Transkript der Folge „Trautes Heim“ [#1.01] aus der Serie „King of Queens”

Transkript der Folge „Trautes Heim“ [#1.01] aus der Serie „King of Queens”

 

Letzte Änderung: 20.12.2014    

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!

Anmerkungen zu Übersetzungsfehlern oder Erklärungen zu sonstigen Auffälligkeiten sind in den Fußnoten zu finden.

 

Originaltitel: Pilot
Ausstrahlung: 21.09.1998
Deutscher Titel: Trautes Heim

Ausstrahlung: 26.03.2001

Buch: Michael J. Weithorn & David Litt
Regie: Pamela Fryman

 

Darsteller

Kevin James [Doug Heffernan]

Leah Remini [Carrie Heffernan]

Patton Oswalt [Spence Olchin]

Lisa Rieffel [Sara Spooner]

Larry Romano [Richie Lannucci]

Jerry Stiller [Arthur Spooner]

Victor Williams [Deacon Palmer]

 

Inhaltsangabe
Der Kurierfahrer Doug und seine Freunde Deacon, Spence und Richie sind aus dem Häuschen vor Freude: Dougs liebende Ehefrau Carrie hat ihn mit einem brandneuen Breitwandfernseher überrascht, den er seinen Kumpels nun stolz vorführen kann. Als er es sich am gleichen Abend mit Carrie vor dem guten Stück gemütlich machen will, platzt Carries Schwester Sara herein. Sie überbringt die traurige Nachricht vom Tod ihrer Stiefmutter Tessie. Bei der Trauerfeier beschließen die Schwestern, dass ihr Vater nun am besten in einem Heim aufgehoben sei. Ihr Vater Arthur schaltet jedoch auf stur und bleibt in seinem Haus, das jedoch kurz darauf wegen eines misslungenen Kochversuchs in Flammen aufgeht. Carrie kann nicht anders als Vater und Schwester bei sich aufzunehmen, was Doug gar nicht in den Kram passt. Er muss nämlich seine geliebte Kellerbude räumen und an romantische Stunden vor dem neuen Fernseher ist nun auch nicht mehr zu denken.  [Text: Sat.1]


Akt 1

 

Szene 1 – Das Haus der Heffernans

In der Küche. Carrie telefoniert, während sie einige Zettel in ein Regal schiebt.

 

Carrie: [am Telefon] Vor einer Stunde wurde der Fernseher geliefert und ehrlich gesagt, Kelly, das Ding ist so riesig, dass es schon fast lächerlich ist. Ich mein’ die Gebrauchsanweisung ist größer als unser alter Fernseher. [eilig] Oh, oh, ich muss auflegen, Doug kommt. Bis bald.

 

Carrie legt den Hörer auf und geht in Richtung Wohnungstür.

Doug kommt gerade herein, dreht sich in der Tür jedoch noch

mal um und ruft jemandem etwas zu.

 

Doug:   Ach ja!? Nur zu deiner Information, das ist eine Anweisung unserer Firma!

 

Carrie: Schatz!

 

Doug:   Selber Idiot! Halt du die Klappe!

 

Carrie: Doug!

 

Doug:   Diese Knalltüte lacht schon wieder über meine Shorts.

 

Carrie: Er ist fünf. Er weiß nicht, was er sagt.

 

Doug:   Es ist frustrierend. Er ist so gut angezogen, ich hab’ keine Chance gegen ihn. Hey, wieso arbeitest du nicht?

 

Carrie: Meine Bosse sind heute in Jersey und das hab’ ich ausgenutzt. Los, komm. Komm her, ich hab’ eine gigantische Überraschung für dich!

 

Doug:   Du bist schwanger. [gespielte Freude] Ja!

 

Carrie: Nein.

 

Doug:   [erleichtert] Gott sei Dank!

 

Carrie: Ach, hörst du wohl auf! Da wartet ’ne Überraschung im Keller auf dich!

 

Carrie nimmt Dougs Hand und zieht ihn hinter sich her in die Küche.

 

Doug:   Was?

 

Carrie: Och, nichts. Ich hab’ nur etwas liefern lassen, was eigentlich erst in drei Tagen da sein sollte.

 

Doug:   Du-du-du hast du, hast du, ich mein-meine hast du...

 

Carrie: Ja, exakt.

 

Doug läuft eilig in den Keller hinunter. Am Ende der Treppe hält er kurz inne, sieht den Fernseher und läuft auf ihn zu. Fasziniert bleibt er vor dem Gerät stehen und betrachtet es.

 

Doug:   [zum Fernseher] Ich liebe dich. [umarmt das Gerät] Und ich weiß mit der Zeit wirst du mich auch lieben. [Carrie kommt dazu] Ich muss die Jungs anrufen!

 

Carrie: Sind schon unterwegs.

 

Doug:   Du hast ihnen Bescheid -

 

Carrie: Jap.

 

Doug:   Du bist die beste Versandhausfee meines Lebens.

 

Doug küsst Carrie und beide lassen sich auf das Sofa fallen. Carrie sitzt bei Doug auf dem Schoß.

 

Carrie: Tja, Schätzchen, deine Höhle ist endlich fix und fertig.

 

Doug:   Ich bin wahnsinnig gern hier unten. Hier bin ich mit meinem alten Teppich und meinem Fußballtisch wieder in Mutters Schoß.

 

Carrie: Aua.

 

Deacon: [vom Treppenabsatz] Doug! Doug! Doug! Hast du ihn?!

 

Doug:   [ruft nach oben] Ja, er ist hier unten.

 

Dougs beste Freunde, Deacon, Richie und Spence, fallen die Treppe herunter. Carrie schüttelt den Kopf.

 

Carrie: Deine Freunde sind da.

 

Deacon: [rappelt sich auf] Ich fühle meine Beine nicht. Meine Güte, was für ein Fernseher!

 

 

VORSPANN

 

 

Szene 2 – Das Haus der Heffernans

Im Keller. Richie, Spence und Deacon sitzen auf dem Sofa und sehen in Richtung Fernseher. Doug steht mit der Fernbedienung in der Hand hinter dem Sofa und demonstriert seinen Freunden die Features des neuen Gerätes.

 

Doug:   Seht und staunt, was das Baby für Tricks auf Lager hat. Das flutscht wie von selbst. Nummer drei, Nummer zwei... und wumm. Hallo, 57.

 

Spence: Es wär echt nett, wenn du einen Kanal drin lassen würdest.

 

Doug:   Da, Bild im Bild... und da, Bild im Bild... im Bild.

 

Spence: Ich flehe dich an, ich krieg’ gleich ’n epileptischen Anfall.

 

Doug:   Na gut, ich geh’ ins Zweite. Ich wollte sowieso Nachrichten gucken.

 

Setzt sich auf einen Hocker.

 

Richie: [ungläubig] Nachrichten?

 

Doug:   Ja, wieso? Clinton ist in China und macht ’n dickes Geschäft. Vielleicht kannst du ja was lernen.

 

Für einen Moment starren alle gebannt auf den Fernsehschirm.

 

Richie: [zu Deacon] Würdest du’s mit Hilary tun?

 

Deacon: [zu Richie] Sie ist die First Lady, also müsst’ ich’s.

 

Richie: [zu Deacon] Also ich weiß nicht. Offen gestanden hat sie für meinen Geschmack zu sehr die Hosen an.

 

Deacon: Ich wüßt’ schon gern wie’s ist, ’ne First Lady flach zu legen.

 

Doug:   Was für tiefgründige Gespräche.

 

Carrie: [von oben] Doug? Es ist sechs Uhr. Schluss mit Fernsehen.

 

Doug:   [in Richtung Treppe] Okay, Schatz! [zu seinen Freunden] Jungs, ihr habt’s gehört, also verkrümelt euch.

 

Alle stehen auf und wenden sich zum Gehen.

 

Deacon: Dougie, mein Freund, du bist ’n Pantoffelheld.

 

Spence: Ja, ’n Pantoffelheld bist du.

 

Richie: Und du, du wohnst noch bei deiner Mutter.

 

Spence: Sie hat keinen Führerschein.

 

Doug:   Ey, ich hab’ ’n Vorschlag, ihr Maulhelden. Wir weihen das Baby zusammen ein. Sonntag vier Uhr Jets[1] gegen Miami. Okay?

 

Sie beginnen sich einen Football zu zuwerfen.

 

Deacon: Okay, okay.

 

Doug:   Oh, O’Donnell[2] weicht zurück und wirft ’n Pass. Nimm.

 

Carrie: [aus dem Obergeschoß] DOUG!

 

Doug:   Okay, Schatz. Ich liebe dich.

 

Schnitt: Die Küche.

Die Männer kommen aus dem Keller hoch, Carrie lässt sie durch die Hintertür hinaus.

 

Carrie: Kommt Kinder, kommt. Etwas Bewegung. Und Abmarsch, lieben Gruß an eure Frauen [zu Spence] und an Mutti.

 

Spence:       [im Gehen; genervt] Sie hat keinen Führerschein!

 

Doug:   [ruft hinterher] Also, wir sehen uns dann Sonntag, ihr Nasen! Richie, pinkel’ da nicht hin! Ja, da ist gut. [schließt die Tür] Ich liebe diese Jungs.

 

Carrie: Wie schön, vielleicht bekommst du sie auch irgendwann stubenrein. Hallo.

 

Sie küssen sich.

 

Doug:   Danke, dass du meinen Fernseher hast früher liefern lassen. Du bist die Größte.

 

Carrie: Uh, ganz was neues.

 

Doug:   Wie wär’s wenn wir uns ’n Film ausleihen und mit ’ner Flasche Wein ’n schönen Abend machen?

 

Carrie: Heute?

 

Doug:   Mhmm.

 

Carrie: Du weißt doch, heute geht’s nicht. [Doug: „Wieso?“] Wir sind bei Daddy zum Essen eingeladen. Warum hab’ ich dir wohl sonst ’n Zettel in den Käse gesteckt?

 

Doug:   Och, nur das nicht. Carrie, bitte! Du weißt, mir bekommt das Klima nicht.

 

Carrie: Jetzt hör auf. Es ist nur ein Essen, vollkommen schmerzlos.

 

Doug:   Ja, für dich. Du sitzt auch mit seiner neuen Frau drin. Wie war ihr Name?

 

Carrie: Tessie.

 

Doug:   Ja, wußt’ ich’s doch. Aber mich zwingt dein verrückter Vater mit ihm auf der Straße kaputtes Glas zu suchen. Mach ihm doch mal klar, dass man das als Zahlungsmittel niemals zulassen wird.

 

Carrie: Es stimmt, er ist ein bisschen durchgeknallt, aber wir können’s nicht schon wieder absagen. Ich weiß, sie haben dir schon die letzte Ausrede nicht geglaubt. Was war das noch? Du würdest „beim Verkehr“ feststecken?

 

Doug:   War ’n Versprecher.

 

Carrie: Ja.

 

Doug:   Komm schon, Carrie. Ich möchte heute Abend mit dir allein sein. Seit 17 Tagen... hat ich schon keinen... du weißt schon... Spaß mit dir. Und du mit mir schon seit Monaten keinen mehr.

 

Carrie: Gut ich mach’s. Aber das das nicht einreißt.

 

Nimmt das Telefon und beginnt zu wählen.

 

Doug:   Jaaa!

 

Carrie: Feigling.

 

 

Szene 3 – Das Haus der Heffernans

Am Abend. Carrie und Doug sitzen auf dem Sofa vor dem neuen Fernseher. Doug hat sich zurückgelehnt und hält die Fernbedienung gegen das Licht.

 

Doug:   Guck dir das Ding an. Es sieht aus wie das Handy von Mr. Spock. Es leuchtet sogar. Ich kann die Knöpfe sehen, obwohl es dunkel ist.

 

Carrie: Liebling, hab’ ich mich verhört, oder wollten wir heute Abend ein bisschen unanständig sein?

 

Doug:   Also ich wär’ soweit, und du?

 

Carrie: Lieber Freund, ich betrachte seit zwei Stunden Denzel Washington, ich bin bereit!

 

Doug:   Dann zeig’s mir.

 

Carrie: Also los! Hey du, ich will einen fairen Kampf und niemals die Deckung vernachlässigen, hörst du. [Sie küssen sich; plötzlich ist ein lautes, hämmerndes Geräusch zu hören] Was ist das?

 

Doug:   Klingt wie... [zieht Carrie wieder zu sich herunter] Das hört schon wieder auf.

 

Carrie: Ich werd’ hingehen.

 

Doug:   [hält sie zurück] Nein, nein, nein, du bleibst hier. Warte auf mich und bleib’ schön in Stimmung. [zieht sein Shirt hoch und zeigt auf seinen nackten Bauch] Hey, das kommt gleich wieder zurück.   

 

Doug läuft eilig die Treppe hinauf und durch Küche und Wohnzimmer in Richtung Wohnungstür.

Er öffnet die Tür. Es ist Sara Spooner, Carries Schwester.

 

Sara:     [aufgeregt] Oh, ich-ich -

 

Doug:   Oh, Sara. Lass mich raten, du bist in einer Riesenkrise und willst zu deiner Schwester.

 

Sara:     Ja...

 

Doug:   [knallt die Tür zu und will wieder gehen] Geht nicht. Schönen Abend.

 

Sara:     [durch den Briefschlitz] Tessie ist gestorben!

 

Doug:   [dreht sich herum] Tessie ist gestorben? Oh, man.

 

Sara:     Ja, als ich aus der Schauspielschule kam, sagte Dad, dass sie einen Herzinfarkt hatte.

 

Doug:   Wer konnte das ahnen.

 

Sara:     Ja, sie hat nichts gesagt.

 

Doug:   Und wie geht’s ihm?

 

Sara:     Na ja, er ist ziemlich fertig.

 

Doug:   Und du bist okay?

 

Sara:     Ich bin ziemlich nass, weil der Sprinkler gerade angegangen ist.

 

 

 

Szene 4 – Das Haus von Arthur Spooner

Nach der Beerdigung. Das Haus ist voller Gäste. Arthur sitzt am Tisch, Doug lehnt gelangweilt an der Wand und isst etwas, Carrie steht neben ihm.

 

Carrie: Armer Dad. Es ist sicher furchtbar für ihn. Tessies Tod wird ihm das Herz brechen, fürchte ich.

 

Doug:   Das ist kein Tubensenf, das ist irgendwas ganz feines. Hier. Willst du probieren?

 

Carrie: Ich spreche mit Sara. Kümmer’ dich ein bisschen um ihn, okay? [geht]

 

Doug:   [geht zu Arthur hinüber und setzt sich neben ihn] Wie geht’s denn so, Arthur? Wirst du klar kommen?

 

Arthur:  Guck dir den Kerl an.

 

Doug:   Welchen Kerl?

 

Arthur: Den Frankenstein, der da drüben am Büffet rumlungert. Er klaut Essen. Siehst du den Bratenaufschnitt? Guck genau hin, gleich ist er weg!

 

Doug:   Er macht sich ein Sandwich.

 

Arthur: Noch eins?   Das ist das dritte! Hey, Sie! Ich glaube, das Ableben meiner Frau macht Sie ziemlich hungrig, hä?! Aber jetzt reicht’s! Schluss mit dem Gefresse. Wir holen uns unseren Aufschnitt zurück! [steht auf]

 

Schnitt: Die Küche

Sara sitzt am Tisch, Carrie stellt Kuchen auf ein Tablett

 

Sara:    In ein Seniorenwohnheim? Also ich weiß nicht, Carrie. Können wir ihm das wirklich zumuten?

 

Carrie: Hör doch auf, wir haben das besprochen. Es ist das Beste.

 

Sara:    Ich, ich weiß. Aber die machen doch manchmal Experimente mit alten Menschen, treiben sie durch Labyrinthe und besprühen sie mit Chemikalien.

 

Carrie: Nein.

 

Sara:    Okay, aber da ist noch ’ne andere Sache. Wenn er das Haus verkauft, wo soll ich dann bitte mietfrei wohnen?

 

Carrie: Hast du etwa überhaupt nichts zurückgelegt?

 

Sara:    Ach, wovon? Ich dachte, ich bekomm’ diesen Mentos-Spot, aber sie fanden ich wirk’ nicht „fresh and full of life.“ Blödes Pack!

 

Carrie: Na gut, für ein Weilchen kannst du vielleicht bei uns -

 

Sara:     [umarmt Carrie] Nein! Ach wie schön, ich dank’ dir Carrie. Hey, darf ich mein Zimmer schwarz streichen?

 

Doug kommt herein.

 

Doug:   Schatz, ähem, dein Vater verschreckt die Trauergäste.

 

Carrie: Oh, ich komme.

 

Doug:   Gut.

 

Carrie:  [zeigt auf seine Hände] Was hast du da?

 

Doug:   [zeigt die eine Hand] Das ist der Aufschnitt von einem Gast... [zeigt die andere Hand] und seine Frau hatte Kartoffelsalat.

 

Schnitt: Das Wohnzimmer

Arthur begleitet den Pater zur Wohnungstür.

 

Arthur: Danke, Pater. Das war eine schöne Predigt. [drückt ihm einen Geldschein in die Hand] Hier, kaufen Sie sich ’n leckres Eis. 

 

Carrie, Doug und Sara kommen aus der Küche hinzu.

 

Carrie: Dad, Sara und ich möchten etwas mit dir besprechen.

 

Arthur: Was denn, Kleines?   

 

Carrie: Tja, jetzt wo Tessie von uns gegangen ist, werden sich hier ein paar Dinge ändern müssen.

 

Sara:    Ja, Dad, vielleicht wär’ es ganz gut, weißt du, wenn ich dich hier nicht mehr nerven würde. Genau gesagt, darf ich bei Doug und Carrie wohnen, bis ich ’ne eigene Wohnung habe.

 

Carrie: [zu Doug] Keine Panik.

 

Arthur: Oh, das ist ja wunderbar, mein liebes Kind.  Dann mach’ ich aus deinem Zimmer ein Gewächshaus. Da zücht’ ich mir ’n bisschen was für den Hausgebrauch.

 

Sara:     Dad, ähem, eigentlich ist da  noch was. Es ist... Carrie, du?

 

Carrie: Weißt du, Dad, wir haben überlegt, äh, dass es unter diesen Umständen vielleicht besser für dich wäre, wenn du das Haus verkaufst und umziehst in ein… nettes Seniorenwohnheim.

 

Arthur: Ich sag’ dazu nur zwei Worte: „Ich bleibe hier!“ 

 

Carrie:  Das waren drei.

 

Arthur: Ach ja, dann kriegt ihr jetzt vier: „Verzieht euch!“ 

 

Carrie: Das waren zwei.

 

Doug:   Vielleicht solltest du aufhören, uns vorher zu sagen wie viele Worte es werden.

 

Arthur: Ja, einmal damit angefangen steckst du fest.

 

Doug:   Ja, das ist dann so -

 

Carrie: Danke, das reicht jetzt. Dad, hör zu, wir lieben dich und wir respektieren dich. Aber wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen, du brauchst… etwas Aufsicht.

 

Arthur: Das war sehr hässlich! 

 

Carrie: Oh, Daddy, bitte. Als Tessie einmal für zwei Minuten weg war hast du angefangen das Dach neu zu decken. Nur mit Socken an... und ohne Schindeln.

 

Arthur: Nur weil jemand allein ist und alt, und weil er etwas exzentrisch ist, wollt ihr ihn also abservieren wie ein  altes Pferd, richtig? Dazu sage ich euch klipp und klar: solange ich noch in der Lage bin zu atmen, solange ich noch den klitzekleinsten Hauch von Würde in mir spüre, werde ich weiter hier leben und werde mich selber versorgen. Denn dieses Haus ist das Werk meiner eigenen Hände.

 

Schnitt: Das Haus brennt lichterloh.

Arthur steht bei Doug und Carrie vor dem Haus.

 

Arthur: Ob ich wohl jetzt noch schnell ’ne Versicherung abschließen kann?

 

 

 

Akt 2

 

Szene 1 – Das Haus der Heffernans

In der Küche. Arthur sitzt am Tisch, Carrie auf einem Hocker. Doug kommt durch die

Hintertür herein.

 

Doug:   [zu Carrie] Hey, Schneckchen. Rate mal, wer neun Dollar beim Pokern gewonnen hat? Wenn  du Doug Heffernan geraten hast, war der Tipp richtig. Is’ was? Wieso... sitzt dein Dad überhaupt hier? Und warum riecht er wie geräucherter Speck?

 

Carrie:  Tja, Dad hatte die Idee sein Essen auf einer... 42 Jahre alten Kochplatte zu kochen und dabei hat er sein Haus abgefackelt.

 

Doug:   Er hat was? Ab-b-b-b-ber im Haus war doch eine wunderschöne Küche? Wozu dann dieser Kochplatten Quatsch?

 

Carrie: Du musst das so sehen: es war seine Glückskochplatte.

 

Arthur: [hält eine verkohlte Kochplatte hoch] Das hier ist sie. Sie hat als einzige das Feuer überlebt. 

 

Sara kommt mit einem Karton auf dem Arm durch die Hintertür herein.

 

Sara:     Tja, hier sind dann meine restlichen Sachen. [schüttet den Inhalt des Kartons, Asche, in den Mülleimer]  Gute Nacht. [geht in Richtung Wohnzimmer]

 

Arthur: Ich hab’ alles verbockt. 

 

Doug:   Keiner wurde verletzt. Sara und dir geht es gut. Alles andere ist unwichtig.

 

Arthur: Mir geht es nicht gut. Ich bin nur ein dummer alter Wichtigtuer, der auf der Erde nichts mehr verloren hat. Carrie... geh’ und such’ für mich eins von diesen Paradiesen für Rentner aus und ich werde gehen. [steht auf und geht, die Kochplatte hinter sich her schleifend in Richtung Wohnzimmer]

 

 

Szene 2 – Das Haus der Heffernans

Im Keller. Doug und Carrie kommen die Treppe herunter und setzen sich auf das Sofa.

 

Doug:   Hör zu, Schatz, wenn du willst nehme ich mir morgen einen Tag frei und wir suchen ihm ein hübsches Heim. Ich liefer’ öfter an ein ganz nettes am Queens Boulevard. Die haben tolle Makkaroni in Käsesoße. Hey, was bedrückt dich?

 

Carrie: Doug, mir ist gerade was klar geworden. Ich kann das nicht so einfach, ihn in irgendeinem Heim abliefern, wo sie ihn vielleicht nur auf einen Stuhl setzen und ihn mit Haferschleim voll stopfen. Er ist doch mein Vater.

 

Doug:   Ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst. Aber sieh es realistisch. Du hast keine Wahl.

 

Carrie: Na ja, es-es gäbe eine Alternative.

 

Doug:   Einschläfern? Das können wir nicht tun.

 

Carrie: Wie bitte?! Ich meinte, er könnte bei uns im Haus wohnen. Hier.

 

Doug:   Hier?

 

Carrie: Ja.

 

Doug:   Wir hätten für ihn gar keinen Platz mehr, weil Sara schon im Gästezimmer wohnt. Und ein anderes Zimmer haben wir nicht mehr, außer diesem. [begreift plötzlich] Oh, nein-nein-nein. Das ist meine Zuflucht, du weißt, „Mamas Schoß.“

 

Carrie: Aber er sah so tief deprimiert aus, als er meinte, er würde dann doch in so ein Altersheim gehen.

 

Doug:   Auf dich wirkte er deprimiert? Nicht auf mich! Ich hab’ bei ihm die nervöse Energie erkannt, wie sie die Kinder haben, die zum ersten Mal ins Sommercamp fahren. Ich zitter’ zwar, aber ich find’s auch aufregend! [Carrie beginnt zu weinen] Oh, Schatz, bitte tu das nicht.

 

Carrie: Tut mir Leid. Es ist nur so, ich hab’ Schuldgefühle wegen meines Vaters. Aber wenn ich ihm helfe, tu’ ich dir weh und das will ich nicht, weil ich dich liebe.

 

Doug:   Bitte, Carrie, wein nicht. Du weißt, wenn du weinst... [wendet sich ab und beginnt ebenfalls zu weinen] Oh, Gott. Gut, er kann hier wohnen. Ist okay.

 

Carrie: Schatz, ist das dein ernst?

 

Doug:   Ja, ich will dieses blöde Zimmer sowieso nicht. [wirft seinen Football in die Ecke]

 

Carrie: Oh, du bist der Beste. Ich danke dir. Komm, wir sagen es ihm.

 

Doug:   Es ist so schrecklich.

 

Carrie: Geht es wieder?

 

Doug:   Noch ’n paar Minuten. Hältst du mich fest?

 

Carrie:  Ja.

 

Doug legt seinen Kopf in Carries Schoß und weint.

 

 

Szene 3 – Das Haus der Heffernans

Im Schlafzimmer. Doug, Deacon, Spence und Richie sitzen auf dem Bett und schauen

sich ein Spiel auf dem neuen Großbildfernseher an. Richie isst ein Sandwich.

 

Spence:       Na macht schon, fangt endlich an zu stürmen! Die versauen doch alles!

 

Deacon: Es steht schon ungefähr 50 zu 3. Oder irgend sowas. Ich kann den unteren

Rand vom Bildschirm nicht sehen.

 

Doug:   Richie, pass ‚’n bisschen auf. Carrie hasst Krümel auf’m Plumeau[3].

 

Richie: Was is’ denn ’n Plumeau?

 

Doug:   Keine Ahnung, aber es war die Gegend, die sie so genannt hat.

 

Spence deckt sich, und damit alle anderen auch, mit der Decke zu.

 

Deacon: [zu Spence] Nimm die blöde Bettdecke weg.

 

Spence: Aber hier zieht’s, weil -

 

Deacon: Weg mit der Decke, Muttersöhnchen!

 

Spence: Wieso ist denn deine Stimmung so mies?

 

Deacon: Weil ich mir ’n Footballspiel unter einem Plumeau ansehen muss. [zu Doug] Das ist                

scheiße, man!

 

Doug:   Jetzt mach mich bloß nicht an, ja! Die Familie meiner Frau wohnt jetzt hier. Du haust nachher ab.

 

Richie: [zu Doug] Hey Kumpel, ich hab’ ’ne Frage. Wo jetzt die Schwester von deiner Frau hier  wohnt... streiten die beiden sich manchmal und rangeln ein bisschen herum und bewerfen sich dann gegenseitig mit Kissen und solchen Sachen? Und dann gehst du dazwischen und dann vertragt ihr euch alle und küsst euch heiß und innig... [Doug und Deacon sehen ihn entsetzt an] Na ja, war nur so ’n Gedanke.

 

Spence: Ist das Kissen da aus Hanf oder habt ihr immer -

 

Doug:   [entreißt ihm das Kissen] Ihr macht mich wahnsinnig. [geht]

 

Schnitt: Die Küche

Carrie und Sara stehen vor der geöffneten Kühlschranktür. Carrie hat eine Milchtüte in der Hand. Doug kommt herein.

 

Carrie: So, sieh genau hin, Sara. Wenn man das hier tun kann, [dreht die Tüte herum, um zu zeigen, dass sie leer ist] bedeutet das, man muss gehen und eine neue holen, klar?

 

Sara:     Ach, um die blöde Milch geht’s dir doch gar nicht. Du bist wütend, weil ich den Hausschlüssel verloren habe mit eurer Adresse dran.

 

Carrie: Was?

 

Sara:     Du hast genau verstanden.

 

Doug:   [hält Carrie das Kissen hin] Hier, falls du... du weißt schon.

 

 

Szene 4 – Das Haus der Heffernans

Im Schlafzimmer. Doug sitzt auf dem Bett und schaut auf den eingeschalteten

Fernseher. Carrie kommt im Bademantel und einem Handtuch um den Kopf herein.

 

Carrie: Schatz, ich bin fertig.

 

Doug steht auf, drängelt sich am Fernseher vorbei und geht Richtung Badezimmer.

Schnitt: Das Bad.

Doug steht vor dem Spiegel und rasiert sich. Plötzlich geht die Tür auf und Sara kommt, nur mit einem Handtuch bekleidet, hereingestürmt. Doug kriegt einen Schrecken und zuckt zusammen.

 

Sara:     Oh, hi. Rasier’ dich ganz ruhig weiter.

 

Doug:   Hey, was soll das? ich bin mit duschen dran!

 

Sara:     Ich muß zu ’ner wichtigen Audition. Ich brauch’ nur fünf Minuten, okay ’ne halbe Stunde. [verschwindet in der Dusche]

 

Doug:   Frauen.

 

Sara beginnt zu duschen, Doug will sich weiter rasieren, kann dies aber nicht tun, da er von Saras Silhouette abgelenkt wird.

 

Schnitt: Die Küche

Doug sitzt am Tisch und löffelt Cornflakes, Carrie kommt herein.

 

Carrie: In der U-Bahn wird heute Morgen die Hölle los sein, glaube ich. [sieht Dougs Gesicht, das mit Toilettenpapierschnipseln verziert ist] Dein Gesicht, was ist mit deinem Gesicht passiert?

 

Doug:   Das möchte’ ich nicht sagen.

 

Carrie: Und wieso hast du noch den Pyjama an, es ist fast acht. Hast du etwa noch nicht geduscht?

 

Doug:   Deine Schwester duscht seit 20 Minuten.

 

Carrie: Probier’s doch mal mit der Toilettenspülung.

 

Doug:   Schon geschehen, sie schreit bloß und macht weiter.

 

Carrie: Gut, ich hol’ sie raus. [geht]

 

Arthur kommt aus dem Keller hoch.

 

Arthur: Hach, ich hab geschlafen wie ein Baby. 75 Jahre alt und der Kleine reckt mir immer noch zur Begrüßung das Köpfchen entgegen.

 

Doug lässt den Löffel fallen und schiebt den Teller von sich.

 

Sara:     [aus dem Obergeschoß] Das Bad ist frei.

 

Arthur: Ich komme. Irgendwie ist mir so, als wird das für mich ’n guter Tag. [geht]

 

 

 

Szene 5 – Dougs Paketwagen

Doug fährt gerade eine Straße entlang, als ihn ein Funkspruch erreicht.

 

Dougs Kollegin:       Doug, ich hab’ deine Frau in der Leitung. Soll ich sie durchstellen?

 

Doug:   Ja klar, bitte.

 

Carrie: [am Telefon] Doug?

 

Doug:   Hi Babe.

 

Carrie: Hi. Wie geht’s dir so?

 

Doug:   War schon mal besser. Ich hab’ für die halbe Stunde Verspätung wieder mal eine rein gekriegt.

 

Carrie: Schon wieder? Das war die vierte Rüge diesen Monat.

 

Doug:   Was gibt’s?

 

Carrie: Nichts. Ich hab’ nur grad hier gesessen und an dich denken müssen. Daran wie sehr ich dich liebe und wie toll du dich in der Sache mit Dad verhalten hast und so.

 

Doug:   Ach, halb so wild.

 

Carrie: Das seh’ ich nicht so. ich meine, seit er bei uns wohnt ist er eindeutig ruhiger geworden. Vor einer Stunde habe ich mit ihm telefoniert und er sagte, er wollte den Rest des Nachmittags in seinem Zimmer verbringen und lesen. Na, wenn das nichts ist?! [Doug sieht zum Fenster hinaus und sieht neben sich ein Cabrio mit Arthur am Steuer und zwei Mädchen neben sich. Arthur winkt ihm zu] Doug? Doug?

 

 

Szene 6 – Das Haus der Heffernans

Im Wohnzimmer. Arthur sitzt im Sessel, Carrie und Doug stehen neben ihm.

 

Arthur: Ich wollte mir bloß mal einen Film angucken! Wieso ist das so ’n Drama?

 

Carrie: Dagegen habe ich nicht das Geringste einzuwenden. Was mir aber Probleme macht, Daddy, sind die Nutten.

 

Arthur: Hör zu, ich hab’ mich ganz einfach einsam gefühlt und allein macht Kino nun mal keinen Spaß. Und das war auch schon alles. Er hätte mich vor meinen Freundinnen nicht so blamieren sollen.

 

Doug:   Jetzt mach aber mal halblang. Wer von uns hat das Pfefferspray abgekriegt?!

 

Sara:     [kommt aus der Küche hinzu] Hey Leute, ich wollt’ ‚ne Party machen, ist Dienstag okay?

 

Doug:   Ist es nicht.

 

Arthur: Und Dienstag treff’ ich mich mit dem Club der toten Philosophen.

 

Sara:     Leg’ das doch einfach auf Donnerstag. Das geht nicht, keine Diskussion.

 

Doug:   Schluss jetzt. Mir reicht es langsam, okay?! Dies ist mein Haus, ich bezahl’ die Bankraten. Genauer gesagt bezahlt sie das meiste, aus Steuergründen. Damit das klar ist, von jetzt an gibt’s hier Regeln. Keine Partys, keine toten Philosophen und keine Nutten. Kein vordrängeln im Bad und vor allen Dingen keine nackten Silhouetten mehr, wenn ich mich vorm Spiegel rasieren will... [Carrie runzelt verwundert die Stirn] Verstanden, Arthur?!

 

 

Szene 7 – Das Haus der Heffernans

Das Schlafzimmer. Doug liegt im Bett, Carrie kommt herein und legt sich ebenfalls ins Bett.

 

Carrie: Na endlich. Hui. Sara ist ausgegangen, Dad hat heute Abend Kellerarrest, wir zwei sind also ganz allein, Doug. Falls das dein richtiger Name ist. Was ist mit dir, Schatz?

 

Doug:   Bin nicht in Stimmung.

 

Carrie: Wieso nicht?

 

Doug:   Ich fühl’ mich fett.

 

Carrie: Würdest du wohl damit aufhören, du bist nicht fett, sondern -

 

Doug:   Ich weiß, stattlich, ja.

 

Carrie: Stattlich, ganz genau. Spuck’s aus, was ist wirklich los?

 

Doug:   Ich vermisse unser altes Leben. Nur du und ich zu zweit. Wir hatten unser Haus für uns und konnten im Fernsehen mehr als die obere Hälfte vom Film sehen.

 

Carrie: Ich weiß, mir geht’s genau so, ganz genau so. Versuch’ es doch so zu sehen, manchmal reicht die obere Hälfte... völlig aus, nicht?

 

Doug:   Da hast du wohl recht.

 

Carrie: Okay. [Sie küssen sich]

 

Doug:   Warte. Die obere Hälfte reicht dir völlig aus? Was zum Teufel willst du damit sagen?

 

Carrie: Absolut gar nichts, wirklich. Wir haben seit einem Monat keinen Sex mehr gehabt. Können wir nicht nachher darüber reden?

 

Doug:   Ja, wenn ich dann noch kann, Baby.

 

Carrie: Okay.

 

Sie küssen sich wieder. Plötzlich beginnt das Licht zu flackern und geht dann schließlich ganz aus.

 

Doug:   Sag’ mal, hast du deinem Vater die Kochplatte abgenommen?

 

Carrie: Hätt’ ich vielleicht tun sollen, hä?

 

Doug:   Okay, wir machen weiter, bis wir Rauch riechen.

 

 

 

 

 

 

---=== ENDE ===---