findet eine Aktenmappe.

SCHNITT: Forman hat die Aktenmappe unter dem Arm und betritt House’ Büro.

 

Cameron: Kein Tumor. Nichts. Ihr Gehirn ist okay.

 

Chase:             Das bedeutet sie hat sich operieren lassen, nur damit du dir von Cuddy keinen Anschiss holst.

 

Wilson:            Nicht unbedingt. Sie kann trotzdem einen neurologischen Defekt haben.

 

Foreman: Nicht sie trickst uns aus, sondern das MRT.

 

House:             [zu Foreman] Sie laufen ohne Jacke rum bei diesem Wetter? Sehr fahrlässig. 

 

Foreman: Das hat sie gezeichnet. Vielleicht gibt uns das einen Anhaltspunkt. 

 

House:             Hat sie die signiert? Ihr Name wäre hilfreich.

 

Foreman: Die ganzen Lügenmärchen, die Örtlichkeiten, sind das Produkt ihrer Lebenserfahrung.

 

House:    [betrachtet eine Zeichnung] Philadelphia. Seht euch diese Skyline an. Sehr atmosphärisch. Das Chrysler Building. 

 

Foreman: Das ist 'ne Wolke. 

 

Cameron: Und das Chrysler Building ist in New York.

 

House:             Ja, aber ich seh’ hier Philly. Und dieser Kaktus, ich würde sagen, das ist 'n kaputtes Auto. Autounfall. 

 

Cameron: Ein Kaktus in Philadelphia? 

 

House:             Wasser? Wasser heißt Oktober, richtig? 

 

Wilson:            Offensichtlich. 

 

House:    Und dann die Seitennummer 22, also ist es der 2. Oktober 2002. Ergo hatte die Patientin einen Autounfall 2002.

 

Wilson:            Du meine Güte! Wurde sie verletzt?

 

House:    Sie brach sich den Arm, würde ich sagen. Und repariert wurde sie hiermit. [hält einen Nagel hoch] Mit einem Knochennagel. Na ja, besser als 'ne Brieftasche, würd' ich sagen. Die Seriennummer klärte sich durch 'n Rückruf mit einem Patientennamen.

 

Foreman: Deswegen haben Sie auf das MRT bestanden. Um den Knochennagel aus ihrem Arm zu entfernen.

 

House:    Sie haben doch nicht gedacht, dass ich es tun würde, um Ihren Arsch zu retten? Werfen Sie mal 'n Auge drauf. Ihr Name ist Victoria Madsen, zumindest nannte sie sich seinerzeit so. Jedes Krankenhaus, das sie behandelt hat, sollte uns diese Information geben können. 

 

Foreman: [sieht sich einige Unterlagen an] So ein Mist! [die Ärzte gehen in Richtung von Victorias Zimmer] Ihr Blutprofil kam vor einer Stunde rein. Der Magnesiumwert war normal.

 

Cameron: Hast du den Bananenbeutel gewechselt?

 

Foreman: Ich hab' das Magnesium gestoppt und Eisendextran gegen schwere Anämie gegeben. Sie ist allergisch gegen  Eisendextran.

 

Die Ärzte sind in Victorias Zimmer angekommen. Victoria schnappt nach Luft.

 

Chase:             [zu Cameron] Schnapp dir Epi vom Rea-Wagen. Atemstillstand. Notfall ausrufen! 

 

Foreman: [zu Victoria] Sie haben eine allergische Reaktion. Können Sie sprechen?

 

Chase:             Jetzt das Epi!

 

Cameron: Sättigung ist runter auf 80 und fallend. 

 

Chase:             Wir haben noch etwa eine Minute.

 

Die Ärzte versuchen ihr möglichstes um das Leben der Patientin zu retten. Wilson schaut von draußen aus zu.

SCHNITT: In House’ Büro.

 

Foreman: Wir haben sie sediert und stabilisiert.

 

House:             Und Sie glauben immer noch, dass ihr nichts fehlt? 

 

Foreman: Keine Veränderung.

 

House:             Sie hätten sie fast gekillt. Das ist eine Veränderung. Und wir wissen jetzt, wer sie ist.

 

Cameron: Wir haben bis jetzt von 3 Krankenhäusern Unterlagen zu Victoria Madsen bekommen. Sieben Besuche in den letzten 2 Jahren. 

 

Wilson:            Keine Privatadressen?

 

Cameron: Der Nagel wurde bei einer Notaufnahme eingesetzt. Sie war bewusstlos, daher keine Adresse. Bei den anderen Besuchen gab sie falsche Adressen an. 

 

Wilson:            Irgend 'ne' Behandlung aufneurologische Probleme? Etwas, das das Zucken erklärt? 

 

Cameron: Den letzten Winter im Jefferson Hospital in Philly. Wegen Frostbeulen. 

 

Foreman: „Baby, it's cold outside.“

 

Cameron: Und Depressionen. Sie bekam Prozac.

 

Wilson:            Ich glaube, jeder von uns hätte die gekriegt. Null Grad, ein Leben im Pappkarton.

 

House:             Gebt es ihr wieder. Wenn sich die Laune bessert, hört sie vielleicht auf, jemanden zu beißen.

 

Chase:     Hier ist ein Abrechnungsbeleg vom Hantman Krankenhaus vom letzten Jahr. 2 Termine für Ultraschall. Doch hier steht nicht weswegen.

 

Foreman: Schwangerschaft? 

 

Chase:     Höchstens, wenn Sie 'n Elefantenbaby erwartet hat. Die Termine lagen 10 Monate auseinander. Zum ersten war sie erschienen, zum zweiten nicht.

 

Wilson:            Abdominalschmerzen.

 

Foreman: In ihrer Akte steht nicht –

 

Wilson:   Augenblick. Sie geht das erste Mal hin. Die untersuchen sie und können nichts finden. Zehn Monate später sagt sie sich, warum soll ich mir das nochmal antun.

 

Foreman: Wozu dann der zweite Termin? 

 

Wilson:   Den hat nicht sie gemacht, sondern die Krankenschwester. Gesucht hatten sie - sie haben nach Eierstockkrebs gesucht.

 

Foreman: Das erraten Sie aus einem nicht eingehaltenen Termin?

 

Wilson:            Bei Jerry Lauseng, ja. Er ist Onkologe.

 

Chase:             Augenblick. Ihr derzeitiges Blutbild zeigt keinen Krebs. Der CA125-Wert ist normal.

 

Foreman: Und ein Krebs würde nicht das angebliche Zucken erklären. Oder irgendein anderes ihrer angeblichen Symptome.

 

House:    Doch, das würde er. Ein neoplastisches Syndrom, assoziiert mit Krebs würde sie zucken lassen wie einen Rammler auf Crystal Meth. Untersuchen Sie ihre Eierstöcke.

 

SCHNITT: House und Cuddy gehen den Gang zur Ambulanz entlang.

 

Cuddy:            Konnten Sie einen Hirntumor finden auf dem MRT? 

 

House:             Nein, Foreman lag falsch. Langsam zweifle ich an seiner medizinischen Kompetenz. 

 

Im Warteraum angekommen ruft Cuddy eine Patientin auf.

 

Cuddy:            Ach, ja. Shelley Diamond. Dr. House hat jetzt Zeit für Sie.

 

Die Frau steht auf. Sie ist von einer Schar von Kindern umringt.

 

Shelley:   Die Kleinen belecken sich wieder gegenseitig ab, und mein Harry hat eine nässende Warze an seiner Extra-Zehe. In welchen Raum sollen wir gehen?

 

House:    [muß niesen] Wissen Sie, ich glaube, ich habe mir da etwas eingefangen. Ich würde Sie ungern anstecken. Sorry. 

 

Cuddy:            Oh ja, gehen Sie einfach weg, ich bin ja auch noch da.

 

House:             Bye, bye. [geht]

 

SCHNITT: House Büro.

House sitzt am Schreibtisch und sieht sich Victorias Zeichnungen an. Foreman kommt herein.

 

Foreman: Sie haben viel zu tun, hm? 

 

House:    Das ist ziemlich gut. Calendraica arbeitet für den „Council of Genius“. Das Schwein ist Mr. Fury. Sehr genial,  keine speziellen Fähigkeiten, aber offenbar sehr gut organisiert. Wenn Sie glauben, hart zu arbeiten? Versuchen Sie mal, die Welt zu beherrschen.

 

Foreman: Soll das so 'ne Art verschlüsselte Lektion sein?

 

House:    Wir haben da das fließende Kleid, den Ring. Glauben Sie, die Patientin war verheiratet? Vielleicht war's 'ne schlimme Trennung. Vielleicht hat der Typ sie verlassen, weil sie Drogen nahm.

 

Foreman: Sie interessieren sich für ihre Vorgeschichte? 

 

House:             Nein. Die Frage ist, wieso tun Sie's nicht? Ich zitiere ungern Klischees, aber sitzt Dad auf der Straße?

 

Foreman: Dad ist bei Mom. 

 

House:             Leben beide auf der Straße? 

 

Foreman: Nein. Von der Rente.

 

House:             Und wer macht Sie so wütend?

 

Foreman: Zur Zeit Sie. [packt seine Unterlagen zusammen und geht]

 

SCHNITT: House und Wilson gehen einen Gang entlang.

 

House:             Jetzt du. Sag mir, warum gerade dieser Fall?

 

Wilson:   Sie ist meine neue Freundin. Ich lass mir gerade ein Tattoo entwerfen und hatte gehofft, ihr könntet herausfinden wie sie heißt.

 

House:    Sie ist also nur eine Kranke wie jede andere, bei der der gute  Dr. Wilson dafür sorgt, dass sie nicht im bösen System untergeht.

 

Wilson:            Oh, ich vergaß. Ich brauch' natürlich einen Grund für Humanität.

 

House:             Du hast mindestens zwei.

 

Wilson:            Kopfrechnen war nie meine Stärke, wie du weißt.

 

Cuddy kommt in Begleitung zweier Studentinnen zu House.

 

Cuddy:            Dr. House.

 

House:             Oh, Mann, ist denn schon wieder Halloweenzeit? 

 

Wilson:            Ich möchte was mit Pfefferminz. [geht]

 

Cuddy:            Da Sie für den Dienst in der Ambulanz zu krank sind...

 

House:             [niest] Okay.

 

Cuddy:            ...dachte ich, Sie könnten ein wenig unterrichten. In Patientenvorgeschichte.

 

House:             Meine Spezialität. 

 

Cuddy:            Man lernt sehr viel beim Unterrichten, nicht wahr?

 

House:    Und man bekommt sehr viel zurück. [geht; zu den Studentinnen] Die gute alte Cuddy. Sie denkt immer mit. Hat Sie Ihnen schon einen Patienten zugeteilt? [die Studentinnen nicken] Was tun Sie dann noch hier?

 

House nimmt eine Schmerztablette, die Mädchen gehen davon.

SCHNITT: Im Zimmer von Victoria.

Chase macht eine Ultraschalluntersuchung.

 

Chase:             Warum befassen wir uns mit diesem Fall?

 

Cameron: Weil Wilson House um einen Gefallen gebeten hat.

 

Chase:             Ich glaube House will nur beweisen, dass sie krank ist, um Foreman zu widerlegen.

 

Cameron: Oh, ihr Männer.

 

Chase:     Heh, ich mach nur meinen Job. [sieht auf den Monitor] Boah. Foreman wird das sehr peinlich sein, wenn er erfährt, dass sie doch Krebs hat.

 

SCHNITT: House sitzt in einem Büro und liest in einer Akte. Wilson steckt den Kopf zur Tür herein.

 

Wilson:            Oh. Ich dachte, du wärest für den Dienst zu krank.

 

House:    Ich hab' einen Pagerruf vorgetäuscht, um von diesen Studentinnen wegzukommen. Foremans Eltern, glücklich verheiratet seit 40 Jahren. 

 

Wilson:            Mazel tov. 

 

House:    Könnte sein. Wieso hat er was gegen Obdachlose? Wenn’s um einen Onkel geht oder um einen Großvater, hätte er das doch in seinem Collegebewerbungsessay verwenden können. Familienelend wär' doch viel spannender als ein Notendurchschnitt von Eins.

 

Wilson:            Ich glaube, er hat 'n Durchschnitt von Eins. 

 

House:             Vielleicht ist er einfach nur 'n Snob.

 

Wilson:            Du musst nicht zu jeder Zeit alles über alle wissen.

 

House:             Ich muss auch nicht „Sweet Valley“ gucken, aber es macht mich fröhlich.

 

Wilson:            Ja, geradezu ekstatisch. Wessen Akte ist die zweite?

 

House:             Wilson, James. Der Wunderknabe und Onkologe. Kennst du ihn?

Wilson:   Übrigens, in einigen Kulturen gilt es als fast schon schändlich einem Freund nachzuspionieren. Im Schwedischen allerdings hat das Wort „Freund“ auch die Bedeutung von „humpelnder Bastard“. [House’ Pager piept] Ist es tatsächlich dein Pager, oder willst du die Unterhaltung beenden?

 

House:             Vielleicht ja beides? Na komm. [beide gehen]

 

SCHNITT: Untersuchung der Patientin.

 

Wilson:   Solide, nichtzystische Geschwulst am linken Ovar. Drei mal drei Zentimeter. Zentrale Nekrose. Die Frage ist jetzt nur, wann stirbt sie: in zwei Monaten oder drei. Gott.  Sie hatten recht. Wir können nichts mehr für sie tun, also können wir sie auch wieder auf die Straße schicken.

 

House:             Es sei denn, es ist kein Krebs. 

 

Chase:             Soll das ein Scherz sein? 

 

House:    Was denn sonst? Nichts ist komischer als Krebs. Aber was ist, wenn es ein Tuberkulom ist? Sie lebt auf der Straße und atmet Tag und Nacht den übelsten Mist ein. Also hat sie vielleicht TB und dazu vielleicht eine gutartige Geschwulst?

 

Wilson:            Eine solide Verdichtung am Ovar. Da ist Eierstockkrebs viel wahrscheinlicher.

 

House:             Du hast recht. Ich war nicht mal nahe dran. Geben Sie ihr INH, Rifampincin und Streptomycin.

 

Cameron: Aber das ist die Therapie für ein Tuberkulom.

 

House:             Und was ist die Therapie für fortgeschrittenen Eierstockkrebs?

 

Foreman: Ein Piniensarg.

 

SCHNITT: In Victorias Zimmer.

Victoria liegt im Bett und zeichnet Dr. Foreman.

 

Victoria:          Was geben Sie mir da? 

 

Foreman: Eine zweite Dosis Antibiotika. Wenn Sie ein Tuberkulom haben, dann sollte das helfen.

 

Victoria:          Aber ich habe kein Tuberkulom, oder doch?

 

Foreman: Vermutlich nicht. Es tut mir leid, dass ich Ihnen nicht geglaubt habe.

 

Victoria: Mir tut es leid, dass ich Sie angelogen habe. Ich hab' absichtlich zu viel Insulin genommen. Ich wollte nur einen Platz zum Schlafen haben.

 

Foreman: Waren Sie schon mal verheiratet, Victoria? [sie schüttelt den Kopf] Aber in dem Comic, da –

 

Victoria:          Ist nur 'n Comic. Die sind frei erfunden.

 

Foreman: Und wer ist James? Existiert er wirklich, oder haben Sie ihn erfunden?

 

Victoria:          Er existiert. 

 

Foreman: Kann ich Ihnen helfen, ihn zu finden?

 

Victoria:          Oh, das das Licht ist so hell. Es wird immer greller. Oh Au! Oh!

 

Foreman: Heh, ganz ruhig, ganz ruhig. Es ist alles ok.

 

Victoria:          Mr. Fury will mir wehtun! Helfen Sie mir! Doktor!  Helfen Sie mir.

 

Foreman: Warten Sie, warten Sie, warten Sie. Augenblick, eine Sekunde. 

 

Forman misst die Temperatur von Victoria.

 

Victoria:          Bitte schalten Sie das aus! Oh Gott! 

 

Foreman: Okay, okay, eine Sekunde. Alles ist gut. Ganz ruhig, Victoria, ganz ruhig.

 

Foreman macht sofort die Vorhänge zu.

 

Victoria:          Es brennt!

 

Foreman: Hier trinken Sie das, dann wird es sofort aufhören. Trinken Sie einen Schluck.

 

Victoria:          [spuckt das Wasser weg] Das ist Gift! Sie haben mir Gift gegeben!

 

Foreman: Einen Moment, einen Moment, Victoria. Ganz ruhig. [eine Schwester kommt herein und macht das Licht an] Machen Sie sofort das Licht aus!  Ganz ruhig, bleiben Sie ganz ruhig, Victoria. Die Bösen können Ihnen hier nichts tun. Ich bin ja bei Ihnen. [gibt ihr eine Injektion]

 

Victoria:          Mr. Fury ist nicht der Böse. Ich bin die Böse, ich bin die Böse.

 

SCHNITT: House’ Büro.

House sitzt am Schreibtisch. Foreman kommt herein.

 

Foreman: Es ist kein Tuberkulom. Unmöglich.

 

House:             Liegt denn das Biopsie Resultat schon vor?

 

Foreman: Ihre Temperatur ist 40,6. Die Therapie zeigt keine Wirkung. Es ist Krebs. Sie wird sterben.

 

House:             40,6. 

 

Chase:             [kommt herein] Gute Nachricht. Es ist ein Tuberkulom. 

 

Foreman: Wie kommst du darauf? Ihr Fieber steigt wie verrückt.

 

Chase:             Das sagt das Laborresultat der Biopsie. Es ist definitiv ein Tuberkulom.

 

House:    Das heißt dann, wir liegen richtig mit der Diagnose, und die Therapie für diese Diagnose wird die Frau töten. Perfekt.

 

SCHNITT: Der Besprechungsraum.

Alle Ärzte sind zusammengekommen um den Fall zu besprechen.

 

Chase:             Das Labor hat die Biopsie zweimal gecheckt.

 

Foreman: Aber ein Tuberkulom verursacht kein Fieber von 40,6.

 

Chase:             Dann ist es ein Tuberkulom und noch etwas anderes.

 

Wilson:            Das „Noch was Anderes“ wird ihr Hirn einschmelzen. 

 

House:             „Pochieren“ ist die bessere Metapher. 

 

Chase:             Ein so hohes Fieber muss bakteriell verursacht sein.

 

Wilson:            Vielleicht wurde bei der Biopsie der Darm verletzt?

 

Foreman: Ich hab' sie durchgeführt und ich hab' nichts verletzt. Sie kann sich auf der Strasse 'ne Infektion geholt haben.

 

Wilson:            Sie hatte aber kein Fieber als ich sie aufgenommen hab'.

 

Cameron: Das Prozac, das wir ihr gegeben haben, hat vielleicht ein Serotoninsyndrom ausgelöst. 

 

Wilson:            Das Jefferson hat ihr Prozac verordnet und es gab kein Problem.

 

Foreman: Sie hat es wahrscheinlich nie geschluckt! Wahrscheinlich hat man sie nur einmal untersucht, ihr 'n Rezept gegeben und entlassen.

 

Wilson:            So, wie Sie es machen wollten! 

 

House:    Okay, ihr zwei, schnappt euch beide 'n Skalpell und regelt das wie Ärzte. [zu Foreman] Schicken Sie Blut und Urinkulturen ein und machen Sie ein Thorax Röntgenbild. Setzen Sie das Prozac ab und geben  ihr Bromocriptin für das Serotoninsyndrom.

 

Chase:             Vielleicht wäre auch ein Eisbad ratsam, wenn sie noch solange leben soll, bis die Testresultate vorliegen.

 

SCHNITT: Ein Eisbad wird für Victoria vorbereitet.

Victoria liegt auf einer Liege und wimmert.

 

Victoria:          Ich sagte ja, es tut mir leid. 

 

Foreman: Sie haben 40,6 Fieber. Wenn wir das nicht schnell runterbringen, dann –

 

Victoria:          Foreman, wieso tun Sie mir das an?  Wieso?

 

Foreman: Ich will Ihr Leben retten.

 

Victoria:          Nein, bitte zwingen Sie mich nicht. Zwingen Sie mich nicht. Ich will das alles nicht!

 

Foreman: Sie schaffen das.

 

Victoria wird in die vorbereitete Wanne mit dem Eis gesetzt. Sie sträubt sich dagegen und weint und schreit.

 

Victoria:          Ich will das nicht. Bitte nicht! Bitte tun sie das nicht.

 

SCHNITT: House’ Büro.

House sitzt am Schreibtisch und blättert in den Comics von Victoria. Die zwei Studentinnen stehen vor dem Tisch.

 

Studentin #1:  Eine 17-jährige Person präsentierte sich mit Abschürfungen und traumatischer Verletzung des Handgelenks.

 

Studentin #2: Dr. House? 

 

House: Weiter.

 

Studentin #2:  Sie lesen ein Comic Buch. 

 

House:    Und Sie durch Ihren Ausschnitt meine Aufmerksamkeit auf Ihren Busen. Tut mir Leid, ich dachte das hier wär' 'n Festival für Offensichtlichkeit. Sie müssen wissen, ich steh' auf so was. 

 

Studentin #1:  Soviel ich weiß, sollten Sie sich unsere Anamnese Erhebungen anhören.

 

House:             Nein, ich sollte sie unterrichten. Wenn ich das ohne zuhören kann, bin ich doch fein raus.

 

Studentin #2:  17-jährige Person - 

 

House:    [sieht wieder auf den Comic] Wenn dieser komische Typ die universelle Macht über die Schwerkraft besitzt, wieso kommt es dann, dass seine Haare immer hochstehen? Das ist doch Blödsinn.

 

Studentin #1: Sie ist auf dem Rummelplatz von einem Pferd gefallen. 

 

Studentin #2: Nein, ist sie nicht. Sie ist ein paar Stufen heruntergefallen. Du musst dich im Zimmer geirrt haben.

 

House:    Ich glaub' eine Patientin von Cuddy wird sich niemals ohne ihre Kenntnis im Krankenhaus aufnehmen lassen können. So was ist unvorstellbar. Welches Zimmer? 

 

Studentinnen:  Zimmer 2106.

 

House:             Patienten lügen, aber in der Regel nur einmal in der Stunde. Wie viel wiegt die Patientin? 

 

Studentin #2:  Es ist ihr Handgelenk, nicht ihr –

 

House:  ... ihr Gewicht. Nebenbei: Welche Farbe hat ihre Nase. 

 

Studentin #2:  Sie ist dünn. 

 

Studentin #1:  Die Hautfarbe? Was hat ihr Handgelenk damit zu tun? 

 

House:    [der Pager piept] So gut wie nichts. Entweder wiegt sie weniger als 41 Kilo, oder hat 'ne rote Nase. Ich werd' gehen.

 

Studentin #2:  Welche Krankheit wär' das? 

 

House:    Das wüssten Sie wohl gern. Oh, ich bin einfach zu nett.  Sie beginnt mit „C“. [knallt ein Lehrbuch auf den Tisch]

 

SCHNITT: Im Besprechungszimmer

 

Chase:             Die Urinkulturen sind negativ. 

 

Cameron: Das Thorax Röntgenbild auch.

 

House:             Ich nehme an, jetzt kommt ein positiv Resultat.

 

Foreman: Die Lumbalpunktion ergab eine Erhöhung der Proteine und Leukozyten. 

 

Wilson:            Und die CSF Kulturen?

 

Cameron: Wachsen noch. Nichts bei Gramfärbung. Es sieht aus wie Meningitis.

 

Chase:             Wir wissen definitiv, dass es eine Infektion ist, und auch wo sie liegt.

 

House:    Nun ja, Meningitis ist schön simpel. Verlegen Sie sie auf die Isolierstation und geben Sie ihr Ceftriaxon. Entweder geht es ihr besser, oder sie wird sterben. Geben Sie Bescheid, was passiert.

 

Die Ärzte verlassen den Raum.

 

SCHNITT: In Victorias Zimmer.

Die Patientin liegt nicht in ihrem Bett.

 

Cameron: Oh mein Gott! Sie war sediert.

 

Foreman: Ich hab' es vor 'ner halben Stunde selbst verabreicht.

 

Chase:             Ich frag’ im Schwesternzimmer nach. 

 

Foreman: Calandreica.

 

Foreman starrt auf einige Zeichnungen, die Victoria an die Wand gemalt hat. Auf dem letzten Bild ist eine Frau zu sehen, die nach „James“ ruft.

 

Foreman: Sie wird da draußen sterben.

 

SCHNITT: Cuddys Büro.

Alle Ärzte sind anwesend.

 

Wilson:            Man geht nicht aus dem Zimmer mit 10 Milligramm Haldol im Körper. Das kann keiner.

 

Foreman: Es waren 10 Milligramm! Ich hab's ihr selbst-

 

Cuddy:    Unwichtig! Bakterielle Meningitis ist hoch ansteckend. Wenn sie das Krankenhaus verlassen hat, dann sind wir dafür haftbar.

 

Wilson:            Keine Sorge. Bevor sie jemanden umbringt ist sie selbst längst tot.

 

Chase:             Das Überwachungsvideo hat es bestätigt. Sie hat sich Kleidung gestohlen und ist abgehauen.

 

Foreman schnappt sich seine Jacke und will den Raum verlassen.

 

House:             Falsche Jacke. Das Cape wurde gereinigt, es hängt im Schrank.

 

Foreman: Sehr witzig. 

 

House:             Sie wollen sie retten?

 

Foreman: In ihren Comics lebt Mr. Fury in Sloan Harbor. Sie war auf einem Rave bevor sie bei uns eingeliefert worden ist.

 

House:             Sie haben gelesen. Mann, haben Sie sich verändert. 

 

Cuddy:    Sie sind Arzt. Tun Sie, was Ärzte tun. Nehmen Sie das Telefon, wählen Sie den Notruf, und der Cop am anderen Ende wird das machen, was Cops machen und die Vermisste suchen. Ich nehme an, die anderen haben auch zu tun, was Ärzte zu tun haben. [zu House] Sie ganz sicher.

 

SCHNITT: House geht mit den beiden Studentinnen den Gang entlang. An seinem Revers steckt ein Anstecker in Form eines Vogels.

 

Studentin #1:  Cacchi-Ricci-Syndrom. 

 

House:             Wissen Sie überhaupt, was das ist? Oder raten Sie nur alles durch, was mit C anfängt?

 

Studentin:  Die Nierenprobleme könnten den Gewichtsverlust auslösen. 

 

House:             Cacci. CAC... Oh Gott, sie geht alphabetisch vor. 

 

Studentin:  Doktor, warum tragen Sie diesen Vogelanstecker?

 

House betritt das Zimmer der Patientin. Unter dem Arm hat er einen Aktenordner, auf dem ein Riesenrad abgebildet ist.

 

House:             Er lässt meine Augen strahlen. Hi Jodi. Ich bin Dr. House. Was führt Sie in unser Krankenhaus? 

 

Jodi:    Mein Handgelenk. 

 

House:             Was ist passiert?

 

Jodi:    Ich saß im Riesenrad, und plötzlich flog eine Riesenmöwe auf mich zu.

 

House:             Das ist ja furchtbar. 

 

Jodi:    Ich hab' nach dem Vogel geschlagen, doch leider nur das Stahlgerüst getroffen.

 

Studentin #1:  Ist das was sie sagt etwa frei erfunden? 

 

House:             Nein, das tut ihr bestimmt sehr weh. 

 

Jodi:    Ich habe nicht gelogen.

 

House:    Und ob Sie das haben. Sie wissen nicht, was passiert ist. Sie haben keine Erinnerung. [verlässt mit den Studentinnen den Raum] Ein Korsakov-Syndrom. Ihr Gehirn ist geschädigt entweder durch exzessives Trinken oder durch unzureichende Ernährung. Sie kann keine neuen Erinnerungen speichern, nicht mal unsere Unterhaltung. Deswegen füllt ihr Gehirn jedes Mal die Lücken mit visuellen Reizen. Das Pferd auf Ihrer Bluse hat sie auf den Reitunfall gebracht, und die Surfszene auf Ihrem Klemmbrett auf den Strand.

 

Studentin #1:  „Korsakov“ fängt aber nicht mit C an.

 

House:    Ich hatte auch nicht C gesagt. Oder doch? Eine wichtige  Lektion: Behandeln Sie jeden, als hätte er Korsakov. Wir lügen sowieso  alle.  Geben Sie ihr Thiamin, das bringt rasche Besserung. Und lassen Sie sie Eiscreme und Kuchen essen. [eine Studentin holt Luft; sagt aber nichts]  Ja?

 

Studentin #2:  Mussten Sie so eklig sein? Jetzt weint sie.

 

House:    [geht nochmal zur Patientin] Hi Jodi. Ich bin Dr. House. Was ist mit Ihrem Handgelenk? Da war so'n  komischer älterer Kerl. Er hatte 'ne Krücke. [zu den Studentinnen] Na? Als wär nie was gewesen. Die perfekte Vergesslichkeit.

 

SCHNITT: Die Notaufnahme.

Sanitäter rollen Victoria herein. Foreman kommt hinzu.

 

Sanitäter: Puls ist beschleunigt. 

 

Foreman: Temperatur? 

 

Sanitäter: Keine Ahnung. Sie ist warm, aber –

 

Foreman: Sie hätten sie messen sollen. Sie hat Meningitis. 

 

Sanitäter: Ich hatte eher Sorge, dass ihr Herz explodiert. Ihr Puls ist 150.

 

Foreman: Rhythmus regulär? 

 

Sanitäter: Ja. 

 

Foreman: Fertig?  Eins, zwei, drei. [legen Victoria in ein Bett] Wo habt ihr sie gefunden? 

 

Polizist:           Im Battlefield State Park. 

 

Foreman: URS-Komplex? War sie in der Sloan Street? 

 

Polizist:           Sie lag bewusstlos auf einer Wiese.

 

Victoria: Foreman. Ich will Foreman.

 

Foreman: Okay. Supraventrikuläre Tachykardie. Ich brauche Adenosin, ein Milligram, als IV-Spritze. Danke. Halten Sie durch.

 

SCHNITT: Im Besprechungszimmer.

 

Foreman: Die Arrhythmie ist stabilisiert.

 

Chase:             Das gibt keinen Sinn. Was konnte ihre Herzrate auf  150 jagen? Dehydrierung?  Fieber? 

 

Cameron: Kaum wahrscheinlich. Das würde keins von beiden verursachen. 

 

Foreman: Wir müssen falsch liegen mit der Meningitis. Vielleicht ist es eine strukturelle Herzerkrankung. 

 

House: Die Herzrate war gefallen, nachdem Sie Adenosin verabreicht hatten. 

 

Foreman: In zwei Sekunden. 

 

House:             Ist trotzdem Meningitis.

 

Foreman: Wenn ja, hat sie angesichts der späten Therapie so gut wie keine Chance.

 

House:             Starten Sie die Therapie.

 

SCHNITT: House unterhält sich in der Lobby mit dem Polizisten.

 

Polizist:           Lesen Sie den Bericht. Wir fanden die Frau auf der Wiese.

 

House:             Lesen Sie mal meine Berichte. Ich erfind' da immer was. Was ist wirklich passiert? 

 

Polizist:           Weil Sie's sind Ich fand die Frau liegend auf der Wiese.

 

House:             Wow. Das ist ja 'ne tolle Kanone.

 

Polizist:           Das ist keine Kanone. Das ist 'n Schocker.

 

House:    Der sieht cool aus. Was bringt der? 60.000 Volt? Ich glaube, das würde reichen, um die Herzfrequenz auf 150 hochzubringen. 

 

Polizist:   Okay. Sagen wir, ich erzähle Ihnen, was passiert ist. Das bleibt dann unter uns, oder? [House nickt] Ich fand die Süße liegend auf einer Wiese.

 

House:    Fein. Verraten Sie's nicht mir, sondern meinem Freund, Ben Franklin. [hält dem Polizisten einen Geldschein entgegen, den dieser aber nicht nimmt] Ich steh auf Polizeiserien.

 

SCHNITT: In Victorias Krankenzimmer.

Foreman untersucht die Patientin, House kommt hinzu.

 

House:             Die gute Nachricht ist: Die Herzfrequenz hat nichts mit der Erkrankung zu tun.

 

Foreman: Dann wird sie sterben, denn die Meningitis Therapie hilft nicht. Ihr Zustand verschlechtert sich.

 

House:             Und das bringt uns zu der schlechten Nachricht. Der Cop benutzte 'n Schocker.

 

Foreman: Idiot. Wahrscheinlich kam er nicht schnell genug an die Knarre ran.

 

House:    Das erste Mal traf er sie in die Wade und sie lief weiter, als sei gar nichts gewesen. Etwa hier. [sticht Victoria eine Spritze ins Bein, sie merkt es nicht] Sie spürte den Schocker nicht.

 

Foreman:  Lokale Taubheit? 

 

House:             Ja, an dem einen Punkt.

 

Foreman: Diabetes? 

 

House:             Nein, das denke ich nicht. [nimmt einen Wangenabstrich von Victoria]

 

Foreman: Hmm, kein Alkohol. Kein Kompressionssyndrom. Es kann auch kein Vitaminmangel sein. Wir können doch nicht alle Neuropathien durchgehen.

 

House:             Hat sie Sie da gebissen? 

 

Foreman: Ja. [sticht mit der Spritze in Foremans Arm, der merkt davon nichts] Was soll das!

 

House:             Wozu sich aufregen, wenn Sie nichts fühlen.

 

SCHNITT: Im Labor.

House untersucht den Wangenabstrich. Wilson und die anderen  stehen neben ihm.

 

House:    Zunächst ist da lokalisierte Taubheit, Lichtempfindlichkeit, Desorientierung, Paranoia, Ineffektivität von Sedativa und schließlich Hydrophobie. Furcht vor Wasser.

 

Foreman: Tollwut.

 

Chase:             Soviel ich weiß gab es nur zehn Fälle in den letzten 20 Jahren.

 

House:             Ja, weil sich Nichtobdachlose, wenn sie gebissen werden, impfen lassen, Dr. Chase.

 

Foreman: Da waren Fledermäuse.

 

Das Ergebnis der Untersuchung erscheint auf dem Computer.

 

Wilson:            Sie wird sterben.

 

Chase:             Nicht therapierbar.

 

Cameron: Wie viel Zeit bleibt ihr noch? 

 

House:    Ein Tag. Vielleicht zwei. [zu Foreman] Und wenn Sie sich nicht in den nächsten drei Stunden impfen lassen, muss ich wieder jemanden unter ethnischen Quotenvorschriften einstellen.

 

Wilson:            [zu Foreman] Kommen Sie.

 

SCHNITT: Wilson impft Foreman.

 

Foreman: Machen Sie schon.

 

Wilson:            Soll ich mit ihr sprechen? 

 

Foreman: Und was sagen? „Es gibt 'ne experimentelle Therapie, die allerdings nichts bringen wird? Aber keine Sorge, bei uns werden Sie bequem liegen“? Was soll's. Sie wird so oder so in dem Zimmer sterben.

 

Wilson:            Ja. Doch sie sollte es wissen. Hier draufdrücken und noch liegen bleiben. [Foreman steht auf] Halt, halt, halt. 

 

Foreman: Sagen Sie House, ich muss mal für 'ne Stunde weg.

 

Wilson:            Für sie ist das vielleicht zu lang.

 

Foreman: Sie soll nicht ganz allein sterben.

 

Wilson:            Sie wollen diesen James finden. 

 

Foreman: Ich werd's versuchen.

 

Wilson wirft die Handschuhe weg und folgt Foreman.

SCHNITT: Mit dem Comic in der Hand stehen Foreman und Wilson in Victorias ehemaligem Haus.

 

Wilson:            Ich muss schon sagen, es verändert die Bruchbude ganz schön. Hallo?

Foreman sieht wieder in den Comic und erkennt eine Tür wieder, die Victoria gezeichnet hat. Foreman und Wilson betreten das Zimmer.

 

Foreman: Heh. Das ist es. Mann. Hier ist sehr lange keiner mehr drin gewesen. [sie sehen eine Kassette mit Fotos und öffnen sie; sie schauen sich die Fotos an] Das hier muss James sein. Vielleicht gibt's da noch 'ne andere Adresse.

 

Wilson:            Das ist nicht James. Paul. Paul Furia.

 

Foreman: Mr. Fury. 

 

Wilson:            Ihr Ehemann.

 

Foreman: Wer ist dann James?

 

Wilson:            Ihr Sohn. [gibt Foreman einige Bilder]

 

Rückblende: Victoria steht mit ihrem Ehemann und Sohn zusammen. Eine glückliche kleine Familie.

 

Victoria: Ah, ich könnte dich fressen. Du kleiner Schnuckelschatz. Heh, sieh mich an. Du siehst aus wie dein Papa. Ja, genau wie dein Dad.

 

Ende der Rückblende.

 

Wilson:   Foreman. Foreman? Sie sind tot. [gibt Foreman einen Zeitungsausschnitt] Bei dem Autounfall vor zwei Jahren hat sie sich den Arm gebrochen, doch die zwei waren tot.

 

Foreman: Und sie saß am Steuer.

 

SCHNITT: In Victorias Krankenzimmer.

Victoria schläft. Foreman kommt herein und legt seine Hand auf ihre.

 

Victoria:          [öffnet die Augen] James?

 

Foreman: Nein. Ich bin' s, Paul. 

 

Victoria:          Paul? Du kommst mich holen, nicht wahr. 

 

Foreman: Nein. Ich komme, um dir zu verzeihen. Es war nicht deine Schuld.

 

Victoria:          Es tut mir so leid. Es tut mir so leid. So furchtbar leid.

 

Foreman: Ich weiß. Es ist okay, Victoria. Alles ist okay.

 

Victoria weint, während Foreman weiter ihre Hand hält.

 

SCHNITT: An einer Straße.

Wilson sitzt an einen Zaun gelehnt in der Dunkelheit. House kommt hinzu.

 

Wilson:            Du bist mir gefolgt? 

 

House:    Nein. Du hattest heute Regenstiefel an, aber dein Auto war in der Tiefgarage geparkt, also hattest du die Stiefel an, weil du noch etwas durch die Straßen laufen wolltest. Ich bin dir gefolgt.

 

Wilson:            Hatten wir nicht  kurzem nicht ein Gespräch über Freundschaft? 

 

House:             Ja. Und ich habe dazu noch ein paar Fragen. Ich habe deine Eltern kennen gelernt und deinen Bruder. 

 

Wilson:            Ich habe zwei Brüder.

 

House:             Wieso hast du mir –

 

Wilson:            Es war nicht relevant.

 

House:             Wieso nicht? 

 

Wilson:            Weil er in meinem Leben keine Rolle mehr spielt.

 

House:             Das ist schon relevant.

 

Wilson:            Hier haben wir uns zuletzt gesehen. Das ist jetzt neun Jahre her. Ich weiß nicht mal, ob er noch am Leben ist.

 

 

 

---=== ENDE ===---