Hinterm Mond gleich links: Transkript der Folge "Ein verschnupfter Hochzeitsgast" [#1.02]

Transkript der Folge "Ein verschnupfter Hochzeitsgast" [#1.02]

Deutsches Transkript erstellt von MG

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
 

 

 

Originaltitel: Post Nasal Dick
Ausstrahlung: 16.01.1996
Deutscher Titel: Ein verschnupfter Hochzeitsgast
Ausstrahlung: 14.09.1996
Buch: Michael Glouberman, Andrew Orenstein
Regie: Robert Berlinger

Darsteller

John Lithgow (Dick Solomon)
Kristen Johnston (Sally Solomon)
French Stewart (Harry Solomon)
Joseph Gordon Levitt (Tommy Solomon)
Jane Curtin (Mary Albright)
Simbi Khali (Nina Campbell)

 

Gastdarsteller

 

 

Marla Sokoloff (Dina)
Martha Stewart (sich selbst)

 

 

Inhaltsangabe
Tommy ist voll und ganz mit seinen Pubertäts-Problemen beschäftigt. Nach ersten Kontakten mit dem weiblichen Geschlecht und einer wilden Knutscherei hat er sich seinen ersten Schnupfen eingefangen. Natürlich steckt er die ganze Familie an und stürzt die anderen Angehörigen damit in eine tiefe Lebenskrise. Denn da den Außerirdischen das Phänomen Krankheit vollkommen unbekannt ist, sind sie davon überzeugt, dass sie sterben müssen. Trotzdem begleitet Dick seine Kollegin Dr. Albright zu einer Hochzeitsfeier, auf der sein exzentrisches Benehmen großes Aufsehen erregt. Als Dr. Albright erkennt, in welch schlechtem Gesundheitszustand sich Dick befindet, bringt sie ihn schleunigst zu sich nach Hause. Dick glaubt, dass er die Nacht nicht überleben wird und gesteht seiner Kollegin, dass er von einem anderen Stern kommt und sich in sie verliebt hat... [Text: RTL]

 


Erzähler: Viele intelligente Leute wissen, dass die Außerirdischen unter uns sind. Dies ist die Geschichte einer Gruppe von vier solchen Forschungsreisenden. Um unbemerkt zu bleiben, haben sie Menschengestalt angenommen.
[Dick wird eingeblendet] Das hier der High Commander, der ein elitäres Expertenteam um sich geschart hat: [Sally wird eingeblendet] Einen hochdekorierten Armeeoffizier, [Tommy wird eingeblendet]einen langerfahrenen Informationsspezialisten und... [Harry wird eingeblendet] nun ja, es war eben noch ein Platz frei.
Die Erde ist ein recht primitiver Planet, der für seine Umweltverschmutzung, die Verschwendung seiner Naturschätze und für gewalttätige Auseinandersetzungen bekannt ist. Aber Mann, ihr müsst unbedingt die Gummibärchen probieren!

 

 

VORSPANN

 

Akt 1

 

Szene 1 – Die Dachwohnung

Dick sitzt im Sessel und liest laut in dem Buch „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von Stephen Hawking. Sally sitzt am Schreibtisch und Harry auf dem Couchtisch. Harry öffnet einen Briefumschlag.

Dick: Aufgeladene Partikel, die zwischen Materiepartikeln ausgetauscht werden, bezeichnet man als virtuelle Partikel, weil sie im Gegensatz zu richtigen Partikeln nicht von einem Materiedetektor gemessen werden können! Hm. Diese Planetenbewohner lassen sich wirklich alles aufbinden.

Alle drei lachen.

Harry: Oh, wie schön, endlich meine Bilder von der „Für Jeden Etwas“-Show. Oh, mein besonderer Liebling: Martha Stewart!

Sally: Etwa mit Autogramm?

Harry: Nein, aber unterzeichnet. Sie sieht wirklich zum Fressen aus. [er zerknüllt das Foto und stopft es sich in den Mund]

Tommy kommt gut gelaunt die Treppe herauf und setzt sich neben Dick in einen Sessel.

Dick: Na, wie war's heute in der Schule?

Tommy: So gut wie noch nie! Ich hatte nämlich meine erste Rumknutscherei.

Dick: Oh, wie schön für dich.

Tommy: Und zwar mit Dina, meiner Laborpartnerin.

Sally: Dina, die mit den großen...

Tommy: Genau die!

Dick: Also, nun erzähl mal alles, aber ganz detailliert.

Tommy: Ich war anfänglich noch im Zweifel, und zwar weil wir von ausgesprochen unterschiedlicher Herkunft sind. Ich bin 'n Außerirdischer, sie eine Presbyterianerin. Ich habe einen hochentwickelten Verstand und sie verfügt über diesen... großen Schmollmund. Ich sag' dir Dick, das war 'ne schwere Entscheidung!

Sally: Was gab den Ausschlag?

Tommy: Sie ließ mich ran!

Dick: Ja, aber was passierte dann?

Tommy: Ich weiß nicht, was über mich gekommen ist, aber sie waren so prall und rund und wunderschön... dass ich sie einfach anfassen musste.

Dick: Und w-w-w-was dann?

Tommy: Sie schrie bloß: „Au, meine Augen!“ Das hat im Grunde alles vermiest.

Dick: Verdammt!

 

 

Szene 2– Dicks Büro in der Universität

Dick sitzt am Schreibtisch und liest laut in dem Buch „Eine Geschichte zweier Städte“ von Charles Dickens. Neben ihm liegt ein Stapel weiterer Bücher. Mary Albright sitzt an ihrem Schreibtisch und telefoniert. Nina sortiert einige Dokumente.

Dick: Es war die beste Zeit und die schlimmste Zeit.“ Ich lese auf keinen Fall 387 Seiten, wenn er sich nicht mal beim ersten Satz entscheiden kann! [legt das Buch beiseite und nimmt das nächste vom Stapel]

Mary: [am Telefon] Großartig. Wundervoll. Danke für die Durchsage. [legt auf]

Nina: Was ist passiert?

Mary: Mein Begleiter für die Hochzeit morgen hat in letzter Sekunde abgesagt. Sein Bruder wäre aus dem Koma erwacht.

Dick: Hochzeitsfeier?

Mary: Ja, mit großem Empfang.

Dick: Ein Ritual?

Mary: Ganz nach Urväter-Art: Tränen und Tanz.

Dick: Und das Weibchen verschlingt das Männchen gleich nach der Zeremonie?

Mary: Nein, das ist ein Prozess, der jahrelang dauert.

Dick: Nina, sind Sie verheiratet?

Nina: Nein.

Dick: Wieso nicht? Was haben Sie falsch gemacht?

Nina: Sie hören sich genauso an wie meine Mutter.

Dick: Das muss ziemlich irritierend für Sie sein.

Nina verläßt den Raum und schlägt die Tür geräuschvoll hinter sich zu.

Mary: Oh, hätte ich doch nur nicht „PS“ noch zugesagt. Ich gehe nicht gern ohne Begleitung.

Dick: Ich würde gerne mit Ihnen zu der Hochzeit gehen.

Mary: So? Das kann ich nicht von Ihnen verlangen, das ist zu kurzfristig.

Dick: Das macht mir nichts.

Mary: Zwei Stunden Fahrt.

Dick: Oh, ich bezahle das Benzin.

Mary: Sie müssen einen Anzug tragen.

Dick: Ich trag' doch einen.

Mary: Eleganten Anzug.

Dick: Dann besorg' ich einen. Sie suchen ihn für mich aus. Ich mache alles, was Sie wollen.

Mary: Sie zwingen mich förmlich, es zu sagen.

Dick: Was?

Mary: Ich meine, nicht, dass Sie nicht auch ausgesprochen charmant sind, also auf gewisse Weise, es ist nur so, dass Sie in den meisten Fällen einen ausgesprochen bleibenden Eindruck gemacht haben.

Dick: Wieso nicht? Ich bin High Commander!

Mary: Das ist genau das, was ich damit gemeint habe.

Dick: Ich verspreche Ihnen, ich werde mich vorbildlich verhalten!

Mary: Sie bringen keinen von Ihrer Familie mit?

Dick: Nur mich!

Mary: Na schön. Sie können kommen.

Dick will den Raum verlassen, dreht sich in der Tür aber nochmals um.

Dick: Großartig! Meine erste Hochzeit, ich kann's kaum erwarten! Bitte ziehen Sie etwas an, was den Spalt zwischen Ihren Brüsten betont.

ÜBERBLENDE: Das Apartment
Sally beugt sich mit einer Dose Ungezieferspray in der Hand über Tommy, der den Mund weit geöffnet hat. Harry steht daneben. Dick kommt aus dem Nebenraum und trägt in beiden Händen ein Hemd auf einem Kleiderbügel.

Sally: Ich weiß nicht, was die Schwester in der Schule gemeint hat? Da krabbelt doch kein Bazillus.

Tommy: Keine Ahnung. Sie meinte, ich hätte es möglicherweise von Dina, aber ich kapier nicht, wie die Biester rübergeschwommen sein sollen, nur so beim Küssen.

Dick: Ganz interessant, mein Kehlkopf juckt dauernd.

Harry: Meiner auch! Und da habe ich versucht, mich mit einem Stock drin zu kratzen, aber das hat mir dann nur lauter zusätzliche Probleme eingebracht.

Dick: Ok, Sally! Dieses Hemd, Krawatte und Socken? Oder dieses Hemd, Krawatte und Socken?

Sally: Sag mal, hast du sie nicht mehr alle?

Dick: Tut mir Leid, aber Mary erwartet, dass ich bei der Hochzeit 'ne gute Figur mache.

Sally: Was hast du denn vor mit dieser Blondine?

Dick: Gar nichts! Das ist reinste Forschungsarbeit. [scharf] Aber sie als Blondine zu bezeichnen, ist unrichtig! [verträumt] Ihr Haar ist mehr wie Honig. Mit flachsähnlichen Strähnen und einem Schimmer von Gold, der ganz verspieltüber sie hinwegtanzt, wie ein Heiligenschein. Sie ist also nicht blond!

Sally: Verzeihung! Wahrscheinlich hab' ich sie nicht durch deine Liebesbrille gesehen.

Dick: Nein, nein, ich liebe sie nicht. Sieh mal, das ist eine fabelhafte Möglichkeit, eine Hochzeit zu beobachten! Es gibt dabei manches, was wir nicht verstehen.

Tommy: Zum Beispiel?

Dick: Nun, das ist wirklich ein faszinierendes Ritual Die Zeremonie beginnt damit, dass die Braut einfach weggegeben wird.

Sally: Entschuldige mal, weggegeben? Wie ein Gegenstand? Zu jeder großen Portion Pommes 'n Mädchen gratis?

Tommy: Moment mal. „Mädchen gratis“? Darf ich auch mal?

Harry: Vielleicht ich? Eine große Pommes?

Dick: Nein, tut mir Leid, Dr. Albright hat bereits unter „PS“ zugesagt.

Harry: Du wolltest doch in meiner Gegenwart nicht mehr buchstabieren!

Plötzlich muß Sally laut niesen. Dick, Harry und Tommy springen entsetzt auf.

Sally: Mann!

Dick: Was war das?

Sally: Keine Ahnung, aber ich mach's gern noch mal.

Sally muß erneut niesen, die Männer gehen wieder in Deckung. Sally lehnt sich aufreizend an einen Balken und stöhnt ergriffen. Nun muß auch Harry niesen

Harry: Oh...

Sally: War es für dich auch so schön wie für mich?

 

 

Szene 3 – Dicks Büro in der Universität

Dick sitzt sitzt frierend und erkältet an seinem Schreibtisch. Nina kommt herein.

Nina: Guten Morgen, Dr. Solomon.

Dick: Guten Morgen, Nina. Ich habe heute Morgen gewisse Schluckbeschwerden. Wissen Sie, ob es noch einen anderen Eingang zum Magen gibt, Nina?

Nina: Sind Sie etwa krank?

Dick: Ja, und der Reiz des Neuen daran lässt schon ziemlich nach.

Nina: So, Sie sind krank und verpesten mir die Luft!

Stellt eine Packung Kleenex-Tücher im Spender vor ihn auf den Schreibtisch.

Dick: Gehört die Luft Ihnen allein?

Nina: Ich mach Ihnen mal 'n Tee.

Dick: Was ist das? [nimmt ein Kleenex, dann noch eins und noch eins] Das ist fantastisch!

Nina: Sie sind krank und sollten lieber ins Bett.

Dick: Aber das ist meine erste Verabredung mit Dr. Albright.

Nina: Dr. Solomon, ich glaube schon, dass sie das versteht.

Dick: Oh Nina, bitte. Das ist ja so wichtig für mich! Versprechen Sie mir, dass Sie Dr. Albright nichts davon sagen, dass ich etwas krank bin! [muß laut niesen]

Nina: Ich werd's ihr nicht verraten!

Nina geht, während sich Dick die Nase putzt. Mary Albright kommt herein. Dick springt schnell auf, damit sie von seiner Erkrankung nichts mitbekommt.

Mary: Guten Morgen!

Dick: Guten Morgen, Dr. Albright! Mir geht's fantastisch, danke.

Mary: Sehr Gut! Ich freue mich schon auf heute Abend. Sie auch?

Dick: Na, selbstverständlich!

Mary: Es wird bestimmt lustig. Am besten holen Sie mich gegen 19 Uhr ab.

Dick: 19 Uhr, auf die Minute.

Mary: Vielleicht doch lieber um 18.30 Uhr, falls wir keinen Parkplatz finden.

Dick: Sie möglicherweise, aber ich bin ein guter Finder.

Mary: Oh, ich komme zu spät zum Unterricht. [Dick schwitzt so, dass er scih mit einer Coladose über das Gesicht reibt] Dann bis heute Abend.

Dick: Kann's kaum erwarten!

Als Mary das Büro verlassen hat, bricht Dick ermattet auf ihrem Schreibtisch zusammen.

 

 

Szene 3 – Die Dachwohnung

Tommy, Harry und Sally sitzen in Decken gehüllt im Wohnzimmer.

Sally: Oh, mein Schädel dröhnt vielleicht.

Tommy: Meiner auch.

Harry: Meiner noch mehr.

Sally: Und ich hab' Rückenschmerzen, sag' ich euch!

Tommy: So wie ich!

Harry: Meiner bringt mich um!

Sally: Mein Busen fühlt sich an wie zwei dampfend heiße Töpfe Chili!

Harry: Hat sie gewonnen?

Sally: [zu Tommy] Das ist alles nur deine Schuld! Du hast uns diesen fremden Bazillus ins Haus geschleppt!

Harry: Hey! Ich hab' aber genauso das Recht in diesem Haus zu sein wie der Bazillus oder sonst jemand.

Dick kommt aus dem Nachbarraum und will zur Hochzeitsfeier gehen. Er trägt zwar ein Jackett, aber keine Hose!

Dick: [geht die Treppe hinunter] Also, bis dann! [kommt zurück] Ich habe ja meine Hose vergessen. Jetzt begreife ich, warum die Fusselrolle nicht funktioniert hat.

Sally: Dick, du bist doch offensichtlich viel zu krank, um wegzugehen! Du solltest zu Hause bleiben und den Körperflüssigkeiten freien Lauf lassen.

Dick: Ach, Unsinn, ich fühl mich mopsfidel!

Tommy: Dick, ich finde Sally hat Recht. Erhol' dich zu Hause.

Dick: Nein! Helft mir lieber, meine Hose anzuziehen! Macht euch um mich keine Sorgen. Ich habe noch niemals vor einzelligen Gen-Organismen kapituliert. Die sind zwar hartnäckig, aber ziemlich dumm. Ich bin der High Commander! Und ich lasse nicht zu, dass mich so etwas schafft.

Tommy und Harry helfen Dick mit der Hose.

Sally: Ok, meinetwegen. Wenn du nicht auf mich hören willst, dann nimm doch wenigstens von diesem Hustensaft. [hält ihm eine Flache entgegen]

Dick: Nein, ich brauch' so was nicht.

Sally: Dick, sei vernünftig, das mußt du! Denn die Apothekerin sagte, sonst müssten wir dein Zimmer mit einem Zerstäuber voll dampfen.

Dick: Nein!

Dick nimmt die Flasche, öffnet sie und trinkt einen großen Schluck. Plötzlich beginnt er zu schreien.

Sally: Ist das so schlimm?

Dick: Nein! Harry hat nur grad' den Reißverschluss zugemacht!

 

 

Akt 2

Szene 4 – Die Hochzeitsfeier

In der Kirche. Das Hochzeitspaar steht am Altar, Dick und Mary sitzen in einer Kirchenbank, umgeben von anderen Gästen. Da Dick immer noch krank ist, nimmt er einen großen Schluck Hustensaft.

Pfarrer: Wir sind hier versammelt im Angesicht Gottes, um in seiner Gegenwart diesen Mann und diese Frau in den heiligen Stand der Ehe treten zu lassen. So wollen wir an diesem Tag Gott danken, sein Wort hören und um seinen Segen für euren gemeinsamen Lebensweg bitten.

Dick: [zu Mary; laut] Also wer von denen ist denn hier nun der Gott?

Mary: Bitte seien Sie ruhig.

Dick: Gut, aber stellen Sie mich ihm aber dann auf jeden Fall vor, denn ich muss mit ihm mal was klären.

Die anderen Gäste geben ein „Scht“ von sich, was von Dick zischend erwidert wird.

Dick: Ach, wie haben diese beiden sich denn überhaupt gefunden?

Mary: [flüstert] Nun, das war eben Schicksal. Er ist reich, sie wollte ein bequemes Leben und suchte einen mit Geld. Also, ich gebe denen ein Jahr.

Dick: Oh... das ist so wunderschön! Die beiden sind füreinander bestimmt, nicht? Glauben Sie denn, dass die zwei ahnen, wie hässlich ihre Kinder sein werden?

Mary muß laut lachen, was von einer Frau mit einem wütenden „Scht!“ kommentiert wird.

Mary: [zu der Frau] Ach, Sie mit Ihrem dauernden „Scht“!

Die Frau macht nochmals „Scht!“, was von Dick nachgeäfft wird. Er lacht und lässt seinen Kopf dann auf Marys Schulter fallen.

Dick: Oh, ich finde das so ergreifend. Diese Liebe, was für eine Nähe. Umarmen Sie mich doch.

Dick umarmt Mary stürmisch.

Mary: [laut] Aufhören!

Alle Hochzeitsgäste: Scht!

Dick: [laut] Ich mach' dieses Spiel nicht mehr mit!

Schnitt: Die Dachwohnung
Harry und Tommy sitzen immer noch in Decken gehüllt im Sessel. Harry nimmt Nasenspray, Sally kommt mit einem Topf aus der Küche herein.

Harry: [zu Tommy] Ja, ja, ja. Warte, warte, warte. Jetzt noch das zweite Nasenloch. [nimmt das Spray und heult dann wie ein Wolf]

Sally: Ich hab' uns Hühnersuppe gemacht. Angeblich fühlt man sich danach besser.

Sie stellt die Suppe vor Harry hin, der seine Füße hineinstellt. Sally zupft bei den Männern die Decken zurecht und bemuttert sie.

Tommy: Sally, wie machst du das nur, dass du dich so krank wie du bist noch um uns kümmerst?

Sally: Ja, ich weiß. Ich versteh es selbst nicht. Am liebsten würde ich mich in 'nem Mauseloch verkriechen, aber irgendwas zwingt mich dazu, euch zu helfen. Oh Gott, was für 'ne furchtbare Krankheit!

Tommy: Warum haben wir uns nur Körper ausgesucht, die so anfällig sind?

Harry: Ich hatte ja den Vorschlag gemacht als Enten hierher zu kommen, aber niemand wollte auf mich hören.

Tommy: Wie konnte mir Dina das nur antun? Und das, nachdem ich allen erzählt hab', was für wunderbare Zungenküsse sie draufhat!

Sally: [weinerlich] Wenn ich an all meine erfolgreichen Kämpfe denke und wo überall ich schon war, geht es mir nicht in den Kopf, dass ich hier auf einem kleinen, ungezieferverseuchten Planeten im hintersten Winkel der Galaxie enden soll. Und das in diesem Outfit!

Harry: Nie werde ich etwas von der Liebe erfahren. Nie benutzt werden oder betrogen. Wie ein alter Schuh auf den Müll geworfen! Ich bin froh, dass es aus ist!

Tommy: [zu Sally] Soll ich dir mal etwas gestehen? Ich habe eigentlich immer gedacht, dass du 'n affengeilen High Commander abgeben würdest.

Sally: Vielen Dank. Deine Wortgewandtheit ist immer wieder bestechend.

Harry: Und was ist mit mir?

Sally: Keinem macht ein Schlag auf den Hinterkopf so wenig aus wie dir, Harry.

Harry: Ihr wisst gar nicht, wie viel mir das bedeutet! Ich liebe euch, Leute!

Harry beginnt zu weinen und die drei umarmen sich.

 

 

Szene 5 – Die Hochzeitsfeier

Die Feier nach der Trauung. Mary und Dick sitzen an einem Tisch und haben Weingläser vor sich stehen. Dick hält den Brautstrauß in der Hand.

Mary: Es wäre mir lieber, Sie hätten das nicht den Brautjungfern entrissen.

Dick: Oh, ich verstehe! Männer und Frauen haben offenbar nur solange gleiche Rechte, bis etwas Hübsches verschenkt wird!

Mary: Sprechen Sie doch bitte nicht so laut. Und was war mit dieser Kleinen, die mit den Blumen rumwarf? Was hat denn die für Probleme?

Mary: Ich glaube, wir sollten jetzt gehen.

Dick: Oh, warten Sie. Ich habe Ihnen noch nicht Ihr Geschenk überreicht. [stellt ein Paket vor Mary hin] Es ist ein Toaster.

Mary: Wo haben sie den her?

Dick: Lag in dem Zimmer, wo die vielen Preise waren.

Ein Mann erhebt sich, klopft an sein Glas und hält eine kleine Rede.

Mann: Und nun einen Toast auf die liebe Braut und den Bräutigam!

Gäste: Prost!

Mann: Trinken wir darauf, dass euch das Glück niemals verlassen möge.

Dick: [laut] Wir geben ihnen ein Jahr!

Frau: [beugt sich vom Nachbartisch herüber] Mary? Mary, wer ist eigentlich dieser interessante Herr, der Sie begleitet?

Mary: Dr. Richard Solomon von der Universität.

Frau: Ah, ich hätte nicht gedacht, dass man die Entgleisungen Ihrer bisherigen Begleiter nochüberbieten kann, aber dieser charmante Herr schafft es.

Mary: Ich kann Ihnen nur versichern, Dr. Solomon ist ein höchst respektierter Wissenschaftler. Er mag zwar etwas exzentrisch sein, aber er ist ein ausgesprochen angesehener Mann. Ich glaube, ich amüsiere mich erheblich besser als Sie.

Dick, der die letzten Worte von Mary gehört hat, erhebt sich von seinem Stuhl und will nun ebenfalls eine kleine Rede halten.

Dick: Ich möchte hier mal einen Toast ausbringen! Ich denke, ich spreche für jeden hier, wenn ich sage, dass die wunderbarste und faszinierendste Frau in diesem Raum nicht die Braut ist, sondern Mary Albright! [zieht Mary auf die Beine, so daß sie neben ihm steht] Ja! Ja!

Mary: [verlegen] Hallo.

Schnitt: Die Dachwohnung
Harry, Tommy und Sally sind immer noch krank und liegen in Decken gehüllt in dem Raum hinter der Küche. Harry träumt von Martha Stewart. Martha steht in einer Fernsehsendung neben Harry und hält eine Form mit Apfelkuchen hoch. Harry trägt einen Bademantel und steht stolz neben Martha.

Martha Stewart: Ich koche heute ein spezielles Gericht und habe dafür einen besonderen Assistenten: Harry Solomon. Harry ist ein Außerirdischer. Und ich liebe Außerirdische.

Harry: Und ich liebe Austernfüllung... nach Hausfrauenart. Rein theoretisch!

Martha Stewart: Vielen Dank. Sie sagen, Sie fühlen sich heute nicht besonders gut, Harry?

Harry: Ach, Martha, ich fühle mich sterbenselend!

Martha Stewart: Nun, wenn das so ist, braucht man einen Grund, um weiterzuleben. Und ich denke, ich habe hier einen. Ein feiner, knuspriger Granny Smith, so was wie 'n Apfelstrudel.

Harry: Hm... Eine richtige Gitterkruste!

Martha Stewart: Und nun den Mund weit auf! [läßt Harry probieren]

Harry: Hm...

Martha Stewart: Und ans Sterben wollen wir jetzt nicht denken, denn das hier ist etwas ganz Feines! Wieder auf.

Harry: Hm...

Harry erwacht aus seinem Traum und schmatzt immer noch. Plötzlich klopft es an der Hintertür. Es ist Dina.

Harry: Kommen Sie rein! [zu Dina] Martha Stewart sagt, ich sterbe nicht.

Dina: Ist Tommy da?

Tommy: Was? Oh! Hey, Dina.

Dina: Hallo, Tommy.

Tommy: Was machst du denn hier?

Dina: Ich wollte nur mal sehen, wie's dir geht.

Tommy: Na ja, ich fühl mich schon viel besser, danke.

Dina: Gut. Tut mir Leid, dass ich dir die Grippe verpasst hab.

Tommy: Oh, mach dir bloß keine Sorgen. Sag mir nur rechtzeitig Bescheid, wenn du mir was verpassen willst. Denn wenn ich es mal wieder tun müsste, ich würd's immer wieder tun. Also, wie stehen denn die Chancen, es noch mal zu tun?

Dina: Wir könnten ja zu mir nach Hause gehen.

Tommy: Großartig! Ja, ja!

Die beiden wollen gehen, als Sally plötzlich aufsteht.

Sally: Wer ist das?

Tommy: Oh, ähem... das ist Dina. Die uns alle krank gemacht hat.

Sally: [schreit] Zerstört den lnkubator!

Dina läuft schreiend raus.

Tommy: Na dann, meinen herzlichsten Dank dafür!

 

 

Szene 6 – Die Hochzeitsfeier

Die Feier nach der Trauung. Mary und Dick sitzen imme rnoch am Tisch. Dick läßt stöhnend seinen Kopf auf den Tisch fallen.

Mary: Ist Ihnen nicht gut?

Dick: Alles bestens! Ich könnte die ganze Nacht hier zubringen!

Mary: Nicht mit mir, ich verschwinde.

Dick: Wie Sie wünschen. [Musik erklingt] Warten Sie! Hören Sie? Ein Viervierteltakt mit einer Achtelpause! Wir müssen das tanzen!

Mary: Nein, müssen wir nicht.

Dick: Yo quiero bailar contigo porque sus ojos son el sol de mi corazon!

Mary: Was?

Dick: Gestatten Sie mir, dies in eine universelle Sprache zu übersetzen, in die des Tanzes!

Streckt den Arm aus und zieht Mary zu sich heran. Zuerst tanzt Mary nur widerwillig mit ihm, findet dann aber Gefallen daran. Sie tanzen so stürmisch, dass die anderen Paare zur Seite springen und Dick wird schließlich übermütig und reißt ein Tischtuch von einem Tisch. Er wickelt es um Marys Hüften und Beine und benutzt es schließlich wie eine Peitsche.

Dick: Ja! Ja!

Mary: [begeistert] Oh mein Gott, Sie sind ja toll! Aber... Mein Gott, Sie glühen ja förmlich!

Dick: Das stimmt, ich verglühe mich nach dir, Baby!

Mary: Ich werde Sie jetzt nach Hause und ins Bett bringen.

Dick: Ausgezeichnet! Und wir haben heute Nacht Sex! [schlägt ihr auf den Hintern]

SCHNITT: Marys Wohnung
Mary und Dick kommen nach der Feier nach Hause.

Dick: Oh, was haben Sie für eine wunderschöne Wohnung.

Mary: Legen Sie sich hin. [Dick läßt sich neben der Eingangstür fallen] Doch nicht hier! Warum haben Sie mir nicht gesagt, dass Sie krank sind?

Dick: Dr. Albright?

Mary: Was?

Dick: Ich bin krank.

Mary hat ihm beim Aufstehen geholfen und ihm zum Sofa begleitet.

Mary: Wissen Sie denn, wie gefährlich das ist, was Sie gemacht haben?

Dick: Ja, ich weiß, denn ich habe das Gefühl, ich sterbe.

Mary: Ach was.

Dick liegt nun auf dem Sofa und umklammert Marys Hände.

Dick: Nein, lassen Sie mich ausreden. Ich muss Ihnen noch etwas sagen. Ich weiß nicht, wieviel Zeit mir noch bleibt, also hören Sie gut zu! Wenn Sie morgen früh aufwachen, finden Sie vielleicht eine lilafarbene, wabbelige Masse vor, die meine Uhr trägt. Nur nicht anfassen!

Mary: Ganz bestimmt nicht. [findet die Hustensaftflasche] Haben Sie eigentlich diese ganze Flasche ausgetrunken?

Dick: Ich muss Ihnen etwas sagen.

Mary: Nein. Sie sollen ganz ruhig liegen bleiben.

Dick: Ich komme nämlich aus einer anderen Welt!

Mary: Ach, was Sie nicht sagen.

Dick: Nein, Sie verstehen mich nicht! Ich bin ein Außerirdischer von einem anderen Planeten! Ich sage Ihnen das bloß, weil... ich... Sie liebe. [sinkt erschöpft auf das Sofa zurück]

Mary: Wie Sie meinen, mein Guter. [zu sich selbst] Ganz schön problematisch. Aber irgendwie ist er süß.

Nachdem sie eine Decke über ihn gebreitet hat löscht Mary das Licht und geht nach oben.

Dick: Ich weiß.

Überblende: Dicks Büro
Dick kommt gut gelaunt herein. Nina steht in einer Ecke und hat eine dicke Strickjacke an.

Dick: Guten Morgen, Nina. Sie dürfen sich freuen, es geht mir schon viel besser.

Nina: Was glauben Sie wohl, wie mich das freut! Dann geh ich nämlich nach Hause!

Dick: Wieso?

Nina: Weil ich jetzt selber krank bin!

Dick: Ach ja, was für ein Zufall, Sie werden gerade krank, und mir geht es viel besser.

Nina nimmt den Telefonhörer von Dicks Telefon ab und hustet darauf.

Nina: Dann noch einen schönen Tag! [geht]

Dick nimmt ein Taschentuch und reinigt den Hörer. Mary kommt herein.

Mary: Dr. Solomon, Ihnen geht es offenbar schon besser?

Dick: Ja, und wie!

Mary: Danke nochmals, dass Sie mich begleitet haben, obwohl Sie ja krank waren. Ich weiß das sehr zu schätzen!

Dick: Es war mir ein Vergnügen.

Mary: Sie haben heute viel mehr Zähne als sonst.

Mary: Sie erinnern sich wohl nicht mehr, was Sie mir gestern sagten?

Dick: Etwas, was ich nicht hätte sagen dürfen?

Mary: Eigentlich haben Sie eine Menge gesagt.

Dick: Könnten Sie das vielleicht etwas präzisieren?

Mary: Ach, sagen wir, es war ziemlich aufschlussreich.

Dick: Ich war im Delirium, ich war völlig weggetreten! Was sagte ich denn?

Mary: [zögernd] Nun, Sie sagten: „Ich liebe Sie.“ Ist das nicht lustig?

Beide lachen erst verlegen und dann laut. Dick atmet erleichtert auf.

Überblende: Die Dachwohnung
Abend. Die Familie sitzt auf dem Dach

Sally: Also es stand wirklich auf Messers Schneide. Ich war mir nicht sicher, ob wir das überleben.

Dick: Ja, als ich glaubte, sterben zu müssen, sagte ich Dr. Albright, dass ich sie liebe. Ich versteh' nur nicht, warum.

Harry: Wenn man dem Tode nah ist, setzt man sich neue Prioritäten. Ich habe entschieden, ich will keine Brustimplantate!

Dick: Ich finde diese Menschen bewundernswert. Ihr Leben ist so risikoreich. Und doch sind sie fest entschlossen, sich aus Liebe auf Lebenszeit zu verbinden.

Sally: Oder auch nur für einen Nachmittag [zu Tommy] mit so einem herumhüpfenden Minirock.

Tommy: Hey, hey, hey, so komm ich wenigstens mal zum Zuge.

Dick: Völlig richtig!

 

---=== ENDE ===---