Transkript der Folge „Keine Hochzeit auf Barbados [#1.01] aus der Serie “Cheers”

Transkript der Folge „Keine Hochzeit auf Barbados [#1.01] aus der Serie “Cheers”                                                  
Letzte Änderung: 24.12.2014  

Bei diesem Skript handelt es sich nicht um ein Originaldrehbuch, sondern um die Mitschrift der TV-Version dieser Folge!

 

Originaltitel: Give Me a Ring Sometime
Ausstrahlung: 30.09.1982
Deutscher Titel: Keine Hochzeit auf Barbados
Ausstrahlung:

Buch: Glen Charles & Les Charles
Regie: James Burrows

 

 

Darsteller
Ted Danson (Sam Malone)          

Rhea Perlman  (Carla Tortelli  )

George Wendt (Norm Peterson)   

John Ratzenberger (Cliff Clavin)  

Shelley Long (Diane Chambers)

Nicholas Colasanto  (Ernie "Coach" Pantusso)   

         

Gastdarsteller
Erik Holland (Schwedischer Gast)
Michael McGuire (Professor Sumner Sloane)
John P. Navin, Jr. (Junge)
Ron Frazier (Ron)

 

Inhaltsangabe

Das Cheers ist eine kleine Bar in Boston, Massachusettes. Der Eigentümer, Sam Malone ist ein ehemaliger Baseballprofi der „Boston Red Sox“. Ein Paar betritt die Bar. Professor Sumner Sloane und seine Verlobte Diane Chambers sind auf dem Weg nach Barbados, wo sie heiraten wollen. Allerdings hat Sumners Ex-Frau immer noch den Hochzeitsring. Deshalb bittet der Professor Sam, auf Diane aufzupassen während er den Ring holen geht.

Sam versucht mit Diane ins Gespräch zu kommen, aber Diane hat kein Interesse. Währenddessen kommen die anderen Angestellten der Bar zur Arbeit: Carla Tortelli und der Barkeeper Ernie „Coach“ Pantusso (Sams ehemaliger Baseball Coach).

Als die Bar sich mehr und mehr mit Gästen füllt, und viele Gäste sich für die einsame Diane zu interessieren beginnen, hofft Diane immer noch, dass ihr Verlobter endlich zurückkommt.

Sumner kommt schließlich tatsächlich zurück, allerdings ohne den Ring. Später ruft seine Ex-Frau in der Bar an und sagt, dass sie den Ring hätte und er ihn  nun abholen könne. Also lässt er Diane wieder im Cheers zurück und will den Ring holen. Diane soll unterdessen am Flughafen anrufen und den Flug verschieben. Diane beginnt zu vermuten, dass es Sumner nicht so ernst mit ihr ist. Sie bespricht die Angelegenheit mit Sam, der vermutet, dass Sumner bereits mit seiner Ex-Frau im Flugzeug sitzt. Als ein Anruf beim Flughafen diese Vermutung bestätigt ist Diane schwer enttäuscht und will nach Hause gehen. Allerdings wird ihr klar, dass sie keinen Job mehr hat (sie arbeitete als Assistentin von Sumner). Aus Mitleid gibt ihr Sam daraufhin einen Job als Kellnerin in der Bar, den sie schließlich auch annimmt.


Szene 1 – Das Cheers

Sam Malone, der Barbesitzer, kommt mit einem Karton in der Hand aus dem Billardzimmer der Bar und geht hinter die Theke. Die Bar hat noch nicht geöffnet und Sam beginnt Becher aus dem Karton zu nehmen und unter der Theke zu verstauen. Die Tür öffnet sich und ein Teenager kommt herein und setzt sich an die Theke.

 

Junge:         Komm mit ’nem Bier rüber, Chef!

 

Sam:           Komm mit ’nem Ausweis rüber, Junge!

 

Junge:         [lacht] Einen Ausweis. Das is’ ’n Kompliment, das muss ich meiner Frau erzählen. [nimmt einen Ausweis aus der Tasche und gibt ihn Sam]

 

Sam:            Ah, Militärausweis. Erster Sergeant Walter Keller, geboren 1943. Dann  bist du ja 51! Du warst bestimmt in Vietnam?

 

Junge:         Oh ja, ja!

 

Sam:           Wie war’s denn da?

 

Junge:         [rümpft die Nase und schüttelt sich] Ätzend!

 

Sam:           Ja, das sagt man allgemein, der Krieg ist ätzend. Tut mir Leid, Soldat.

 

Junge:         Das ist also der Dank dafür.

 

 

 

Vorspann

 

 

Szene 2 – Das Cheers

Später. Der Junge will gerade gehen und öffnet die Tür, als ein Paar eintritt. Sie haben Koffer bei sich und sind offensichtlich in Eile.

 

Diane:          Sumner, das ist doch Wahnsinn!

 

Sumner:      Warum, Diane? Wir sind bald verheiratet.

 

Diane:          Ja, schon...

 

Junge:         Verheiratet? Ich gratuliere. Das müssen wir feiern mit einem Drink.

 

Sumner:      Das glaube ich nicht.

 

Junge:         Ich geb’ der Sache sechs Monate.

 

Sumner:      Vielleicht sollten wir nicht sofort Kinder haben. Komm wir setzen uns hierhin.

 

Sie gehen auf einen Tisch zu, stellen ihr Gepäck ab, setzen sich aber nicht.

 

Diane:          Sumner, wir müssen unser Flugzeug erreichen!

 

Sumner:      Nein, ich bestehe darauf, dass du bei unserer Hochzeit den alten Ehering meiner Großmutter am Finger hast.

 

Diane:          Du hast gesagt, dass der Ring noch am Finger deiner Ex-Frau steckt. Ich brauche ihn nicht, wenn ich nur dich habe.

 

Sumner:      Stimmt. Aber Symbole sind wichtig. Ich ruf’ nur schnell Barbara an, mal sehn ob sie da ist. Ah, da hinten ist ein Telefon. [geht zum Telefon] Aber zur Feier des Tages trinken wir hier Champagner!

 

Diane setzt sich.

Das Telefon klingelt mehrmals. Diane steht auf, beugt sich über die Theke und nimmt den Hörer ab.

 

Diane:          Hallo? Sam? [Sam kommt aus dem Hinterzimmer, er isst gerade etwas] Sind Sie Sam?

 

Sam:            Jaa.

 

Diane:          Ja, er ist da. Eine Dame namens Vicky. [hält ihm den Hörer hin]

 

Sam: [tritt erschrocken einen Schritt zurück] Mhm, nein, nein!

 

Diane:          Nein, Sie weiß, dass Sie hier sind. Ich habe es ihr gesagt.

 

Sam:           Hm, aber... [kann mit vollem Mund nicht sprechen und gestikuliert nur]

 

Diane:          [am Telefon] Nein, hören Sie, tut mir Leid ich habe mich geirrt, er ist gerade weggegangen. Wohin? [sieht Sam an, der gestikuliert indem er sich ein Tuch umhängt und sich mit der Hand durch die Haare fährt, als wäre er beim Friseur] Ja.. äh, ich glaube was er gemacht hat, ist... äh er ist zum... er ist zum Pantomimenunterricht. Ja, ja, ich richte ihm etwas aus. Bitte, bitte.

 

Sam:           Und?

 

Diane:          Sie sind ein prachtvoller Schwindler und Betrüger.

 

Sam:           Danke. Was sollen Sie ausrichten?

 

Diane:          Nicht, dass Sie denken, ich hätte das gern getan. [setzt sich wieder an den Tisch]

 

Sam:            Tut mir Leid. Wenn mir dieser Schuppen nicht gehören würde, würde ich mich sofort entlassen. Ich sag’ Ihnen was – dafür dass Sie für mich gelogen haben, lade ich Sie zum ersten Drink ein.

 

Diane:          Oh, ich hätte gern eine Flasche Ihres besten Champagner!

 

Sam:           So groß war die Lüge nicht.

 

Diane:          Nein, nein, wir bezahlen dafür.

 

Sumner:      [kommt zurück] Wir stehen kurz vor der Hochzeit.

 

Sam:           So? Ja dann, dann spendiere ich ihn. Ich gratuliere!

 

Sumner:      [setzt sich zu Diane] Es ist alles gut. Barbara ist daheim und sagt, ich kann rüberkommen.

 

Diane:          So? Ja, dann... soll ich mit dir kommen?

 

Sumner:      Nein, es könnte ein bisschen heikel werden. Und wenn sie dann noch die überwältigende Schönheit sieht, die mich ihr ausspannt, dann bricht der armen Frau doch total das Herz.

 

Sam serviert den Champagner.

 

Diane:          Oh, Sumner, ich bin doch keine Schönheit.

 

Sumner:      Gotteslästerung!

 

Sam:           Und wo wird die Trauung stattfinden?

 

Diane:          Wir heiraten morgen in Barbados!

 

Sam:           Oh ja, schön.

 

Sumner:      Ich bin Dr. Sumner Sloane, Professor für Literatur an der Universität.

 

Sam zeigt sich unbeeindruckt.

 

Diane:          Er hat einen Artikel in dem neuen Harpers.

 

Sam:           Oh.

 

Sumner:      Diane ist fast zwei Jahre lang meine Assistentin gewesen und heute saß ich in meinem Büro – mit Diane – ich blickte auf von meinem Proust, sie hatte ihre Nase in ihrem Yates, und da sagte ich mir „bin ich denn eigentlich verrückt! Dieses Mädchen darf nicht aus meinem Leben verschwinden.“ Und so habe ich ihr gleich im Büro einen Heiratsantrag gemacht.

 

Diane:          [verträumt] Was er genau gesagt hat war „Komm mit mir und werde meine Liebe und wir werden uns neue Freuden erobern – Dunne.“

 

Sam:           Und warum nicht gleich?

 

Sumner:      Nein, nein, John Dunne, der Poet.

 

Sam:           Oh, ja. Sehr hübsch.

 

Sumner:      [steht auf] Also, ich muss jetzt los. Ich komme in zehn Minuten zurück. [dreht sich zu Sam um] Entschuldigen Sie bitte, wie heißen Sie?

 

Sam:           Sam.

 

Sumner:      Hören Sie, Sam, alter Freund. Ich muss eine Besorgung machen und Diane wartet solange hier. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie ein Auge auf sie hätten.

 

Sam:           Für Sie Sumner, alter Freund habe ich zwei Augen auf sie.

 

Diane:          Sumner, bin ich dumm, wenn ich dich zu einer Frau lasse, in die du mal verliebt warst?

 

Sumner:      Oh, Schatz, dafür lasse ich dich alleine in einer Bar. Wer von uns ist wohl dümmer, Sam?

 

Sam:           Das is’ ’n totes Rennen.

 

Sumner:      Also, jedenfalls, äh... setzt du dich jetzt an die Bar und plauderst mit Sam, während ich weg bin. Bevor du mich vermisst bin ich mit deinem Ehering wieder da.

 

Sumner küsst Diane zum Abschied und geht. Diane setzt sich an die Bar.

 

Sam:           Ihr Verlobter ist ’n netter Kerl.

 

Diane:          Hören Sie, Sie müssen keine Konversation mit mir machen.  Nehmen Sie’s mir nicht übel, aber ich unterhalte mich eigentlich nicht mit Bartendern.

 

Sam:           Das versteh’ ich, bei mir wollte auch mal einer einziehen.

 

Die Tür öffnet sich und der „Coach“ kommt hereingestürmt, er ist sehr aufgebracht. Er geht direkt hinter die Theke.

 

Coach:         Ist das eine Footballmannschaft!?

 

Sam:           Was ist denn Coach?

 

Coach:         Was ist? Die Patriots haben es wieder gemacht! Das ist der bisherige Tiefpunkt! Die hatten einen guten Tabellenplatz, stimmt’s Sam? Holen sie sich eine Verstärkung für das Backfield? Nein. Einen Aufreißer als Quarterback? Nein. Einen Linebacker holen die sich, Sam, einen Linebacker!

 

Sam:            [ruhig] Ich weiß nicht, Coach, ich hab’ gesehen wie ’n guter Linebacker ’ne Mannschaft rumreißt.

 

Coach:         Ja, ich auch. [sieht Diane, die in einem Buch liest] Oh, hallo.

 

Diane:          Guten Tag.

 

Coach:         [geht auf sie zu] Hoffentlich hat Ihnen niemand gesagt, dass der Bus hier hält.

 

Sam:           Nein, Coach, sie sitzt einfach ’ne Weile hier.

 

Diane:          Äh, entschuldigen Sie bitte. Es ist nicht meine Art, um Sonderbehandlung zu bitten, aber würden Sie es unterlassen meine Privatleben mit jedem zu diskutieren der reinkommt.

 

Sam:           Was soll ich ihnen denn sagen.

 

Diane:          Ach, das ist mir egal.

 

Sam:           Sie ist eine Nutte!

 

Coach:         [erfreut] Ach, ja?

 

Diane:          [herablassend] Danke.

 

Sam:           Gern geschehen.

 

Coach:         Carla kommt wieder zu spät.

 

Sam:           Jetzt ist Schluss.

 

Carla Tortelli kommt wie eine Furie durch die Eingangstür herein. Aufgebracht schreit sie durch die ganze Bar. Sie geht in Richtung Theke, legt ihre Tasche dort ab und geht in den Umkleideraum.

 

Carla:           Gut, ich komme zu spät! Mein Kind hat ja nur die ganze Wohnung vollgekotzt. Wenn du die Entschuldigung nicht annimmst, kündige ich, denn ich arbeite für keinen Mann, dem meine Kinder wurscht sind! Und es sieht ja auch nicht so aus als würde man dir die Bude einrennen! Ich bin gewöhnlich sehr pünktlich! Und wenn du sauer bist ist es mir recht, weil das hier sowieso kein toller Job ist! Ich zieh’ mich jetzt um!

 

Sam:           [zum Coach] Glaubst du ich war zu streng mit ihr?

 

Carla:           [kommt zurück] Hey, hallo Coach.

 

Coach:         Hallo, Carla. Du, die Patriots haben endlich den Linebacker, der ihnen gefehlt hatte.

 

Carla:           Drehst du durch? Die sind bis obenhin voll mit Linebackern!

 

Coach:         Du, da hast du recht. Die haben viel zu viele Linebacker, offen gesagt.

 

Carla:           [sieht Diane] Wow, das sehe ich gern. Eine Frau, die sich traut gleich ihr Gepäck dabei zu haben, wenn sie in eine Bar geht.

 

Sam:           Carla, sie möchte nicht gestört werden.

 

Carla:           So, dann bitte ihre Nasenspitze um Verzeihung.

 

Norm kommt zur Eingangstür herein und geht direkt zu seinem Stammplatz an der Theke.

 

Norm:                    Schönen Abend zusammen!

 

Alle:             Norm!

 

Sam:           Wie geht’s dir, Norm? Gibt’s was Neues?

 

Norm:                    Nicht genug. Du, Coach, was hältst du von der Pleite der Patriots?

 

Coach:         Vergiss es, Norm, die brauchen Linebacker, wie ich ’n Geweih.

 

Norm:                    Ja, ich sag’ dir der neue Linebacker bringt denen die Superbowl.

 

Coach:         Du, das ist gar nicht so unmöglich. Mensch, hab’ plötzlich ’n Kopfweh.

 

Norm:          Die Sox haben heute wieder verloren, Sam. Wie wär’s wenn du denen aus der Patsche hilfst, Kumpel?

 

Sam:           Nicht in meiner Verfassung, Norm.

 

Norm:          Oh, Sie, Miss? [schlägt auf die Theke; Diane schreckt hoch] Würden Sie nicht auch ausflippen, wenn Sammy mal wieder die Keule schwingt?

 

Diane:          Was schwingt?

 

Norm:          Wissen Sie nicht, wer das ist? Er war mal einer der besten Pitcher im Baseball. Samuel „Mayday“ Malone.

 

Coach:         Ich hab den Jungen trainiert. Angefangen bei der Kreisliga, bis hier bei den Red Sox. Er war einer der besten, die je dieses Spiel gespielt haben.

 

Sam:           Häng’s tiefer, Coach.

 

Coach:         Nein, ich mein’s ernst. Er war der Allerbeste, so sicher wie die Erde rund ist.

 

Sam:           Das glaubst du doch selber nicht.

 

Coach:         Nein, ich hab’s wirklich nie geglaubt, Sam. Bis ich diese Fotos aus dem Raumschiff sah.

 

Carla:           Ich sage Ihnen, Sam trickste eines Tages Cash, Cayline und Freehan aus. Mit einem Riesen-Run im zweiten.

 

Diane:          [desinteressiert] So.

 

Carla:           [zu Sam] Du, wie lange ist dieser Kongress in der Stadt?

 

Sam:           Carla, hör auf.

 

Diane:          Warum spielen Sie dann nicht mehr, wenn Sie so gut waren?

 

Sam:            Ich hab Schwierigkeiten mit dem Ellbogen bekommen. Ich hab’ ihn zu sehr strapaziert.

 

Diane:          Sie waren ein Trinker?

 

Coach:         [entrüstet] Na hören Sie mal, er war ein großer Trinker. Der Junge war in allem groß, was er getan hat.

 

Sam:           Ich war kein großer Trinker, ich war ein... guter Trinker.

 

Diane:          Sind Sie noch Trinker?

 

Sam:           Nein, ich hab’ seit drei Jahren nichts mehr getrunken.

 

Norm:          Ich bin stolz, dass du’s geschafft hast, Sammy! War sicher die Hölle! [prostet Sam zu]

 

Diane:          Warum haben Sie dann eine Bar?

 

Sam:            Als ich sie gekauft habe war ich Trinker und ich habe sie nicht weggegeben, weil ich sentimental bin.

 

Norm:                    Sie, Miss, was lesen Sie da? ’N Buch?

 

Diane:          [zum Coach] Entschuldigen Sie bitte, wo haben Sie die Toilette?

 

Coach:         Gleich neben meinem Schlafzimmer.

 

Sam:           Ganz hinten.

 

Coach:         Ach so.

 

Diane geht zur Toilette.

 

Carla:           Was hat Goldlöckchen für ’ne Geschichte, hä?

 

Sam:           Halt’ dich zurück.

 

Carla:           Ach, komm schon, Sam!

 

Norm:                    Du kannst sie uns doch erzählen, hä?

 

Alle:             Ja, genau. Los!

 

Coach:         Ruhe! Hört ihr wohl endlich auf! Sam ist sehr zurückhaltend in solchen Dingen. Dann sag’ ich es eben. Sie ist ’ne Nutte!

 

Sam:           Sie ist keine Nutte.

 

Coach:         Na gut, sie ist keine Nutte, Sam. Wenigstens keine gewöhnliche.

 

Sam:           Nein-nein, sie ist keine Nutte!

 

Coach:         Ich kenne keine feinere junge Dame. Irgendwann explodiert mein Kopf!

 

Sam:            Hör zu. Sie will einfach nicht, dass man sie stört. Sie wartet auf ihren Verlobten, die beiden fliegen heute Abend in die Karibik und heiraten dort, okay?

 

Diane kommt zurück. Allgemeiner Jubel brandet auf. Diane ist sichtlich verwirrt, geht

aber mit erhobenem Kopf wieder zu ihrem Hocker an der Theke.

 

Sam:           Sie haben denen gefehlt.

 

Szene 3 – Das Cheers

Später. Diane sitzt immer noch an der Theke und wartet. Auch Norm trinkt immer noch Bier.

 

Coach:         Noch ’n Bier, Norm?

 

Norm:                    Ja, ich zisch’ noch schnell eins, Coach. Danke.

 

Carla:           [zu Diane] Er ist wohl noch nicht gekommen?

 

Diane:          Nein.

 

Carla:           Warum gehen Sie ihm nicht gleich stiften?

 

Diane:          [gehässig] Sie sind ein verbittertes Frauchen, oder?

 

Carla:           [wütend] Ja, aber ich hab’ auch das Recht dazu. Mein Alter hat mich mit vier Kindern sitzen lassen.

 

Diane:          Vier Kindern?

 

Carla:           Genau. Und das, nachdem ich sein Schulgeld hier sauer verdient habe.

 

Diane:          Welche Schule hat ihr Gatte denn besucht?

 

Carla:           [stolz] Die Coletti-Akademie. [Diane guckt unwissend] Fernsehreparatur. Und kaum hatte er seinen Abschluss, hat er sich verpfiffen! Er sagt, ich passe nicht zu den Frauen der anderen Fernsehreparateure. Großkotz!

 

Diane:          Er ist wohl ein Ekel?

 

Carla:           [winkt ab] So übel ist er auch wieder nicht. Wenn er meinen Fernseher repariert, berechnet er nur die Ersatzteile.

 

Das Telefon klingelt.

 

Norm:                    Wenn’s meine Frau ist, ich bin schon weg.

 

Coach:         [am Telefon] Cheers. Ja, warten Sie. Ist ein Ernie Pantusso hier?

 

Sam:           Das bist du, Coach.

 

Coach:         Ich bin da.

 

Carla:           [zu Sam] Ich möchte zwei Bier vom Fass und ein Scotch on the rocks. Du, da drüben streitet sich ’ne Gruppe, welcher Film der Verschwitzteste aller Zeiten ist.

 

Norm:                    Der was?

 

Carla:           In welchem Film am meisten geschwitzt worden ist.

 

Norm:                    Das ist leicht: [ruft in die Bar] Rocky II.

 

Cliff:           Nein, nein, da liegst du falsch. Pornofilme!

 

Mann 1:       9 1/2 Wochen

 

Mann 2:       Ben Hur. Die Männer auf der Galeere schwitzen wie die Schweine.

 

Norm:                    Alien, das ist Alien. Eimerweise.

 

Diane:          [niedergeschlagen] Das ist der Abend vor meiner Hochzeit und ich befinde mich in einem Schwitzwettstreit.

 

Cliff:            Da wir gerade von Schweiß sprechen. Wisst ihr, was wenig bekannt ist – Frauen haben weniger Schweißdrüsen als Männer, aber sie sind größer und arbeiten mehr.

 

Coach:         Menschliche Körper, hä?

 

Cliff:           Ja, und... folglich schwitzen sie auch mehr.

 

Norm:                    Wirklich?

 

Cliff:           Klar! [zu Diane] Was ist mit Ihnen, Miss? Wie sind ihre Transpirationswerte?

 

Die Tür öffnet sich und Sumner kommt herein. Diane läuft ihm erfreut entgegen.

 

Diane:          [erleichtert] Oh Sumner! Oh, ich bin so froh, dass du da bist. Ich hab’ hier die ganze Zeit zuhören müssen, wie man sich über den verschwitztesten Film aller Zeiten gestritten hat.

 

Sumner:      Frankensteins Tochter

 

Cliff:           Hey, das ist gut!

 

Diane:          Was war denn mit dir? Du hast gesagt zehn Minuten und es war über eine Stunde!

 

Sumner:      Diane, diese Frau ist ganz unglaublich.

 

Diane:          Hat sie dir den Ring gegeben?

 

Sumner:      Ich konnte ihn nicht annehmen.

 

Diane:          [packt ihre Handtasche] Wir müssen jetzt zum Flugzeug, ja?

 

Sumner:      [umfasst ihre Arme] Diane, ich liebe dich. Aber als ich bei Barbara war, wurde etwas in mir aufgewühlt.

 

Diane:          Darüber sprechen wir auf dem Flug nach Barbados.

 

Sumner:      Ich kann nicht nach Barbados fliegen, wenn ich so verwirrt bin.

 

Diane:          Sumner, das wird schon gehen. Der Pilot kennt den Weg.

 

Sumner:      [lacht] Ich liebe deinen Humor! Ach, du bist ein wundervolles Kind.

 

Diane:          Gehen wir nach Barbados.

 

Sumner:      Gehen wir nach Barbados.

 

Sie küssen sich.

Das Telefon klingelt.

 

Carla:           [in die Bar] Wer ist nicht hier?

 

Alle:             Ich!

 

Carla:           [am Telefon] Cheers. Augenblick. [zu Sumner] Hey, wenn es nicht so ist, bitte ich um Entschuldigung. Ist Ihr Name Sumner Sloane?

 

Sumner:      Genau.

 

Carla:           [lacht wiehernd] Ahhahaha, Sloane!

 

Sam nimmt ihr den Hörer ab und gibt ihn Sumner.

 

Sumner:      Hallo? Ah, nein-nein-nein, das ist schon gut so. Sie versteht das und ich verstehe es. Oh, Barbara, das ist sehr großherzig von dir, ich komme gleich rüber. Und Barbara... deine Großmut macht mir Angst. Sie besteht darauf, dass du den Ring kriegst.

 

Diane:          Sumner, dann bekommen wir unser Flugzeug nicht mehr!

 

Sumner:      Du rufst an und buchst einen späteren Flug. Ich gehe jetzt und hole den Ring von Barbara.

 

Er wendet sich zum Gehen.

 

Diane:          Sumner?

 

Sumner:      Ja?

 

Diane:          Wie wäre es mit einem Kuss?

 

Sumner:      Vielleicht. Ich entscheide es spontan. [geht]

 

Während dieser Szene herrschte in der Bar Schweigen. Diane dreht sich um und geht mit gesenktem Kopf zurück in Richtung Theke. Alle Gespräche fangen wieder an.

 

 

Szene 4 – Das Cheers

Später. Es sitzen nur noch vereinzelte Gäste in der Bar. Diane sitzt ebenfalls noch an der Theke. Norm hat den Kopf auf die Arme gelegt und schläft.

 

Carla:           [zu Diane] Hey, Kopf hoch, Schätzchen. Vielleicht hat er ja ’n Unfall gehabt.

 

Coach:         [kommt aus der Umkleide] Ich verzieh’ mich dann, Sam. Ich geh’ nach Hause zu meinem Buch.

 

Sam:           Bist du noch an diesem Roman, Coach?

 

Coach:         Ja, schon im sechsten Jahr jetzt. Ich hab’ das Gefühl, heut’ Nacht wird ich damit fertig. 

 

Diane:          [interessiert] Sie schreiben einen Roman?

 

Coach:         Nein, ich lese ihn.

 

Sam:           Warte noch, Coach. Bring’ doch gleich Norm nach Hause.

 

Alle:             Norm!

 

Norm:          [schreckt hoch] Ich bin auf, ich bin auf. Also gut, noch ’n schnelles, aber dann muss ich mich verpissen, Sam.

 

Sam:           Nein, nein. Besser der Coach bringt dich heim.

 

Coach:         Komm, ich nehm dich mit.

 

Norm:                    Also gut, danke. Gute Nacht, Sam.

 

Sam:           Gute Nacht.

 

Norm:                    Du Coach, wir machen noch irgendwo Halt und zischen ’n Bier, ja?

 

Sie gehen in Richtung Tür- Norm hat einen Arm um den Coach gelegt.

 

Coach:         Komm her. Sag mal, du bist jeden Abend hier, fragt sich deine Frau eigentlich nie, wo du bist?

 

Norm:                    Sie fragt sich, es ist ihr wurscht, aber sie fragt sich.

 

Ron:            Gute Nacht, Sam und danke, dass du mir zugehört hast. [geht]

 

Sam:           Schon gut, Ron. Gute Nacht.

 

Diane:          Sie haben bestimmt die Nase voll davon, dass man sich hier ausweint, hä?

 

Sam lacht, antwortet aber nicht.

 

Diane:          Warum sprechen die Leute wohl mit Bartendern über ihre Probleme? Das ist doch traurig, oder nicht?

 

Sam:           Ja.

 

Diane:          Diese armen Teufel haben niemanden auf der Welt, bei dem sie sich ausweinen können, außer einem Fremden, der ein paar Drinks ausschenkt. Ich hab’ Sumner vor zwei Jahren kennen gelernt. Ich war so geschmeichelt, als er... als er sich überraschenderweise mich als Assistentin ausgesucht hat. Ich habe immer noch sehr viel Respekt vor ihm. Er ist bestimmt der... brillanteste Mann, den ich kenne. In den vergangenen zwei Jahren war er das Wichtigste, das es gab in meinem Leben. [weint] Und jetzt könnte ich ihn vielleicht verlieren.

 

Sam:            Oh nein-nein, hören Sie auf. Sie sind... sie sind eine sehr attraktive junge Dame.

 

Diane:          Danke.

 

Sam:            Ja, gut. Hören Sie, sie finden ganz bestimmt einen viel besseren als diesen doofen Professor.

 

Diane:          [entsetzt] Doofen? Sie reden über Sumner.

 

Sam:           Ich rede über Sumner.

 

Diane:          Sie mögen Sumner nicht.

 

Sam:           Nein, ich mag Sumner nicht.

 

Diane:          Wissen Sie, warum Sie Sumner nicht mögen?

 

Sam:           Weil er doof ist.

 

Diane:          [verteidigend] Nein! Weil er alles ist, was Sie nicht sind. Er ist wohlerzogen, er ist hochgebildet, er ist vornehm, ein Weltmann, er ist - 

 

Sam:           Sie haben doof ausgelassen.

 

Diane:          Nein, ausgelassen hab’ ich doof nicht!

 

Sam:           Sie wären noch dazu gekommen.

 

Diane:          [aufgebracht] Ach, das war ja zu erwarten. Diesen Doofmann finden Sie eines Tages auf dem Titelblatt der Literaturbeilage.

 

Sie greift sich ihren Koffer, steht auf und will gehen.

 

Sam:            Diesen Doofmann finde ich vielleicht morgen an einem Strand von Barbados, wie er seine Ex-Frau mit Sonnenöl einreibt.

 

Diane:          Ich hatte einen sehr schweren Tag und ich werde mich jetzt dafür entschädigen, indem ich ihr Lokal verlasse. Wenn Sumner kommt, sagen Sie ihm bitte, ich wäre zuhause.

 

Sam:           Gut.

 

Sie geht in Richtung Tür, plötzlich fällt ihr etwas ein.

 

Diane:          Ich hab’ schon wieder vergessen die Buchung zu ändern.

 

Sam:           [stellt das Telefon auf die Theke] Hier, bedienen Sie sich.

 

Diane:          Danke.

 

Diane:          [am Telefon] Äh, ja, ich möchte gern die Buchung ändern für Mr. und Mrs. Sumner Sloane, Flug 481 nach Barbados. Wirklich? Sind Sie, sind Sie... sicher. Äh, nein, danke.

 

Sam:           Es tut mir Leid.

 

Diane:          [aufgebracht] Woher wussten Sie das?

 

Sam:           Bartender Intuition.

 

Diane:          [sarkastisch] Was für eine Schande. Ein so scharfer Beobachter der menschlichen Natur steht hinter einer Bar.

 

Sam:           Das finde ich eben auch.

 

Diane:          Tja, dann setzen Sie ihre bemerkenswerte Begabung doch mal für mich ein und sagen mir, wie die Zukunft für mich aussieht?!

 

Sam:            Ich werde das wahrscheinlich mal bereuen, aber... Sie könnten hier arbeiten.

 

Diane lacht.

 

Carla:           Sam?

 

Sam:           [zu Diane] Würden Sie damit aufhören!?

 

Carla:           [zu Sam] Ich will zwei Wodka Gimlets, einen pur, einen mit gestoßenem Eis, Chevas Ice, Soda, ein Comfort Manhattan ohne Kirsche, eine Weißweinschorle mit mehr Wasser und einen entkoffeeinierten Irish Coffee ohne Zucker.

 

Diane:          Was bringt Sie auf die Idee, dass ich je in einem solchen Lokal arbeiten könnte?

 

Sam:            Ziemlich einfach – Sie können nicht mehr bei Ihrem Professor arbeiten, ich suche eine Bedienung, Sie suchen einen Job, Ihnen gefallen die Leute hier und Sie glauben, dass Sie denen gefallen. Und die Bezeichnung „prachtvoller Schwindler und Betrüger“ ist Ihnen nie aus dem Kopf gegangen.

 

Diane:          [knallt ihre Tasche auf die Theke und stemmt die Hände ein die Hüften; wütend] Jetzt hören Sie zu, Freundchen! Ja, ich suche einen Job. Und ich werde einen finden. Und Sie können darauf wetten, dass ich dabei niemanden bediene!

 

Sie nimmt ihre Tasche von der Theke, dreht sich um und geht.

 

Sam:           Was können Sie eigentlich?

 

Diane:          Gar nichts! Aber irgendwo gibt es einen Job, für den ich geeignet bin und der für mich geeignet ist. Ich werde ihn finden und wenn es soweit ist, werde ich es wissen!

 

Sam:           Carla, was wolltest du?

 

Diane:          Zwei Wodka Gimlets, einen pur, einen mit gestoßenem Eis, einen Chevas Ice, Soda, ein Comfort Manhattan ohne Kirsche, eine Weißweinschorle mit mehr Wasser, einen... entkoffeeinierten... Irish... Coffee... ohne... Zucker.

 

 

Szene 5 – Das Cheers

Der nächste Tag. Das Cheers hat geöffnet, Sam steht hinter der Theke, Diane steht an der Theke und redet mit Sam. Ein Paar betritt die Bar.

 

Sam:           Dein erster Gast.

 

Diane:          Wünsch mir Glück.

 

Sam:           Glück.

 

Diane geht mit einem Lächeln im Gesicht auf die Gäste zu und führt sie zu einem Tisch.

 

Diane:          Hallo, willkommen im Cheers. Mein Name ist Diane, ich werde Sie bedienen. Bitte setzen Sie sich doch gleich hier hin. Wissen Sie, ich sollte Ihnen prophylaktisch vielleicht sagen, dass Sie… dass Sie die ersten Gäste sind, die ich hier bediene. Ehrlich gesagt, wenn mir einer noch vor einer Woche gesagt hätte, das ich das tun würde, hätte ich ihn glatt für verrückt erklärt. Als-als Sam mir diesen Job angeboten hat, habe ich ihn einfach ausgelacht. [setzt sich an den Tisch] Aber dann dachte ich mir, reiß dich zusammen. Ich bin ja Studentin, nicht ganz im akademischen Sinn, aber eine Studentin des Lebens. Und wo kann ich besser als hier das Leben in seinen vielfältigen Facetten studieren? Die Menschen treffen sich in Bars, sie trennen sich, sie freuen sich, sie leiden. Sie kommen hierher um sich mit ihresgleichen zu treffen. Was darf ich Ihnen bringen?

 

Schwedischer Gast:        [mit einem Wörterbuch in der Hand] Wo ist Polizei, wir haben verloren Gepäck.

 

 

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