Golden Girls: Transkript der Folge "Die Verlobung" [#1.01]

Transkript der Folge "Die Verlobung" [#1.01]

Deutsches Transkript erstellt von MG

 

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
 

 

 

Originaltitel: Pilot
Ausstrahlung: 14.09.1985
Deutscher Titel: Die Verlobung
Ausstrahlung:
Buch:
Regie:

Darsteller

Bea Arthur (Dorothy Zbornak)
Rue McClanahan (Blanche Hollingsworth)
Betty White (Rose Nylund )
Estelle Getty (Sophia Petrillo)

 

Gastdarsteller

 

 

Frank Aletter (Harry)
F. William Parker (Geistlicher)
Meshack Taylor (Polizist)

 

 

Inhaltsangabe
Blanche hat sich in Harry verliebt und plant ihn zu heiraten. Nur Rose hat ein ungutes Gefühl dabei, wird aber von Dorothy daran gehindert, es Blanche mitzuteilen. Am Tag der Hochzeit übermittelt ein Polizist Blanche die Nachricht, dass es sich bei Harry um einen gesuchten Bigamisten handelt. Blanche ist verzweifelt und zieht sich zurück. Sophia steht überraschend vor der Tür, nachdem das Altersheim, in dem sie bisher wohnte, abgebrannt ist. Sie zieht in das Haus mit ein.

 


1.Szene: Die Küche
Dorothy kommt zur Eingangstür herein und legt ihre Tasche auf dem Couchtisch ab. Wütend stürmt sie auf die Küchentür zu und betritt den Raum. Coco, der Hausangestellte, steht am Herd und kocht.

Dorothy:
Ich hab' heut' eine Klasse unterrichtet, in der feinsten Schule im Date County! Zwei Mädchen hatten die Köpfe rasiert und drei von den Jungs hatten grüne Haare! [öffnet den Kühlschrank und nimmt sich Orangensaft heraus]

Coco:
Das ist ihre Selbstverwirklichung!

Dorothy:
Ich hab' mich dann auch selbst verwirklicht und die Bande rausgeschmissen, weil mir ihr Anblick zuwider war! [nimmt ein Glas aus dem Schrank und schenkt sich ein] Deswegen sind mir jetzt die Eltern böse. Ein Vater kam in Nadelstreifen mit Krawatte und verteidigte Tiffany... ein Mädchen mit kahlem Kopf und einem Nasenring. [geht in Richtung Herd] Was ist das?

Coco:
Enchilladas con Anceras!

Dorothy:
Da kannst du mich auch gleich erschießen!

Dorothy geht zum Tisch und setzt sich, Rose betritt die Küche durch die Hintertür.

Rose:
Hallo!

Dorothy:
Hallo.

Coco:
Tag, Rose!

Rose:
[niedergeschlagen] Was für ein Tag! Ein deprimierter Mensch nach dem anderen.

Dorothy:
[belehrend] Rose, du arbeitest im Seelsorgebereich, was erwartest du da? Komiker?

Rose:
Das wäre doch mal eine Abwechslung.

Blanche betritt die Küche, um die Schultern eine Pelzstola.

Blanche:
Och, Dorothy, leihst du mir deine Pelzstola?

Dorothy:
In Miami, im Juni, tragen allenfalls die Katzen Pelz! [schüttelt den Kopf]

Rose:
[gießt sich ein Glas Orangensaft ein, zu Blanche] Willst du ausgehen?

Dorothy:
Nein, nein! Sie will hier bei 40 Grad im Schatten sitzen bleiben und scharfe Enchilladas essen!

Blanche:
[schaut in den Kühlschrank] Ich brauch' nur noch ein paar Gurken, um sie mir auf die Augen zu legen!

Dorothy:
Da wirst du beim Sehen Probleme kriegen!

Blanche:
[geht mit einer Schüssel Gurken Richtung Tür] Das ist sehr gut zum Abschwellen von verquollenen Augen.

Rose:
Hilft das auch bei den Hüften?

Blanche:
Keine Ahnung, Schätzchen! Ich brauch's nicht für die Hüften. [geht ins Wohnzimmer]

Rose:
Mit wem will sie denn ausgehen?

Coco:
Mit Harry! Schon wieder.

Dorothy:
Harry? Wer ist dieser Harry?

Rose:
Och, sie hat bloß von ihm erzählt, dass er noch seine eigenen Zähne und Haare hat!

Dorothy:
Rendezvous in Miami sind wunderbar! Alle ledigen Männer unter 80 sind Kokainschmuggler.

Rose:
Ich würde töten, um noch mal 20 zu sein!

Dorothy:
Ich würde töten, um noch mal vierzig zu sein! Heut' hab' ich den Schock meines Lebens bekommen! Ich habe mich im Lehrerzimmer mit einer Gruppe 20jähriger Mädchen unterhalten. Ach, die waren so hübsch! In dem Alter muss man nicht mal hübsch sein, um hübsch zu sein. Jedenfalls haben wir gelacht und uns großartig amüsiert, und ich hab' vollkommen vergessen, dass ich älter bin. Ich hab' mich wie eines dieser Mädchen gefühlt, wir haben einen Riesenspaß gehabt. Und dann bin ich in mein Auto gestiegen, hab' mich zufällig im Spiegel gesehen und da hat mich fast der Schlag getroffen. Da, im Spiegel war eine alte Frau zu sehen, die ich nicht mal wieder erkannt hab'!

Rose:
Und wer war das?

Dorothy:
[stockt] Das war ich!

Rose:
Oh!

Blanche betritt die Küche.

Blanche:
Ach, Rose, leih mir doch deine Ohrringe! Ich würde am liebsten noch bis acht mein Gesicht liften lassen!

Dorothy:
[drängend] Blanche! Wer ist Harry?

Blanche:
Ach, Kinder, er ist wundervoll! Er ist... er ist unheimlich galant, er ist ein perfekter Gentleman, er ist ein großartiger Tänzer. Und er macht beim Kauen keine Geräusche!

Dorothy:
Kauen, das steht wirklich ganz oben auf meiner Liste! Das kommt gleich nach der Intelligenz!

Blanche:
Er redet auch nicht laut dazwischen im Kino, kontrolliert nicht seinen Puls und... [lächelt vielsagend] Er hat noch Interesse!

Rose:
[naiv] An was?

Dorothy:
Rose, wenn du nach so etwas fragen musst, dann ist es nicht mehr wichtig für dich!

Blanche:
Und... er hat mir einen Antrag gemacht!

Blanche geht ins Wohnzimmer, Rose steht auf und will ihr folgen.

Rose:
Blanche! Einen Moment mal! [Rose und Dorothy sind jetzt ebenfalls im Wohnzimmer] Nach einer Woche hat er dir einen Heiratsantrag gemacht?

Blanche:
Und heute Abend will er die Antwort!

Dorothy:
Heute, heute Abend schon? Was... was sagst du denn zu ihm?

Blanche:
Tja, das weiß ich noch nicht! Weißt du, er ist wirklich fabelhaft, aber ich kenne ihn doch erst seit einer Woche!

Rose:
[nickt] Ja eben!

Dorothy:
Richtig!

Blanche:
Aber ich möchte ihn nicht verlieren, Kinder! [stöhnt] Ach, ich weiß wirklich nicht, was ich ihm sagen soll! [eilig] Ach, ich muss noch meine Gesichtsmaske auftragen. [verlässt den Raum]

Rose:
[zu Dorothy] Und wenn sie ihn womöglich heiratet? Was geschieht mit uns, das Haus gehört ihr!

Dorothy:
Dann müssen wir eben umziehen!

Rose:
Aber wir können es uns nicht leisten, ein Haus zu kaufen! Was haben wir denn für Sicherheiten zu bieten? Einen schwulen Koch?

Dorothy:
Ach, nun komm schon Rose, bis jetzt hat noch keiner geheiratet! Lass uns jetzt mit Blanche reden! [geht in Richtung Blanche’s Zimmer]

Rose:
[läuft ihr hinterher] Dorothy! Am Ende werden wir noch Penner! [folgt ihr]
 

 

2.Szene: Blanche’s Zimmer
Blanche sitzt am Schminktisch und schminkt sich. Dorothy klopft an die Tür.

Dorothy:
Blanche!

Blanche:
Komm rein!

Dorothy:
[tritt ein] Blanche, Blanche dein Freund Harry will heute Abend eine Antwort haben. [interessiert] Was willst du ihm sagen?

Blanche:
Ich bin noch unentschlossen! Wahrscheinlich weiß ich's erst, wenn's aus meinem Mund kommt!

Dorothy:
Du weißt es erst, wenn's aus deinem Mund kommt? Das ist kein Bäuerchen, Blanche! Es geht hier um eine Heirat! [betrachtet den Schminktisch] Jetzt sieh dir das an! Sie hat mehr Farben, als die neuen Wilden auf ihren Bildern!

Rose:
[hat den Raum ebenfalls betreten] Du solltest dich nicht in irgendwas hineinstoßen, Blanche, du kennst ihn kaum!

Blanche:
Ich frag' mich, was mein Mann George über mich und Harry denken würde.

Dorothy:
Na ja, [schüttelt den Kopf] wenn George noch leben würde, wär's ihm wahrscheinlich nicht recht. Aber da er ja tot ist, halt' ich das kaum für ein großes Problem.

Blanche:
Ich wollte nur, dass er wüsste, dass ich glücklich bin, aber auch... dass ich niemals mit Harry so glücklich sein könnte, wie damals, in der Ehe mit ihm.

Rose:
Er weiß es, Blanche, er weiß es! Deine Gedanken und Gefühle gehen direkt zu ihm. Aus deinem Herzen kannst du direkt mit ihm in Verbindung treten. [zu Dorothy] Das kann man doch?

Dorothy:
Frag' das nicht mich, ich schaff’ nicht mal 'ne telefonische Verbindung nach New Jersey!

Es klingelt an der Tür.

Blanche:
Da ist er! Er kommt zu früh! Ich hab' mein Gesicht noch nicht fertig!

Dorothy:
Dann bleib dir nur noch übrig, es mit Acryl zu versuchen. Wir gehen zur Tür! [nimmt Rose an die Hand und zieht sie Richtung Tür]

Blanche:
Danke!

3.Szene: Das Wohnzimmer
Dorothy und Rose öffnen die Haustür.

Dorothy:
Ich bin gespannt, wie er aussieht!

Rose:
Hoffentlich hat er keine Haare in den Ohren! [schüttelt sich] Uhh!

Dorothy öffnet die Tür, vor der Tür steht ihre Mutter Sophia mit ihrer Handtasche und einer Tüte unter dem Arm.

Sophia:
Hallöchen!

Dorothy:
[erschrocken] Ma!? Ma, was ist passiert?

Sophia:
Allen geht's gut, keiner ist gestorben, das Heim ist abgebrannt!

Rose:
Was?

Dorothy:
Geht's dir gut? Wie bist du hergekommen?

Sophia:
Per Anhalter!

Dorothy:
Ma!

Sophia:
Ein Taxi, mit einer Taxe!

Dorothy:
Warum hast du nicht angerufen?

Sophia:
Ich bin absolut dazu im Stande, für mich selbst zu sorgen, ich benötige keine Hilfe, ich bin ein völlig selbstständiger Mensch!

Dorothy:
Ich weiß, ich weiß!

Sophia:
Ich brauch' 76 Dollar für den Taxifahrer!

Dorothy:
[entsetzt] 76 Dollar? Das... Ma... Ma, das ist verrückt, das Heim ist 15 Minuten von hier entfernt!

Sophia:
Der Taxifahrer ist ein Kubaner und sagt, es gibt einen Sonderzuschlag für zweisprachige Fahrer!

Dorothy:
Ich werd' mich um ihn kümmern! [verlässt das Wohnzimmer durch die Haustür]

Rose:
Setz' dich, Sophia, du musst ganz erschöpft sein!

Sophia:
Wieso? Das Taxi hat mich gefahren, ich hab's nicht geschoben! [setzt sich mit Rose auf das Sofa, Blanche kommt aus ihrem Zimmer auf Sophia zu]

Blanche:
Oh Sophia, Schatz, wie schön dich hier zu sehen!

Sophia:
Wer sind sie?

Blanche:
Aber... Ich bin es, Blanche!

Sophia:
Du siehst wie 'ne Prostituierte aus!

Blanche:
Oh!

Rose:
Wie? Sophia, was sagst du nur für Sachen! [zu Blanche] Das meint sie bestimmt nicht so!

Sophia:
Aber natürlich mein' ich das! Sieh sie an, mein Taxifahrer würde sich in sie verlieben! Kann ich mir 'was zu Essen holen, oder ist die Schwuchtel in der Küche? [geht in Richtung Küche]

Rose:
[zu Blanche] Was hat sie bloß für Ausdrücke?

Blanche:
[lacht] Sie kann nichts dafür!

Rose:
Ich kenne viele Frauen, die einen Schlaganfall hatten! Einige waren in ziemlich schlechter Verfassung, aber Damen waren sie doch noch!

Blanche:
Aber, Rose, durch den Schlaganfall kontrolliert das Gehirn nicht mehr das, was sie sagt! Deswegen sagt sie gerade das, was sie denkt! Sie kann nichts dafür!

Sophia:
[kommt aus der Küche zurück] Er ist 'ne Spitzentunte!

Dorothy:
[kommt zurück ins Haus, aufgebracht] Ma, Ma der Taxifahrer sagt, dass du ihm 76 Dollar Trinkgeld versprochen hast!

Sophia:
Red' bloß keinen Unsinn, ich wollte 6,7 Dollar Trinkgeld geben! Warum lernen diese Menschen nicht unsere Sprache, wenn sie hier in Miami leben! In Ecuador hätt' ich's leichter, rumzukommen!

Es klingelt an der Haustür.

Blanche:
Oh! Ich geh schon! [öffnet die Tür] Harry! Tag!

Harry:
Ahh, meine Hübsche!

Blanche:
Oh, Harry! [zu Dorothy und Rose] Darf ich bekannt machen! Das ist Harry! Harry, das ist Rose.

Harry:
Rose!

Blanche:
Und Dorothy.

Harry:
Dorothy!

Dorothy:
Freut mich, Harry.

Blanche:
Und das ist Sophia!

Harry:
[zu Sophia] Nun, sie müssen die Schwester von Blanche sein!

Sophia:
Und sie müssen blind sein!

Blanche:
Sophias Heim ist gerade abgebrannt.

Harry:
Das ist ja furchtbar!

Sophia:
Nicht für mich! Das ist ein Seniorenheim. Wissen sie, was da passiert ist? Sie haben Feueralarm gegeben, in einem Altersheim! Wer kann da rennen? Die Hälfte von ihnen geht auf Krücken. Die anderen können nicht mal vom Stuhl aufstehen, aber die Alarmsirenen heulen wie verrückt. Wissen sie, wie das auf Herzen wirkt, die nur ein paar Mal in der Woche schlagen? Das ist nicht spaßig!

Harry:
Tja, wir müssen gehen! Unser Tisch ist reserviert.

Sophia:
Hoffentlich steht der Tisch in der Nähe vom Kühlschrank!

Harry:
Gute Nacht! Und, danke meine Damen, es war mir ein Vergnügen. [Harry geht mit Blanche zur Tür hinaus]

Dorothy:
Gleichfalls Harry! Viel Spaß!

Sophia:
[bestimmt] Der Mann ist eine Pflaume!

Dorothy:
[entsetzt] Ahh!

Rose:
Es ist so traurig! Wir waren alle so einsam, und wie durch ein Wunder haben wir einander gefunden.

Dorothy:
Rose, wir haben auf eine Anzeige geantwortet, die im Supermarkt hing. Blanche wollte teilweise ihr Haus vermieten. Das war nicht die Wiederauferstehung, es war nicht mal ein Wunder.

Rose:
Für mich war's ein Wunder, weil wir glücklich zusammen sind. Es ist nicht fair, finde ich! Ich meine, wir heiraten, wir bekommen dann Kinder. Die Kinder verlassen uns und die Männer sterben. Ist das so was wie eine Prüfung? Du arbeitest doch nicht so schwer, du machst das doch nicht alles durch, was wir durchgemacht haben, um dann allein dazustehen. Wir sind allein, Dorothy, das sind wir wirklich! Unsere Familien sind weg, und wir sind allein. Uns bleiben noch so viele Jahre, und ich weiß nicht, wie ich sie ausfüllen soll.

Sophia:
Besorg' dir 'n Pudel!

3.Szene: Die Terrasse
Dorothy, Rose und Coco sitzen auf der Terrasse. Coco schenkt etwas zu trinken ein.

Rose:
Sie sagt „Ja“, das weiß ich! Sie wird ihn heiraten!

Dorothy:
Aber ich bitte dich, Rose!

Rose:
Sie kann ja nichts dafür! Blanche braucht einen Mann. Blanche hat mir erzählt, bei der Beerdigung von George habe sie sich schon mit einem anderen Mann verabredet.

Dorothy:
[schockiert] Oh!

Rose:
Nicht, dass sie George nicht geliebt hätte. Sie... äh... kann nun mal nicht ohne Mann sein. Weißt du, was ich meine, hm?

Dorothy:
Warum bleibe ich eigentlich auf? Ich mach' Vertretung für einen Lehrer, der von einem Schüler angeschossen wurde, ich brauch' allen Schlaf, den ich kriegen kann!

Dorothy geht ins Wohnzimmer und setzt sich auf die Couch, Rose folgt ihr.

Rose:
Früher hab' ich so gut geschlafen, ich hab' mich nicht mal umgedreht. Beim Aufwachen war meine Frisur tadellos. [lacht in sich hinein] Aber Charlie, der wälzt sich während der ganzen Nacht herum. Seine Hälfte vom Bett sieht immer so aus, als wäre ein Mord passiert.

Dorothy:
Rose, Charlie ist tot!

Coco:
[trägt ein Tablett durchs Wohnzimmer] Warum verrätst du ihr das?

Dorothy:
Coco, das ist 15 Jahre her!

Rose:
Ich weiß, dass er tot ist, ich bin nicht verrückt! Von Zeit zu Zeit red' ich gern' über ihn in der Gegenwartsform. [versonnen] Das bringt ihn mir näher.

Coco:
Das ist in Ordnung, Rose. Tu das nur, mir macht das nichts aus.

Dorothy:
Sicher Rose. [zu Coco] Deck bitte gleich für Charlie mit!

Blanche kommt zur Eingangstür herein.

Blanche:
'Nabend, Kinder!

Rose:
Wie ist es gelaufen?

Blanche:
Oh, es war sehr schön! Wir waren bei Joe. Wart’ ihr schon mal bei Joe?

Rose:
Ja, was ist passiert?

Blanche:
Es gab Steinkrebse. Ich kannte keine Steinkrebse. Kennt ihr Steinkrebse?

Dorothy:
[ungeduldig] Ja, ja, Blanche! Jetzt erzähl uns!

Blanche:
[setzt sich in einen Sessel] Ich war ja so froh, dass die Viecher keine Augen hatten! Wisst ihr, ich kann nichts essen, was Augen hat, so wie Hummer!

Rose:
Ich kann nichts essen, was sich bewegt!

Dorothy:
Wie was, Rose? Wie Pferde?

Rose:
Wie Austern!-

Coco:
Austern, die bewegen sich doch nicht!

Dorothy:
Coco, selbst wenn sie tanzen können, wen interessiert das? Erzähl jetzt!

Rose:
Austern bewegen sich! Zwar sehr langsam, aber wenn man sie aus der Nähe betrachtet, dann...

Dorothy:
[sieht Rose durchdringend an, zu Blanche] Wollt ihr nun heiraten, Blanche, oder nicht?

Blanche:
Erst nur bangen, dann gefangen!

Rose:
Ein kleiner Reim!

Dorothy:
Halt die Klappe! Also?

Blanche:
Ja! Nächste Woche!

Rose:
Ich wusste es! Ich wusste, dass sie ihn heiraten würde.

Dorothy:
[entsetzt] Aber schon nächste Woche!

Blanche:
In unserem Alter ist eine lange Verlobungszeit doch Unsinn! Ich muss jetzt ins Bett! [geht in Richtung ihres Zimmers]

Rose:
Wo wollt ihr leben?

Blanche:
Hier!

Rose:
Und wo sollen wir leben?

Dorothy:
Ach, mach' dir keine Sorgen! Wir leben, wir leben!

Blanche:
Ach ja, daran hab ich gar nicht gedacht!

Rose:
Es ist ziemlich schwierig, eine Wohnung zu finden!

Blanche:
Von mir aus könnt ihr bleiben.

Rose:
[erleichtert] Fein, das wäre geregelt!

Dorothy:
Ich bitte dich, Rose! Wir können hier doch nicht mit Blanche und Harry wohnen!

Rose:
Aber sie hat doch eben...

Blanche:
Bis ihr 'was gefunden habt, könnt ihr selbstverständlich bleiben.

Rose:
Wer weiß, wie lange das dauert!

Blanche:
Wir fahren in den Flitterwochen nach New York! Hoffentlich werd' ich da nicht ermordet! [geht]

Rose:
Charlie und ich haben zwei volle Jahre gewartet, bis wir geheiratet haben.

Dorothy:
Und ich, bevor mein Vater den entscheidenden Satz zu Ende gesprochen hat.

Rose:
[erstaunt] Deinen Vater hast du geheiratet?

Dorothy:
Mein Vater hat Stan gesagt, dass er mich heiraten muss! Ich war schwanger!

Rose:
Dann war das eine Zwangsheirat?

Dorothy:
Wenn man auf dem platten Land wohnt. In Queens, New Jork nennt man das Preisschießen!

Rose:
Vielleicht hat er dich verlassen, weil er zum Heiraten gezwungen wurde.

Dorothy:
Rose, er hat mich 38 Jahre später verlassen. Wegen einer Stewardess, die er auf einem Flug nach Hawaii kennen gelernt hatte. Es war ihr erster Flug. Sie hatte gelernt, dass man den Passagieren die Wünsche von den Augen ablesen soll... das hat sie missverstanden. Er hatte Schwein und jetzt leben sie zusammen auf Maui. Es ist wirklich fantastisch! Ein 65jähriger Mann mit Gicht lernt jetzt Windsurfen. [gehässig] Ich hoffe, er stolpert über den Halteriemen und fällt in einen Vulkan!

Sophia:
[kommt im Schlafanzug und mit Handtasche aus ihrem Zimmer] Ach, ihr seid das!

Rose:
Oh, Sophia, haben wir dich geweckt?

Sophia:
Ich hörte 'was und dachte, das sind Einbrecher, da hab' ich meinen Schmuck versteckt. Und jetzt weiß ich nicht mehr wo!

Dorothy:
Ma, du hast überhaupt keinen Schmuck!

Sophia:
Gott sei dank, ich kann ihn nämlich nicht finden!

Coco kommt aus der Küche.

Coco:
Tee, Sophia?

Sophia:
Wie wär's mit einem Gin und einem Bier oben drauf?

Rose:
Es war dumm von mir, so spät noch Tee zu trinken. Dann wach' ich nachts wieder auf und muss noch mal raus.

Coco nimmt ein Tablett vom Couchtisch und geht wieder in die Küche.

Dorothy:
Und weckst mich damit! Du weißt, wenn du nicht trinken würdest, bevor du ins Bett gehst, müsstest du auch nicht mitten in der Nacht wieder aufstehen!

Rose:
Ich trinke sonst nichts vor dem Schlafen. Ich höre schon mittags auf, was zu trinken, und trotzdem muss ich raus!

Sophia:
Damit hab' ich keine Probleme, niemals! Ich schlaf' wie ein Stein, und ich wach nie mitten in der Nacht auf, weil ich auf die Toilette muss. Ich geh' nur morgens. Immer morgens, genau nach der Uhr, um Punkt sieben, da pinkel’ ich. Aber leider wach' ich erst um acht Uhr auf!

4.Szene: Blanche’s Zimmer
Dorothy sieht sich im Spiegel an, Rose kommt herein.

Rose:
Wo ist Blanche?

Dorothy:
Auf der Toilette!

Rose:
[geheimnisvoll flüsternd] Ich muss mit dir reden.

Dorothy:
Was ist?

Rose:
Ich weiß, dass es verrückt klingt, aber ich bin misstrauisch.

Dorothy:
Weswegen?

Rose:
Harry!

Dorothy:
Harry?

Rose:
Ich weiß auch nicht warum, da ist irgendetwas, das mir nicht gefällt. Und das muss ich Blanche sagen.

Dorothy:
Was willst du Blanche sagen?

Rose:
Dass sie ihn nicht heiraten darf!

Dorothy:
Die Hochzeit ist in zwölf Minuten! Du kannst ihr das nicht sagen, Rose!

Rose:
Das schulde ich ihr! Ich bin ihre Freundin!

Dorothy:
Aber du kannst ihr doch gar nichts sagen! Das ist nur so eine verrückte Ahnung!

Rose:
Meine Ahnungen waren immer richtig! Mrs. Gandhi wär’ heut' noch am Leben, hätte sie meinen Anruf angenommen! [Dorothy starrt sie entgeistert an] Ich werd' es ihr sagen!

Dorothy:
Das tust du nicht! Ich erlaube es nicht!

Blanche kommt weinend aus dem Badezimmer.

Blanche:
Oh, Kinder, ich kann nicht aufhören zu weinen! Ich bin so glücklich! und so traurig! Irgendwie glücklich traurig!

Rose:
Apropos traurig, Blanche...

Dorothy:
Halt die Klappe, Rose!

Rose:
Aber sie weint doch sowieso, was macht das schon aus?

Dorothy:
[wirft etwas auf den Boden] Rose, heb' das mal auf!

Blanche:
[weinend] Ich kann es kaum glauben! Ich werde wieder heiraten. also, wie findet ihr das?

Rose:
Ich finde, es ist ein Fehler...

Dorothy:
... sich so auffällig zu schminken, Blanche!

Blanche:
Ich weiß, es ging sehr schnell, aber wann finde ich jemanden wie ihn wieder? Er ist so... Oh, Kinder, Kinder, er hat es geschafft, dass ich mich so gut fühle, so jung und vollkommen glücklich! [alle sitzen auf dem Bett, Blanche umarmt Dorothy und Rose]

Dorothy:
Ach, Rose, hast du das eben gehört? Vollkommen glücklich!

Blanche:
Jetzt muss ich schon wieder auf die Toilette gehen! Wenn ich aufgeregt bin, muss ich dauernd laufen. Das ist auch der Grund, warum ich hier zuhause heirate. Mit den öffentlichen Toiletten hab' ich immer Probleme! Ich wasch' mir die Hände ganz gründlich, und danach ist es so schwierig wieder rauszukommen, ohne den Türgriff anzufassen! [geht ins Badezimmer]

Rose:
[will Blanche folgen] Nicht...

Dorothy:
[legt Rose die Hand über den Mund] ... zu lange bleiben, Blanche! [Rose will sich Dorothys Griff entwinden] Nicht doch! [eindringlich] Rose, das ist eine glückliche Frau, da drinnen! Und jetzt musst du versprechen, dass du kein Wort zu ihr sagen wirst! Versprichst du das? Ob du das versprichst? [Rose nickt] Bist du sicher? [erneutes Nicken]

Blanche:
[kommt aus dem Badezimmer zurück, Dorothy hält Rose immer noch fest] Worüber ich so traurig bin... [sieht Rose und Dorothy und umarmt beide] Oh! Ich habe nie... [schluchzt] Ich hatte nie zwei bessere Freundinnen als euch beide und kann den Gedanken nicht ertragen, euch zu verlieren!

Blanche küsst Rose auf den Kopf, auch Dorothy gibt Rose einen flüchtigen Kuss auf den Kopf.

Dorothy:
[lässt Rose los] Oh, Blanche, du siehst hinreißend aus!

Rose:
Aber -

Dorothy:
Halt die Klappe, Rose! [zu Blanche] Bist du fertig?

Blanche:
Ich glaube, ja!

Rose:
[schreit] Halt!

Dorothy packt Rose, stößt sie in den Wandschrank und zieht den Schlüssel ab.

Coco:
[öffnet die Tür] Der Pfarrer ist da!

Blanche:
Oh, das Parfum fehlt noch!

Dorothy:
[Dorothy nimmt eilig die Parfumflasche vom Tisch und sprüht Blanche ein] Parfum, Parfum, komm gehen wir!

Coco streicht Blanches Bett wieder glatt, als es aus dem Wandschrank klopft.

5.Szene: Das Wohnzimmer
Rose, Blanche, Dorothy, Coco und der Geistliche warten auf Harry, den Bräutigam.

Blanche:
Oh! Er ist schon 'ne halbe Stunde zu spät.

Coco:
Wahrscheinlich im Stau stecken geblieben.

Blanche:
Mhm!

Geistlicher:
Mein Terminkalender ist voll, meine Damen! Wir sind in Miami, ich hab' noch ein paar Beerdigungen auf der Liste.

Coco:
Warten sie noch ein paar Minuten, bitte!

Geistlicher:
Nur noch fünf Minuten, dann muss ich Mr. Pinkus beerdigen!

Es klingelt an der Haustür.

Blanche:
[erwartungsvoll] Oh!

Coco:
Na also!

[Blanche stürzt zur Tür und öffnet. Ein Polizist steht davor]

Polizist:
Wohnt hier eine Blanche Hollingsworth?

Blanche:
Gott, er ist umgekommen!

Polizist:
Festgenommen!

Blanche:
Was?

Polizist:
Das hier hat er mir für sie gegeben. [gibt Blanche einen Brief] Er ist ein Bigamist, Mam. Er wird in vier Staaten gesucht und hat sechs Ehefrauen. Sie haben sich da mit einem Heiratsschwindler eingelassen. Tut mir leid!

Geistlicher:
[geht an Blanche vorbei zur Tür raus] Na ja! Heute werden sie mich nicht mehr brauchen.

Dorothy:
Blanche, willst du seinen Brief lesen? [Blanche schüttelt den Kopf] Möchtest du vielleicht, dass ich ihn dir vorlese? [Blanche gibt Dorothy den Brief, sie liest vor] "Liebe Blanche! Ich nehme an, du hast es jetzt erfahren. Ich bedaure es aufrichtig. Tatsache ist, dass ich dich wirklich geliebt habe. Diesmal war's was anderes. Du bist eine besondere Frau, und vielleicht schreibst du mir ja eines Tages. Harry!

Coco:
Oh!

Blanche:
[kämpft um Beherrschung] Ich bin fassungslos, einfach fassungslos!

Dorothy:
Ich weiß!

Blanche:
Ich fühl' mich, wie eine blöde Kuh! Nein, ich fühl' mich, wie eine alte blöde Kuh! [weinerlich] Am liebsten würd' ich tot sein!

Rose:
Du bist keine blöde Kuh, Blanche! Du bist eine wunderschöne, liebenswerte, hingebungsvolle Frau. Hier gibt es keine blöde Kuh, Blanche!

Blanche:
Ich glaube, ich hoffe, der Schock ist zuviel für mein Herz und ich falle auf der Stelle tot um! Der Pfarrer kann mich dann gleich mit Mr. Pinkus beerdigen! Und ich brauch dann nie wieder jemandem in die Augen zu sehen!

Rose:
Ausgenommen vielleicht Mr. Pinkus! [Dorothy zwickt Rose in den Oberarm; Rose: "Au!"]

6.Szene: Die Terrasse
Sophia liegt in einem Liegestuhl und schläft, Rose blättert in einer Zeitung. Dorothy kommt mit einer nassen Zeitung in der Hand auf die Terrasse.

Dorothy:
Wenn es mir gelingt, unseren Zeitungsjungen zu erwischen, wird er das Mannesalter nicht mehr erleben! In Florida herrscht völlige Dürre. Im ganzen Staat gibt es nicht genug Wasser um eine Tasse Tee zu kochen und der findet 'ne Pfütze!

Dorothy hält Sophia einen Spiegel unter die Nase um zu prüfen, ob sie noch atmet.

Rose:
[entgeistert] Was machst du denn da? Sie schläft doch!

Dorothy:
Ich kontrollier' nur! Man kann nie wissen! Sag mir, wie's Blanche geht!

Rose:
Heut' ist sie wieder nicht arbeiten gegangen. Seit inzwischen drei Wochen sitzt sie nur noch in ihrem Zimmer. Das Museum wird sie noch rausschmeißen.

Dorothy:
Ja, ja! Wir haben alles mögliche versucht. Golf, Theaterbesucher, Kino, sie war ja nicht mal an Julio Iglesias interessiert.

Rose:
Ich kenne Kummer, das braucht seine Zeit, Dorothy!

Dorothy:
Bitte, Rose! Hör zu, wenn du Ire bist, hältst du Totenwache. Du isst, du weinst, du trinkst, du übergibst dich und damit hat sich's. Bist du Jude, weinst du, sitzt du da, isst sieben Tage lang, nimmst dabei 10 Pfund zu und damit hat sich's. Wir Italiener schreien, motzen einen Esel auf, engagieren eine Kapelle und das wär's dann. [aufgebracht] Nur diese Protestanten aus dem Süden müssen daraus eine Lebensanschauung machen.

Sophia:
Wenn ich gehe stopft mich in einen Müllsack und stellt mich direkt neben die Tonnen.

Dorothy:
Wir haben gedacht, du schläfst!

Sophia:
Das weiß man nie.

Blanche:
[betritt die Terrasse] Ihr solltet nicht so viel in der Sonne sitzen!

Rose:
Blanche, wir haben uns so große Sorgen um dich gemacht!

Blanche:
Ich weiß!

Rose:
Ich freu' mich so, dass du wieder hier bist!

Blanche:
Tut mir leid, wenn ich euch Kummer gemacht hab'!

Dorothy:
Ach, Schätzchen, wie geht's dir?

Blanche:
Es geht mir gut! Das ist die Wahrheit. Nein, zuerst wollte ich aufgeben. Ich wollte sterben, ehrlich. So schlecht ist es mir nur nach dem Tod von George gegangen. Aber damals hatt' ich die Kinder um mich und ich hab' es überwunden. Aber diesmal hab' ich gedacht, das wäre meine letzte Chance, meine letzte Hoffnung, um glücklich zu sein. Ich dachte, ich würde mich nie wieder wohlfühlen.

Sophia:
Wie lange dauert die Geschichte noch? Ich bin 80 und hab' keine Zeit mehr!

Blanche:
Dann bin ich heute Morgen aufgewacht, bin unter die Dusche gegangen, hab' mir die Haare gewaschen und hörte was summen. Ich hab' gedacht, da wäre jemand bei mir. Nein, ich war das, ich hab' gesummt. Und Summen bedeutet, dass es mir gut geht! Und da wurde mir klar, dass ich mich gut fühle, weil es euch gibt. Ihr habt das geschafft. Ihr seid meine Familie und euch verdank' ich, dass ich froh bin zu leben.

Rose:
Lasst uns doch alle nach Coconut Grove zum Essen fahren.

Blanche:
Ja, gut!

Rose:
Ich lad' euch ein. Wir haben doch 'was zu feiern!

Sophia:
Was denn, dass sie aus ihrem Zimmer gekommen ist?

Rose:
Dass wir zusammen sind!

Dorothy:
Und dass wir, was auch immer passiert, selbst wenn wir alle wieder heiraten, zusammenhalten werden.

Rose:
Dann würden wir aber ein viel größeres Haus brauchen.

Dorothy:
Natürlich, Rose, nach dem Essen kannst du schon mal Balken sammeln! Ma, willst du mitgehen?

Alle stehen auf und wollen gehen.

Sophia:
Nein, ich muss mich ausruhen! ich hab' heut' Abend 'ne Verabredung!

Dorothy:
Mit wem?

Sophia:
Die Schwuchtel und ich gehen heute zum Hunderennen!

Blanche:
Wettet deine Mutter?

Dorothy:
Nein, sie reitet! Sie ist ein Hundejockey! Los, gehen wir!

                                                                              

---=== ENDE ===---