Golden Girls: Transkript der Folge "Die Macht des Käsekuchens" [#1.25]

Transkript der Folge "Die Macht des Käsekuchens" [#1.25]

Deutsches Transkript erstellt von MG

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
 

 

 

Originaltitel: The Way We Met
Ausstrahlung: 10.05.1986
Deutscher Titel: Die Macht des Käsekuchens
Ausstrahlung:
Buch:
Regie:

Darsteller

Bea Arthur (Dorothy Zbornak)
Rue McClanahan (Blanche Deveraux)
Betty White (Rose Nylund )
Estelle Getty (Sophia Petrillo)

 

Gastdarsteller

 

 

Shirley Prestia (Madame Zelda)

 

 

Inhaltsangabe
Die "Golden Girls" erinnern sich daran, wie sie sich kennen lernten. So fing alles an: Blanche hängt im Supermarkt eine Annonce auf, in der sie nach zwei Mitbewohnerinnen sucht. Dorothy und Rose melden sich und ziehen kurz darauf bei Blanche ein. Die ersten paar Tage in der gemeinsamen Wohnung sind alles andere als ein Zuckerschlecken. Erst als die gemeinsame Vorliebe für Käsekuchen entdeckt wird, ist das der Anfang einer wunderbaren Freundschaft. [Text: VOX]

 


1.Akt:

 

Am Abend. Rose schleicht sich durch das im Dunkeln liegende Wohnzimmer und geht auf die geschlossene Küchentür zu. Sie betritt die Küche, macht aber kein Licht. Dorothy kommt plötzlich herein und macht das Licht an. Beide erschrecken sich fürchterlich.

 

Rose: Dorothy, was denkst du dir dabei dich an mich ranzuschleichen!? Du hast mich zu Tode erschreckt!

Dorothy: Tut mir leid, Rose. Das nächste mal wenn ich in einen dunklen Raum komme um Mitternacht, schicke ich ’ne Marinekapelle voraus, die mich ankündigt. Wieso bist du noch auf?

 

Rose: Mir war, als hätte ich ein sonderbares Geräusch gehört.

 

Dorothy: Was denn für ein sonderbares Geräusch?

 

Rose: So als würde jemand langsam die Treppe raufgehen und die knarrt.

 

Dorothy: Wir haben keine Treppen, Rose!

 

Rose: Ja, ich weiß, das ist ja das sonderbare daran. Und was willst du hier?

Dorothy: Mir war so, als würde ich draußen einen Einbrecher rumschleichen hören.

 

Rose: Oh mein Gott, warum rufst du dann nicht die Polizei?

 

Dorothy: [winkt ab] Ach, nicht nötig, es stellte sich raus es war der Nachbarskater er wollte es mit unserem Plastikflamingo treiben.

 

Rose: Ach so.

 

Blanche: [Blanche kommt herein, in der Hand einen Golfschläger, bereit zuzuschlagen]Was ist los, ich hab’ Schreie gehört, was ist passiert?

 

Rose: Gar nichts, alles wunderbar Blanche.

Rose und Dorothy setzen sich an den Küchentisch.

 

Dorothy: Wir hätten uns eben niemals Psycho ansehen sollen. Seit 25 Jahren habe ich einen Bogen um diesen Film gemacht, sogar damals als Stan mich ins Roxy ausgeführt hat, anstatt mich mit zu seiner Mutter zum Abendessen zu nehmen. Es stellte sich raus, dass mich mein Instinkt nicht getrogen hatte. Norman Bates ist noch furchtbarer als meine Schwiegermutter... und sehr viel besser angezogen.

Blanche: Ach ich hätte es mir besser auch nicht angesehen, es macht mich jedes Mal fertig, besonders die Duschszene. [setzt sich] Schon aus diesem Grund werde ich es immer vorziehen, nicht allein zu duschen.

Dorothy: Sicher, Blanche. Und wegen Schneewittchen und den sieben Zwergen wirst du es immer vorziehen nicht allein zu schlafen.

 

Blanche: [grinst] Ja.

 

Rose: Bloß ein Glück, das wir jetzt nicht allein sind.

 

Dorothy: Das fehlte noch, ich finde es gibt nichts Schlimmeres als hellwach und verängstigt und dann noch mutterseelenallein zu sein.

Rose: Oh doch es gibt schlimmeres. Hellwach zu sein und verängstigt und mutterseelenallein und ohne Doppeldecker-Schokoladenkäsekuchen im Tiefkühlfach.

Rose:Ahh, ich hole die Kuchengabeln.

Rose geht zum Kühlschrank und holt den Kuchen, Blanche die Gabeln.

 

Dorothy: Ich fühl’ mich schon besser.

 

Blanche: Wisst ihr, das habe ich mit meinen früheren Hausgenossen niemals gemacht.

Dorothy: [erstaunt] Was du hattest bereits vor uns Hausgenossen, das wusste ich gar nicht.

Blanche: Ja, zwei total überspannte alte Damen, die zusammen badeten und sich gegenseitig die Zähne bürsteten. [setzt sich wieder] Eines Morgens habe ich sie rausgeschmissen, am Nachmittag wollte ich im Supermarkt über einen Zettel einen neuen Mieter suchen. Und da machte ich die Bekanntschaft von Rose.

 

Rose: Jaa.

Rückblende: Im Supermarkt. Blanche befestigt einen Zettel am Schwarzen Brett. Rose kommt dazu. Sie trägt eine Katze auf dem Arm und seufzt leise.

 

Blanche: Fehlt Ihnen was?

Rose: Oh, mir geht’s gut!

 

Blanche: Ohh, ich weiß genau, was Sie jetzt durchmachen, ich kann’s an ihrem Gesicht ablesen.

 

Rose: Wirklich?

 

Blanche: Oh, sicher. Ihr Freund oder Ehemann hat Ihnen den Laufpass gegeben. Schätzchen nehmen Sie’s nicht so tragisch, so ist nun mal die Natur der Bestien sie würden’s noch im Schlamm tun, wenn’s sein müsste. Gehen Sie, schlafen Sie mit seinem besten Freund auf diese Weise sind Sie quitt.

 

Rose: [schaut sich verstohlen um] Bin ich in „Vorsicht Kamera"?

 

Blanche: Sie haben also nicht den Laufpass bekommen?

 

Rose: Nun, in gewisser Weise ja, von meinem Vermieter. Ich muss raus aus meinem Apartment, aber ich schlaf doch nicht mit seinem besten Freund! Er ist über 80 Jahre alt und glaubt, er sei der Erzherzog Ferdinand.

 

Blanche: Und wieso hat er sie rausgeworfen?

 

Rose: Die neuen Besitzer des Gebäudes mögen keine Katzen und ich bin nicht bereit, mich von Mister Pipers zu trennen.

Blanche: Oh, sie haben wohl schon eine Menge zusammen durchgemacht, wie? [streichelt die Katze]

Rose: Ah, jaja. Er ist mir vorige Woche zugelaufen. Ich würde mich nirgends mehr wohlfühlen wo er nicht mit hin kann. Wo wir zwei doch so aneinander hängen.

Blanche: Wissen Sie, das beweist große Charakterstärke, Sie gefallen mir und ich mag Katzen und ich hab’ ein Zimmer zu vermieten und der Name ist Blanche Deveraux.

 

Rose: Und wieso nennen Sie ein Zimmer „Blanche Deveraux"?

 

Blanche: [lacht laut auf] Das war wirklich gut! Oh, ich mag Mitbewohner mit Sinn für Humor. Die beiden letzten waren zwei furchtbare Langweiler aus Minnesota. Erzählen Sie ein bisschen was von sich.

 

Rose: Mein Name ist Rose Nylund und ich komme aus Minnesota.

 

Blanche: [lacht wieder] Jetzt aber bitte Schluss, bevor ich mich totlache.

 

Rose: Also ein Langweiler bin ich bestimmt nicht, ja ich kann schon mal auf den Putz hauen und es mit den Verrücktesten aufnehmen.

Blanche: Na, ich denke wir werden uns vertragen, ich hab’ das Gefühl, Sie sind ’ne wilde Hummel.

Rose: Worauf Sie sich verlassen können, ich ess’ zum Beispiel rohen Plätzchenteig. Ja... und gelegentlich laufe ich durch die Sprinkleranlage und trage keine Bademütze und zu Weihnachten putze ich manchmal mehr als einen Eierlikör weg.

 

Blanche: Aha.

Blanche dreht sich wieder zum Schwarzen Brett herum und will den Zettel, den sie schon abgenommen hatte, wieder befestigen.

 

Rose: Was machen Sie da?

 

Blanche: Ich denke ich werde lieber weitersuchen.

 

Rose: Ich kann mir das mit dem rohen Plätzchenteig verkneifen.

 

Blanche: Darum geht es nicht, Sie und ich wir haben nichts gemeinsam, wir sind einfach zu verschiedene Menschen, es würde nicht funktionieren, glauben Sie mir! [streichelt die Katze und geht]

 

Kind: [läuft auf Rose zu] Darf ich mal ihre Katze streicheln?

 

Rose: Aber sicher, Schätzchen.

 

Kind: Hat sie auch einen Namen?

 

Rose: Ja, Mister Piepers.

 

Kind: Ich hatte auch ’n Kater, genau wie er. Sein Name war Harpo, aber jetzt ist er tot und er fehlt mir.

Rose: Oh, dann besorgst du dir wieder ein neues Kätzchen. Wird es deine Mum erlauben, wenn du ein neues Kätzchen hättest?

 

Kind: Ja, sie hat gesagt nächste Woche bekomme ich wieder eins.

 

Rose: Hör mal, wenn du mir versprechen würdest, dass du immer ganz besonders lieb zu ihm sein willst, dann würde ich dir Mister Pipers schenken.

 

Kind: Ist ja toll, aber ich würde ihn natürlich wieder Harpo nennen.

 

Rose: Ich glaube nicht, dass er was dagegen hat.

Blanche beobachtet die Szene und lächelt.

 

Kind: Oh, vielen Dank.

 

Rose: Schon gut mein Kleiner.

 

Kind: Mum! [läuft zu seiner Mutter]

 

Blanche: [geht auf Rose zu] Sagen Sie mal, Rose, hören Sie zu, ich will Ihnen nichts versprechen, aber hätten Sie Lust das „Blanche Deveraux Zimmer" zu inspizieren?

 

Rose: Wirklich, aber sicher, liebend gern!

 

Blanche: [hakt sich bei Rose unter] Dann lassen Sie uns gehen.

 

Rose: Übrigens... wie heißen Sie eigentlich?

 

Blanche: [erzählt aus dem off] Wegen dieser letzten Bemerkung habe ich dich nicht am gleichen Tag einziehen lassen. Aber als ich sah, was ich für eine Auswahl hatte, erschienst du mir wie ein Geschenk des Himmels. Ihr würdet es nicht glauben was da für Leute aufgetaucht sind.

Rückblende: Im Haus von Blanche

Blanche:Nun, äh, ich würde sagen damit wäre unser Rundgang beendet, Madame Zelda. Ähem, sonst noch Fragen zu den Räumlichkeiten?

Madame Zelda:Ja, ist zufällig eine junge Frau in Schwesterntracht in diesem Haus mit einer Handsäge ermordet worden?

 

Blanche: Um Gottes Willen, nein!

 

Madame Zelda: Sind Sie da sicher, ich empfange sehr starke Vibrationen und ich sehe eine weißgewandete Frau die schreit und sich windet und ein Mann, der kniet über ihr.

Blanche: Falls Sie letzten Mittwoch sehen, das waren ich und der Mann mit dem ich im Augenblick gehe. [erbost] Nur war ich keine Schwester, ich war ein französisches Zimmermädchen!

Es klingelt, Blanche geht in Richtung Tür.

Madame Zelda: [eindringlich] Misses Deveraux verlassen Sie dieses Haus sofort, ein böser Geist hat es in Besitz genommen.

Blanche: Eigentlich ist es ja im Besitz der Miami-Bank... und bei sieben Prozent könnten die mich hier nichtmal raussprengen. Ja? [öffnet die Tür]

 

Dorothy:Sind Sie Blanche Deveraux?

 

Blanche: Ja, was kann ich für Sie tun?

 

Dorothy:Nun, ich bin Dorothy Zbornak und dies, äh, ist meine Mutter Sophia Petrillo. Wir sprachen am Telefon darüber, das Haus miteinander zu teilen.

 

Blanche: Oh ja, ja, kommen Sie rein.

 

Madame Zelda: Betreten Sie dieses Haus und sie sterben eines qualvollen Todes.

Blanche: Ja danke Madame Zelda, leben Sie wohl. [Madame Zelda geht, Dorothy und Sophia kommen herein] Oh ich bitte vielmals um Entschuldigung, meine Damen, was für Verrückte sich auf solch eine Annonce melden. Nehmen Sie doch Platz. Nun, äh, erwägen die Damen eventuell beide Zimmer zu nehmen?

Dorothy, Sophia und Blanche setzen sich auf das Sofa im Wohnzimmer.

Dorothy:Oh nein, nur eines für mich, meine Mutter lebt in der Wohnanlage zur „Schattigen Pinie".

Blanche: Oh die „Schattige Pinie", ich kenne die „Schattige Pinie", ein hübsches Heim.

Sophia: Ein Gefängnis. Sie sperren uns in die Zimmer ein und dann müssen wir fröhliche Gesichter machen… und dann machen sie die Fotos für ihre Werbebroschüre.

Dorothy:Ma, du weißt doch, dass das nicht stimmt. Sie müssen entschuldigen, Mutter hatte vor kurzem einen Schlaganfall und äh, ihr Wahrnehmungsvermögen ist seitdem ein wenig gestört.

Blanche:Oh ja, ich verstehe.

 

Sophia:Nichts verstehen Sie!

 

Blanche:Ich würd’ sagen wir beginnen unsere kleine Tour durchs Haus und anschließend können wir gleich über den Mietvertrag sprechen, nicht?! [steht auf und geht in Richtung Terrasse]

 

Dorothy: Na wunderbar! Also, ihr Haus ist einfach... atemberaubend!

 

Blanche: Ich weiß.

 

Sophia: Draußen hast du gesagt es sieht wie ’n Müllhaufen aus!

Dorothy geht mit Sophia hinter Blanche her und hält Sophia dabei den Mund zu.

 

Auf der Terrasse.

 

Blanche:Dies hier wäre die Terrasse, unbezahlbar während des Sommers und ganz besonders wenn Sie sich gern oben ohne sonnen.

Dorothy:Oh, wirklich und die Nachbarn können nicht reinschauen.

 

Blanche: Sicher können sie das!

 

Sophia: Das Weib hat Flittchen in ihre Unterwäsche eingestickt.

Im Wohnzimmer.

 

Blanche:Meine Damen, ich bin ein wenig in Eile, dürfte ich Ihnen noch rasch ein paar Fragen stellen?

 

Dorothy: Aber ich bitte darum. Schießen Sie los! [alle setzen sich wieder]

 

Blanche: Wie nennen sich die Bewohner von Guam?

 

Dorothy:Äh, tja, so auf Anhieb... Guamianer, denke ich. Was hat das mit der Vermietung des Zimmers zu tun?

Blanche:Oh gar nichts, das fehlte mir bloß noch im Kreuzworträtsel. Tja, also Dorothy, würden Sie von sich sagen, dass Sie eine ordentliche Person sind?

 

Dorothy: Oh ja doch! Ganz besonders ordentlich.

 

Sophia: Du ordentlich? Dann bin ich Sophia, das Busenwunder!

 

Dorothy: [spricht aus dem Off] In diesem Moment war ich davon überzeugt, dass ich bei Blanche einen schlechten Eindruck gemacht und es vermasselt hatte. Aber dann begegnete ich Rose und wusste, auch wenn ich nackt und Okulele spielend hier angerückt wäre, hätte ich das Zimmer bekommen.

 

Rückblende: Rose kommt von der Terrasse ins Wohnzimmer, Dorothy kommt durch die Vordertür, bepackt mit Kartons, herein.

 

Rose: Oh, was ist das wieder für ein wundervoller Tag. Frau Sonne muss eine gute Nacht gehabt haben, dass sie uns mit einem solchen Lächeln verwöhnt. Oh, am liebsten würde ich meinen Arm um Mutter Natur legen und ihr einen Kuss auf die Wange drücken. Hallo, Sie müssen Dorothy sein! [streckt Dorothy die Hand entgegen]

Dorothy:Und Sie müssen Misses Reagan sein.

Rose: [verwirrt] Nein, aber wir haben eine Misses Reagan bei der Telefonseelsorge und dann gibt’s eine Misses Reagan auf der anderen Straßenseite und natürlich ist da noch Nancy Davis, die berühmteste Misses Reagan von allen.

Dorothy: [schließt die Eingangstür] Verzeihung, ich habe ihren Namen nicht verstanden.

Rose: Ich bin Rose Nylund, die Mitbewohnerin. Blanche hat mir schon von Ihnen berichtet. Wie furchtbar, dass ihr Mann abgehauen ist. Sie dürfen gern mein Schaumbad benutzen, wann Sie wollen.

Dorothy:Dadurch werden die einsamen Nächte halb so schlimm sein, ich danke Ihnen vielmals.

 

Blanche: Oh, Sie haben sich schon bekannt gemacht.

 

Dorothy:Ja, ich bringe nur eben mein Zeug in mein Zimmer... [hebt einen Karton an] es war das zweite links den Flur runter, nicht wahr?

Rose: Äh, Dorothy, das zweite links ist meins, Blanche hat es mir versprochen.

 

Dorothy: Blanche hat es mir auch versprochen, nicht wahr Blanche?

 

Blanche: [lacht] Hoppsala!

 

Dorothy: Na großartig, fantastisch! Und was bitteschön machen wir nun?

 

Rose: Bei uns in Minnesota wurden Streitigkeiten immer bei einem fröhlichen Baumstammwälzen geregelt.

Dorothy:Aha. Dummerweise ist mein Baumstamm zur Reparatur. Also, was sollen wir tun? Eine Münze werfen?

 

Rose: Einverstanden, dann ich die Zahl, ja?

 

Dorothy: Okay. [wirft die Münze] Zahl, Sie haben gewonnen.

 

Rose: Ich mach’ das wieder gut, Dorothy, ich versprech’s Ihnen. Sollten Sie irgendwann mal nicht schlafen können, komme ich in ihr Zimmer und singe ein Wiegenlied.

Dorothy: Wirklich Rose, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Doch ich weiß... [streng] lassen Sie sich das niemals einfallen!

Blanche: Nun Rose, was meinen Sie. Sollten wir Dorothy nicht ein wenig zur Hand gehen?

Rose: Oh ja, gern. Himmel was für ein Spaß mit euch beiden im selben Haus zu wohnen! [Blanche und Rose nehmen jeder einen Karton und gehen Richtung Schlafzimmer, Rose stößt eine Vase um] Oh, oh nein, Blanche es tut mir so Leid.

 

Blanche: Oh, Oh.

 

Rose: Oh, ich kaufe eine andere Vase, gleich morgen besorge ich sie.

 

Blanche: Aber das können Sie nicht, im Grunde ist die unersetzlich. Oh, jetzt grämen Sie sich nicht, ich hab’ sie sowieso nie leiden mögen. Es ist nur… meine Großmutter hat sie mir in die Hand gedrückt, auf ihrem Sterbelager. Sie, äh, war furchtbar krank, und äh, während einer furchtbar langen Zeit und äh… ich habe sie furchtbar geliebt, wissen Sie.

 

Dorothy: Äh, Blanche warum drücken Sie ihr jetzt nicht einfach die zerbrochenen Stücke in die Hand?

Rose: Blanche ich weiß, es gibt Dinge, die man nicht ersetzen kann, aber ich möchte es doch irgendwie gutmachen. Ich könnte... das ist doch der erste Abend an dem wir zusammen sind, darum lade ich euch beide in meine Lieblingsrestaurant zum Essen ein.

 

Blanche: Was für eine hübsche Idee, danke Rose!

 

Dorothy: Das finde ich wirklich süß von Ihnen, Rose.

 

Rose: Dann wollen wir uns aber beeilen, der Erdbeer-Sahne-Riesenbecher am Eisstand ist immer schnell ausverkauft. [Alle gehen zur Tür] Jetzt kommt schon, ich fahre.

 

Dorothy: Ach was, fahren. Tun wir was für die Linie.

 

2.Akt:

In der Küche. Blanche, Rose und Dorothy sitzen in der Küche und essen Käsekuchen.

 

Rose: Oh mein Gott, ich seh’ eben es ist zwei Uhr morgens...

 

Dorothy:...und ich bin immer noch hellwach

 

Blanche: Ich auch.

 

Rose: Also bevor ich euch zwei kennen gelernt habe, bin ich nie so spät aufgewesen, außer es war eine Erweckungspredigt im Fernsehen.

Blanche:Ich bin noch niemals ein Nachtmensch gewesen, das heißt bis ich zur jungen Frau erblühte und bemerkte, dass ich bei Mondlicht noch viel umwerfender war...

Dorothy: Aber natürlich.

Blanche: Die Nacht, als ich das zufällig entdeckte, vergess’ ich wohl nie. Es war beim Maiblütenfest, ich in einem langen weißen Kleid und mit meinem ersten scharfen BH. Bobby Bud McAllister und ich vergnügten uns bei einer Bowle auf der Veranda, als plötzlich ein Mondstrahl in meine Busenspalte fiel und da geschah es... die Band begann zu spielen. Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass mein Busen die Macht hatte Musik zu machen. [lächelt selig]

Dorothy: Hat Bette Midler dafür nicht einen Spezial-Grammy gewonnen? [Alle lachen]

Rose: Ist das nicht schön, dass wir immer einen solchen Spaß haben wenn wir drei zusammen sind? Und so ist es gleich von Anfang an gewesen.

Dorothy: Bitte, Rose! Ich möchte dich in dem Zusammenhang nur an das Abenteuer unseres ersten gemeinsamen Einkaufs erinnern.

 

Blanche: Oh!

Rückblende: Im Supermarkt. Dorothy schiebt einen Einkaufswagen und unterhält sich mit Rose, Blanche ist vorausgelaufen.

 

Rose: An so’ner Wursttheke vorbeizugehen bringt doch immer wieder viele Erinnerungen zurück.

Dorothy: Tja... Würste öffnen nun mal für viele von uns emotionale Schleusen. (Rose: (seufzend) „Ach ja") Was ist das, Blanche?

 

Blanche: Geräucherte Austern.

 

Dorothy: Jetzt hör mal, wir haben uns darauf geeinigt, dass wir die Gesamtsumme durch drei teilen würden, aber die kosten vier Dollar die Dose!

Blanche: Wir müssen die aber haben, die sind [eindringlich] absolut notwendig. Nehmen wir mal an du bist mit einem Mann zusammen, der ein wenig... träge ist... eine Dose von denen und zwei Glas kalte Ente und der Putz fällt von den Wänden.

 

Blanche und Rose gehen weiter. Heimlich nimmt Dorothy ein Packet Austern aus dem Regal und packt es in den Einkaufswagen. Blanche steht in der Gemüseabteilung vor den Melonen. Ein Verkäufer geht vorbei.

 

Verkäufer: Ja, schöne runde Dinger sind das!

 

Blanche: Oh, vielen Dank!

 

Dorothy: [riecht an einer Melone] Ich glaub’ die ist reif.

 

Blanche: Woran erkennst du das? Sehr einfach du riechst da oben dran, ’ne alte sizilianische Methode, hab’ ich von meiner Mutter.

Dorothy: Oh Dorothy, Schätzchen. Du prüfst den Reifegrad, indem du’s machst wie die Südstaatler, du tippst sie an!

Rose: Also ihr Lieben, in Wirklichkeit ist die allerbeste Methode die Farmermethode, die funktioniert jedes Mal.

Blanche: Was mag dahinter wohl für ein Trick stecken?

Rose: [holt ein Taschenmesser heraus und schneidet eine Melone an] Nein... [nimmt die nächste] schon besser.

Dorothy und Blanche drehen sich entsetzt weg.

Blanche: [an der Kasse] Oh, das hätte ich ja beinahe vergessen. [nimmt verschiedene Zeitungen aus dem Regal] Ich nehme einen „Globe" und einen „Tadler" und einen „Midnight Star" und einen „Enquirer" und eine seriöse Zeitschrift müssen wir unbedingt mitnehmen, damit wir wissen, was so in der Welt los ist. Also ein „People".

Rose: [zur Verkäuferin] Verzeihung, Sie haben da einen Fehler gemacht, diese Pfirsiche kosten nicht 59 das Pfund, sondern 89 Cent. Ehrlich währt am längsten, nicht!?

Blanche: Was willst du damit erreichen? Dich für ’ne Art Pfadfinderorden qualifizieren?

Rose: Ich kann mir nicht helfen, ich bin eben ein ehrlicher Mensch. Du hältst davon wohl nicht so besonders viel, wie?

 

Blanche: Wovon redest du?

 

Rose: Du nimmst Strumpfhosen der kleinsten Größe mit, [lacht] dabei sieht doch jeder, das du sie nicht mal bis übers Knie kriegen würdest.

Blanche: Wenn du nicht sofort leiser sprichst, muss ich dir die Schweinelende um die Ohren hauen. [hebt ein Stück Fleisch auf und droht Rose]

Dorothy: Oh Blanche, macht halblang. 15 Dollar und 99 Cent... das ist doch nun wirklich Verschwendung. Das bezahl ich nicht mit. Noch dazu, wo ich Schweinelende nicht mag.

 

Blanche: Gut, dann beteilige ich mich nicht an diesem Schlagstock.

 

Dorothy: Das ist ’ne Pfeffersalami!

 

Blanche: Ich finde es obszön.

 

Rose: [zur Verkäuferin] Entschuldigen Sie, aber Sie irren sich schon wieder, der Fensterreiniger ist nicht im Angebot. Der normale Preis ist 1 Dollar 99.

 

Dorothy: Rose, warum hebst du dir das nicht für „Der Preis ist heiß" auf?

 

Rose: Entschuldigt mein Bemühen ’ne gute Amerikanerin zu sein!

 

Blanche: Würdet ihr beiden jetzt bitte eure Lautstärke dämpfen. Ich bin hier bekannt, ich habe hier sehr viel gekauft und geflirtet.

 

Dorothy: So mir reicht’s, ich kaufe selber und nur für mich ein! [geht]

 

Rose: Na fein! Blanche und ich kommen auch allein sehr gut zurecht!

 

Blanche: Na mit dir kauf ich bestimmt nicht ein, Mary Poppins. [geht]

 

Rose: Auch gut!

Das Haus der Girls. Durch die Eingangstür kommen Rose, Blanche und Dorothy schwer bepackt mit ihren Einkäufen herein. Sie gehen direkt in die Küche und verstauen ihre Einkäufe.

 

Blanche: Hä, so nicht! Wer hat das Früchtemüsli in den Kühlschrank gestellt?

 

Dorothy: Das war ich. Wirft das Probleme auf für dich?

 

Blanche: Ja, so ist es. Sogar ein doppeltes Problem. Erstens ist dafür kein Platz drin und zweitens gehört’s nicht in den Kühlschrank, sondern in den Küchenschrank.

Dorothy: Wenn ich so was höre, wer bewahrt schon Müsli im Küchenschrank auf! Es bleibt sehr viel frischer, wenn es im Kühlschrank ist.

Blanche: Es bleibt nicht frischer im Kühlschrank. Wenn es im Kühlschrank frischer bliebe, wäre ein Schild drauf mit dem Hinweis „Im Kühlschrank aufbewahren"!

Rose: Also genau genommen irrt ihr euch beide. Es gehört nämlich weder in den Kühlschrank, noch in den Küchenschrank, weil es nämlich in einen Glasbehälter gehört. Auf die Weise ist es nicht nur fürs Auge ansprechend, ihr seht auch sofort, ob zuwenig Rosinen drin sind. Ich hab’ gemeint jeder wüsste das.

Dorothy: Weißt du, bis ich dir begegnete, Rose, wusste ich nicht, dass bestimmte Leute doch wirklich mit ihrem Müsli sprechen.

Blanche: Also ich sag’ euch was, mir reichts. Von eurem ewigen Gezänk hab’ ich jetzt meine Migräne gekriegt. [hält sich die Stirn, setzt sich an den Tisch]

Dorothy: [setzt sich] Hört zu Kinder. Sehen wir den Tatsachen ins Auge. Wir drei können uns über nichts einig werden. Offensichtlich sind wir nicht dazu bestimmt miteinander zu leben.

Blanche: So ungern ich dir zustimme, ich fürchte du hast Recht.

Rose: [setzt sich] Das glaube ich auch. Ja, ich weiß es sogar genau... genau dasselbe ist damals während des großen Heringskrieges passiert.

Blanche: Des großen Heringskrieges?

 

Rose: Ja, zwischen den Lindströms und den Johannsens.

 

Dorothy:Ach den großen Heringskrieg meinst du! Verstehe.

 

Rose:Die beiden Familien beherrschten die berühmten Heringsfanggründe vor der Küste Norwegens. Nun sollte man annehmen, dass es in ihrem Interesse gewesen wäre, irgendwie zu fusionieren. Oh man, das war ein Fehler, sie wurden sich einfach nicht einig drüber, was nun mit dem Hering zu tun sei.

 

Dorothy: Ich finde das nur zu verständlich, ich meine die Möglichkeiten sind doch überwältigend!

Rose: Ja, du sagst es. Die Johannsens waren für marinierte Heringe und die Lindströms wollten sie im Zirkus auftreten lassen... na ja und...

Blanche: [mühsam ein Lachen unterdrückend] Man würde sie sicher nicht so gut sehen, wenn sie auf den Elefanten reiten.

Rose: Oh nein, nicht so ein Zirkus, ein echter Heringszirkus, so wie ein Delphinarium, weißt du? Selbstverständlich kleiner, viel kleiner würde ich sagen, aber viel größer als ein Flohzirkus.

Dorothy: Sag mir bitte, Rose... [lacht] haben sie denn jemals einen Hering aus einer Kanone geschossen? [Blanche und Dorothy lachen]

Rose: Nur einmal, ja. Er ist aber in einem Baum gelandet. Na ja, danach wollte kein anderer Hering mehr mitmachen.

 

Blanche: [lachend] Hör auf, Rose, erzähl uns hier keine Märchen!

 

Rose: Das ist kein Märchen! Mein Großvater hat mir die Geschichte erzählt. Allerdings hat er mich auch sein Leben lang mit meiner Schwester verwechselt. Ja und manchmal zog er die Unterhose über die Hosen, das kam schon vor. [alle drei lachen] Ich fürchte fast, er war nicht die zuverlässigste Quelle!

Dorothy: [lachend] Oh ho, oh nein, oh nein, das halt ich nicht aus. Kinder, ist euch eigentlich klar, was eben passiert ist?

Blanche: Ja, ich habe mich amüsiert, ohne das ein Mann im Zimmer gewesen wäre.

Rose: Ist das nur Zufall gewesen, oder mögen wir uns irgendwann doch?

 

Dorothy: Na ja, ich könnte mir denken, dass das dauert, aber... vielleicht ist es den Versuch wert.

 

Blanche: Geben wir uns die Chance?

 

Rose: Großartig!

 

Blanche: Okay!

 

Dorothy: Abgemacht Kinder!

Sie beginnen ihre Einkäufe weiter zu verstauen. Rose trägt ein rosa Packet zum Kühlschrank.

 

Blanche: Moment mal, was ist das?

 

Rose: Oh ich weiß, ich sollte mich beherrschen, aber ich bin ein unverbesserliches Schleckermaul.

 

Dorothy: Was ist es?

 

Rose: Käsekuchen.

 

Blanche: Welches Aroma?

 

Rose: Schokolade.

 

Dorothy: Also für mich sieht das nach dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft aus.

 

Ende der Rückblende. Die Girls sitzen in der Küche und essen Käsekuchen.

 

Dorothy: Ich schätze manche Dinge ändern sich nie.

 

Rose: Wie man sieht nicht! Wir haben fast den ganzen Käsekuchen aufgegessen.

 

Blanche: Na wenn schon, es war auch ein besonderer Anlass.

 

Dorothy: Ja und es hat mich wunderbar von Psycho abgelenkt.

 

Rose: Der Rest hält sich bis morgen, lasst uns zu Bett gehen, ja?

 

Dorothy: Okay.

Sophia kommt mit hocherhobenen Armen und einem Messer in der Hand in die Küche und erschreckt die anderen. Ängstlich springen alle auf.

 

Sophia: Ahhhhh!!! [lacht]

 

Dorothy: [streng] Ma, das ist nicht sehr komisch!

 

Sophia: Von wegen, es ist ein Knüller! Ich hab’ das beim alten Petterson abgezogen, nachdem „Psycho" im Heim gelaufen war. Es hatte geheißen der Ärmste würde nie wieder gehen können... und wie der ging! Also dann gute Nacht und träumt was Schönes. Ahahahah. [lacht]

 

Blanche: Ich, äh, ich würd’ sagen noch einen Tee zum Abgewöhnen.

 

Dorothy: Gut, dabei können wir den Käsekuchen aufessen.

 

Rose: Oh ja, klingt gut.

 

Blanche: Was ja toll schmecken müsste, wären so Schokoladenstreusel drübergestreut.

Rose: Die haben wir vor ’ner Stunde weggeputzt. Wir könnten vielleicht Schokoladenplätzchen drüberkrümeln

 

Rose: Die sind bereits seit zwei Stunden alle.

 

---=== ENDE ===---