Golden Girls: Transkript der Folge "Geburtstagsüberraschungen" [#2.25]

Transkript der Folge "Geburtstagsüberraschungen" [#2.25]

Deutsches Transkript erstellt von MG

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
 

 

 

Originaltitel: A Piece Of Cake
Ausstrahlung: 09.05.1987
Deutscher Titel: Geburtstagsüberraschungen
Ausstrahlung:
Buch:
Regie:

Darsteller

Bea Arthur (Dorothy Zbornak)
Rue McClanahan (Blanche Hollingsworth)
Betty White (Rose Nylund )
Estelle Getty (Sophia Petrillo)

 

Gastdarsteller

 

 

Lyn Greene (junge Dorothy)
Sid Melton (Salvadore)
Alan Blumfeld (Mr. Haha)

 

 

Inhaltsangabe
Während die "Golden Girls" eine Überraschungsparty für Roberta, eine Freundin von Sophia, vorbereiten, erinnern sie sich an ihre eigenen "Geburtstagsüberraschungen" der letzten Jahre. Dorothy fällt die Party ein, die Rose für sie in "Mr. Haha's Würstchen Hacienda" geschmissen hat. Sophia erinnert sich an einen Meilenstein in ihrem Leben: ihren Fünfzigsten, als sie einen heftigen Streit mit ihrem Mann Salvatore ausgetragen hat.

 


In der Küche.

 

Blanche steht an der Anrichte und richtet eine kalte Platte her. Dorothy kommt durch die Hintertür herein.

Dorothy: Ich hab’ schnell noch etwas Eis geholt. Sind die Hors d’oeuvre immer noch nicht fertig?

 

Blanche: Nein, ich bin noch bei den Sellereistangen.

Rose kommt aus dem Wohnzimmer herein. Sie lacht vor sich hin.

 

Rose: Ahihi.

 

Dorothy: Ist das Zimmer geschmückt, Rose?

 

Rose: Nein, noch nicht. Ich, ich hatte was anderes vor. Hier!

Sie hält eine kleine blaue Luftballonfigur hoch, die aussieht wie der Kopf eines Hasen.

 

Dorothy: Das ist alles, was du in den letzten 45 Minuten gemacht hast!

 

Rose: Oh, ist er nicht süß. Ich hab’ ihn Scotty genannt.

Dorothy fasst die Figur an und diese zerplatzt.

 

Dorothy: Jetzt darfst du ihn Abfall nennen! Hilf Blanche bei den Hors d’oeuvre.

Sophia kommt aus dem Wohnzimmer herein und setzt sich an den Tisch.

 

Sophia: Wann kommt das Geburtstagskind zu uns?

 

Dorothy: Ich hab’ Roberta gesagt sie soll um zwei Uhr hier sein.

 

Rose: Glaubst du, dass sie irgendwas ahnt?

 

Sophia: Ich bitte dich, die Frau ist 88. Sonntags sucht sie im Fernsehen immer noch nach „Rauchende Colts."

Blanche: Ach Dorothy, nimm’ doch schon mal den Kuchen und bring’ ihn mit den anderen Sachen in Wohnzimmer.

Dorothy: Gute Idee, mach’ ich. [öffnet den Kühlschrank] Hey, wo ist der Kuchen?! Rose hast du ihn raus genommen?

 

Rose: Ich habe ihn noch gar nicht gesehen.

 

Dorothy: Ma, wo ist der Kuchen?

 

Sophia: Keine Ahnung, ich hab’ ihn auch nicht gesehen.

 

Dorothy: Was willst du damit sagen? Du wolltest ihn doch backen?

 

Sophia: [überrascht] Ach, wollt ich das?

 

Dorothy: Oh, Ma. Du hast es vergessen!

 

Sophia: Das hab’ ich nicht. Ich wollte bloß, dass der Kuchen frisch ist. Ich back’ ihn jetzt.

Blanche: Oh Schätzchen, Roberta ist in 45 Minuten hier. So schnell backt man doch keinen Kuchen.

Sophia: 45 Minuten? In ’ner Dreiviertelstunde backe ich zwei und stricke einen Pullover. Geh’ mir aus dem Weg, der Maestro betritt das Podium! [geht zum Herd]

Rose: Oh man, ich hoffe Sophia schafft das noch rechtzeitig. Man kann ohne Kuchen nicht richtig Geburtstag feiern.

Dorothy: Ja, dabei erinnere ich mich an eine Feier mit drei Kuchen, die trotzdem ein Reinfall war.

 

Sophia: Drei Kuchen?

 

Dorothy: Ja. Rose hatte geplant mich zu meinem Geburtstag mit einer Feier zu überraschen. Du wohntest damals in der schattigen Pinie.

 

Sophia: [böse] Du meinst das Heim. Sag’s schon, Dorothy, das Heim!

 

Dorothy: Jedenfalls hatte Rose geplant mich zu meinem Geburtstag mit einer Feier zu überraschen. Das werde ich nie vergessen, in meinem Leben hatte mich noch nie jemand mit so einer Feier überrascht...

 

Überblende
Mr. Hahas Würstchen Hacienda.

Dorothy, Rose und Blanche sitzen an einem Tisch. Viele Kinder befinden sich ebenfalls dort. Auf der Bühne steht ein Clown und singt „Happy Birthday." Dorothy ist mit der Situation sichtlich unzufrieden und verzieht den Mund.

 

Mr. Haha: Zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag viel Glück. Zum Geburtstag liebe Kinder, zum Geburtstag viel Glück. Willkommen bei Mr. Hahas Würstchen Hacienda. [Jubel der Gäste] Ich habe heute eine Menge Spaß für euch vorbereitet, aber zuerst müsst ihr Mr. Hahas Würstchen essen. Und wieso? [singt] Hahas Würstchen schmecken fein, Hahas Würstchen müssen sein...

 

Rose: [stimmt in den Gesang ein] ...Hahas Würstchen müssen sein…

 

Mr. Haha: Hahas Würstchen sind fast geschenkt, nur 1 Dollar 98 und zwar ohne Getränk.

Die Gäste jubeln erneut und auch Rose klopft vor Freude in die Hände und lacht.

Rose: Oh, ist das nicht lustig? Dorothy, du hast ja dein Mr. Haha Würstchen gar nicht angerührt?

Dorothy: Hmm, du hast recht. [haut mit der Hand auf ihren Teller; sieht Rose vorwurfsvoll an] Jetzt habe ich’s angerührt.

 

Rose: Du findest es nicht spaßig, nicht Dorothy?

 

Dorothy: Bin ich denn so leicht durchschaubar?

 

Rose: Aber du hast dich beschwert, dass deine Geburtstagsfeiern immer langweilig und fade sind. Bei der Werbung für Mr. Haha im Fernsehen hab’ ich gedacht, es wär’ spaßig.

Dorothy: Ja, für fünfjährige sicher, Rose. Oder für jemand mit dem Gehirn einer fünfjährigen.

 

Rose: [enttäuscht] Ich hab’ dir den Geburtstag verdorben.

 

Dorothy: Ach wo, das hast du nicht. Du hast ihn mir nicht verdorben!

 

Rose: Doch, Dorothy, das habe ich. Ich bin ein blöder Trampel, kein Wunder das du mich hasst.

Dorothy: Oh Schätzchen komm schon. Deswegen brauchst du nicht zu weinen. Rose, wie kommst du darauf, dass ich dich hasse? Das macht mir einen ungeheuren Spaß, es ist nur so… ich brauche eine bestimmte Anlaufzeit um in die richtige Stimmung zu kommen.

 

Rose: Ehrlich, Dorothy?

 

Dorothy: Oh ja. Sowohl Blanche als auch ich haben eine Menge Spaß. Nicht wahr, Blanche?

Blanche: Wer hätte wohl keinen Spaß an einer meterlangen Mr. Haha Wurst. Dazu ein paar Becher von diesem...

 

Rose: Kirschsaftflip. Wenn man davon drei Becher trinkt kriegt man Mr. Hahas Hut!

 

Dorothy: Es wär’ wohl besser, wenn man stattdessen Mr. Hahas Nieren kriegte.

Trommelwirbel. Mr. Haha kommt wieder auf die Bühne und spricht mit den Kindern.

 

Mr. Haha: Wer ist wieder da?

 

Alle: Mr. Haha!

 

Mr. Haha: Das stimmt! Und nun wird es Zeit für Mr. Hahas Geburtstagsparade. Wenn ich euch jetzt aufrufe, müsst ihr schnell auf die Bühne kommen! [Dorothy runzelt entsetzt die Stirn] Bobby Spiner...

 

Dorothy: [blickt zu Rose] Bitte sag’ mir, dass du mir das nicht antust, Rose.

 

Mr. Haha: ... Jeannie Taylor...

 

Dorothy: [fleht] Bitte sag’ mir, dass du mir das nicht antust, Rose!

 

Mr. Haha:... Dorothy Zbornak...

 

Dorothy: [geht Rose an die Gurgel] Ohhh.

 

Mr. Haha: Dorothy Zbornak

 

Blanche: [zieht Dorothy von Rose weg] Du machst dich lächerlich, hör’ auf. Mr. Haha hat dich schon im Auge.

Mr. Haha kommt von der Bühne herunter und geht an Tisch, an dem die drei Girls sitzen.

 

Mr. Haha: Bist du Dorothy Zbornak?

 

Dorothy: Die bin ich.

 

Mr. Haha: Los auf die Bühne Dorothy!

 

Dorothy: Los, mach ’ne Fliege, Haha!

 

Mr. Haha: [zu den Kindern] Nun mal los, Kinder. Einen ganz besonderen Haha-Beifall für unsere Dorothy!

Alle: Haha! Dorothy! Dorothy! Dorothy! Dorothy! Dorothy! Dorothy! Dorothy! Dorothy! Dorothy!

 

Dorothy steht auf und geht auf die Bühne. Sie setzt sich auf einen Stuhl zwischen den zwei anderen Geburtstagskindern.

 

Mr. Haha: Also, hier steht auf meiner Haha-Geburtstagsliste unser Bobby ist sieben, [tätschelt seinen Kopf] Jeannie ist neun [tätschelt ihren Kopf] und Dorothy ist, äh... [will Dorothy ebenfalls über den Kopf streichen]

 

Dorothy: [warnend] Ich mach dich fertig, Haha!

 

Mr. Haha: Dorothy ist die Älteste, haha! Und als die Älteste führst du heute unsere Geburtstagsparade an! [setzt ihr einen spitzen Clownshut auf den Kopf] Hier ist dein Paradeanführerhut! Mr. Musik, würden Sie beginnen!

 

Die Musik beginnt zu spielen. Dorothy führt, gefolgt von den anderen Geburtstagskindern, die Parade an. Rose klatscht begeistert mit, was ihr einenbösen Blick von Dorothy beschert.

 

Dorothy: Treib’s nicht zu bunt, ich weiß was für ein Auto du fährst, Haha.

 

Mr. Haha: Die Parade ist vorbei, haha. Und jetzt will ich ein „hurra" für die Geburtstagskinder hören.

 

Alle: Hurra!

Dorothy setzt sich wieder zu Blanche und Rose an den Tisch.

 

Mr. Haha: Aber der Spaß geht jetzt überhaupt erst los, weil es langsam Zeit ist für den Haha-Geburtstagskuchen. Ganz umsonst für unsere Geburtstagskinder und nur 1,98 für unsere anderen kleinen Freunde.

Eine Kellnerin stellt den Kuchen auf Dorothys Tisch.

 

Dorothy: Nein, danke. Mir reicht es wirklich.

 

Mr. Haha: [kindlich] Oooh, da haben wir wohl ein übellauniges Geburtstagskind. [normaler Tonfall] Seht mal Kinder, wenn ihr erwachsen seid dürft ihr auch schlechte Laune haben. Und wenn ihr erstmal in das Alter von Dorothy gekommen seid, geht ihr einem gewaltig auf den Haha. Also Dorothy, hör auf schlechte Laune zu verbreiten. [wütend] Iss den verdammten Kuchen und wünsch dir was, okay?! Kommt Kinder, wünscht euch was und blast die Kerzen aus. Ich hoffe, dass jeder von euch das bekommt, was er sich wünscht.

 

Dorothy: [drohend; hält den Kuchen in der Hand] Hoffen Sie das wirklich, Mr. Haha?

 

Mr. Haha: Dorothy, wenn ich Sie wäre, würde ich den Kuchen hinstellen. Der Bruder von Mr. Musik ist Mr. Anwalt. Ich bin auch nicht der Meinung, dass es ein Zeichen von Reife ist so was zu tun.

Dorothy: Ja, Sie haben Recht. Ich sollte es lieber lassen. [stellt den Kuchen wieder ab]

 

Bobby: Mr. Haha?

 

Mr. Haha: Ja, Bobby?

Bobby wirft ihm seinen Kuchen ins Gesicht. Dorothy verkneift sich mühsam ein Lachen.

 

Bobby: Herzlichen Glückwunsch, Dorothy!

Überblende.

Die Küche. Sophia steht am Herd und backt, die anderen drei sitzen am Tisch und lachen.

 

Sophia: Schade, dass ich das verpasst hab’. Ich wär’ gern dabei gewesen, aber ich war...

 

Dorothy: In dem Heim, das wissen wir, Ma.

 

Blanche: Wie geht der Kuchen voran, Sophia?

 

Sophia: Großartig! Ich hab’ alle Zutaten. Kokosnuss, Eier, ungebleichtes Mehl, Rum...

 

Rose: Oh, gibt’s Rumkuchen?

 

Sophia: [gießt Rum in ein Glas] Nein...

 

Rose: Ich hatte auch Spaß am Backen. Damals in St. Olaf machte ich immer den Geburtstagskuchen. Charlie liebte das. Ich weiß noch, wann ich den letzten Geburtstagskuchen gebacken hab’, es war kein gewöhnlicher Geburtstag...

 

 

Überblende.Roses Küche in St. Olaf.

Rose ist im Morgenmantel. Sie nimmt einen Kuchen von der Anrichte und stellt ihn auf den Tisch. Auf dem Tisch stehen zwei Gedecke. Sie zündet die Kerze auf dem Kuchen an und verlässt dann den Raum. Dann öffnet sie die Küchentür wieder, kommt gähnend und verschlafen herein und sieht den Kuchen auf dem Tisch.

 

Rose: [erfreut] Oh mein Geburtstag! Den hab’ ich ja ganz vergessen! Meinetwegen, ich wünsch mir wohl besser was und blas’ die Kerzen aus, bevor Mr. Hickenlöper noch die ganze Freiwillige Feuerwehr herbringt und mir Wasser in die saubere Küche pumpt. [setzt sich an den Tisch] Ich schwöre, dem Mann ist keine Ausrede zu albern, um diesen Sirenenton durch die Nase heulen zu können. Inga Lundquist hat mir noch letzte Woche gesagt – [nach einem Blick auf Charlies Platz] ich weiß, halt die Klappe Rose und blas’ die Kerzen aus! Na gut, ein Wunsch. [wünscht sich etwas und bläst die Kerze aus] Ich denke, das war ein ziemlich dummer Wunsch. Tja, ich weiß, dass du nicht wirklich bei mir sein kannst, Charlie. Um das zu akzeptieren hab’ ich acht Monate gebraucht, aber ich hab’s schließlich geschafft. Du fragst sicher, was dann diese gemeinsame Geburtstagsfeier soll? Weil ich dann weniger einsam bin, Charlie. Es passiert zum ersten Mal, das ich an so einem Festtag ohne dich sein muss. Wenn Weihnachten wär’, hätt’ ich dir möglicherweise ein Geschenk gekauft. Und wenn du Geburtstag hättest, hätte ich wahrscheinlich immer noch den Verkäufer im gleichen Herrengeschäft gebeten, die Krawatte für dich auszusuchen. Oho, bestimmt hätten mich die anderen Verkäufer ganz schön komisch angesehen, wenn ich das gemacht hätte. Aber seltsam sehen sie mich ja schon lange an. Wohl wegen der Sonderanfertigung, die ich mal bestellte, den Matrosenanzug, bei dem man hinten die Hose aufknöpfen konnte für Cousin Wendell. Wie auch immer, darum geht’s mir nicht. Was ich eigentlich wollte, war ein Gespräch mit dir, Charlie. Ja, du hast Recht dazu ist kein besonderer Festtag erforderlich. Es wäre eher ein Festtag, wenn ich den Mund hielte. Aber, ich hab’, ich hab’ mir gedacht da heute mein Geburtstag ist, regt dich möglicherweise nicht auf, was ich dir zu sagen habe... Ich hab’ mich entschlossen das Haus zu verkaufen und St. Olaf zu verlassen. [steht auf] Der Winter ist mir zu hart hier in Minnesota... und hier gibt es viel zu viele Erinnerungen für mich, um mein eigenes Leben führen zu können. Ohne dich Charlie, muss ich noch mal von vorne beginnen und ich glaube, das ist der beste Weg. Ich weiß, es wird schwer in einer fremden Stadt, so ganz allein. Aber ich hab’ ein paar wunderbare Dinge über Miami gelesen! [setzt sich wieder] Ich werde sicher bald ein paar netten Menschen begegnen und vielleicht auch neue Freunde finden. Ich hab’ ein wirklich gutes Gefühl bei dem Gedanken. Weißt du, ich-ich wollte dir nur von meinem Entschluss erzählen... Ich hoffe ich bin in Florida, bevor der nächste Winter kommt. Aber wo es mich auch hintreibt, du wirst immer bei mir sein. Ich liebe dich, Charlie. Du fehlst mir. Heut’ hab’ ich Geburtstag. Du kennst unsere Regel, ich krieg’ die Rose! [dreht den Teller zu sich herum und schneidet den Kuchen an]

 

 

Überblende

Die Küche. Die Girls sitzen immer noch am Küchentisch. Sophia steht am Herd und gibt Backpulver in eine Schüssel.

 

Sophia: Noch eine Prise Backpulver dazu...

 

Dorothy: Ma, das sieht aber nicht nach einer Prise Backpulver aus.

 

Sophia: Wen juckt’s? [trinkt einen Schluck Rum]

 

Rose: Sophia, vielleicht solltest du dich hinsetzen!

 

Sophia: Ich sitz’ bereits.

Blanche steht auf und geht zu Sophia. Sie nimmt Sophia am Arm und führt sie zum Tisch, wo sie sich auf einen Stuhl setzt.

 

Blanche: Weißt du was? Ich mach’ dir einen schönen schwarzen Kaffee.

 

Sophia: Keine Aufregung, mir geht’s gut! Ich hab’ bestimmt nicht zuviel getrunken. Glaubt ihr, ich versau so einen Geburtstag, der für Roberta ein Meilenstein ist.

 

Rose: Ein Meilenstein? Sie ist 88!

 

Sophia: Richtig. Wenn man erst 80 ist wird jedes Jahr ohne Grabstein zum Meilenstein.

 

Rose: Ich halte meinen fünfzigsten Geburtstag für einen Meilenstein.

 

Dorothy: Oh Ma, dabei fällt mir dein fünfzigster ein. Wir wollten den Geburtstag bei Guido feiern, aber du hattest Streit mit Pup.

 

Sophia: Oh, ja!

 

Dorothy: Das werde ich niemals vergessen. Es war in Brooklyn im April 1955.

 

Sophia: Dorothy?

 

Dorothy: Ja, Ma?

 

Sophia: Ich erzähle hier die Geschichten über uns. Stellt euch vor, Brooklyn, April 1955. Kurz bevor wir losfahren wollten...

 

Überblende.

Brooklyn, April 1955. Das Wohnzimmer der Petrillos.

Niemand ist zu sehen, nur aus dem Schlafzimmer hört man Stimmen.

 

Sal: Meinetwegen, wenn du die Sache so siehst, bleibe ich hier Sophia!

 

Sophia: Von mir aus kannst du für immer hier bleiben, du Pavian! Ich verfluch’ den Tag, an dem ich dich kennen lernte!

 

Sal: Gleichfalls.

 

Es klopft an der Wohnungstür. Sophia kommt aus dem Schlafzimmer und öffnet die Tür für Dorothy.

 

Dorothy: Ma, ich bin es, Dorothy! Herzlichen Glückwunsch, Ma.

 

Sophia: Ach, halt die Klappe!

 

Dorothy: Wie du meinst. Was machst du? Wir kommen zu spät zur Feier bei Guido. Stan wartet im Auto.

 

Sophia: Ich geh’ aber nicht!

 

Dorothy: Was soll das heißen, du gehst nicht?

 

Sophia: Was hab’ ich schon groß zu feiern? Das meine Ehe kaputt ist und ich meinen Mann verlasse?

 

Dorothy: Du hast dich wieder mit Pup gestritten!?

 

Sophia: Du gibst wohl sehr gern damit an, dass du studiert hast, nicht wahr?

 

Dorothy: Na schön, und weshalb bist du sauer auf Pup?

 

Sophia: Weil dein Herr Vater ein ganz erbärmlicher, nichtsnutziger, unsensibler Klotz ist!

 

Sal: [aus dem Schlafzimmer] Ich hab’s gehört!

 

Sophia: Gut! Und noch was – ich wünsch dir, das du die letzten drei Haare verlierst!

 

Sal: [aus dem Schlafzimmer] Und dir wünsche ich, dass du die Pinzette zum Augenbrauenzupfen verlierst, damit man die Warze zwischen den Brauen nicht mehr sieht.

 

Sophia: Das ist keine Warze, das ist ein Schönheitsfleck!

 

Sal: [aus dem Schlafzimmer] Bei Sophia Loren vielleicht. Bei dir und Chrustchow ist es eine Warze!

 

Sophia: Ahh!

 

Dorothy: Ma! Pup, jetzt ist Schluss. Komm’ aus dem Schlafzimmer raus.

 

Sal: [aus dem Schlafzimmer] Nicht solange sie da ist. Sie hat mich geschlagen!

 

Dorothy: Ma?

 

Sophia: Mit einem Stückchen Brot.

 

Sal: [aus dem Schlafzimmer] Fünf Tage alt. Es fühlte sich an wie ein Vorschlaghammer!

Sophia: Das hatte er verdient, nachdem er mir so zum fünfzigsten Geburtstag gratuliert hat.

 

Dorothy: Was redest du bloß? Du bist 48.

 

Sophia: Das hatte ich auch gedacht. Und gestern Abend zeigt’ er mir während der Fernsehshow irgendwelche Papiere, die er im Flurschrank gefunden hatte. Er erzählte mir, dass die Einwanderungsbehörde was Falsches in meine Geburtsurkunde eingetragen hätte und ich jetzt bereits 50 wäre.

 

Dorothy: Was macht das aus? Dann bist du 50!

 

Sophia: Was das ausmacht?! Ich hab’ dem Mann die besten Jahre meines Lebens gegeben und er stiehlt mir noch zwei. So was von deprimiert bin ich noch nie gewesen!

 

Dorothy: Ma, das hat doch keine Bedeutung. 50 ist nur eine Zahl.

 

Sophia: Du verstehst mich nicht, Dorothy. Ich hatte immer Pläne und Träume, alles Dinge die ich erreicht haben wollte bevor ich 50 bin.

 

Dorothy: Was denn für Träume?

 

Sophia: Na ja, zum Beispiel... hatte ich mir immer gewünscht Ballerina zu werden.

 

Sal: [aus dem Schlafzimmer] Was denn, mit den Beinen!

 

Sophia: Komm’ raus, Salvatore. Ich hab’ noch mehr Brot für dich!

 

Dorothy: Ma, ich muss auch etwas sagen. Ich glaube nicht, dass der Einstieg ins Ballett mit 48 leichter gewesen wäre.

Sophia: Nein, darum geht es nicht. Ich hätte noch zwei Jahre davon träumen können. Ich glaub’s einfach nicht. Ich bin 50. Ich bin jetzt eine alte Dame und habe nichts zustande gebracht.

Dorothy: Du willst nichts zustande gebracht haben? Du hast während der Weltwirtschaftskrise drei Kinder aufgezogen und trotzdem immer Essen auf den Tisch gebracht. Du warst seit ich mich erinnern kann, immer Hausfrau und berufstätig. Aber irgendwie warst du wenn wir dich brauchten da für uns. Du hast mir vier Jahre das College ermöglicht, weil du dafür gearbeitet hast und wenn ich aufgeben wollte hast du mich ermutigt. Soll ich weiter sprechen, Ma? Dann müssten wir die ganze Nacht durch reden.

Sophia: Das reicht für heute. Nicht mal in der Sendung „Das war ihr Leben" machen sie soviel Wind.

Sal: [aus dem Schlafzimmer] Was den Quatsch mit der alten Dame betrifft, führst du dich wie eine blöde Kuh auf. Du bist nicht 50 und auch nicht 48, du bist noch so hübsch wie an dem Tag, an dem ich dich geheiratet hab’!

 

Sophia: [weich] Oh Salvatore. Sag’ mir das noch mal.

 

Sal: [aus dem Schlafzimmer] Du führst dich wie eine blöde Kuh auf.

 

Sophia: Er hat Recht. [vor der Schlafzimmertür] Salvatore, jetzt mach die Tür auf es gibt eine Geburtstagsfeier zu der wir müssen.

Salvatore öffnet die Tür und Sophia geht herein. Dorothy nimmt ihre Sachen und ist bereit zum Aufbruch.

Dorothy: [klopft an die Schlafzimmertür] Ma? Pup? Ma? Macht schon, wir kommen sonst zu spät.

Sophia: [aus dem Schlafzimmer] In etwa einer Stunde sind wir da, Dorothy! Ahh, Salvatore... Dorothy? Sagen wir in zwei Stunden!

 

Dorothy: Ah, schönen Geburtstag, Ma.

Überblende

Die Küche.

 

Sophia: Und dann sind wir überhaupt nicht zu der Feier gegangen.

 

Dorothy: Ja. Und eine Menge Leute waren sehr enttäuscht.

 

Sophia: Ich war’s aber nicht an dem Abend. Und wenn mein Erinnerungsvermögen mich nicht täuscht, dein Vater auch nicht.

Blanche: Meinst du nicht, der Kuchen ist fertig? Roberta müsste gleich kommen. [schaut in den Backofen]

 

Sophia: Er ist fertig, wenn er fertig ist.

 

Blanche: Das spielt auch keine Rolle, sie wird ohnehin nicht überrascht sein. Überraschungen zum Geburtstag klappen sowieso nie.

Rose: So? Und wie war das mit der Überraschungsparty für dich, als wir gerade eingezogen waren? Die klappte doch! Ich meine, sie klappte fast. Ich will damit sagen, irgendwie schon...

 

 

ÜberblendeDie Küche.

Rose steht an der Anrichte in der Mitte und dekoriert mit einem Spritzbeutel die Torte. Dorothy kommt durch die Hintertür herein, in der Hand einen Karton mit einem Kuchen. Sie stellt den Kuchen auf den Tisch.

 

Dorothy: Tag, Rose. Ich hab’ Blanches Geburtstagstorte geholt. Was machst du?

 

Rose: Ich verzier’ Blanches Geburtstagstorte. Jetzt ist sie fertig.

 

Dorothy: Aber ich hab’ gesagt, ich besorg’ die Geburtstagstorte.

 

Rose: Oh, ich weiß. Aber in meiner Heimat mögen die meisten Menschen keine fertige Torte.

Dorothy: Rose, wo du herkommst leben die meisten Menschen in Windmühlen und lieben sich bei Polkamusik.

 

Rose: Hör auf damit Dorothy. Du machst mir nur Heimweh.

Es klingelt an der Tür. Rose und Dorothy gehen hin um zu öffnen.

 

Dorothy: Wir kommen!

 

Rose: Wer ist das bloß? Die, die wir eingeladen haben, sind doch hier? [Dorothy öffnet] Sophia!

Dorothy: Ma, was machst du denn hier. Du weißt, dass du das Heim nicht verlassen darfst. Du sollst dich doch von dem Schlaganfall erholen.

Sophia: Wovon erholen? Ich bin hundertprozentig gesund. Unberufen! [klopft an die Tür] Herein.

Dorothy: Komm’ schon rein. Hör’ zu. Wir veranstalten eine Überraschungsgeburtstagsparty für Blanche. Ich möchte, dass du auf die Lanai rausgehst und dich unter die anderen Gäste mischt.

Dorothy nimmt Sophia am Arm und führt sie in Richtung Garten.

 

Sophia: Geritzt! Was ist Lanai?

 

Dorothy: Die Terrasse.

 

Sophia: Verzeihen Sie mir, Krystle Carrington. [geht]

 

Rose: Blanche wird bestimmt überrascht sein. Ein Glück, dass ich zufällig ’rausfand, dass sie Geburtstag hat. [Blanche kommt herein] Blanche was hast du?

Blanche: [weinerlich] Gar nichts. Alles was ich brauche ist ein heißes Bad, um den heutigen Tag zu vergessen.

 

Rose: Ja, ist gut.

 

Blanche: Nein! Also Kinder, ich weiß wir wohnen noch nicht lange zusammen, aber wenn ich so vermiest nach Hause komme und sag’ es sei nichts los, dann müsst ihr mir entlocken was wirklich los ist mit mir.

 

Rose: Aha!

 

Dorothy: Blanche, was ist los?

 

Blanche: Gar nichts!

 

Dorothy: Na gut.

 

Blanche: Na gut, meinetwegen. Bedrängt mich nicht so. Ich wollte nichts sagen, aber... heute hab’ ich Geburtstag.

Rose: [aufgeregt] Heute hast du Geburtstag, Blanche, heute? Dorothy, hast du das gehört? Heute hat Blanche Geburtstag!

 

Blanche: Und ich hasse Geburtstage.

 

Rose: [zu Dorothy] Und sie hasst Geburtstage.

 

Blanche: Und noch mehr als Geburtstage hasse ich Überraschungsgeburtstagspartys. Und was haben sie im Museum veranstaltet? Ha, eine Überraschungsgeburtstagsparty! Oh, ich musste mich fast übergeben vor Wut.

Rose: [zu Dorothy] Hast du gehört? Bei Überraschungsgeburtstagspartys muss Blanche sich übergeben.

Dorothy: Schätzchen, geh’ und nimm jetzt ein Bad und wir beide vergessen die Tatsache, das heute dein Geburtstag oder sonst was los ist.

 

Rose: Ich kann nicht verstehen, warum jemand seinen Geburtstag hasst!

 

Blanche: Na, weil sie schrecklich sind und einen ständig damit konfrontieren, dass mit jedem neuen Jahr der Körper weiter altert, man mehr Falten im Gesicht kriegt, die Haare beginnen grau zu werden. Selbstverständlich trifft das noch nicht auf mich zu. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Ende kommt und ich ausseh’ wie ihr beide.

 

Dorothy: Blanche, wenn du so weitermachst bleibt dir nicht mehr sehr viel Zeit übrig.

Sophia kommt von der Terrasse ins Wohnzimmer.

 

Sophia: Tag, Blanche.

 

Blanche: Sophia, was machst du denn hier?

 

Sophia: Ich bin wegen der Überraschungsgeburtstagsparty hier.

 

Rose: Nein!

 

Dorothy: Och!

 

Blanche: Was, das darf doch nicht wahr sein.

 

Dorothy: [lacht] Natürlich ist das Unsinn, Ma. Hier ist keine Party. Ich bring’ dich wieder ins Heim, ja?

 

Sophia: Bin ich Gloria Swanson? Ich weiß, dass eine Party da draußen ist.

 

Rose: Blanche, es war ein Fehler von uns.

 

Dorothy: Schätzchen, wir sagen die Feier ab, schicken alle wieder weg und vergessen, dass es jemals passiert ist.

Sophia: [in Richtung Terrasse] Hört mal ihr da draußen! Die Party fällt aus, wir sollen verduften. Aber ich lade euch zu mir nach Hause ein. Wenn ich nur wüsste, wo das ist.

Von der Terrasse kommen mehrere Männer ins Wohnzimmer.

 

Blanche: Roger, Edgar, Bert, Leonard. Was macht ihr denn bloß alle hier?

 

Rose: Die Namen habe ich aus deinem Adressbuch.

 

Blanche: Das kleine rote auf meinem Nachtschrank?

 

Rose: Nein, das kleine weiße neben dem heißen Badeölzerstäuber.

 

Blanche: Oh, wartet mal ’ne Minute, Jungs. Ihr braucht nicht gleich wieder wegzurennen. Ich hab’ doch Geburtstag! Wer von euch will denn der erste sein, der mir einen Klaps gibt?

 

 

ÜberblendeDie Küche.Die Girls sitzen am Tisch. Blanche schwelgt glücklich in der Erinnerung.

 

Blanche: Das wurde noch ein ausgesprochen hübscher Abend, nicht?

 

Dorothy: Ja, das war es tatsächlich.

 

Blanche: Von da an hatte ich was übrig für Überraschungspartys.

 

Rose: Das erinnert mich irgendwie an St. Olaf, als ich ein Mädchen war. Ähem, der große Sven und der kleine Sven feierten das einjährige Bestehen von ihrem Räucherheringschnellimbiss. Und bei dem großen Sven...

Der Herd klingelt. Alle springen auf und wollen den Kuchen herausnehmen.

 

Sophia/Blanche/Dorothy: Ich mach das!

 

Sophia: Das ist mein Kuchen, ich hol’ ihn raus.

Sophia holt den Kuchen heraus. Er ist trotz des vieln Backpulvers nicht richtig aufgegangen.

 

Dorothy: Ma, der sieht wie ein Keks aus!

 

Blanche: Sophia, Schätzchen, ich glaub’ da ist zuviel Rum drin.

 

Sophia: Dann steck’ ich Schirmchen und ein paar Strohhalme rein. Alle werden denken, sie sind im Plaza Hotel.

 

Rose: Stell’ ihn ins Wohnzimmer. Roberta muss jeden Moment hier sein.

Alle gehen ins Wohnzimmer.

 

Blanche: Hoffentlich ist sie wirklich überrascht! Das Beste am Geburtstag ist, wenn man wirklich überrascht ist.

 

Rose/Dorothy/Sophia: Überraschung!

 

Blanche: [verdutzt] Was?

 

Dorothy: Herzlichen Glückwunsch, Blanche!

 

Blanche: Aber mein, mein Geburtstag ist erst nächste Woche.

 

Rose: Das wissen wir, aber letztes Mal sagtest du, wir können dich nie wieder im Leben überraschen.

 

Sophia: Das war die einzige Möglichkeit für uns!

 

Blanche: Oh, das habt ihr wirklich ganz großartig gemacht. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.

 

Sophia: Sag’ „Lass uns Conga tanzen!"

Von der Terrasse kommen mehrere Männer herein. Musik ertönt und die Frauen beginnen mit den Männern in einer Polonäse durch den Raum zu tanzen.

 

 

---=== ENDE ===---