Transkript der Folge „Schmerzensgrenzen“ [#1.01] aus der Serie „Dr. House”

Transkript der Folge „Schmerzensgrenzen“ [#1.01] aus der Serie „Dr. House”

Basierend auf dem englischen Transkript von Taru

Letzte Änderung: Montag, 15. Mai 2006

 

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!
Anmerkungen zu Übersetzungsfehlern oder Erklärungen zu sonstigen Auffälligkeiten sind in den Fußnoten zu finden.

 

Originaltitel: Pilot
Ausstrahlung: 16.11.2004
Deutscher Titel Schmerzensgrenzen
Ausstrahlung: 09.05.2006

Buch: David Shore
Regie: Bryan Singer

 

Darsteller
Hugh Laurie (Dr. Gregory House)

Lisa Edelstein (Dr. Lisa Cuddy)
Omar Epps (Dr. Eric Foreman)
Robert Sean Leonard (Dr. James Wilson)
Jesse Spencer (Dr. Robert Chase)
Jennifer Morrison (Dr. Allison Cameron)

 

Gastdarsteller
Robin Tunney (Rebecca Adler)
Rekha Sharma (Melanie Landon)
Ava Rebecca Hughes (Sydney)
Andrew Airlie (Orangefarbener Patient)

 

Inhaltsangabe
In der Auftaktfolge geht es um das geheimnisvolle Krankheitsbild der jungen Lehrerin Rebecca Adler. Rebecca leidet an unkontrollierbaren Anfällen, bei denen sie plötzlich die Kontrolle über ihr Sprachvermögen und ihre Motorik verliert. Nachdem sie Dr. House und seinem Team vorgeführt wurde, vermuten die Mediziner zunächst einen Gehirntumor als Ursache der Symptome und können der jungen Frau kaum Hoffnung auf ein Überleben machen. Doch Dr. House forscht weiter und kommt tatsächlich auf eine gänzlich andere und völlig überraschende Erklärung für Rebecca Adlers dramatische Anfälle ...  [Text RTL]


Rebecca fährt mit dem Bus und läuft eilig in die Schule. Im Gebäude trifft sie auf ihre Freundin Melanie. Gemeinsam gehen sie zu ihren Klassenzimmern.

 

Melanie:   Pünktlich sein kannst du wohl nicht?

 

Rebecca:            Die Antwort wird dir nicht gefallen.

 

Melanie:   Die Antwort kenn’ ich schon.

 

Rebecca:            Ich hab’ den Bus verpaßt.

 

Melanie:   Ganz sicher! Bei Brad hält kein Bus. Du hast dort übernachtet und den Wecker mal wieder nicht gehört.

 

Rebecca:            Ich hab’ nicht mit ihm geschlafen.

 

Melanie:   Jetzt hör mal zu, entweder…

 

Rebecca:            Ich hab’ den Bus verpaßt!

 

Melanie:   Entweder hast du ’n ernsthaftes Problem, oder Brad hat eins. Irgendwas stimmt nicht.

 

Rebecca:            Es ist alles in Ordnung mit ihm.

 

Melanie:   Sag’ mir, daß du da absolut sicher bist.

 

Rebecca:            Melanie, ich muß los.

 

Melanie:   Du lügst!

 

Rebecca:            Ich würde dich nie anlügen. [geht ins Klassenzimmer und dreht sich zu einer Klasse 5-jähriger um] Guten Morgen, Kinder!

 

Klasse:     Guten Morgen, Miss Rebecca!

 

Rebecca:            Sitzt jeder auf seinem Platz?

 

Klasse:     Ja!

 

Rebecca:            Sidney, erzähl uns mal, was du dieses Wochenende gemacht hast. Komm schon, Sidney, du bist doch nicht schüchtern.

 

Sidney:     Warum sollen wir immer was erzählen? Wieso erzählen Sie uns nicht mal, was Sie gemacht haben?

 

Die Kinder kichern.

 

Rebecca:            Ok, ich, ähem, ich hatte ein super Wochenende, aber das dürft ihr auf keinen Fall Miss Melanie verraten!

 

Sidney:     Was haben Sie denn gemacht?

 

Rebecca:            Ich habe einen neuen Freund. Neue Freundschaften zu schließen ist aufregend, nicht?

 

Klasse:     Jaaaa.

 

Mädchen: Und haben Sie Ihrer Mom von Ihrem neuen Freund erzählt?

 

Rebecca: Ähem, aber klar hab’ ich das! Ihr solltet niemals vor euren Eltern Geheimnisse haben. Und deswegen habe ich es  [beginnt plötzlich zu brabbeln wie ein Baby]

 

Die Kinder kichern.

 

Rebecca:            Whack..

 

Die Kinder kichern lauter. Rebecca brabbelt verzweifelt vor sich hin, und versucht einen klaren Satz zu formulieren. Schließlich geht sie an die Tafel und beginnt etwas anzuschreiben.

 

Kind:         Äh, das Wort kennen wir. Und das andere auch.

 

Junge:       [liest] „Ruft die Krankenschwester“

 

Rebecca wird ohnmächtig und bekommt einen epileptischen Anfall.

 

Dr. House und Dr. Wilson gehen im Krankenhaus einen Gang entlang. Man kann lediglich ihre Hände sehen, House geht am Stock, Wilson hat eine Krankenakte in der Hand. Lediglich Wilson trägt einen weißen Kittel.

 

Wilson:     Patient weiblich, 29 Jahre alt, erster epileptischer Anfall vor einem Monat. Erlitt Sprachverlust, brabbelt wie ein Baby. Progressive Verschlechterung der kognitiven Funktionen.

 

House:      Siehst du das? Die halten mich wegen der Krücke für einen Patienten.

 

Wilson:     Dann zieh’ ’n weißen Kittel an, wie wir anderen.

 

House:      Die sollen nicht denken ich wäre ein Arzt.

 

Wilson:     Dir ist doch sicher klar, daß die Verwaltung mit dieser Einstellung ein Problem haben könnte.

 

House:      Die Leute wollen keinen kranken Arzt haben.

 

Wilson:     Na gut, aber ich mag keine gesunden Patienten. Die 29-jährige Patientin…

 

House:      Die nicht sprechen kann? Das gefällt mir besonders.

 

Wilson:     … ist meine Cousine.

 

House:      Und deine Cousine stört sich an der Diagnose. Das würd’ ich auch. Gehirntumor, sie wird sterben. Langweilig.

 

Wilson:     Kein Wunder, daß du so’n berühmter Diagnostiker bist. Du mußt für eine Krankheitsbestimmung nichts Näheres wissen.

 

House:      Du bist Onkologe[1]. Ich bin nur zuständig für gering infektiöse Erkrankungen.

 

Wilson:     Ja, ja, der einfache Landarzt. Hirntumore in ihrem Alter sind höchst unwahrscheinlich.

 

House:      Sie ist 29, da wär’ alles unwahrscheinlich.

 

Wilson:     Die Proteinmarker für die drei häufigsten Hirntumore waren negativ.

 

House:      Es ist ein HMO-Labor[2], ebensogut könnte man es an einen Schüler mit Chemiebaukasten schicken.

 

Wilson:     Keine Familienvorgeschichte.

 

House:      Ist dein Onkel nicht an Krebs gestorben?

 

Wilson:     Anderer Strang, keine Umweltfaktoren.

 

House:      Deines Wissens.

 

Wilson:     Und auf Bestrahlung spricht sie auch nicht an.

 

House:      Nichts davon ist nur annährend dispositiv. Es wirft nur eine Frage auf: Wie ist deine Cousine versichert? [öffnet eine Medikamentendose und schluckt einige Tabletten.]

 

Wilson:     Jetzt komm schon! Soll nur der Pathologe Freude haben? Wozu stellt man ein Team zusammen, wenn man es dann nicht einsetzt? Du hast drei überqualifizierte Doktoren, die für dich arbeiten – und sich langweilen.

 

SCHNITT: Rebecca liegt im Krankenhaus in einem Bett. Die Kamera zoomt auf ihre Nase und schließlich in die Nase hinein und in den Blutstrom.

 

SCHNITT: House sieht sich die MRT von Rebecca an.

 

House:      Es ist eine Läsion[3]. Und das große grüne Ding in der Mitte von dem noch größeren blauen Ding auf der Karte ist ’ne Insel. Ich hatte auf was Kreativeres gehofft.

 

Foreman:          Sollten wir nicht mit der Patientin sprechen bevor wir eine Diagnose erstellen?

 

House:      Ist sie Ärztin?

 

Foreman:          Nein, aber…

 

House:      Jeder Mensch lügt.

 

Cameron:          [zu Foreman] Dr. House setzt sich ungern mit Patienten auseinander.

 

Foreman:          Sind wir nicht Ärzte geworden, um Patienten zu behandeln?

 

House:      Nein, um Krankheiten zu behandeln. Das Behandeln von Patienten vermiest den meisten Ärzten auf der Welt das Leben.

 

Foreman:          Sie wollen also die Humanität aus der medizinischen Praxis verbannen?

 

House:      Ähem, wenn wir nicht mit ihnen sprechen, können sie uns nicht anlügen. Und wir können sie nicht anlügen. Ich glaube, es ist kein Tumor.

 

Foreman:          Erstes Semester Medizin: „Wenn du Hufgetrappel hörst, denk’ an Pferde, nicht an Zebras.“

 

House:      Sind Sie im ersten Semester Medizin? Nein. Also erstens ist nichts auf dem CT und zweitens wenn es ein Pferd ist würde ihr netter, liebenswerter Doktor bestimmt eine naheliegende Diagnose stellen und wir würden nie wieder was von der Sache in dieser Praxis hören. Differentialdiagnose: Wenn es kein Tumor ist, was kommt dann noch in Frage? Wieso konnte sie nicht sprechen?

 

Chase:      Aneurysma, Schlaganfall oder ’n anderes ischemisches Syndrom.

 

House:      Ordnen Sie ein Kontrastmittel an.

 

Cameron:          Creutzfeld-Jakob Syndrom?

 

Chase:      Rinderwahn?

 

House:      Zebrawahn.

 

Foreman:          Wernickie Enzephalopathie?

 

House:      Nein, der Blutthiaminspiegel war normal.

 

Foreman:          Vielleicht hat das Labor die Bluttests versaut oder möglicherweise kommt zu „Menschen lügen“ auch „Menschen bauen Mist.“

 

House:      Lassen Sie die Bluttests wiederholen. Setzen Sie sofort ein Kontrastmittel an. Lassen Sie uns herausfinden, welche Sorte Zebra wir hier haben.

 

SCHNITT: House steht vor dem Aufzug und sieht Dr. Cuddy auf sich zukommen. Hektisch drückt er mehrmals auf den Aufzugsknopf.

 

Cuddy:      Ich habe Sie vor zehn Minuten in meinem Büro erwartet.

 

House:      Ah ja? Wie eigenartig, ich hatte garnicht die Absicht in ihr Büro zu kommen.

 

Cuddy:      Denken Sie, wir hätten nichts zu besprechen?

 

House:      Da fällt mir nichts ein, was mich interessieren könnte.

 

Cuddy:      Ich bezahle Sie.

 

House:      Ich hab’ Kündigungsschutz. Wollen Sie mir jetzt den Stock wegnehmen, um mich am Gehen zu hindern?

 

Cuddy:      Das wär’ mir zu infantil.

 

Beide steigen in den Aufzug.

 

Cuddy:      Ich kann Sie jederzeit feuern, wenn Sie Ihre Arbeit nicht tun.

 

House:      Ich arbeite von neun bis fünf.

 

Cuddy:      Ihre Abrechnungen sind praktisch nicht existent.

 

House:      Schlimmes Jahr.

 

Cuddy:      Sie ignorieren Konsultationsersuche.

 

House:      Ich rufe zurück. Verwähl’ mich aber regelmäßig.

 

Cuddy:      Sie sind sechs Jahre im Rückstand, was Ihre Verpflichtungen angeht, Dr. House!

 

House:      Sehen Sie, ich wußte, daß es mich nicht interessieren würde.

 

Cuddy:      Sechs Jahre mal drei Wochen: Sie schulden mir mehr als vier Monate.

 

House:      Es ist fünf Uhr. Ich geh’ nach Hause.

 

Cuddy:      Zu wem?

 

House:      [brummig] Hm, reizend.

 

Cuddy:      Hören Sie, der einzige Grund, warum ich Sie nicht feuere, Dr. House, ist das ihr Ruf in diesem Krankenhaus noch etwas wert ist.

 

House:      Gut, dann sind wir uns ja in einem Punkt einig. Sie werden mich nicht feuern.

 

Cuddy:      Ihr Ruf wird nicht lange anhalten, wenn Sie Ihre Arbeit vernachlässigen. Die Klinik ist immer noch ein Teil Ihres Jobs. Ich will, daß Sie Ihre Arbeit machen.

 

House:      Doch wie schon der Philosoph Mick Jagger sagte: „You can’t always get what you want.“

 

SCHNITT:, Rebecca wird in einem Rollstuhl von Dr. Cameron, Dr. Chase und Dr. Foreman zu einer Untersuchung gefahren.

 

Rebecca:            Sie sind nicht mein Arzt. Sind Sie Dr. House?

 

Chase:      Glücklicherweise nicht. Ich bin Dr. Chase.

 

Cameron: Dr. House ist der Leiter der diagnostischen Abteilung. Er hat wahnsinnig viel zu tun, interessiert sich aber sehr für Ihren Fall.

 

SCHNITT: Der MRT-Raum. Rebecca liegt auf dem Untersuchungstisch, Dr. Foreman injiziert das Kontrastmittel.

 

Foreman:          Wir injizieren Gadolinium in Ihre Vene. Das verteilt sich dann in Ihrem Gehirn und dient als Kontrastmittel für die Magnetresonanzbildgebung[4].

 

Cameron: Das was Sie in Ihrem Gehirn haben, leuchtet dann wie ein Weihnachtsbaum.

 

Foreman:          Es kann sein, daß Ihnen ein bißchen schwindelig wird.

 

Krankenschwester: Dr. Cameron. Entschuldigen Sie, daß ich unterbrechen muß, es gibt da ein Problem.

 

SCHNITT: Dr. House stürmt wütend in das Büro von Dr. Cuddy, die an ihrem Schreibtisch sitzt.

 

House:      Sie haben mir die Authorisierung entzogen!

 

Cuddy:      Ja. Wieso schreien Sie so?

 

House:      Keine MRTs, keine Bildgebungsstudien, keine Labortests.

 

Cuddy:      Und Ferngespräche wird es auch nicht mehr geben.

 

House:      Wenn Sie mich feuern wollen, dann sagen Sie es mir ins Gesicht!

 

Cuddy:      Und keine Fotokopien. Sie schreien ja nach wie vor.

 

House:      Ich bin wütend! Sie riskieren das Leben einer Patientin!

 

Cuddy:      Ich würde sagen, das sind zwei verschiedene Punkte.

 

House:      Sie zollen mir keinen Respekt und blamieren mich. Und solange ich hier arbeite, haben Sie kein Recht -

 

Cuddy:      Soll dieses fürchterliche Geschrei mir angst machen? Ich weiß nämlich nicht, wovor ich Angst haben soll. Vor noch mehr Geschrei? Das Sie mir was antun? Davor hab’ ich keine angst, denn ich bin sicher, ich kann schneller rennen als Sie. Übrigens, was das Zitat von diesem Philosophen angeht, diesem Jagger. Sie hatten recht, „du kriegst nicht immer das, was du willst“, doch dann heißt es „doch wenn du es versuchst, kriegst du manchmal das, was du brauchst.“

 

House:      Das heißt, weil Sie wollen, das ich Patienten behandele, darf ich sie nicht behandeln. [öffnet eine Medikamentenbox und nimmt ein Schmerzmittel]

 

Cuddy:      Ich will, daß Sie Ihren Job tun.

 

House kommt aus dem Büro von Dr. Cuddy und trifft dort auf sein Ärzteteam.

 

House:      Machen Sie die MRT, sie hat kleinbeigegeben. [die Ärzte gehen; zu Dr. Wilson] Ich muß vier Stunden wöchentlich hier abreißen, bis ich die versäumte Zeit nachgeholt habe. 2054. Abgearbeitet habe ich es dann 2054. [geht in Richtung der Behandlungszimmer] Ich hoffe du hast deine Cousine sehr lieb.

 

SCHNITT: Der MRT-Raum. Rebbeca wird in die Maschine gefahren.

 

Cameron: Ok Rebecca, [über die Sprechanlage] ich weiß, Sie fühlen sich ein bißchen klaustrophobisch da drinnen, aber Sie müssen bitte ganz ruhig liegen.

 

Chase:      [über die Sprechanlage] Ok, dann fangen wir jetzt an.

 

Die Untersuchung beginnt und die Maschine macht seltsame Geräusche.

 

Rebecca:            Mir ist nicht gut.

 

Chase:      [über die Sprechanlage] Ist schon ok, versuchen Sie sich zu entspannen.

 

Rebecca bekommt keine Luft mehr und beginnt zu röcheln. Eine Aufnahme ihres Rachens wird gezeigt und man sieht, wie sich die Luftröhre verschließt.

 

Cameron: Rebecca? [über die Sprechanlage] Rebecca? Rebecca! [zu Dr. Chase] Hol sie da raus.

 

Chase:      Sie ist wahrscheinlich eingeschlafen. Sie ist nur erschöpft.

 

Cameron: Sie war vor 30 Sekunden klaustrophob, sie schläft nicht. Wir müssen sie da rausholen.

 

Chase:      In ’ner Minute ist es vorbei.

 

Cameron:          Wenn Sie eine allergische Reaktion auf das Gadolinium hat, ist sie in zwei Minuten tot.

 

Die Ärzte stürzen in den Untersuchungsraum und holen Rebecca aus der Maschine.

 

Foreman:          Halt ihr Genick.

 

Cameron:          Ok, sie ist schon ganz grau.

 

Foreman:          Keine Atmung. Epi null fünf.

 

Cameron: Komm schon. Ich kann nicht ventilieren.

 

Foreman:          Zu viele Ödeme. Wo ist das Koniotomieset?

 

Chase:      Kommt.

 

Die Ärzte machen einen Luftröhrenschnitt.

 

Chase:      [zu Cameron] Gute Entscheidung.

 

SCHNITT: Rebeccas Krankenzimmer. Rebecca liegt im Bett, die Ärzte stehen um sie herum.

 

Chase:      Die Kanüle in Ihrem Hals werden wir heute noch entfernen.

 

Cameron: Ruhen Sie sich erstmal aus.

 

Die Ärzte verlassen das Krankenzimmer und treffen auf dem Gang Dr. House.

 

House:      Ich sagte ja, man kann niemandem vertrauen.

 

Cameron:          Ich wußte, daß Sie gegen Gadolinium allergisch ist, doch es war der einfachste Weg, ihr ein Loch in den Hals zu schneiden.

 

House:      Wenn man kein Bild hat, dann werden es wohl tausend Worte.

 

Foreman:          Soll ich mit der Patientin tatsächlich sprechen? Eine Anamnese[5] machen?

 

House:      Wir müssen rausfinden, ob irgendeine genetische oder eine umweltbdingte Ursache eine Entzündungsreaktion auslöst.

 

Foreman:          Ich dachte jeder Mensch lügt?

 

House:      Wahrheit erwächst aus Lüge. Denken Sie drüber nach.

 

Foreman:          Das macht keinen Sinn, oder?

 

House geht davon.

 

Dr. House geht zur Arbeit in die Klinik. Am Empfang spricht er mit einer Schwester. Dr. Cuddy ist ihm gefolgt.

 

House:      12:52 Uhr, Dr. House meldet sich zur Arbeit. Notieren Sie das. Haben Sie hier irgendwo Kabelfernsehen? In acht Minuten kommt „General Hospital.“

 

Cuddy:      Kein Fernsehen, aber wir haben Patienten.

 

House:      Können Sie das Aspirin nicht selbst verteilen? Und den Papierkram.

 

Cuddy:      Ich hab’ Ihnen als ersten Fall was Interessantes ausgesucht.

 

House:      Husten hört nicht auf, Nasenrotz hat ’ne beschissene Farbe.

 

Cuddy:      Ein Patient, der gerade aufgenommen wurde, hat furchtbare Rückenschmerzen.

 

House:      Oh, ich glaube, darüber stand schon etwas im „Journal of Medicine.“

 

Cuddy:      Der Patient ist orange.

 

House:      Der Patient?

 

Cuddy:      Nein, die Frucht.

 

House:      Sie meinen gelb. Gelbsucht?

 

Cuddy:      Ich meine orange.

 

House:      Der orangene Patient?

 

Cuddy:      Untersuchungszimmer 1. [drückt House die Unterlagen in die Hand]

 

SCHNITT: Untersuchungszimmer 1. Der orangefarbene Patient sitzt Dr. House gegenüber.

 

Patient:    Ich war beim Golfspielen mit den Stollen im Boden hängengeblieben, es tat ein bißchen weh, aber ich spielte weiter. Am nächsten Morgen konnte ich kaum aufstehen. Da Sie lächeln nehme ich an, daß es nichts Ernstes ist.

 

Dr. House nimmt ein Schmerzmittel.

 

Patient:    Was ist das? Was nehmen Sie da?

 

House:      Schmerzkiller.

 

Patient:    Oh, für ihr Bein, nicht?

 

House:      Nein, weil sie lecker schmecken. Wollen Sie auch eine? Dann geht’s Ihrem Rücken besser.

 

Der Patient nickt und House gibt ihm eine Pille.

 

House:      Ihr Problem ist leider etwas gravierender. Ihre Frau hat eine Affäre.

 

Patient:    Was?!

 

House:      Sie sind orange, Sie Moorhuhn! Das ihnen das noch nicht aufgefallen ist, ist eine Sache, aber wenn Ihrer Frau das noch nicht aufgefallen ist, mißachtet sie Sie sträflich. Eine Frage, verzehren Sie riesige Mengen Mohrrüben und Megadosen Vitamine?

 

Der Patient nickt.

 

House:      Die Mohrrüben machen Sie gelb und das Niacin[6] macht sie rot. Probieren Sie’s mit Fingerfarben, dann kommen Sie selbst drauf. Besorgen Sie sich ’n guten Anwalt.

 

House verläßt das Untersuchungszimmer.

 

SCHNITT: In einem anderen Untersuchungszimmer. House untersucht einen kleinen Jungen, der mit seiner Mutter gekommen ist.

 

House:      Tief einatmen.

 

Kleiner Junge: Das ist kalt.

 

House:      Hat er seinen Inhalator benutzt?

 

Mutter:    Nicht während der letzten paar Tage. Er, er, ist erst zehn. Ich find’ es beunruhigend, daß Kinder so starke Mittel einnehmen müssen.

 

Kleiner Junge: Was ist denn mit Ihrem Bein?

 

Der Junge starrt House an, während er redet.

 

House:      Ihre Hausärztin hat die Stärke des Mittels vermutlich auch beunruhigt, dann aber das Risiko, gegen das Risiko des Erstickens abgewogen. Sauerstoff ist sehr wichtig in diesen vorpubertären Jahren, finden Sie nicht? Ok, ich nehme doch an, daß Ihnen noch nie jemand erklärt hat was Asthma ist. Wenn ja hatten Sie bestimmt andere Dinge im Kopf. Ein Reiz veranlaßt Zellen dazu in den Atemwegen Ihres Sohnes Stoffe freizusetzen, die die Bronchien entzünden, worauf diese sich krampfartig zusammenziehen. Die Schleimbildung nimmt zu und die Zellwände lösen sich ab. Aber die Steroide, die Steroide… stoppen die Entzündung. Und je öfter das passiert… [ihm wird plötzlich etwas klar und er geht zur Tür]

 

Mutter:    Was? „Je öfter das passiert“, was ist dann?

 

House:      Vergessen Sie’s. Wenn Sie Steroiden nicht trauen, sollten Sie auch Ärzten nicht trauen.

 

House geht.

 

SCHNITT: Rebeccas Zimmer. Dr. Cameron und Dr. Foreman sind bei der Patientin.

 

Rebecca:            Meine Mutter starb vor vier Jahren. Sie hatte einen Herzinfarkt und mein Vater brach sich auf einer Baustelle das Kreuz.

 

Dr. Camerons Pager geht los.

 

Cameron:          Das war House, es ist dringend. Sie entschuldigen uns.

 

Sie verlassen das Zimmer und treffen vor dem Zimmer auf Dr. House.

 

Cameron:          Sie hätten anklopfen können?

 

House:      Steroide. Geben Sie ihr Steroide, hoch dosiertes Prednison.

 

Foreman:          Sie suchen einen Anhaltspunkt für eine Diagnose auf zerebrale Vasculitis.

 

Cameron: Eine Entzündung von Blutgefäßen in ihrem Alter ist extrem selten.

 

House:      Das ist ’n Tumor auch. Ihre Blutsenkung ist erhöht.

 

Foreman:          Geringfügig.

 

Cameron: Es kann alles Mögliche sein, oder garnichts.

 

House:      Ja, ich weiß, ich habe keinen Grund für die Annahme einer Vasculitis, außer daß es möglich wär’. Wenn die Blutgefäße in ihrem Gehirn entzündet sind, sieht es genauso aus, wie auf den Aufnahmen von Trenton. Der Druck verursacht neurologische Symptome.

 

Cameron: Die Diagnose können wir nicht ohne Biopsie stellen.

 

House:      Doch wir können. Wir behandeln und wenn der Zustand sich bessert, haben wir recht.

 

Cameron: Und wenn nicht?

 

House:      Dann haben wir was dazugelernt.

 

SCHNITT: Rebeccas Zimmer. Die Ärzte sind bei ihr.

 

Rebecca:            Wieso Steroide?

 

Chase:      Ist Teil Ihrer Behandlung. Was ist mit Besuch? Kein Freund?

 

Rebecca:            Drei Dates. Ich hätt’ auch nicht zu ihm gehalten, wenn er sich fortwährend übergeben hätte.

 

Chase:      Was ist mit Arbeitskollegen? Macht sich da keiner Sorgen?

 

Rebecca:            Ähem, die meisten die ich gern hab’ sind nicht mehr als fünf Jahre alt. Die Schwester sagte, Sie stoppen meine Bestrahlung?

 

Chase:      Wir probieren nur eine Alternativtherapie. Wo stammt eigentlich Ihre Familie her?

 

Rebecca:            Steroide sind keine Alternative zur Bestrahlung.

 

Chase:      Die Tests waren nicht wirklich schlüssig.

 

Cameron: Wir behandeln Sie auf Vasculitis, das ist eine Entzündung der Blutgefäße im Gehirn.

 

Rebecca:            Es ist also kein Tumor? Ich habe keinen Tumor?

 

SCHNITT: Dr. Cameron und Dr. Chase verlassen das Untersuchungszimmer und unterhalten sich auf dem Gang.

 

Chase:      Hey, du hättest ihr die Wahrheit sagen sollen. Wir vermuten doch nur was.

 

Cameron:          [zur Schwester] Danke. [zu Chase] Wenn Hause recht hat, hat es aber auch nicht geschadet. Wenn nicht, habe ich einer Sterbenden Hoffnung geschenkt.

 

Chase:      Falsche Hoffnung.

 

Cameron: Wenn es für sie ’ne andere gäbe, hätte ich ihr die geschenkt.

 

SCHNITT: Das Klassenzimmer an Rebeccas Kindergarten. Dr. Foreman kniet auf dem Teppich und riecht am Boden.

 

Sidney:     Warum riechen Sie an Billys Hose?

 

Foreman:          Das tu’ ich nicht.

 

Sidney:     Das sah aber so aus.

 

Foreman:          Ich hab’ am Fußboden gerochen.

 

Sidney:     Oh.

 

Foreman:          Habt ihr irgendwelche Tiere in der Klasse?

 

Sidney:     Nein, aber wir hatten mal eine Rennmaus, doch Charlie hat ’n Buch drauffallen lassen.

 

Foreman:          So kann’s gehen.

 

Sidney:     Riechen Sie doch mal dran?

 

Foreman:          Ich hab’, ähem, ich schnupper’ nach Schimmel. Ich muß nicht an ’ner Maus riechen.

 

Sidney:     Sie können am Papagei riechen.

 

Foreman:          Sagtest du nicht, ihr habt keine Haustiere?

 

Sidney:     Aber das ist doch ’n Vogel.

 

SCHNITT: House und Foreman sitzen in der Kantine beim Essen. Auf einem Fernseher läuft „General Hospital“, was sich Dr. House ansieht.

 

Foreman:          Papageien sind die Hauptüberträger der Psittakose[7].

 

House:      Es ist nicht der Papagei.

 

Foreman:          Und Psittakose kann zu Nervenproblemen und neurologischen Komplikationen führen.

 

House:      Wieviele Kinder gibt es in der Klasse?

 

Foreman:          20.

 

House:      Wieviele sind krank gemeldet?

 

Foreman:          Keins, aber…

 

House:      Keins, aber Sie nehmen an fünfjährige würden Vogelhygiene ernster nehmen als ihre Lehrerin. Waren Sie bei ihr zuhause?

 

Foreman:          Sie wohnt in Trenton. Ich kann morgen zu ihr gehen und sie um den Schlüssel bitten.

 

House:      Aber vorher würde ich die Polizei darüber informieren, daß Sie einen Tatort inspizieren.

 

Foreman:          Es ist kein Tatort.

 

House:      Soviel ich weiß, betreibt sie im Keller ein Drogenlabor.

 

Foreman:          Sie ist ’ne Kindergartenlehrerin!

 

House:      Und wär’ ich Kindergartenschüler, würde ich ihr bedingungslos vertrauen. [seufzt] Ok, ich geb’ Ihnen ein Beispiel. Die Frau hinter dem Tresen dahinten, die vorhin ihr Eiersandwich gemacht hat, hat glasige Augen. Schon bemerkt? Laut Krankenhausvorschrift soll man zuhause bleiben wenn man krank ist, aber wenn man nur acht Dollar die Stunde verdient, ist man darauf angewiesen. Das Schild auf der Toilette ermahnt jeden, sich hinterher die Hände zu waschen, aber ich vermute das jemand, der sich fortwährend den grünen Rotz am Ärmel abwischt, von Hygiene nicht viel hält. Also was denken Sie? Soll ich ihr vertrauen? Sie tun mir jetzt einen Gefallen und werden das Haus nach Kontaminaten untersuchen -

 

Foreman:          Ich kann doch nicht einfach in jemandes Haus einbrechen.

 

House:      Sie sind doch auch so in das Felkers Haus gekommen? [Pause] Ja, ich weiß, die Gerichtsakten stehen unter Verschluß. Sie waren erst 16, es war ein dummer Fehler, aber ihr alter Sportlehrer quatscht viel. Sie sollten ihm ein Dankeschön schicken.

 

Foreman:          Danken wofür?

 

House:      Nun, ich brauche hier jemanden mit „Gossen-Grips“. Ok? Der weiß wie man trickst und andere austrickst.

 

Foreman:          Ich sollte Sie anzeigen, House.

 

House:      Hm, mit ’ner verjährten Straftat bringt das sicher nichts.

 

Foreman:          Aber ich könnte Sie anzeigen wegen Anstiftung zu einer Straftat, vielleicht bringt das was.

 

Foreman sieht Dr. House herausfordernd an und steckt sich dann den Rest seines Sandwiches in den Mund.

 

SCHNITT Ein Untersuchungszimmer. House liest das „Spring’s hottest people“ Magazin, als Dr. Cuddy hereinkommt.

 

House:      Ich, ähem, recherchiere. Menschen sind schon faszinierend, nicht wahr?

 

Cuddy:      Wieso kriegt Adler Steroide?

 

House:      Weil sie meine Patientin ist. Das tut man mit Patienten, man gibt ihnen Mittel.

 

Cuddy:      Man gibt kein Mittel aufgrund von Vermutungen. Nicht mehr seit Tuskeegee oder Dr. Mengele.

 

House:      Sie vergleichen mich mit einem Nazi? Nett.

 

Cuddy:      Ich stoppe die Behandlung.

 

House:      Sie ist meine Patientin.

 

Cuddy:      Und es ist mein Krankenhaus.

 

House:      Ich habe sie nicht krankgemacht, sie ist kein Experiment. Ich-ich habe eine begründete Theorie, was ihre Krankheit betrifft.

 

Cuddy:      Doch ohne Beweise!

 

House:      Beweise gibt es nie! Fünf verschiedene Ärzte stellen aufgrund ein und desselben Anhaltspunktes fünf verschiedene Diagnosen.

 

Cuddy:      Und Sie haben gar keine. Keiner weiß etwas, wieso glauben Sie immer, Sie haben Recht?

 

House:      Das tue ich nicht, es fällt mir nur schwer von der gegenteiligen Annahme auszugehen. Warum haben Sie Angst einen Fehler zu machen?

 

Cuddy:      Weil ich Ärztin bin, deswegen. Und wenn wir Fehler machen, sterben Menschen.

 

Sie geht eine Treppe hinauf. Dr. House kann ihr nicht folgen und ruft ihr statt dessen hinterher.

 

House:      Ach, kommen Sie.

 

House:      Früher hatte man mehr Respekt vor Krüppeln, Doc! [dreht sich zu einem Mann im Rollstuhl um] Nicht wirklich.

 

SCHNITT: Rebeccas Zimmer. Rebecca ißt gerade, als Dr. Cuddy hereinkommt.

 

Cuddy:      Na, wie fühlen Sie sich?

 

Rebecca:            Schon besser, danke. Sind Sie Dr. House? Ich dachte, es sei ein „er“, aber…?

 

Cuddy:      Nein. Sie dürfen nicht so schnell essen.

 

Rebecca:            Danken Sie ihm von mir.

 

Cuddy:      Gern.

 

Dr. Cuddy verläßt das Zimmer und stößt mit Dr. House zusammen.

 

House:      Soll ich die Behandlung abbrechen, Boss?

 

Cuddy:      Sie hatten Glück.

 

Sie geht davon.

 

House:      Cool, hä?

 

SCHNITT: Rebeccas Zimmer. Dr. Wilson hört Rebeccas ab.

 

Wilson:     Ok, und nochmal.

 

Rebecca atmet tief ein.

 

Wilson:     Gut.

 

Rebecca:            Was ist, werde ich Dr. House noch kennenlernen?

 

Wilson:     [lächelt] Sie begegnen ihm vielleicht mal im Kino oder im Bus.

 

Rebecca:            Ist er ein guter Mensch?

 

Wilson:     Er ist ein guter Arzt.

 

Rebecca:            Kann man das eine sein, ohne das andere? Muß man sich nicht für Menschen interessieren?

 

Wilson:     Interesse ist ein guter Motivator. Er hat noch etwas anderes gefunden. [nimmt Rebeccas Hände] Spüren Sie das?

 

Rebecca:            Hmm.

 

Wilson:     Auf beiden Seiten?

 

Rebecca:            Hmmm.

 

Wilson:     Jetzt drücken. [Pause] Stärker. Ok.

 

Rebecca:            Er ist ihr Freund, hä?

 

Wilson:     Ja.

 

Rebecca:            Sind Sie ihm auch wichtig?

 

Wilson:     Ähm, ich denk’ schon.

 

Rebecca:            Sie wissen es nicht?

 

Wilson:     Dr. House sagt fortwährend: „Jeder Mensch lügt.“

 

Rebecca:            Entscheidend ist nicht was man sagt, sondern was man tut.

 

Wilson:     [Pause] Ja, ich bin ihm wichtig.

 

Rebecca:            Ich kann nichts sehen. [Pause] Ich kann nichts… sehen.

 

Rebecca bekommt wieder einen Anfall und der Herzmonitor zeigt eine gerade Linie.

 

Wilson:     Ich brauche hier mal Hilfe!

 

SCHNITT: Rebeccas Zimmer. Rebecca liegt im Bett, sie hat eine Sauerstoffmaske auf.

 

Foreman:          Ihre Brust wird eine Weile wehtun. Wir mußten Sie schocken, um Ihr Herz wieder in Gang zu kriegen. Ok. [legt einige Karten vor Rebecca hin] Können Sie diese Bilder hier zu einer Geschichte ordnen?

 

Schnitt auf die Bilder und anschließend auf House’ Büro. Das Ärzteteam berät sich.

 

Foreman:          Sie konnte sie nicht richtig ordnen.

 

Chase:      Hat vielleicht Sauerstoffmangel während des Anfalls die Schädigung verursacht?

 

Foreman:          Nein, ich hab’ Sie dem Test fünf Minuten später nochmal unterzogen und da war es ok. Der veränderte Mentalstatus ist wechselnd, genau wie die verbalen Fähigkeiten.

 

Cameron:          Und was jetzt?

 

Foreman:          In Anbetracht der neuen Symptome wächst da eindeutig etwas tiefer in den Hirnstamm hinein. Bald wird sie nicht mehr gehen können, auf Dauer erblinden und ihr Atemzentrum wird versagen.

 

House:      Wie lange haben wir noch?

 

Foreman:          Wenn’s ein Tumor ist einen Monat oder zwei. Wenn’s infektiös ist ein paar Wochen. Wenn’s vaskulär ist, tritt der Exitus wahrscheinlich schon früher ein.

 

House:      Wir brechen die Behandlung ab.

 

House steht auf und verläßt den Raum.

 

Foreman:          Ich denk’ immer noch, das es ’n Tumor ist. Wir sollten die Bestrahlung fortsetzen.

 

Chase:      Auf Bestrahlung hat sie nicht angesprochen.

 

Foreman:          Vielleicht war die Wirkung erst nach Ansetzen der Steroide festzustellen?

 

House:      Nein, es ist kein Tumor, die Steroide haben etwas bewirkt, ich weiß nur nicht, was.

 

Foreman:          Heißt das etwa wir tun jetzt garnichts? Wir werden zusehen wie sie stirbt?

 

House:      Ja, das werden wir tun. Und achtet besonders darauf, wie schnell sie stirbt. Sie sagten ja gerade, jede Diagnose hat ihren eigenen Zeitraum. Wenn wir sehen, wie schnell es geht, wissen wir, was es ist.

 

Cameron: Und dabei stellen wir fest, daß wir nichts tun können.

 

Foreman:          Irgendetwas müssen wir doch tun können, außer beim Sterben zuzusehen.

 

House:      Nun, ich wüßte nichts. Sie vielleicht?

 

SCHNITT. Dr. Foreman und Dr. Cameron gehen einen Gang entlang.

 

Foreman:          Mistkerl. [dreht sich zu Cameron um] Oh, Cameron, ich brauch’ dich für’n paar Stunden.

 

Cameron: Wofür?

 

Foreman:          Wenn man irgendwo einbricht ist es besser ’ne Weiße dabeizuhaben.

 

Cameron:          Adler? Warum bitten wir sie nicht einfach um die Schlüssel?

 

Foreman:          Soweit wir wissen betreibt sie in ihrem Keller ein Meth-Labor.

 

SCHNITT: Ein Untersuchungszimmer. Dr. House sitzt einem Patienten gegenüber.

 

Patient:    Ich bin oft müde.

 

House:      Sonst noch Gründe, warum Sie glauben, Sie hätten ein „chronisches Erschöpfungssyndrom“?

 

Patient:    Das ist in etwa die Definition, oder?

 

House:      Das ist die Definition des Älterwerdens.

 

Patient:    Ich hatte mehrmals Kopfschmerzen, leichtes Fieber und habe oft Einschlaf- und Konzentrationsprobleme.

 

House:      Offenbar nicht beim Recherchieren solcher Sachen im Internet.

 

Patient:    Ich hab’ auch schon gedacht, vielleicht ist es eine Fibromyalgie?

 

House:      [sieht überrascht aus; sarkastisch] Exzellente Diagnose!

 

Patient:    Gibt’s da irgendwas dagegen?

 

House:      [seufzt] Uh, oh ja, ich denke da gibt es was.

 

House verläßt das Untersuchungszimmer und geht zur Medikamentenausgabe.

 

House:      Ich hätte gern ’ne Zehnerpackung Vicodid[8].

 

House legt einen Dollarschein auf den Tresen und die Schwester gibt ihm Kleingeld. Damit geht er zu einem Süßigkeitenautomaten und zieht sich mehrere kleine, weiße Bonbons daraus. Er tauscht das Vicodid gegen die Süßigkeiten aus.

 

House:      [zur Schwester] Untersuchungszimmer 2. [stellt die „Mediakamente“ auf den Tresen]

 

SCHNITT: Dr. Cameron und Dr. Foreman durchsuchen Rebeccas Wohnung.

 

Cameron: House macht nie jemandem was vor. Er findet das Leben zu kurz und zu bitter. Also sagt er immer, was er denkt.

 

Foreman:          Mhh, nichts interessantes im Müll. „Ich sage was ich denke“ ist nur ’ne andere Art zu sagen „Ich bin ’n Arschloch.“

 

Cameron:          Wenn du nur nach deinem medizinischen Können beurteilt werden willst, hättest du vielleicht nicht bei jemandem einbrechen sollen.

 

Foreman:          Ich war 16! Zecken gibt’s hier vielleicht keine, aber ihr Hund hat eindeutig Flöhe.

 

Cameron:          Ich hab’s bis 17 ohne Vorstrafen geschafft.

 

Dr. Foreman öffnet den Kühlschrank und nimmt sich Schinken und Senf heraus.

 

Foreman:          Ja? Aber du bist nicht in meinem Viertel aufgewachsen.

 

Cameron:          Genau. Du hast für deine hungrige Familie Brot geklaut, nicht? Ißt du immer, wenn du irgendwo einbrichst?

 

Foreman:          Ihre Fressalien mehr respektieren als ihren DVD-Player? Willst du auch was?

 

Cameron: Nein.

 

Foreman:          Gedenkst du zu hungern, bis sie stirbt?

 

Cameron: Nein.

 

Foreman:          Weißt du was, nach Jahrhunderten der Sklaverei, Jahrzehnten der Bürgerrechtsmärsche und vor allem nachdem ich wie ein Mönch gelebt hab’ und keine Abschlußnote 1,0 hatte, findest du es da nicht skandalös, daß ich einen der Topjobs als Vorbestrafter kriege? Wir essen erst und dann reißen wir den Teppich auf.

 

Cameron: Du warst auf der Hopkins, nicht?

 

Foreman:          Jep.

 

Cameron: Also warst du auf einer besseren Uni als ich und du hast bessere Noten als ich.

 

Foreman:          Wie hast du denn deinen Job gekriegt? Hast du in ’ner Bar jemanden erstochen?

 

SCHNITT: Das Büro von Dr. House. Die Ärzte beraten sich.

 

Foreman:          Fehlanzeige.

 

House:      Es ist kein Tumor. Ihr Zustand verschlechtert sich zu rapide. Sie kann nicht mehr aufstehen.

 

Wilson:     Keine Toxine, keine Medikamente?

 

Foreman:          Nichts was die Symptome erklären würde.

 

Wilson:     Und nirgendwo neurologische Probleme?

 

Foreman:          Nicht nach Durchsicht der Unterwäscheschublade.

 

House:      Sie sagten nichts, das die Symptome erklären würde. Was haben Sie gefunden, was diese Symptome nicht erklärt?

 

Foreman:          Dr. Wilson hat gelogen, damit wir die Patientin behandeln. Adler ist nicht seine Cousine.

 

Wilson:     Das ist doch Unsinn. Sie können sie ja fragen. Können wir uns jetzt wieder auf -

 

Foreman:          Sie ist keine Jüdin!

 

Wilson:     Rachel Adler ist keine Jüdin?

 

Foreman:          Ich fand Schinken in ihrer Wohnung!

 

Wilson:     [lacht] Dr. Foreman, viele Juden haben nichtjüdische Verwandte und die meisten von uns leben nicht koscher. Ich kann ja verstehen, daß man die Highschool durchsteht, ohne etwas über Juden zu lernen…

 

Foreman:          Ok, vielleicht ist sie Jüdin. Aber sie ist definitiv nicht ihre Cousine.

 

Wilson:     Ach, nein? Das ist, äh, das ist doch…

 

Foreman:          Sie kennen ja nicht mal ihren Namen. Sie nannten sie Rachel, aber sie heißt Rebecca!

 

Wilson:     Ja, ja, ihr Name ist Rebecca. Aaaber ich nenn’ sie Rachel.

 

Während dieses Gesprächs hat Dr. House geistesabwesend zum Fenster herausgesehen, aber plötzlich erkennt er die Situation.

 

House:      Idiot!

 

Wilson:     Hörzu, ich äh….

 

House:      Nicht du, er! Sie sagten, Sie hätten nichts gefunden.

 

Foreman:          Alles was ich gefunden hab’ war -

 

House:      Sie haben Schinken gefunden!

 

Foreman:          Und?

 

House:      Wo wir Schinken finden, finden wir Schwein, wo Schweinefleisch ist, ist auch  Neurocystocertiose.

 

Chase:      Ein Bandwurm? Sie denken, sie hat einen Wurm im Gehirn?

 

House:      Passt! Er kann da schon Jahre gelebt haben. Wieso habe ich nicht daran -  

 

Cameron: Millionen Menschen essen jeden Tag Schinken. Ich find’ diese These ganz schön gewagt.

 

House:      Ok, Mr. Neurologe Was passiert, wenn man jemandem Steroide gibt, der ’n Bandwurm hat?

 

Foreman:          Erst geht es ihm etwas besser und dann deutlich schlechter.

 

Wilson:     Genau wie es bei Rebecca Adler war.

 

SCHNITT: Immer noch im Büro von Dr. House. House legt ein Buch mit Abbildungen von Bandwürmern auf den Tisch.

 

House:      Im Normalfall verdaut man, wenn der Schinken nicht lange genug gekocht ist, lebendige Bandwurmlarven. Die haben so kleine Haken und krallen sich damit im Darm fest, leben dort weiter, vermehren sich.

 

Chase:      Vermehren sich? Da ist aber nur eine Läsion und die liegt nicht in der Nähe ihres Darms.

 

House:      Weil das hier kein typischer Fall ist. Ein Bandwurm produziert an die 20- bis 30.000 Eier täglich. Jetzt raten Sie mal, wohin die gelangen?

 

Foreman:          Nach draußen.

 

House:      Aber nicht alle. Anders als die Larven, kann das Ei direkt durch die Darmwand in den Blutstrom dringen. Und wohin geht der Blutstrom?

 

Cameron: Überallhin.

 

House:      Solange er gesund ist, merkt das Immunsystem nichts. Der Wurm bildet eine Schutzwand und sondert Sekrete ab, die die körpereigene Immunabwehr unterdrücken und den Flüssigkeitsfluß regulieren. Ziemlich genial.

 

Foreman:          Doch nur solange er gesund ist. Und was tun wir jetzt? Einen Tierarzt dazuziehen, der das Kerlchen wieder aufpäppelt?

 

House:      Zu spät dafür. Er verendet. Und wenn er stirbt, verliert dieser Parasit die Fähigkeit die Abwehrkräfte des Wirts zu steuern. Das Immunsystem erwacht, attackiert den Wurm und alles beginnt anzuschwellen. Das ist sehr gefährlich für’s Gehirn.

 

Wilson:     Es könnten trotzdem hundert andere Dinge sein. Die Eosinophilenzählung war normal.

 

Chase:      Es ist nur in 30% aller Fälle anormal.

 

Wilson:     Das beweist garnichts.

 

House:      Oh, nein, nein, nein, es paßt genau. Es ist perfekt. Das erklärt einfach alles.

 

Wilson:     Es beweist nichts.

 

House:      Ich kann’s beweisen, indem ich’s behandle.

 

Wilson:     Nein, kannst du nicht. Ich war gerade bei ihr. Sie will keine Behandlung mehr und sie will keine Experimente mehr. Sie will nur noch nach Hause und sterben.

 

SCHNITT: Rebeccas Zimmer, Nacht. House betritt das Zimmer.

 

House:      [zur Schwester] Würden Sie uns bitte entschuldigen?

 

Die Schwester geht.

 

House:      Ich bin Dr. House.

 

Rebecca:            Nett Sie mal kennenzulernen.

 

House:      Ihr Verhalten ist idiotisch. [Pause] Sie haben einen Bandwurm im Gehirn. Das ist nicht erfreulich, aber wenn wir nichts unternehmen, sind Sie am Wochenende tot.

 

Rebecca:            Haben Sie ihn wirklich gesehen, diesen Wurm?

 

House:      Wenn’s Ihnen besser geht, zeige ich Ihnen meine Diplome.

 

Rebecca:            Sie waren sich auch sicher, ich hätte Vasculitis. Jetzt kann ich nicht mehr gehen und muß eine Windel tragen. Was soll mir diese Behandlung bringen?

 

House:      Ich will Sie nicht behandeln, Rebecca, ich will Sie heilen. Aber da ich mich irren könnte, wollen Sie sterben. Ist es nicht so?

 

Rebecca:            Was machte Sie zum Krüppel?

 

House:      Ich hatte einen Infarkt.

 

Rebecca:            Einen Herzinfarkt?

 

House:      Das passiert, wenn der Blutfluß blockiert wird. Wenn das im Herzen passiert ist das ’n Herzinfarkt, wenn’s in der Lunge passiert eine Embolie. Im Gehirn ist es ’n Schlaganfall. Bei mir war es im Oberschenkelmuskel.

 

Rebecca:            Und, ähem, man konnte nichts tun?

 

House:      Man hätte was tun können. Bei der richtigen Diagnose, aber das einzige Symptom waren Schmerzen. Nicht viele Menschen erleben den Muskeltod.

 

Rebecca:            Haben Sie mit dem Tod gerechnet?

 

House:      Ich hab’ darauf gehofft.

 

Rebecca:            Sie verstecken sich also und meiden den Patientenkontakt, weil Sie die Blicke der Leute nicht ertragen. Sie fühlen sich vom Leben verraten und jetzt wollen Sie mit der Welt abrechnen. Aber von mir verlangen Sie, daß ich kämpfe. Wieso? Wieso denken Sie, daß ich soviel besser bin als Sie?

 

House:      Würden Sie etwa Angst, so zu werden wie ich[9].

 

Rebecca:            Ich möchte nur mit ein wenig Würde sterben.

 

House:      So etwas gibt es nicht! Unser Organismus bricht zusammen. Manchmal erst mit 90 und manchmal schon vor der Geburt, aber es passiert immer, doch auf keinen Fall mit Würde. Auch wenn Sie gehen können, sehen und sich den Arsch abwischen, es ist immer eklig, immer. [Pause] Wir können mit Würde leben, doch sterben nicht.

 

SCHNITT: Ein Gang im Krankenhaus. Dr. House geht den Gang entlang und trifft auf sein Ärzteteam.

 

House:      Keine Behandlung.

 

Foreman:          Wie wär’s wenn wir uns per Gerichtsbeschluß über ihren Willen hinwegsetzen und ihr die Fähigkeit zu dieser Entscheidung absprechen?

 

House:      Doch die hat sie.

 

Cameron: Wir könnten geltendmachen, daß die Erkrankung ihre geistige Kompetenz eingeschränkt hat.

 

Foreman:          Ein ziemlich häufiges Resultat.

 

House:      Das ist hier nicht passiert.

 

Wilson:     Vergessen Sie’s, sie ist für ihn keine bloße Akte mehr. Er respektiert sie.

 

Cameron: Sie werden sie also aus Respekt vor ihr sterben lassen.

 

House:      Der Fall ist gelöst, meine Arbeit ist getan.

 

House dreht sich um und geht.

 

House:      Patienten wollen immer Beweise. Wir bauen hier keine Autos, wir geben keine Garantien.

 

House ist schon fast den Gang hinuntergegangen, als Chase ihm hinterherruft.

 

Chase:      Ich denk’ wir können nachweisen, daß es ein Wurm ist. Auf nichtinvasive, risikofreie Weise. Ich-ich bin zwar nicht absolut sicher, aber ich habe -

 

House:      Ja-ja-ja-ja, spucken Sie’s endlich aus.

 

Chase:      Haben Sie mal einen Wurm unter Röntgenstrahlen gesehen? Mit der guten, veralteten kontrastmittellosen Uralt-Röntgentechnik? Die glühen wie Leuchtspurgeschosse, genau wie auf der MRT.

 

Foreman:          Wie bei einer CT die bereits gemacht wurde und keinen Nachweis erbracht hat.

 

House:      Die Wurmzyste hat die gleiche Dichte wie die Cerebrospinalflüssigkeit, wir werden also nichts sehen. Aber Chase hat Recht, er hat Recht, wir sollten röntgen. Aber wir röntgen ihr Bein, nicht ihr Gehirn, Würmer lieben Schenkelmuskeln. Wenn im Schädel so’n Vieh ist, hat sie es im Bein auch.

 

SCHNITT: Der Röntgenraum. Rebecca liegt auf dem Röntgentisch und ihr Bein wird geröntgt.

 

Chase:      Halten Sie still, Rebecca.

 

SCHNITT: Ein Röntgenbild wird gezeigt, auf dem der Wurm zu erkennen ist.

 

SCHNITT: Rebeccas Zimmer. Dr. Chase zeigt Rebecca das Röntgenbild.

 

Chase:      Das hier ist eine Wurmlarve.

 

Rebecca:            Wenn ich’s im Bein habe, hab’ ich’s auch im Gehirn?

 

Chase:      Wollen Sie dafür eine Garantie? Sie ist da, möglicherweise schon seit zehn Jahren.

 

Rebecca:            Hab’ ich noch mehr davon?

 

Chase:      Vermutlich. Das ist ’ne gute Nachricht.

 

Rebecca:            Und was tun wir jetzt?

 

Chase:      Jetzt werden wir Sie davon heilen. Mit Albendazol.

 

Gibt ihr einige Pillen.

 

Rebecca:            Zwei Pillen?

 

Chase:      Ja, jeden Tag. Zwei Monate zum Essen.

 

Rebecca:            Zwei Pillen?

 

Chase:      Ja. Mögliche Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit, Fieber und Haarausfall. Aber wir werden Sie die Pillen weiterschlucken lassen, auch wenn Sie all das bekommen.

 

Rebecca lächelt und schluckt die Pillen

 

SCHNITT: Das Büro von Dr. House. Dr. Cameron sitzt auf einem Stuhl und wartet auf House.

 

Cameron:          Warum haben Sie mich eingestellt?

 

House:      Ist das wichtig?

 

Cameron: Es ist schwer für jemanden zu arbeiten, der einen nicht respektiert.

 

House:      Wieso?

 

Cameron: Ist das rhetorisch?

 

House:      Nein, es wirkt nur so, weil Ihnen keine Antwort einfällt. Spielt es eine Rolle, was ich denke? Ich bin ein Ekel, wichtig ist einzig und allein was Sie denken. Kriegen Sie den Job hin?

 

Cameron: Sie haben einen Schwarzen eingestellt, obwohl er vorbestraft ist.

 

House:      Nein, das hat keine rassistischen Gründe. Ich hab’ ihn nicht als Schwarzen gesehen, sondern als einen… vorbestraften Mediziner. Chase wurde eingestellt, weil sein Vater angerufen hat und sie, weil sie extrem hübsch sind.

 

Cameron: Sie haben mich eingestellt um mich flachzulegen?!

 

House:      Ich kann nicht glauben, daß Sie das schockieren würde und ich hab’ das nicht gesagt. Der Grund ist, weil Sie gut aussehen. Sie sind so was wie ein schickes Kunstwerk im Foyer.

 

Cameron: Ich war eine der besten in der Uni.

 

House:      Aber nicht DIE Beste.

 

Cameron: Ich hab’ ein Praktikum an der Mayo absolviert.

 

House:      Ja, eine sehr gute Bewerberin.

 

Cameron: Aber nicht die Beste?

 

House:      Würde Sie das beleidigen, wirklich? Das Sie eingestellt wurden aufgrund Ihrer genetischen Schönheit, aber nicht aufgrund Ihrer Intelligenz?

 

Cameron: Ich hab’ dafür hart gearbeitet.

 

House:      Das hätten Sie nicht tun müssen. Menschen wählen den Weg, der ihnen den größten Erfolg bei geringster Anstrengung verspricht, das ist ’n Naturgesetz. Sie haben das nicht getan, deswegen wollt’ ich Sie. Sie hätten reich heiraten oder Model werden können, Sie hätten einfach nur die Hand aufhalten müssen und nehmen, was die Leute Ihnen geben und zwar reichlich. Aber Sie taten’s nicht, Sie haben sich Ihren süßen, kleinen Arsch abgerackert.

 

Cameron: Soll ich mich jetzt geschmeichelt fühlen?

 

House:      Hinreißende Frauen studieren nicht Medizin. Außer sie sind seelisch so beschädigt wie schön. Wurden Sie mal von einem Verwandten mißbraucht?

 

Cameron: Nein!

 

House:      Vergewaltigt?

 

Cameron: Nein.

 

House:      Aber Sie sind seelisch beschädigt, nicht?

 

Cameron sieht House schockiert an, in diesem Moment meldet sich ihr Pager.

 

Cameron: Ich werd’ gerufen.

 

SCHNITT: Dr. Cuddys Büro. Der ehemals orangefarbene Patient sitzt Dr. Cuddy gegenüber.

 

Patient:    Ich bin ihr gefolgt. Ich dachte fortwährend daran, was der Arzt gesagt hat.

 

Cuddy:      Ich hatte Ihnen geraten, nicht auf ihn zu hören.

 

Patient:    Ich war ORANGE.

 

Cuddy:      Ich will nicht wissen, was Sie rausgefunden haben.

 

Patient:    Es interessiert Sie nicht?

 

Cuddy:      Ich bin Ihre Ärztin. Sie waren gut zu mir und zu diesem Krankenhaus, natürlich interessiert es mich, aber ich sehe nicht, wie wir diese Unterhaltung positiv beenden können. Entweder hat Ihre Frau eine Affäre, oder sie hat keine Affäre. Und Sie wollen - und das mit Recht – das der Kerl gefeuert wird, aber das kann ich nicht, auch wenn uns das hier Geld kostet. Er ist der beste Arzt, den wir haben.

 

Der Patient seufzt auf und man sieht, daß an seinem Finger der Ehering fehlt.

 

SCHNITT: Rebeccas Zimmer.

 

Chase:      Geht’s Ihnen besser?

 

Rebecca:            Viel besser, Doktor.

 

Chase:      Wie Sie wissen, gelten hier gewisse Regeln und wie Sie auch wissen, neigen wir dazu, sie zu ignorieren. Dieser Regelverstoß wird ohne ihre Hilfe etwas eklatant werden.

 

Dr. Cameron kommt mit Rebeccas Kindergartenkindern herein.

 

Cameron: Falls Sie jemand fragt haben Sie elf Töchter und fünf Söhne.

 

Rebecca:            Hi, wer kommt denn da!

 

Klasse:     Hi!

 

Die Kinder umringen das Bett und geben Rebecca eine Karte.

 

Rebecca:            Ist das toll, euch zu sehen, ich hab’ euch wahnsinnig vermißt. Das ist für mich. Oh, das ist wunderschön.

 

Rebecca liest die Karte „Wir sind glücklich, daß du nicht tot bist, Rebecca”

 

Rebecca:            Oh, ich hab’ euch lieb, Kinder. [zu Chase und Cameron] Ich wollte Dr. House noch danken, aber er hat nie mehr reingeschaut.

 

Cameron:          Er hat Sie geheilt, Sie leider nicht ihn.

 

Rebecca:            [zu den Kindern] Ok, ich will jetzt von jedem von euch gedrückt werden. Kommt her!

 

Die Kinder bestürmen Rebecca und drücken sie fest ans ich.

 

SCHNITT: Ein Untersuchungszimmer. Dr. House schaut sich auf einem Minifernseher die Serie „General Hospital“ an, Dr. Wilson sitzt neben ihm.

 

Frau in der Serie: Ok.

 

Mann in der Serie: Eine Sekunde.

 

Frau in der Serie: Kammerflimmern.

 

House:      Du hast gesagt, sie wär’ deine Cousine. Warum diese Lüge?

 

Wilson:     Sonst hättest du den Fall nicht übernommen.

 

House:      Du belügst einen Freund, um eine Fremde zu retten. Findest du das nicht abartig?

 

Wilson:     Hast du mich nie belogen?

 

House:      Ich lüge niemals.

 

Wilson:     Ah, ja.

 

Mann in der Serie: Warum tun wir das hier?

 

Frau in der Serie: Weil wir Ärzte sind, wenn wir Fehler machen, sterben Menschen.

 

Dr. House lächelt ein wenig. Dr. Cuddy hatte kurz zuvor den gleichen Satz gesagt.

Es klopft an der Tür.

 

Krankenschwester: Dr. House? Da wartet ein Patient auf Sie.

 

Die Schwester schiebt die Jalousie ein wenig zur Seite und man sieht den Patienten, dem House die Süßigkeiten gegeben hat.

 

Krankenschwester: Er sagt, er braucht wieder was.

 

House:      [zu Dr. Wilson] Kannst du ’n Dollar kleinmachen?

 

SCHNITT: Überblick über das Krankenhaus und den Campus. Es ist Gesang zu hören: „No, you can’t always get what you want.” „You can’t always get what you want.”

 

 

 

 

---=== ENDE ===---