Hinterm Mond gleich links: Transkript der Folge "Schön ist es, auf der Welt zu sein" [#1.01]

Transkript der Folge "Schön ist es, auf der Welt zu sein" [#1.01]

Deutsches Transkript erstellt von MG

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
 

 

 

Originaltitel: Brains and Eggs
Ausstrahlung: 09.01.1996
Deutscher Titel: Schön ist es, auf der Welt zu sein
Ausstrahlung: 07.09.1996
Buch: Bonnie Turner, Terry Turner
Regie: James Burrows

Darsteller

John Lithgow (Dick Solomon)
Kristen Johnston (Sally Solomon)
French Stewart (Harry Solomon)
Joseph GordonLevitt (Tommy Solomon)
Jane Curtin (Mary Albright)
Simbi Khali (Nina Campbell)

 

Gastdarsteller

 

 

Elmarie Wendell (Mrs. Dubcek)
Ian Lithgow (Leon)
David DeLuise (Bug)
Chris Hogan (Pitman)
Danielle Nicolet (Caryn)
Jennifer Rhodes (Mrs. Sumner

 

 

Inhaltsangabe
Vier Außerirdische werden auf der Erde abkommandiert und sollen den blauen Planeten "hinterm Mond gleich links" und die dortige Zivilisation erforschen. Um unerkannte zu bleiben, nehmen die Vier menschliche Gestalt an und ziehen als Dick, Sally, Harry und Tommy Solomon in die Universitätsstadt Rutherford in Ohio. Dort gehen sie einer normalen Arbeit nach und versuchen, den Geheimnissen der menschlichen Gesellschaft auf den Grund zu kommen. Trotz ihrer übergroßen Intelligenz haben sie so ihre Schwierigkeit mit den Absurditäten der Gesellschaft und den Absonderlichkeiten des menschlichen Zusammenlebens. [Text: RTL]

 


Akt 1

 

Szene 1 – Auf dem Universitätsgelände, Nacht

Dick, Harry, Sally und Tommy Solomon, vier Außerirdische in Menschengestalt, sitzen in einem Cabrio und hören Radio.

Radio DJ: Ja, nach wie vor nehmen wir Anrufe zu UFO Erlebnissen entgegen. In der Leitung ist jetzt Jennifer, die sogar behauptet, Außerirdischen begegnet zu sein.

Jennifer: Stimmt, Gary, ich bin schon mehrfach in Raumschiffe Außerirdischer reingezogen worden. [Gary: Ach was!] Und ich sage Ihnen: Sie sind mitten unter uns!

Radio DJ: Wirklich? Aber was glauben Sie, wollen die von uns?

Jennifer: Also die wollen meine Eier, um damit ihre eigene Rasse von Außerirdischen zu züchten.

Radio DJ: Wahnsinn! Danke für Ihren Anruf! Hallo, jetzt sind Sie auf Sendung!

Mann: Ja, ich habe gerade vier Außerirdische in einem Wagen gesehen. Ich glaube, ein Oldtimer war's.

Radio DJ: Oh, heißer Schlitten!

Dick: [zu den anderen] Alles menschliche Gestalt angenommen? Hat jeder seine zehn Finger und elf Zehen?

Alle: [betrachten ihre Hände und Füße] Check!

Dick: Gut, schätze, wir sind da. Keine weiteren Probleme?

Harry: [steckt sich zwei Finger in die Nase] Ich habe 3 Löcher mitten im Gesicht.

Dick: Kann einer von euch den Kopf eigentlich ganz umdrehen?

Alle: Nein.

Dick: Aber wie leckt man sich dann am Rücken?

Tommy: Vielleicht so, wie die da drüben.

Im Nachbarauto sitzt ein Pärchen, das sich gerade küßt. Die Solomons beugen sich aus dem Wagen und starren hinüber.

Dick: Seht, dort. Lebewesen. Und sie reinigen einander gerade.

Sally: Guckt euch mal an! Nicht zu fassen, dass wir genauso aussehen wie die. [alle lachen] Schwitzt sonst noch jemand unter seinen Brüsten?

Alle gucken in ihr Hemd hinein.

Dick: Nein. Ich hab eigentlich gar keine.

Harry: Also, ich hab winzigkleine.

Sally: Zeig mal.

Das Pärchen im Nachbarauto knutscht so wild, das die Frau mit dem Fuß die Hupe betätigt und die Aufmerksamkeit der Außerirdischen wieder auf sich zieht.

Dick: Seht nur! Seht, da! Die Frau greift das Lenkrad mit den Füßen.

Frau: [wütend] Leute, sagt mal, habt ihr kein Zuhause?

Dick: Nein, haben wir nicht, aber besten Dank für den Hinweis.

Dick: Seht ihr? Sie hat uns als ''Leute'' bestimmt.

Harry: Hallo, Leute!

Die Außerirdischen freuen sich über dieses „Kompliment“. Dick startet den Motor und schaltet das Radio ein, wo gerade ein Lied gespielt wird.

Dick: Hört ihr? Das sind die Signale, die sie auch immer in den Weltraum ausstrahlen.

 

Dick: [voice over] Wir sind für diese Mission auf der Erde stationiert, einem drittklassigen Planeten. Ich bin als Dozent an einer drittklassigen Universität tätig, und jetzt sehen wir uns ein Apartment im dritten Stock an.

 

Szene 2 – Das Apartment
Mrs. Dubcek, die Vermieterin betritt das Apartment, gefolgt von den Außerirdischen.

Mrs. Dubcek: Kommen Sie. Immer reinspaziert. Das ist das Dachgeschoss, und deshalb etwas kleiner, aber es ist möbliert.

Dick: Uns gefällt es.

Harry: Ja, ist doch viel geräumiger als ein Auto.

Tommy: Genau, nehmen wir.

Mrs. Dubcek: Wissen Sie, in den 60ern, haben sich hier die Antiautoritären getroffen. Dieser Teppich hat weit mehr Hintern gesehen als jede Klobrille.

Harry steht neben Mrs. Dubcek und zupft an ihrem flauschigen Pullover herum.

Harry: Oh. Was ist denn das für 'n Zeug?

Mrs. Dubcek: Dieser Pulli ist aus Angora.

Harry: Wirklich fabelhaft! Sowas habe ich noch nie gesehen.

Auch Dick beginnt nun an Mrs. Dubcek herumzuzupfen. Harry küßt den Arm der Frau, was dieser sichtlich unangenehm ist. Auch Sally kommt hinzu und prüft die Qualität des Pullovers.

Mrs. Dubcek: Ja, ich mag die Farbe auch.

Harry: Ausgesprochen angenehm.

Mrs. Dubcek: [verwirrt] Ich hab das Gefühl, Sie sind nicht von hier, oder?

Harry: Ja nun, Mrs. Dubcek, ich könnte den ganzen Tag an Ihnen herummachen, aber die Zeit ist eben knapp. Bis dann also.

Mrs.Dubcek wird von Dick hinausgeführt.

Dick: Sally? Du wirst sie von jetzt an observieren. Ermittle, was Frauen auf diesem Planeten so tun.

Sally: Warum macht Harry das nicht?

Dick: Weil du nun mal die Frau bist.

Sally: [scharf] Das bringt mich auf eine gute Frage: Warum musste ich die Frau sein?

Dick: Weil du verloren hast.

Harry kommt mit geschlossenen Augenlidern aus der Küche, vorsichtig tastet er sich ins Wohnzimmer vor.

Harry: Dick! Ich kann gar nichts durch meine Augenlider sehen.

Sally: Dann mach sie auf!

Harry: Oh, das geht ja manuell.

 

 

Szene 3 – Dicks Büro
Tommy sitzt auf Dicks Schreibtisch und blättert in einem Buch. Dick kommt herein.

Dick: Schön, dass du hier bist. Hast du schon den Großrechner in der Bibliothek kopiert?

Tommy: Ich hab' mich etwas ablenken lassen.

Dick: Schon wieder? Was ist passiert?

Tommy: Weißt du, ich hab diese Frauen beim Volleyballspiel beobachtet, die da so alle rumhüpfen. Hopp, und runter, hopp, und runter, in diesen engen Shorts. Und einige schafften das nicht so hoch wie die anderen. Aber das ist auch ok, ich meine, es ist mehr als ok. Es ist wirklich voll toll, ich meine...

Dick: Was ist denn bloß mit dir los?

Tommy: Keine Ahnung.

Dick: Wir können uns ohne diese Informationen hier nicht absetzen. Verschaff' dir Zugang zum Rechner, geh' ins Datennetz, kopier' alles, und dann nichts wie nach Hause, sobald du damit fertig bist.

Tommy: Wieso sprichst du mit mir wie mit einem Kind?

Dick: Du bist ein Kind!

Tommy: Ich bin älter als du!

Dick: Schön, doch jetzt bin ich dein Vorgesetzter. Und auf diesem Planeten ist das ausschlaggebend.

Nina Campbell, die Sekretärin, kommt herein. Dick sitzt mittlerweile hinter seinem Schreibtisch.

Nina: Guten Morgen, Dr. Solomon.

Dick: Guten Tag, Nina.

Nina: Hier ist Ihre Post. Das hier ist nichts. Auch nichts. [wirft die Briefe in den Müll] Das ist etwas, aber da lässt sich nichts dran ändern. Das ist eine Einladung zu 'ner Party unseres Dekans. [wirft den Brief auf seinen Schreibtisch] Das ist nichts. [zu Tommy] Und wenn du nicht sofort aufhörst zu beglotzen, was immer du anglotzt, wird dir was abhanden kommen.

Dick: Tommy ist eigentlich gerade auf dem Weg in die Bibliothek, nicht wahr Tommy?

Tommy: Ja. Ich wollt' doch grad mal nachsehen, was das Wort ''Spanner'' bedeutet. [geht]

Dick: Er ist älter, als er aussieht.

Nina: Also ich muss hier noch einiges für Sie abheften.

Nina geht an seinem Schreibtisch vorbei zum Fenster und steht nun fast neben Dick. Der riecht an ihrem Pullover.

Dick: Was ist das? Sie sind das ja! Fabelhaft, wie Sie riechen!

Nina: Danke, man tut, was man kann.

Dick nimmt einen tiefen Zug von Ninas Geruch und atmet diesen dann durch die Nase in ein Reagenzglas, welches er verkorkt und beschriftet.

Nina: Ich hoffe, das war bloß Ihre Nase. Ist Ihre Frau gerade verreist?

Dick: [zögernd] Mrs. Solomon weilt nicht mehr unter uns. Sie ist... beim Wiedereintritt verglüht.

Nina: Ah ja. Ich hatte auch mal 'n Freund, der genauso stürmisch beim Wiedereintritt war. Der muss jetzt mit Krücken laufen.

Mary Albright, Professorin für Anthropologie, betritt das Büro, das sie mit Dick teilt.

Nina: Guten Morgen, Dr. Albright.

Mary: Guten Morgen, Nina.

Dick: Guten Morgen, Dr. Albright.

Mary: Nina, bitte richten Sie Dr. Solomon aus, dass er wieder auf meinem Parkplatz steht!

Nina: [zu Dick] Sie benutzen ihren Parkplatz.

Dick: Ich weiß, er war unbesetzt.

Mary: [zu Nina] Sagen Sie ihm, ich werde ihn abschleppen lassen.

Dick: [zu Nina] Sagen Sie ihr, ich habe die dafür erforderliche Anzahl Zehen. Ich bin kein Mann für eine Nacht.

Mary: [zu Dick] Das ist aber mein Parklplatz. Jetzt parke ich einen Kilometer entfernt.

Dick: Ach so, Sie haben ein Auto?

Mary: Nina, gehen Sie ins Chemielabor. Ich brauche einen Molotowcocktail. Schmeißen Sie ihn in Dr. Solomons Wagen und sprengen den in die Luft. [Nina geht; zu Dick] Und in Zukunft, ein für allemal: Ich habe 'nen roten Volvo.

Dick: Bitte, Dr. Albright! Wir haben uns doch gerade erst kennengelernt.

Mary: Dr. Solomon, wir sollten doch gut klarkommen. Ich bin ausgesprochen intelligent. Ihr Lebenslauf ist sehr beeindruckend.

Dick: Und ich bin High Commander!

Mary: Ich muss zugeben, dass mich bereits von Beginn an Ihr großes Wissen und Ihr Köpfchen fasziniert haben.

Dick: Oh, danke, aber fast hätte ich mich für etwas Kleineres entschieden.

Mary: Obwohl ihr Genius mich einerseits anzieht, dies ist ein ziemlich kleines Büro, und Sie benehmen sich andererseits wie ein Elefant im Porzellanladen.

Dick: Sie sind auch nicht von der Bettkante zu schubsen.

Mary: Nun reicht's aber. [geht zu ihrem Schreibtisch hinüber] Wer hat denn hier meine Dissertation aus meinem Schreibtisch genommen?

Dick: Oh, das war ich.

Mary: Mein Schreibtisch war abgeschlossen!

Dick: Was den Zugang unglaublich erschwerte. Das sollten Sie in Zukunft berücksichtigen.

Mary: Sie haben sie gelesen?

Dick: Gelesen? Ich habe sie verinnerlicht.

Mary: Ich meine, das-das sind ja nur ein paar Anstöße.

Dick: Ein paar brillante Anstöße.

Mary: [geschmeichelt] Finden Sie? Das ist ja ein ziemliches Kompliment von jemandem mit Ihren Referenzen. Wie schön, dass es Ihnen gefallen hat.

Dick: [nimmt ihr die Dissertation aus der Hand] Gefallen? Das ist das Witzigste, was ich je gelesen habe! Ihre Theorie über den Mann und seine animalischen Instinkte, die ist geradezu urkomisch! Nina sagt, Sie hätten gar keinen Humor. Da irrt sie sich aber gewaltig! Ihre Folgerungen, die Sie dabei ziehen, sind ausgesprochen zum Totlachen. [lacht]

Mary: [entreißt ihm die Arbeit] Ich verstehe! Dr. Solomon, Sie sind zu weit gegangen. Sie verunglimpfen meine Arbeit. Und Sie haben meine Gefühle verletzt! Ich finde Sie unmöglich!

Dick: Aber ich versteh' nicht...

Mary: Kein Wunder, Sie sind nur ein Mann!

Klemmt sich einige Akten unter den Arm, greift ihre Tasche und geht.

Dick: [ruft ihr hinterher] Ha, da liegen Sie aber falsch!

 

 

Szene 3 – Das Apartment
Harry, Sally und Mrs. Dubcek sind in der Küche. Sally steht am Tisch und knetet mit ihren Händen in einer Schüssel. Auf dem Tisch sind Eier, Gewürze und andere Lebensmittel abgestellt.

Harry: Na schön. Also, Fleischkäse besteht aus Brotkrumen, Gewürzen und Rindergehacktem?

Mrs. Dubcek: So ist es.

Harry: Und im Prinzip ist Rindergehacktes so was wie 'ne Kuh?

Mrs. Dubcek: Ja.

Harry: Brüllt die denn nicht, wenn man sie durch den Fleischwolf dreht?

Mrs. Dubcek: Ach was, die Viecher sind doch schon 'n paar Stunden tot.

Sally: [entsetzt] Ich hab 'ne tote Kuh an den Händen? [schmiert die Hände an Harry ab und läuft schreiend aus dem Raum] Nein, ich werde wahnsinnig!

Harry: Weiber! Du kannst nicht mit ihnen leben, und doch sind sieüberall.

SCHNITT: Die Universität
Dick ist im Klassenzimmer und hält seine Vorlesung. Er steht an der Tafel und schreibt Formeln an.

Dick: Also ist P immer eine gerade Zahl. Das heißt eben: P ist gleich 2S, wobei S dann wiederum eine andere gerade Zahl ist. Ersetzen wir mal P, ergibt P hoch zwei 2S hoch zwei, was wiederum 4S hoch zwei ist, was damit 2Q im Quadrat macht. Und das wäre dann? [dreht sich zu den Studenten um] Na, wer weiß es? Weiß es jemand? Ok, es scheint, dass ich vielleicht ein klein bißchen zu schnell vorgehe. Also vereinfachen wir's: Wie weit ist Cleveland entfernt?

Pitman: 52 Meilen.

Dick: Vielleicht jemand mit 'ner anderen Antwort?

Pitman: Eine Autostunde.

Dick: Cleveland ist eine Autostunde entfernt. Noch eine weitere Antwort?

Bug: Ein neun Dollar Busticket.

Dick: Cleveland ist neun Dollar entfernt!

Bug: Oder 'n schwerer Kriminalfall, weil der Staatsgerichtshof dort ist.

Dick: Ja! Cleveland ist einen schweren Kriminalfall weit entfernt! Noch jemand? Ja, Leon? Los Leon, raus mit der Sprache!

Leon: Nein, ich möchte lieber nicht. Ich hatte da so 'ne Idee, aber die war falsch.

Dick: Hören Sie Leon, natürlich ist sie falsch. Es spricht doch alles dafür, dass Sie vollkommen im Unrecht sind! Sie haben nur einen großen Vorteil: Sie wissen das Ergebnis! Sie werden in jedem Fall Unrecht haben. Nur keine Furcht, lassen Sie Ihrer Unvollkommenheit freien Lauf! Also, Leon, wie weit entfernt ist Cleveland?

Leon: Cleveland ist eine Ewigkeit entfernt, und zwar, wenn Ihr Herz dort ist.

Dick: Leon, das ist derart provokativ. [geht wieder zur Tafel und schreibt] Wenn Cleveland gleich P ist und die Ewigkeit gleich Q, verändern wir den Logarithmus des Herzens, wobei das Herz eine Unbekannte ist, [dreht sich wieder zu den Studenten um] und stellen fest, dass wir für immer in... Cleveland sind! Nein, tut mir Leid, Leon, das ist falsch! Ja, Caryn?

Caryn: Dr. Solomon, ich denke, Leon wollte damit sagen, dass man das Gefühl hat, Cleveland wäre 'ne Ewigkeit entfernt.

Dick: Oh, es ist ein Gefühl, ja? Nein, ich weiß alles über diese Gefühle. Alles ist gerade wunderbar und herrlich, und dann hat jemand so ein-ein Gefühl und kabumm! Ganz plötzlich mag einen niemand mehr. Ich denke, wir können auf Gefühle verzichten. Wer stimmt mir zu? Ihre Note hängt davon ab! [alle heben den Arm]

Pitman: Dr. Solomon? Ich hoffe, das ist nicht zu nachteilig für meine Note, aber ich finde das nicht.

Dick: So?

Pitman: Ohne Gefühle geht's einfach nicht. Gefühle sind der Kern jeder menschlichen Erfahrung.

Dick: Der Kern jeder menschlichen Erfahrung? Natürlich, darauf bin ich nie gekommen! [es klingelt] Also, morgen schreiben Sie mir bitte mal allesamt etwas auf über Gefühle! Und beschreiben Sie, was für ein Gefühl es ist, nur zehn Prozent seines Gehirns zu benutzen.

Die Studenten stürmen hinaus. Nina kommt mit einigen Akten unter dem Arm herein.

Nina: Nanu, es sind ja alle noch wach gewesen.

Dick: Nina, wo ist Dr. Albright? Ich muss mit ihr reden!

Nina: Sie ist heute den Tag über weg. Aber sie wird heute Abend auf der Party des Dekans sein.

Dick: Gut, Dekan Sumners Party. Sagen Sie ihm, dass ich auch komme!

Nina: Oh, ich schmeiße alles hin und erledige das sofort!

Dick: Ich weiß aber nicht, wie ich da hinkomme.

Nina: Klinken Sie sich bei mir ein.

Dick: Schadet das nicht Ihrem Rücken?

Nina: Ich komme zufällig mit dem Wagen.

Dick: Dann ist es gut. Und hupen Sie, wenn Sie kommen. Ich liebe diesen Autohupensound!

Nina: Sagen Sie mal, Sie kommen wohl vom Mars?

Dick: [herablassend] Mars? Nein!

Dick verlässt lachend den Raum und lässt eine verdutzte Nina zurück.

 

 

Akt 2

 

Szene 4 – Die Cafeteria der Universität

Tommy sitzt an einem Tisch und beobachtet eine Volleyballspielerin, die gerade hereinkommt. Er steht auf und folgt ihr, um ein Gespräch zu beginnen.

Tommy: Hallo.

Mädchen: Hallo.

Tommy: Du bist im Volleyballteam, nicht wahr?

Mädchen: Ja, stimmt.

Tommy: Ich hab' dich heute Nachmittag da rumhüpfen sehen, immer rauf und runter. Klasse! Du bist wirklich gut.

Mädchen: Danke. Wir haben gewonnen.

Tommy: Ach... das ist also ein Spiel? Wie dem auch sei, ich heiße...

Dick kommt herein und reißt Tommy von dem Mädchen weg.

Dick: Kann ich dich mal sprechen?

Tommy: Hey, was soll das, man?

Dick: Darf ich dich vielleicht erinnern, dass uns nicht gestattet ist, in das Leben der Bewohner dieses Planeten einzugreifen.

Tommy: Ja, aber von einigen wird das geradezu herausgefordert.

Dick: Reiß dich zusammen! Ich verlängere unsere Mission um einen Abend.

Tommy: Wieso das?

Dick: Ich habe Fachbereichsverpflichtungen.

Tommy: [flehend] Dick, tu mir das bloß nicht an! Ich kann nicht mehr schlafen, bin von der Rolle! Du bist übrigens gar nicht berechtigt, den Plan abzuändern.

Dick: Selbstverständlich kann ich das. Ich habe Befehlsgewalt.

Tommy: [wütend] Ja, nur, ich bin voll in der Pubertät.

Dick: Also, das interessiert mich nicht. So schlimm wird's nicht sein.

Tommy: Ich könnte jeden Augenblick explodieren!

Dick: Sag mal, übertreibst du da nicht ein bisschen?

Tommy: Nein! Hier, machen wir mal etwas Gedankenaustausch.

Dick: Also bitte!

Tommy: Komm schon los, lass uns mal austauschen.

Sie stehen sich gegenüber und neigen die Köpfe. Einen kurzen moment herrscht Stille.

Dick: [entsetzt] Oh, hör mal, das ist ja widerlich! So etwas denkst du also?

Tommy: Ununterbrochen.

Dick: Wir müssen dich hier möglichst bald rausschaffen.

 

 

 

Szene 5 – Das Apartment
Im Wohnzimmer. Harry sitzt in einem Sessel, Dick packt eine Kiste mit verschiedenen Sachen. Tommy kommt mit zwei Koffern in der Hand hinzu.

Tommy: Dick, was machst du da?

Dick: Wieder auspacken. Ich hab's mir anders überlegt. Wir bleiben etwas länger.

Tommy: Das bringt mich um!

Dick will gerade eine Taschenlampe einpacken, als Harry aus seinem Sessel aufspringt.

Harry: Halt, halt, halt! Warte, warte, warte! Das gehört mir! Bitte Vorsicht, das ist... ziemlich wertvoll.

Dick: Also ich verspüre den Drang, es zu halten.

Harry: Das ist auch ganz genau das, was man damit macht.

Dick: Darf ich? [nimmt die Taschenlampe]

Harry: Bitte.

Dick: Ich finde das ausgesprochen befriedigend. Es gefällt mir.

Harry: Ich weiß.

Dick: Ich frage mich, was Dr. Albright in diesem Moment tut?

Harry: Nun ist aber Schluss! Gib her! Na komm schon. Brechen wir den Versuch lieber ab.

Sally kommt hinzu.

Sally: Ach, ich bin so froh, endlich diesen Körper loszuwerden! [zu Dick] Was machst du da?

Dick: Ich packe wieder aus.

Tommy: Der Commander beabsichtigt länger zu bleiben, also...

Sally: Weshalb denn?

Dick: Nun, weil wir jetzt noch nicht gehen können. Ist euch bewusst, dass unser Körper imstande ist Gefühle zu kriegen? Ich hab' heute nachmittag von Dr. Albright schon 'ne Portion abbekommen.

Sally: Wirklich?

Dick: Ja. Und ich geh auf eine Party, um mir ein bisschen mehr davon zu holen.

Sally: Also, Dick, nein!

Dick: Es wäre ein Verbrechen, wissenschaftlich gesehen, nicht auch mit uns selbst zu experimentieren.

Sally: Ja, aber wieso können wir diese Experimente nicht hier bei uns zu Hause praktizieren? Ich meine, was kann die, was ich nicht kann?

Tommy: Lieutenant? [Sally: Was?] Ich bitte um Sprecherlaubnis!

Sally: Erlaubnis erteilt!

Tommy: Sir, würden Sie mal für uns hüpfen?

Harry: Oh ja, und auch mal beide Hände ganz nach hinten tun, so, ja? [verschränkt die Arme im Nacken]

Sally: Nein, das mach ich nicht.

Dick: Bitte, nur aus wissenschaftlichen Gründen!

Die drei Männer haben sich hingesetzt und starren Sally an.

Sally: Nein, ich meine nicht, dass ich mich verweigere, aber ich weiß nicht recht, wie wir nach einem derartigen Experiment weiter ungezwungen zusammenarbeiten sollen.

Dick: Nun gib deinem Herzen mal einen Stoß!

Sally: Also, nicht im Traum!

Tommy: Den habe ich jede Nacht!

Sally: Ein für allemal, nein!

Dick: Gut, wie du willst. Dann bleibt mir keine Wahl, als auf dieser Party zu experimentieren.

Dick geht in die Küche, Sally folgt ihm.

Sally: Dick, mit Frauen gibt's nur Scherereien. Ich sollte das wissen, ich bin seit zwei Wochen eine!

Dick: Ich weiß. Was mich auf etwas anderes bringt: Ich befehle dir, rasier' dich unter den Armen!

Sally: Warum nicht? [weinerlich] Es tut mir Leid, dass du mich so abstoßend findest.

Dick: [im Befehlston] Verdammt, nun reißen Sie sich mal zusammen, Mann! Wir wollen ausgehen!

Sally: Ok! Schon gut! Ich brauch' 'n Stündchen.

Dick: Eine Stunde?

Sally: Ja, um diese Dinger [zeigt auf ihre Brüste] instand zu setzen. Für die Party!

Sally verlässt die Küche, Dick starrt ihr verwirrt hinterher.

 

 

Szene 6 – Die Party des Dekans
Familie Solomon klingelt an der Haustür. Die Frau des Dekans öffnet.

Mrs. Sumner: Dr. Solomon, wie schön, Sie zu sehen!

Dick: Guten Abend, Mrs. Sumner.

Mrs. Sumner: Möchten Sie nicht reinkommen?

Sally: Wenn Sie mal Platz machen!

Dick: Bitte nehmen Sie das nicht persönlich, Sally stammt nicht von hier.

Harry: Oh, toll, wie all die ganzen Wände aufgestellt sind!

Mrs. Sumner: Ach, finden Sie? [zu Dick] Darf ich Ihnen den Mantel abnehmen?

Dick: Ja, wenn ich meine Hose anbehalten darf.

Mrs. Sumner nimmt Dick den Mantel ab und Dick mischt sich unter die Besucher. Harry und Sally stehen derweil am Büffet und bedienen sich. Harry hält immer wieder etwas zu essen hoch, um es Sally zu zeigen.

Sally: Harry, ich wollte dich bitten, dieses Albright-Experiment im Auge zu behalten

Harry: Ja, gern. Was ist das hier?

Sally: Krebse. Ich finde ja, Dick gefährdet die ganze Mission.

Harry: Genau. Und das hier?

Sally: Ungeborene Hühner. Ich beginne allmählich an seinen Führungsqualitäten zu zweifeln, verstehst du?

Harry: Ja, unglaublich! Und das hier?

Sally: Cocktailwürstchen.

Harry: Cocktailwürstchen. Richtig. Die hab ich doch schon irgendwo gesehen, aber viel größer.

Sally geht von Harry, der ihr doch nicht zuhören will, zu Nina hinüber.

Sally: Nina, nicht wahr?

Nina: Oh, guten Tag, Sally. Nettes Kleidchen.

Sally: Danke. Hab ich mir mal schnell übergeworfen.

Nina: Ach ja? Ging wohl knapp daneben.

Nina geht. Dr. Albright kommt zur Tür herein und wird gleich von Dick begrüßt.

Dick: Hallo. So, da bin ich!

Mary: Ja, da sind Sie.

Dick: Dr. Albright, ich habe mal über uns nachgedacht.

Mary: Ich nicht.

Dick: Ich möcht's gern noch mal versuchen. Ich-ich möchte unbedingt etwas fühlen. Und noch mehr möchte ich einmal gefühlt werden. Ich würde wirklich sonst was drum geben.

Mary: Also, machen Sie 'ne Fliege!

Mary geht, Dick läuft ihr hinterher.

Dick: Oh nein. Ich-ich-ich habe mich wahrscheinlich falsch verhalten. Ich-ich meine, diese Gefü... Das ist völlig neu für mich. Ich-ich, sehen Sie... es hat mich total übermannt. Und-und ich versuche, es zu identifizieren.

Mary: Immer mal kratzen, vielleicht geht's dann weg.

Dick: Nein, ich will aber bloß, dass es noch angenehmer wird.

Mary: Das könnten Sie schaffen, indem Sie sagen, dass es Ihnen Leid tut.

Dick: Na schön, es tut mir Leid.

Mary: Sie könnten es ruhig ernsthafter sagen.

Dick: Selbstverständlich! [ergreift ihr Hände] Dr. Albright, es tut mir wirklich Leid.

Mary: Gut, vielen Dank.

Dick: Oh Mann, war das toll! Das müssen wir gleich noch mal tun. [ergreift erneut ihre Hände] Dr. Albright, es tut mir wirklich Leid.

Dick fängt an zu stöhnen, Dr. Albright entreißt ihm ihre Hände und flüchtet. Dick folgt ihr.

Mary: Lassen Sie mich in Ruhe, Sie...

Dick: Warum? Aber was hab' ich denn falsch gemacht?

Mary: Hauen Sie ab!

Dick: Ich versteh' das nicht!

SCHNITT: Das Badezimmer der Sumners
Sally steht vor dem Spiegel und betrachtet ihre Brüste. Der Duschvorhang ist zugezogen, Mary kommt hereingestürmt, gefolgt von Dick.

Sally: [zu Dick] Hey, was meinst du? Sie wirken kraftvoller, wenn Sie zusammenstoßen! Damit werd' ich doch nicht falsch liegen?

Dick: Sally, würdest du vielleicht einen Moment so freundlich sein? [öffnet die Tür]

Sally: [zu ihren Brüsten] Kommt, Mädels, dann also Abmarsch.[geht]

Mary: Was wollen Sie überhaupt?

Dick: Dr. Albright! Ich mache Ihnen ein wissenschaftliches Angebot. Ich habe irgendwo an meinem Körper einen 100 Dollarschein versteckt. Der gehört Ihnen, so Sie ihn finden.

Mary: Sie sind wirklich unglaublich.

Dick: Noch ein winziger Hinweis. Er ist in keiner meiner Taschen. [flehend] Wollen Sie's nicht mal versuchen?

Mary: Ich weiß. Sie sind hinter mir her.

Dick: Ich versteh' nicht, was Sie damit meinen.

Mary: Schon gut, es untermauert meine These des ursprünglichen animalischen Triebes. Wir haben alle etwas Animalisches. Und manche sind eben dem Dschungel etwas näher als andere. Ich habe beobachtet, wie Sie sich vor dem Büro noch fein gemacht haben. Ich muss gestehen, ich mag das. [während sie das sagte, holte sie einen Lippenstift aus der Tasche und zog sich die Lippen nach]

Dick: Sagen Sie, haben Sie mit Ihrem Mund heute Abend etwas ganz Bestimmtes vor, weil Sie ihn... so hübsch rot angemalt haben?

Mary: Das passiert mir immer wieder. Dr. Erdmann ist auf mich geflogen, Dr. Wallach, Dr. Zucker, Dr. Thomas. Ja, und dieser Typ aus Cornell, der nur 'ne Woche hier war. Och, 'ne verrückte Sache.

Dick: Ach, entschuldigen Sie bitte. Ich verspüre plötzlich den Drang, Sie zu reinigen.

Er nimmt ihren Kopf in beide Hände und küßt sie leidenschaftlich. Als er losläßt gibt ihm Mary eine schallende Ohrfeige und küßt ihn dann erneut. Dann gibt Dick ihr eine Ohrfeige, die Mary umgehend erwidert. Nachdem Dick ihr erneut eine Ohrfeige verpaßt hat, bleiben beide nach Luft ringend stehen. Hinter dem geschlossenen Duschvorhang ist plötzlich Wasserrauschen zu hören. Dick zieht den Vorhang beiseite und sieht Harry, der mit der Taschenlampe in der Hand und mit seiner Winterjacke unter der Dusche steht.

Harry: Ah, Dr. Albright. Ich habe gerade an Sie gedacht.

SCHNITT: Das Wohnzimmer des Dekans
Die Gäste verabschieden sich. Sally und Harry gehen, gefolgt von Dick hinaus.

Harry: [zu Mrs. Sumner; hält ein Glas Würstchen in der Hand] Ach, danke für die Würstchen.

Mrs. Sumner: Oh, gute Nacht, Dr. Solomon. Danke, dass Sie's möglich gemacht haben.

Dick: Gute Nacht.

Mrs. Sumner küßt ihn auf die Wange, woraufhin sich Dick bei ihr mit einer Ohrfeige revanchiert.

 

Szene 7 – Auf dem Universitätsgelände, Nacht

Dick, Harry, Sally und Tommy sitzen im Cabrio und hören Musik.

Dick: Ach, war das ein fantastischer Abend! Also ich hab mich toll amüsiert! Ihr auch?

Sally: [gelangweilt] Von mir aus.

Dick: Ich muss sagen, das ist der unglaublichste Ort, an dem wir je waren. Die Bewohner sind so... komplex! Ich-ich-ich liebe sie! Ich... Ach, sie sind einfach wundervoll.

Tommy: Du hast sie wohl ausprobiert, ja?

Dick: Optisch abgetastet vielleicht. Ich finde, wir haben die Lebensformen auf diesem Planeten etwas unterschätzt. Die Menschen haben unglaublichen Mut. Sie sausen hier auf einem erkalteten Felsbrocken mit 100.000 km/h Geschwindigkeit durch den Weltraum, und das Einzige, was verhindert, dass sie aus ihren Schuhen fliegen, ist... ihr unbegründeter Glaube an die Schwerkraft. Ich bin froh, dass ich noch hier bleiben kann. Ich möchte erforschen, was sie sonst noch alles wissen. Was die Menschen so glücklich macht. Wie sie ihre Jungen aufziehen. Was beim Sterben passiert. Und warum nennen sie sich wohl selbst ''das Menschengeschlecht''? Denn schließlich gibt es hier zwei Geschlechter.

Harry: Da, seht nur, eine Sternschnuppe.

Dick: Ah. Ich glaube, das hier wird unsere tollste Mission.

Sally: Er ist wohl beim Probieren auf den Geschmack gekommen.

 

---=== ENDE ===---